2. Ordnung Neocrinoidea.

Der Kelch der Neocrinoidea oder Crinoidea der Neuzeit besteht nur

aus einer festen Dorsalkapsel, eine eigentliche Ventralkapsel fehlt

fast ganz, die Kelchdecke enthält meist nur 5 sog. interradiale

Oralplatten. Spricht sich in dem Bau des Kelches der Palaeocrinoidea

eine zweiseitige Symmetrie aus -- durch die Ausbildung des

Analinterradius, durch die oft nicht nach der Fünfzahl angeordneten

Tafeln der Basis oder durch die ungleiche Entwickelung der Arme --

so zeigen die Neocrinoidea durch das fast vollständige Fehlen von

interradialen Tafeln und die gleichartige Entwickelung der Arme einen

weit regelmässigeren fünfstrahligen Bau, so dass man sie auch wohl als

Regularia den älteren Irregularia gegenüber gestellt hat. Die Arme sind

in der Regel sehr stark entwickelt, und das erste Armglied gelenkt

immer mit dem Radiale, was bei den Palaeocrinoidea selten der Fall ist.

In den Radialien und Armgliedern verlaufen stets sog. Axillarcanäle.

Von der Trias bis zur Gegenwart.

Fam. Encrinidae (Fig. 165 A-J).

Hierher gehören nur triadische Formen. Die bekannteste Gattung ist:

Encrinus Mill. (Fig. 165 A-J). Kelch niedrig, schüsselförmig, regulär

fünfseitig, aus 5 kleinen, versteckten Infrabas. (if), die einen

fünfstrahligen Stern bilden, 5 grösseren Parabasalia (pb) und 5

grossen, halb seitlich gestellten Radial. (r) aufgebaut. Ueber dem

ersten Radiale (r) folgen noch 2 weitere, einfache Tafeln (br I und

br II), die man als erste und zweite Brachialia oder als zweites und

drittes Radiale bezeichnen kann. Darüber beginnt die Armtheilung. 10

anfangs einzeilige, weiter oben zweizeilige Arme bilden mit dem relativ

kleinen Kelche zusammen die Krone, welche im geschlossenen Zustande die

Pinnulae (F p) ganz verhüllt. Die ersten Radialtafeln (r) sind dick,

oben abgestutzt und mit den zweiten Radialien (br I) durch Gelenkung

verbunden. Von oben betrachtet (C) zeigen die ersten Rad. schräge,

glatte Gelenkflächen, die je von einer tiefen Querfurche (f) und einer

mehr nach innen gelegenen Querleiste (l) der Breite nach durchzogen

sind. Nach innen zu schliessen sich an jede Tafel 2 rauhe, lippenartige

Fortsätze an, welche als Anheftungsstelle für Muskeln dienten

(Muskelplatten, m). Ausserdem findet sich noch eine Gelenkverbindung

zwischen dem dritten Rad. (br II) und den ersten paarigen eigentlichen

Armgliedern, sowie zwischen allen Armgliedern mit Ausnahme des

ersten und zweiten. Die Gelenkvorrichtung ist im Wesentlichen eine

Wiederholung der bei dem ersten Rad. besprochenen. Alle Kelchtafeln

sind durch Nähte (ohne Muskeln) mit einander verbunden. Die Armglieder

(F agl) sind stets breiter als hoch; von jedem zweigt sich eine lange,

gegliederte Pinnula (F p) ab. Ausser den weiten Ambulacralcanälen (G

a), welche auf der Ventralseite der Radial- und Armglieder verlaufen,

werden die Kelche und Armtafeln noch von einem System feinerer, sog.

Dorsalcanäle durchzogen, welche bei den Neocrinoidea regelmässig, bei

den Palaeocrinoidea selten vorhanden sind. Bei Encrinus (E) beginnen 5

offen liegende Canäle an der Grenze von Infrab. (if) und Parabas. (pb);

sie theilen sich in der Mitte jedes Parabas. dichotom (c₂), indem die

beiden Aeste in verschiedene Radialtafeln sich fortsetzen, so dass

jedes Rad. von 2 getrennten, convergirenden Canälen durchzogen wird.

