Wenn Codonaster durch die freiliegenden Hydrospirenschlitze noch eine
bemerkenswerthe Verwandtschaft mit den Cystoidea aufweist, so entfernt
sich die folgende Gattung weit mehr von den Cystoideen und bildet den
eigentlichen Typus der Blastoidea:
Pentatremites Say (Fig. 182 A-K). Auf einem kurzen, gegliederten
Stiele erhebt sich der knospen- oder birnförmige Kelch, welcher aus 3
ungleichen Basalia (b), 5 gleichen Radialia (r) oder Gabelstücken und
5 kleineren, schmalen Interradial- oder Deltoidtafeln (ir) besteht.
Letztere reichen bis zu dem abgestutzten Scheitel und umgrenzen die
fünfseitige, centrale Mundöffnung (F c). Die 5 gleichen Ambulacra (ps;
F α-ε) sind breit, blattförmig; sie schneiden tief in die Radialia (E
r) ein. Die Seitenränder der Gabel- und Deltoidtafeln sind abgeschrägt
(F x) und quer gerieft. Nach Entfernung der Pinnulae (C p, D), welche
aus einer Doppelreihe kleiner alternirender Tafeln zusammengesetzt
sind (D), an den Seiten des Ambulacrums stehen und sich nach der
Mitte desselben convergirend zusammenlegen (C, F α), sieht man das
Ambulacrum von einer langen, dreieckigen Platte, dem Lanzettstück (F
l), und jederseits desselben von einer Reihe backsteinartig an einander
gestellter Seitenplatten (I pl) und noch schmälerer, durchbohrter, sog.
Porenplatten (I) eingeschlossen. Das Lanzettstück besitzt eine mediane
Furche (I f) -- ursprünglich von einer Doppelreihe kleiner Plättchen
bedeckt -- und Querstreifen (F β), erscheint verwittert aber glatt (F
γ, δ). Die Pinnulae stehen auf kleinen Erhöhungen zwischen den Poren
der Aussenseitenplatten. Durch die Tafeln des Ambulacrums werden die
Hydrospiren ganz verdeckt. Unter jedem Ambulacrum liegen im Innern des
Kelches, wie Figur K zeigt, 2 Bündel hohler Kalkfalten (K bd, F bs, H),
die am unteren Ende des Ambulacrums mit den Radialia (K r), am oberen
mit den Interradialia verbunden sind, also in ähnlicher Weise, wie
bei Codonaster, nahezu senkrecht zu der Naht zwischen beiden Tafeln
gestellt sind (F ε). Die Schlitze der Hydrospirenfalten verlaufen
parallel mit dem Ambulacrum (F ε). Die Schlitze der Hydrospiren
werden durch die Lanzetttafel, die Seiten- und Aussenseitenplättchen
und durch eine lineare, unter der Lanzetttafel gelegene sog. untere
Lanzetttafel verdeckt, sie münden deshalb in einen Canal, welcher in
radialer Richtung unter den Decktafeln bis in die Nähe des Centrums
verläuft, wo dessen Mündung in geringer Entfernung vom Munde liegt.
Die 2 benachbarten Hydrospirencanäle zweier Ambulacren münden zusammen
in einer grösseren Oeffnung, Spirakel genannt (F o), die zu 5 den Mund
umgeben. Den Boden der Spirakel bilden die schaufelförmig gerundeten
Enden der Deltoidplatten. Die Seitenplatten reichen, wie an gut
erhaltenen Stücken zu sehen ist, über die Spitze der Lanzetttafel (F sp
-- die Platten sind ausgefallen) hinaus und begrenzen die Spirakel nach
aussen. Durch eine zahnförmig vorspringende Spitze der Deltoidplatte
wird die einfache Spirakelöffnung oft getheilt (F β-γ). Die hintere
Spirakelöffnung enthält zugleich die Afteröffnung und ist deshalb meist
durch etwas grösseren Durchmesser vor den vier paarigen ausgezeichnet.
Mund und Spirakel werden zuweilen mit einer Plattenbedeckung beobachtet
(G c’, o’), die als ein Homologon der Ventralkapsel der Crinoidea zu
deuten ist, während die Hydrospiren als homolog mit den Bursae der
Ophiurae angesehen werden und wahrscheinlich die doppelte Function als
Athmungsorgane und als Leitungswege für die Geschlechtsorgane erfüllten.
