Litteratur über Cystoidea.
Barrande, J. Syst. silur. du centre de la Bohème. Vol. VIII Cystidées,
publié par W. Waagen. Prag. 1887. Litteraturverzeichniss bis 1887.
Unter dem Namen Cystoidea fasst man die Mehrzahl derjenigen fossilen
Echinodermen zusammen, welche sich nicht ohne Weiteres in eine der 4
Klassen der Echinoidea, Ophiuroidea, Asteroidea, Crinoidea einreihen
lassen, obgleich manche eine bemerkenswerthe Verwandtschaft mit
denselben aufweisen. Der Name »Beutelstrahler« bezeichnet die meist
beutelförmige Gestalt dieser Fossilien.
Der Körper (oder Kelch) der Cystoidea besitzt meist eine kugelige oder
eiförmige, seltener knospenförmige oder platte Gestalt und verlängert
sich gewöhnlich nach unten in einen gegliederten Stiel von geringer
Länge. Die Kalktafeln, welche den Kelch aufbauen, können sehr zahlreich
sein, in welchem Falle sie meist ohne Ordnung zusammengefügt erscheinen
(Fig. 172 A), oder ihre Zahl ist beschränkt, wie bei den Crinoidea,
und sie ordnen sich zu regelmässig alternirenden Kränzen (Fig. 179).
Wenn freie Anhänge (Arme) vorhanden sind, so zeichnen sie sich stets
durch grosse Einfachheit und geringe Länge aus (Fig. 178). An dem dem
Stiele, resp. der Anheftungsstelle des Kelches gegenüber liegenden
Pole zeigt sich fast immer eine centrale Oeffnung, der Mund (Fig. 172
A o). Von demselben strahlen häufig offene oder mit Plättchen belegte
Ambulacralfurchen aus, welche als Radien aufzufassen sind (Fig.
173 A af). Eine zweite, excentrisch gelegene, gewöhnlich mit einer
Klappenpyramide geschlossene Oeffnung (Fig. 172 A a) wird als After
gedeutet. Zuweilen gesellt sich noch eine dritte, kleine, seitliche
Oeffnung hinzu, welche vielleicht zum Austritt der Geschlechtsproducte
diente und Ovarialöffnung heisst (Fig. 172 A g). Die Kelchtafeln
sind selten dicht, vielmehr meist von feinen Poren durchbohrt.
Letztere stehen entweder zu zweien dicht neben einander gruppirt --
»Doppelporen« (Fig. 173 B) -- oder zu sog. »Porenrauten« vereinigt
(Fig. 172 D p). Mit diesem Namen bezeichnet man eine Gruppe von Poren,
die zu der Umrissfigur einer Raute sich vereinigen und auf zwei
benachbarte Kelchtafeln in symmetrischer Stellung sich vertheilen. Eine
Tafelnaht (c) läuft somit in der Richtung einer Diagonale des Rhombus
(p). Je zwei symmetrisch zu der Naht gestellte Poren werden durch einen
feinen Canal verbunden, der aber ebensowenig wie die Poren selbst eine
direkte Verbindung des Kelchraumes mit der Aussenwelt bildet, vielmehr
nur dem Wasser Durchtritt gestattet. Diese Porenapparate dienten
wahrscheinlich zur Respiration; sie werden als Hydrospiren bezeichnet.
[Illustration: Fig. 172. A-D Echinosphaerites aurantium His. sp.
Untersilur (Echinosphäritenkalk). Pulkowa bei Petersburg. A der
Körper von der Seite mit der vorgezogenen Anheftungsstelle (b), der
auf einer halsartigen Verlängerung (h) befindlichen Mundöffnung (o),
der durch eine Klappenpyramide geschlossenen Afteröffnung (a) und der
Ovarialöffnung (g). B Mund von oben mit getäfelten Ambulacralfurchen
(am). C Afterpyramide. D einige Kelchtafeln mit den Porenrauten (p),
deren Verbindungscanäle über die Tafelnähte (c) übergreifen.]
Die Cystoidea sind eine sehr alte Klasse der Stachelhäuter, deren
Maximalentwickelung bereits in die ältere Silurzeit fällt, und die mit
dem Ende der paläozoischen Periode verschwinden. Ihre mannigfaltigen
Beziehungen zu den genannten vier jetzt lebenden Klassen lässt folgende
provisorische Classification derselben am passendsten erscheinen:
A. Keine scharfe Grenze zwischen Ober- und Unterseite des
Kelches vorhanden. Keine deutlichen freien Arme, dagegen meist
Ambulacralfurchen oder -felder entwickelt (Fig. 173-176).
a. Platten entweder zahlreich und unregelmässig oder wenig zahlreich
und nach Art der Kelchplatten der Crinoiden in abwechselnde Kränze
geordnet (Fig. 173, 174) 1. Eucystoidea.
b. Ein Theil der Kelchplatten in meridionale Reihen geordnet (Fig.
175, 176) 2. Cystechinoidea.
B. Ober- und Unterseite des Kelches verschieden gestaltet. Häufig freie
Arme nach Art der Crinoiden entwickelt (Fig. 177-180).
a. Kelch platt, mit 5 auf einer Scheibe festgewachsenen Armen
(Fig. 177) 3. Cystasteroidea.
b. Kelch becherförmig. Freie Arme an der Grenze der Ober- und
Unterseite (Fig. 178-180) 4. Cystocrinoidea.