Vor ihrem Austritte aus dem Rad. (C c₂) vereinigen sie sich seitlich

mit einem Ringcanale (rc). In den beiden folgenden Rad. (br I, br II)

divergiren sie (G c₂) und verzweigen sich zu je 2 Theilcanälen, die

sich kreuzen (c₃) und in die Armglieder fortsetzen.

[Illustration: Fig. 165. A-J Encrinus liliiformis Lmk. Oberer

Muschelkalk. A Kelch mit Stiel (st) und geschlossenen Armen. B

Wurzel mit dem Stielansatze. C Kelch von oben gesehen, so dass die

Gelenkflächen der Radialia mit ihrer äusseren Querfurche (f), der

Querleiste (l) und den rauhen Muskelplatten (m) sichtbar werden;

c₂ = die beiden Dorsalcanäle. D Kelch von unten. E Verlauf der

Dorsalcanäle in den Kelchtafeln. Die Grenzen der Tafeln sind durch

feine volle, die freiliegenden Canäle durch starke volle und die in

den Tafeln laufenden Canäle durch punktirte Linien angedeutet. c =

Centralcanal; c₂ = Gabelung des Interradialcanals; c₃ = Kreuzungspunkt

der Canäle im dritten Radialgliede (br II); rc = Ringcanal. F

Armende mit den pinnulae (p); agl = Armglieder. G obere Nahtfläche

des zweiten Radialgliedes (br I); a = Ambulacralcanal; c₂ = die

paarigen Dorsalcanäle. H, J zwei Stielglieder mit radialen Strahlen

und Centralcanal (c); if = Infrabasalia; pb = Parabasalia; r = erste

Radialia; br I = zweite Radialia (= erste Brachialia); br II = dritte

Radialia (= zweite Brachialia).]

Der lange Stiel (st) haftete mit einer lappigen Wurzel (B) auf

Muschelschalen etc. Die Stielglieder (Trochiten) sind rund, radial

gestreift oder gerippt (H, J) und mit rundem Centralcanal versehen (H

c). In der Nähe der Krone ordnen sie sich rosenkranzförmig (A st). Die

unteren Schichten des oberen Muschelkalks (Trochitenkalk) bestehen zum

grossen Theil aus den isolirten Stielgliedern von Encrinus.

Die Gattung findet sich in mehreren Arten in der Trias, hauptsächlich

im Muschelkalke Deutschlands, des östlichen Frankreichs, der Schweiz

und Polens.

Die weitaus häufigste Art ist: E. liliiformis Lmk. (Fig. 165 A-J).

Selten in der oberen Abtheilung des unteren, sehr häufig in der

unteren Abtheilung des oberen Muschelkalks (Trochitenkalk).

E. (Dadocrinus) gracilis v. B. Unterer Muschelkalk. Deutschland,

Südalpen (Vicentin). Oberer Muschelkalk (untere Abtheilung).

Schlesien, Polen.

Ausserdem noch 7 oder 8 verwandte Arten aus dem Muschelkalke bekannt.

[Illustration: Fig. 166. A-B Marsupites ornatus Mill. Unteres Senon.

England. A ein Kelch mit dem unteren Theile der Arme. B Schema des

Kelches; cd = Centrodorsale; ib = Infrabasalia; pb = Parabasalia; r =

Radialia; br I, br II = erste und zweite Brachialia (oder zweite und

dritte Radialia); agl = Armglieder.]