[Illustration: Fig. 182. A-K Pentatremites und verwandte Formen.
A Troostocrinus Reinwardtii Troost. sp. Obersilur. Tennessee. B
Pentatremitidea Eifeliensis F. Rö. sp. Mitteldevon. Eifel. C, D, I, K
Pentatremites sulcatus F. Rö. Subcarbon. Nordamerika. E, F P. Godoni
Dfr. sp. Subcarbon. Ebendaher. G, H P. conoideus Hall. Subcarbon.
Nordamerika. A-C Kelche von der Seite. b = Basalia; r = Radialia; ir =
Interradialia (Deltoidtafeln); ps = Ambulacra; p = Pinnulae. In Fig. C
bezeichnet r den vorderen, unpaaren Radius. D eine einzelne Pinnula. E
ein zerlegter Kelch. Die mittlere Radialtafel ist die vordere unpaare.
F Kelchansicht von oben. c = Mund; o = Spirakel; α-ε Ambulacra; α =
A. mit Pinnulae; β = ohne Pinnulae, das quergestreifte Lanzettstück
sichtbar; γ = das angewitterte (glatte) Lanzettstück (e) von den
kleinen Seitentafeln begrenzt; δ = Lanzettstück (l) allein und die
abgeschrägten Seitenränder der Kelchtafeln (x) sichtbar; sp = Spitze
des Lanzettstückes; ε = Lanzettstück und Seitentafeln entfernt, so
dass die Hydrospirenfalten (bs) sichtbar werden. G Scheitel mit den
erhaltenen Deckplatten der Spirakel (o’) und des Mundes (c’). H ein
Hydrospirenpaar. I Lanzettstück mit Mittelfurche (f), Querstreifung auf
der linken Hälfte und mit den Seitenplatten (pl), zwischen denen die
Poren hervortreten; ps = Spitze des Lanzettstückes. K Horizontalschnitt
durch einen Kelch, um die Lage der Hydrospiren (bd) unter dem
Lanzettstück (l) und den Seitenplatten (pl) zu zeigen.]
Pentatremites ist auf das Subcarbon Nordamerikas beschränkt.
P. Godoni Dfr. sp. (= florealis Say) (Fig. 182 E, F).
P. sulcatus Rö. (Fig. 182 C, D, I, K).
P. pyriformis Say (Leth. pal., t. 41, Fig. 6).
P. conoideus Hall. (Fig. 182 G, H).
Pentatremitidea d’Orb. (Fig. 182 B) besitzt eine verlängerte Gestalt,
von der Seite kaum sichtbare Deltoidtafeln und schmale, lineare
Ambulacren, deren Lanzettplatten durch die Seitenplättchen gänzlich
verdeckt werden (ps). Ausschliesslich devonisch. Europa und Nordamerika.
P. Eifeliensis Rö. (Fig. 182 B). Mitteldevon. Eifel.
Troostocrinus Shum. (Fig. 182 A) zeigt die erwähnten Merkmale von
Pentatremitidea noch in erhöhtem Maassstabe, ist aber ausserdem durch
seine Spirakel unterschieden, die nicht von Seitenplättchen nach
aussen hin begrenzt werden, sondern nur Schlitze in den Deltoidtafeln
darstellen. Obersilur, vielleicht auch Carbon.
Tr. Reinwardtii Troost. sp. (Fig. 182 A). Obersilur. Nordamerika.
Die Blastoidea erscheinen zuerst im Obersilur Nordamerikas
(Troostocrinus) in spärlichen Vertretern, werden im Devon durch
Pentatremitidea und einige ausschliesslich amerikanische Gattungen
repräsentirt und zeigen zur Zeit des Subcarbons ihre stärkste
Entfaltung in 14 Gattungen, die meist in Nordamerika und England
gefunden werden. Die formenreichste derselben, Pentatremites, ist
aber auf Nordamerika beschränkt. In gewissen Schichten des Subcarbons
(Chester-Gruppe, zu welcher der Pentremites-Kalkstein, der obere
Archimedes- oder Kaskaskia-Kalkstein gerechnet werden) gehört sie zu
den häufigen Fossilien, während sonst Blastoideen überhaupt nur zu den
gelegentlichen Vorkommnissen gezählt werden können.