Wenn Encrinus wegen des Fehlens einer Ventralkapsel und wegen seines

regulären Baues nicht mit Unrecht zu den Neocrinoidea gestellt wird,

so deuten andere Charaktere, wie namentlich die dicyclische Basis, und

die Zweizeiligkeit der Arme -- die bei keinem anderen Vertreter der

Neocrinoidea sich wiederholen -- auf eine Verwandtschaft mit gewissen

Poteriocrinidae hin, weshalb die Gattung auch wohl von manchen Autoren

den Inadunata angeschlossen wird. Eine ähnliche Mittelstellung nimmt

auch die Gattung:

Marsupites Mant. (Fig. 166 A, B) aus der Kreide ein. Der stiellose

Kelch ist äusserst regelmässig gebaut (B), indem er sich aus einer

undurchbohrten Stiel- oder Centrodorsalplatte (c), 5 Infrabas. (if),

5 Parabas. (pb) und 5 Radial. mit hufeisenförmig ausgeschnittener

Gelenkfläche (r) zusammensetzt. Die dicyclische Basis und die

Ausschnitte der Radial. erinnern an die Cyathocrinidae. Auch sind

die Kelchtafeln dünn und mit Ausnahme der Radialia nicht von Canälen

durchzogen -- ein fremdartiger Charakter unter den Neocrinoidea. Bei

guter Erhaltung zeigen die Kelchtafeln eine feine, radiale Sculptur;

nach Ablösung der obersten Schicht wird eine ähnliche, gröbere

sichtbar. Die mehrfach verzweigten Arme relativ klein, einzeilig. Nur

in der oberen Kreide (Senon) in Nordeuropa und Indien.

M. ornatus Mill. (Fig. 166 A-B). Leitfossil für eine Zone des

unteren Senons in England, Nordfrankreich und Norddeutschland

(Marsupitenkreide).

Fam. Eugeniacrinidae (Fig. 167 A-C).

Die wenigen Gattungen dieser auf Jura und Kreide beschränkten Familie

zeichnen sich durch den Mangel einer Basis aus: der Kelch besteht nur

aus Radialien. Wichtig ist nur die Gattung:

[Illustration: Fig. 167. A-C Eugeniacrinus caryophyllatus Gf. Unterer

Malm (Oxford). Schwaben. A restaurirter Kelch mit Stiel und Wurzel,

aber ohne die Arme. B der erste Radialkranz von der Seite; c = Canal.

C der erste Radialkranz von oben. rr = radiale, irr = interradiale

Furchen; r₁ = erstes, r₂ = zweites, r₃ = drittes Radiale; br =

Ansatzstelle für die Arme.]

Eugeniacrinus Mill. (Fig. 167 A-C). Die kleinen, kurzgestielten

Kelche bestehen aus 5, fest mit einander verbundenen Radialstücken

(r₁), die zusammen die Form einer Gewürznelke besitzen (B), direct

auf dem obersten Stielgliede aufruhen und die Basis ersetzen. Der

Oberrand jeder Radialtafel besitzt einen tiefen Gelenkausschnitt, der

jederseits von vorspringenden Ecken begrenzt wird. Eine Querleiste

theilt die Gelenkfläche. Von dem Mittelpunkte der Innenseite des

Kelches strahlen 10 Furchen aus (C), von denen 5 mit Körnchen umrandete

(irr) interradial, 5 andere, einfache (rr) in der Mitte der Radial.

verlaufen. Das zweite Radiale (r₂) ist niedrig, ragt nicht über die

vorspringenden Ecken der ersten hervor und ist seitlich von denselben

eingeschlossen. Das dritte Radiale (r₃) mancher Arten ist sehr gross,

in der Mitte (an der Insertionsstelle der Arme -- br) eingeschnürt und

der obere Theil nach innen eingebogen. Die 10 kurzen, eingerollten Arme

entspringen zu je zweien an den seitlichen Einschnürungen des dritten

Radiale. Stiel aus wenigen, hohen Gliedern bestehend, kreisrund, unten

in eine Wurzel sich verbreiternd (A). Stiel und Kelchglieder findet

man stets getrennt, nur die 5 fest vereinigten ersten Radialia immer

zusammen. Häufig im Jura, namentlich im Malm, selten in der Kreide.

E. nutans Gf. } Unterer Malm (Oxford).

} Frankreich, Schweiz,

E. caryophyllatus Gf. (Fig. 167 A-E). } Süddeutschland.

Fam. Apiocrinidae (Fig. 168 A-D).

Kelch gross, aus dem verbreiterten obersten Stielgliede (Centrodorsale

cd), 5 gleich grossen Basalien (b) und mehreren Kränzen von Radialien

(r), zuweilen auch Brachialien (br) zusammengesetzt. Hin und wieder

Interradialia (i) entwickelt. Stielglieder mit einfachen radialen

Streifen (D). Stielanhänge (Cirren) fehlen. Im Jura und in der unteren

Kreide. Von den 4 Gattungen ist die wichtigste:

[Illustration: Fig. 168. A-D Apiocrinus. A A. magnificus d’Orb. Ob.

Malm. La Rochelle, Charente infér. Mit Stiel (st) und Armen. cd

= Centrodorsale; b = Basalia; r₁-r₃ = erste bis dritte Radialia;

br₁-br₂ = erste und zweite Brachialia; p = pinnulae. B Verlauf der

Canäle in den Kelchtafeln. c₂ = Theilungsstelle der offenen Canäle

der Basalia; rc = Ringcanal. C A. Parkinsoni Schl. Oberer Dogger.

Normandie. Längsschnitt des oberen Stielendes. cd = Centrodorsale; h =

ringförmige Hohlräume zwischen den einzelnen Gliedern. D Fläche eines

Stielgliedes von A. polycyphus Mer. mit radialen Streifen und dem

weiten Centralcanal (c).]

Apiocrinus Mill. (Fig. 168 A-D). An der Zusammensetzung des

birnförmigen oder kugeligen Kelches nehmen die stark verbreiterte

Centrodorsalplatte (cd), 5 fünfeckige Basalia (b) und 3 × 5 Radialia

(r), meist auch einige kleine Interradialia (i) Theil. Ueber dem 3.

Rad. (r₃) beginnen die meist mehrfach getheilten Arme (br), deren erste

3 Glieder viel breiter als die folgenden sind. Die Centrodorsalplatte

besitzt 5 erhabene, radiale Kanten (C cd), die den Nähten der Basalia

entsprechen. Die ersten Radialia (r₁) berühren sich stets mit ihren

Seitenflächen, während die zweite und dritte fast regelmässig durch

eine geringere oder grössere Anzahl von Interradialien (i) von einander

getrennt werden. Am zweiten Armgliede (br₂) beginnen die Pinnulae (p).

Der Verlauf des Canalsystems in den Kelchplatten (B) ist ähnlich wie

bei Encrinus, jedoch mit dem Unterschiede, dass das dritte Radiale

nur von 2 (statt 4) und jedes Armglied nur von 1 (statt 2) Canälen

durchzogen wird (vergl. Fig. 165 E).

Der Stiel besteht aus kreisrunden, niedrigen Stielgliedern (st) mit

weitem, rundem Centralcanale (D c) und zahlreichen radialen Streifen

auf den Gelenkflächen (D). Gegen den Kelch zu verbreitern sich die

Glieder meist beträchtlich (C) und lassen ringförmige, im Querschnitt

keilförmige Hohlräume (C h) zwischen sich. Der Stiel ohne Ranken.

Wurzel stark und reich verzweigt. Nur aus Dogger und Malm bekannt,

vielleicht noch in der unteren Kreide vorhanden. Die Stielglieder sind

häufig. Kelche seltener und meist von den Armen getrennt.

A. Parkinsoni Schl. sp. (Fig. 168 C). } Oberer Dogger (Bathonien).

A. elegans Df. sp. } England, Normandie.

A. polycyphus Des. sp. (Fig. 168 D). Oberes Oxford. } Frankreich,

A. Roissyanus d’Orb. Kimmeridge. } Schweiz.

A. magnificus d’Orb. (Fig. 168 A). Kimmeridge. Westl. Frankreich.

Fam. Bourgueticrinidae (Fig. 169 A-C).

Die jüngeren Verwandten der Apriocriniden. Kelch relativ klein, seine

Höhlung eng. Stielglieder nicht mit radialen Streifen, sondern mit

einer queren Gelenkleiste (B l) versehen. Interradialia fehlen ganz.

Wurzel nicht massiv, sondern fein verästelt. Arme 5 oder 10, nicht

verzweigt. Von den 4 Gattungen dieser Familie sind 2 auf die Kreide

beschränkt, Conocrinus (= Rhizocrinus) kommt tertiär und lebend (80-955

Faden), Bathycrinus nur lebend (ca. 1850 Faden) vor.

Bourgueticrinus d’Orb. (Fig. 169 A-C). Das oberste Stielglied, wie bei

Apiocrinus zu einem Centrodorsale (cd) verdickt. 5 Basalia (b) und 1

oder mehrere Radialkränze (r) vorhanden. Arme einfach; ihre Glieder

höher als breit. Die obersten Stielglieder (st I, st II) sind rund, die

unteren kantig (C), weil die ovalen Gelenkflächen eines jeden Gliedes

(B) mit ihrer längeren Achse senkrecht zu einander gestellt sind

(C). Die Gelenkfläche nicht gestrahlt, sondern in der Richtung ihrer

längeren Achse mit einem Querriff versehen (B l), welches in der Mitte

vom Centralcanal (c) durchbohrt wird. Stiel mit Ranken. Obere Kreide,

vielleicht auch Tertiär.

B. ellipticus Mill. (Fig. 169 A-C). Senon. England, Frankreich,

Norddeutschland.

[Illustration: Fig. 169. A-C Bourgueticrinus ellipticus Mill. Senon.

England. A Kelch mit den obersten runden Stielgliedern (st I, st II).

cd = Centrodorsale; b = Basalia; r = Radialia. B Gelenkfläche eines

unteren Stielgliedes mit dem Querriff (l) und dem Centralcanal (c). C

mehrere Glieder vom untern Theil des Stieles.]

Fam. Pentacrinidae (Fig. 170 A-N).

Stiel und Arme sehr entwickelt, letztere vielfach verzweigt; Kelch

klein, aus 5 Basalia, 5 Radialia bestehend; darüber noch 2 (selten

mehr) Kränze freier, einfacher 2. und 3. Radial. (oder Brachialia --

B br I, br II). Stiel fünfeckig oder rund. Auf den Gelenkflächen der

Glieder eine fünfblätterige Zeichnung. Stielranken in regelmässigen

Wirteln. Wurzel fehlt. Von der Trias an. Mehrere lebende Formen.

Hauptentwickelung zur Jurazeit und in der Gegenwart (24 Arten).

[Illustration: Fig. 170. A-N Pentacrinus. A P. Briareus Mill. Oberer

Lias (ε). Schwaben. r = Stielranken. B P. sp. Oberer Malm. Schwaben.

Kelch mit den obersten Stielgliedern. b = Basalia; r = erste Radialia;

br I, br II = zweite und dritte Radialia (oder erste und zweite

Brachialia). C-N Stielglieder. a = Ansatzstelle der Ranken; c =

Centralcanal; bl = Blätter der Gelenkfläche. C-E P. tuberculatus

Mill. Unterer Lias (α). C Stielstück von der Seite. t = Körner.

D Gelenkfläche. E Querschnitt eines Gliedes. F, G P. dubius Gf.

Unterer Muschelkalk. Recoaro, Vicentiner Alpen. F zwei Stielglieder

von der Seite. G Gelenkfläche. H P. basaltiformis Mill. Mittlerer

Lias. Schwaben. l = Querleisten. I-L P. subangularis Mill. Oberer

Lias (ε). Schwaben. I einige abwechselnd grössere (g) und kleinere

(g’) Stielglieder vereinigt. K Vertikalschnitt durch ein schmäleres

Hauptglied (I = g’ in Fig. I) und die zwei Bündel versteckter

Nebenglieder (II und III), von welchen jedes aus vier kleinsten

Gliedern (c), zwei breiteren (III) und einem mittleren grössten

(II) besteht. L Gelenkfläche eines schmäleren Hauptgliedes (g’ in

Fig. I) mit einem aufgelagerten kleinsten Nebengliede, welches als

fünfstrahliger Stern (c) den Centralcanal umgiebt. M, N P. Bronni.

Oberes Senon. Rügen. M Stielstück von der Seite. N Gelenkfläche von

oben.]

Pentacrinus Mill. (Fig. 170 A-N). Charakter der Familie. Die

Stielglieder an der fünfblätterigen Zeichnung, die Kronen an der

starken Armentwickelung und der reichlichen Verzweigung leicht

kenntlich. Gut erhaltene Kronen werden nur in bestimmten Schichten

und an wenigen Localitäten in grösserer Menge angetroffen, z. B.

im unteren Lias von England, im oberen Lias (Posidonienschiefer)

Süddeutschlands, in den tiefsten Lagen des oberen Doggers im östlichen

Frankreich und in Deutsch-Lothringen etc., während Stielglieder,

einzeln oder zu mehreren mit einander verbunden, fast überall in

Trias, Jura, Kreide und Tertiär häufig sind. Wegen ihrer Häufigkeit

und Formenmannigfaltigkeit gelten sie als gute Leitfossilien. Meist

sind sie fünfeckig, mit scharfen oder gerundeten Kanten (A-H, M, N);

ihre Gelenkflächen mit 5 blattförmigen Vertiefungen, deren Ränder

gekerbt (bl), die mehr (E) oder weniger (G) ausgehöhlten Seitenflächen

in gewissen Abständen mit den wirteligen Insertionsstellen für die

Ranken (a), ausserdem oft mit Körnern (C t) oder Querleisten (H l)

bedeckt. An den Wirteln sind stets 2 Stielglieder fest (durch Syzygium)

verbunden. Bei der Gruppe des liasischen P. subangularis (I-L) bemerkt

man schon äusserlich abwechselnd grössere volle (g) und schmälere,

von der Peripherie aus fünffach eingeschnittene (g’) Hauptglieder. Im

Vertikalschliff zeigt sich, dass jedes äusserlich sichtbare schmälere

Hauptglied (K I) von den benachbarten grösseren durch je ein Bündel

innerer, von aussen nicht sichtbarer, schmälerer Glieder (II und

III) getrennt wird. Jedes Zwischenbündel besteht aus einem grössten,

medianen Nebengliede (II), 2 mittleren, etwa halb so hohen (III) und 4

kleinsten (c), welche kleine, glatte Sterne um den Centralcanal bilden

(L c). Die wichtigsten Arten sind folgende (st bedeutet, dass nur

Stielglieder bekannt sind):

P. dubius Gf. (Fig. 170 F, G). Alpiner und ausseralpiner

Muschelkalk. (st)

P. tuberculatus Mill. (Fig. 170 C-E). Unterer Lias (α). Oberster

Arietenkalk. Ueberall in Centraleuropa.

P. Briareus Mill. Unterer Lias (β). England.

P. scalaris Gf. Unterer Lias (β). Süddeutschland. (st)

P. basaltiformis Mill. (Fig. 170 H). Mittlerer Lias. Centraleuropa.

(st)

P. subangularis Mill. (Fig. 170 I-L). Mittlerer und oberer Lias.

England, Schwaben etc.

P. Nicoleti Des. Oberer Dogger. Frankreich, Schweiz,

SW.-Deutschland. (st)

P. Dargnesi Terq. Oberer Dogger. Frankreich.

P. cingulatus Mnst. Unterer und oberer Malm. Mitteleuropa.

P. neocomiensis Des. Neocom. Frankreich, Schweiz. (st)

P. Bronni Hag. (Fig. 170 M, N). Senon. Nordeuropa. (st)

P. didactylus d’Orb. Eocän. Südeuropa. (st)

Die Hauptentwickelung der Gattung Pentacrinus fällt in die Jurazeit

und zwar in den Lias. Aber auch im Dogger und Malm zeigt sich kaum

eine Abnahme. Die Kreide liefert nur noch relativ wenige Formen und im

jüngeren Tertiär scheint die Gattung auszusterben. Es sind aber bis

jetzt bereits 9 Arten im atlantischen und pacifischen Ocean (80-1300

Faden) gefunden worden.

Fam. Comatulidae (Fig. 171 A-D).

Nur in der Jugend vermittelst eines Stieles festgewachsen, im Alter

frei. Im ausgewachsenen Zustande besteht der Kelch aus einem dicken,

knopfförmigen, mit Wirtelranken besetzten Centrodorsale (A k), 5 von

aussen oft nicht sichtbaren Basalia und 5 ersten Radialia, die zuweilen

ebenfalls mit dem Centrodorsale verschmelzen. Bis zu den Armen folgen

noch 2 Radialkränze (r₂ und r₃). Die Arme einfach oder getheilt, aus

keilförmigen, wechselzeiligen Gliedern bestehend (A). Kelchdecke

(D) ohne Kalktafeln. Eine lebende Gattung (Thaumatocrinus) mit ganz

unregelmässigem Kelche. Diese jüngste Familie (vom Jura an bekannt) ist

in den heutigen Meeren durch etwa 400 Arten vertreten, die sich auf

wenige Gattungen vertheilen. Die weitaus formenreichste Gattung ist:

Antedon Frém. (= Comatula Link.) (Fig. 171 A-D). Centrodorsale mit

zahlreichen Wirtelranken besetzt, deren Anheftstellen als tiefe Gruben

(A k, C) sichtbar bleiben. Basalia als kleine dreieckige Stücke (C

ir) sichtbar (Untergattung Solanocrinus) oder zwischen Centrodorsale

und den ersten Radialia (r₁) versteckt. Zuweilen auch letztere nicht

vom Centrodorsale zu trennen (A k). Das zweite Radiale (r₂) niedrig

rechteckig, in die tiefen Gelenkgruben des ersten (B) sich einfügend.

Zweite Radialia fünfeckig, je 2 (oder 4 oder mehr) Arme tragend. Vom

Malm an bekannt, nur gelegentlich häufig, aber meist ohne Arme und ohne

die 2 obersten Radialia anzutreffen. Zahlreiche lebende Arten, meist in

geringer Meerestiefe.

A. (Solanocrinus) costatus Gf. (Fig. 171 B, C). Oberer Malm

(Kimmeridge). Süddeutschland.

A. Jutieri d. Lor. (Fig. 171 A). Gleiches Niveau. Französischer Jura.

A. Retzii Lundgr. sp. Oberes Senon. Köpinge, Südschweden.

A. rosaceus Linck. (Fig. 171 D). Recent. Küsten des Mittelmeeres und

des atlantischen Oceans.

[Illustration: Fig. 171. A-D Antedon. A A. Jutieri de Lor. Oberster

Malm. Dép. du Doubs. Kelch mit Armen. k = Knopf (Centrodorsale,

Basalia und erste Radialia verschmolzen); r₂, r₃ = zweites und drittes

Radiale; p = Pinnulae. B, C/i> A. (Solanocrinus) costatus Gf. Oberster

Malm. Nattheim, Schwaben. B Kelch mit den 10 Radialfurchen und den

Gelenkflächen der ersten Radialia. C Kelch von der Seite. Centrodorsale

mit den Rankengruben. ir = der von aussen sichtbare Theil der Basalia;

r₁ = erstes Radiale. D Kelchdecke von A. rosaceus Linck. Mittelmeer. o

= Mund; a = After. Vom Munde aus verlaufen 5 offene, sich verzweigende

Ambulacralfurchen zu den Armen (br).]

Geologische Verbreitung der Crinoidea.

Die Eintheilung der Crinoiden in eine ältere Gruppe der Palaeocrinoidea

und in eine jüngere der Neocrinoidea darf nur als der Ausdruck

unserer lückenhaften Kenntniss dieser Klasse betrachtet werden. Eine

durchaus scharfe Grenze lässt sich zwischen beiden nicht ziehen,

wenn man auch in den meisten Fällen über die Zugehörigkeit einer

Gattung nicht im Zweifel bleibt. Es kann weder das Vorhandensein

einer festen Ventralkapsel noch der irreguläre Bau der Dorsalkapsel

als ein allen Palaeocrinoidea gemeinsames Merkmal gelten, denn manche

Inadunata scheinen weder das Eine noch das Andere zu besitzen, und

ein unregelmässiger Bau findet sich auch bei den Apiocrinidae und bei

der Gattung Thaumatocrinus wieder, welche Interradialia besitzen.

Bei den jüngeren Inadunata (Poteriocrinidae) macht sich die Tendenz

geltend, durch Ausmerzung der Interradialia reguläre Dorsalkapseln zu

bilden und durch Resorption der Ventraltäfelung eine Annäherung an die

Neocrinoidea anzubahnen. Andererseits treffen wir unter den letzteren

Formen an, die wegen der Zweireihigkeit der Armglieder (Encrinus),

durch die dicyclische Basis (Encrinus, Marsupites) oder wegen der

dünnen, nicht von Canälen durchzogenen Basaltafeln (Marsupites) mit

gleichem Rechte der einen wie der anderen Abtheilung angeschlossen

werden könnten. Wenn wir aus diesen und anderen aprioristischen Gründen

einen genetischen Zusammenhang zwischen den älteren und jüngeren

Formen annehmen müssen, so bedürfte es doch einer viel umfassenderen

Kenntniss des jung-paläozoischen und alt-mesozoischen Materials und vor

Allem einer genaueren Bekanntschaft mit der ventralen Kelchbedeckung

derselben, um mit Sicherheit den Ursprung der Neocrinoidea aus den

Palaeocrinoidea verfolgen zu können.

Palaeocrinoidea. Alle paläozoischen Schichten mit Ausnahme des

Cambriums und des Perms sind reich an Crinoiden, wenn auch umfangreiche

Faunen immer nur an bestimmte Localitäten gebunden erscheinen. Am

üppigsten entwickelt zeigen sich die Palaeocrinoidea zur Zeit des

Obersilurs und des Subcarbons, sowohl in Nordeuropa als in Nordamerika.

In zweiter Linie folgen das nordamerikanische Untersilur, das

rheinisch-belgische Devon und das russische Carbon.

Neocrinoidea. Diese Abtheilung ist in der Trias nur durch 2 Gattungen

vertreten, im Jura, wohin die Maximalentwickelung fällt, begegnen wir

zahlreichen Vertretern der Pentacriniden, Apiocriniden etc., die bisher

fast alle nur aus Europa bekannt geworden sind. Relativ formenarm

scheinen die Kreide und das Tertiär zu sein, was vielleicht mit dem

Umstande zusammenhängt, dass wir an Crinoiden reiche Ablagerungen

dieser Formationen noch nicht kennen. Heutzutage blühen nur noch die

Familien der Pentacriniden und Comatuliden.

Geologische Verbreitung der wichtigsten

Crinoiden-Gattungen.

+---------------+-----+-----+------+------+-----+----+------+-------+------+

| |Silur|Devon|Sub- |Carbon|Trias|Jura|Kreide|Tertiär|Lebend|

| | | |Carbon| | | | | | |

+===============+=====+=====+======+======+=====+====+======+=======+======+

|Actinocrinus | | | † | | | | | | |

|(Batocrinus) | | | | | | | | | |

|Melocrinus | † | † | | | | | | | |

|Rhipidocrinus | | † | | | | | | | |

|Hexacrinus | | † | | | | | | | |

|Platycrinus | | † | † | † | | | | | |

|Eucalyptocrinus| † | † | | | | | | | |

|Taxocrinus | † | † | † | † | | | | | |

|Cupressocrinus | | † | | | | | | | |

|Cyathocrinus | † | † | † | | | | | | |

|Poteriocrinus | | † | † | † | | | | | |

|Encrinus | | | | | † | | | | |

|Marsupites | | | | | | | † | | |

|Eugeniacrinus | | | | | | † | † | | |

|Apiocrinus | | | | | | † | ? | | |

|Bourgueticrinus| | | | | | | † | ? | |

|Pentacrinus | | | | | † | † | † | † | † |

|Antedon | | | | | | † | † | † | † |

+---------------+-----+-----+------+------+-----+----+------+-------+------+

Elemente der Paläontologie · 第 98 / 606 题