Litteratur über Asteroidea siehe p. 141.
Durch ihre im Allgemeinen abgeplattete fünfstrahlige Gestalt
stehen die Seesterne (oder Asteroidea) den Schlangensternen nahe.
Die Arme, welche sich nicht immer scharf von der Scheibe abheben,
sondern auch in derselben eingeschlossen sein können (Fig. 151),
enthalten im Gegensatz zu denen der Ophiuroidea nicht nur Zweige des
Wassergefäss-, Blutgefäss- und Nervensystems, sondern auch Fortsätze
der Geschlechtsorgane und Blindsäcke des Darmes. In der Mitte der
Unterseite der Arme verläuft eine offene Ambulacralfurche vom
Munde bis zur Armspitze, auf welcher allein die Ambulacralfüsschen
austreten (Fig. 150 p). Zahlreiche Kalkplatten dienen zur Stütze des
Weichkörpers. Die grösseren, welche meist den Rand der Scheibe und
Arme begrenzen, werden Randplatten genannt, die der Oberseite (Fig.
151 B r’; Fig. 150 r’) heissen dorsale, die der Unterseite ventrale
(Fig. 150 r; Fig. 151 A r). Die Ambulacralfurche wird jederseits von 2
Reihen Platten eingefasst; die unteren kleineren, von aussen sichtbaren
heissen Adambulacralplatten (Fig. 150 ad), die inneren grösseren, nach
Entfernung der Füsschen (p) hervortretenden heissen Ambulacralplatten
(Fig. 150 a). In der Ecke zwischen den letzteren und den ventralen
Randplatten liegen noch kleine Zwischenplatten (z). In dem keilartig
sich nach innen verschmälernden Raume zwischen den Ambulacralplatten
verläuft das radiale Wassergefäss (w), welches sich zu seitlichen
Säcken (Ampullen -- amp) erweitert, von welchen sich jederseits ein
oder zwei Füsschen abzweigen (p). Der innere Wirbel eines Armes besteht
hier, statt wie bei den Ophiuren aus einem Stücke, aus 2 beweglich mit
einander verbundenen Ambulacralplatten. Der Steincanal mündet auf der
Oberseite mit einer leicht wahrnehmbaren Madreporenplatte (Fig. 151 B
m; Fig. 152 A m). Meist findet sich auf der Oberseite auch eine feine
interradiäre Afteröffnung.
[Illustration: Fig. 150. Querschnitt durch den Arm von Astropecten.
r = dorsale, r’ = ventrale Randplatte; a = Ambulacral-, ad =
Adambulacralplatte; z = Zwischenplatte; st = Randstacheln; amp
= Ampullen; p = Füsschen des Wassergefässsystems, welche in der
Ambulacralfurche hervortreten; w = radiäres Wassergefäss. Die Oberseite
ist mit kleinen, borstenförmigen Papillen besetzt.]
Fossile Seesterne sind im Allgemeinen seltene Erscheinungen, was jedoch
nicht ausschliesst, dass sie an gewissen Localitäten in zahlreichen
Exemplaren sich finden. Ihre geologische Bedeutung ist somit gering;
zudem steht der häufig mangelhafte Erhaltungszustand einem genauen
Vergleiche mit lebenden Formen hindernd im Wege.
Die lebenden Seesterne zerfallen in 2 leicht kenntliche Gruppen.
Für die eine derselben ist das Vorhandensein grosser Randplatten am
Rande der Scheibe ebenso bezeichnend, wie für die andere das Fehlen
derselben. Die letztere Gruppe scheint im fossilen Zustande sehr selten
zu sein, während Vertreter der ersteren Gruppe schon aus paläozoischen
Schichten in einiger Häufigkeit bekannt geworden sind. Von Formen, die
sich an lebende sehr enge anschliessen, heben wir hervor:
Goniaster Ag. (Fig. 151 A, B). Die Arme ragen kaum über die grosse
Scheibe hinaus. Randplatten sowohl auf der dorsalen (r’) als auf der
ventralen Seite (r) sehr gross. Die Adambulacralplatten (ad), welche
die Ambulacralfurche begrenzen, klein, vierseitig. Die Deckplatten der
Ober- und Unterseite (z) klein, polygonal. Mitten in denselben liegt
auf der Oberseite interradial die Madreporenplatte (B m). Mund von 10
dreieckigen Oralplatten (A o) umgeben. In Jura und Kreide nicht selten,
meist aber nur in isolirten Randplatten gefunden. Tertiär und lebend.
G. impressae Qu. sp. Oxford. } Schwaben.
G. jurensis Qu. sp. Kimmeridge. }
G. Parkinsoni Forb. (Fig. 151 A, B). Turon. England.
G. quinqueloba Gf. sp. Senon. Norddeutschland.
[Illustration: Fig. 151. Goniaster Parkinsoni Forb. Turon. Sussex.
A von der Unterseite. B von der Oberseite. o = die sternförmigen
Oralplatten, die den Mund umgeben; ad = Adambulacralplatten; r =
Randplatten der Oberseite; r’ = Randplatten der Unterseite; z =
Deckplatten; m = Madreporenplatte.]
[Illustration: Fig. 152. A-C Aspidosoma Tischbeinianum F. Rö.
Unterdevon (Dachschiefer). Bundenbach im Moselthale. A der verdrückte
Körper von der Dorsalseite; a = After; m = Madreporenplatte;
ap = Adambulacralplatten; rp = Randplatten. B die Schuppen der
Scheibenoberfläche. C Madreporenplatte. D A. petaloides Sim.
Unterdevon. Niederlahnstein. Die Ambulacralplatten (ap), welche die
Armfurche einfassen, stehen wechselständig.]
Die meisten paläozoischen Seesterne besitzen im Gegensatze zu den
jüngeren wechselständige Ambulacralplatten (Fig. 152 D ap). Derartige
Encrinasteria, wie man sie, um auf die für die Crinoidenarme
bezeichnende Wechselständigkeit der Platten anzuspielen, nennt, sind
namentlich im rheinischen Unterdevon als Abdrücke im Sandstein oder
verkiest in den Bundenbacher Schiefern recht häufig. Die bekannteste
Gattung ist:
Aspidosoma Gf. (Fig. 152 A-D). Die Arme überragen die fünfseitige
Scheibe. 2 oder 4 Reihen von Armtafeln sichtbar. Randplatten deutlich
(rp), gegen die Arme zu kleiner werdend. Die Adambulacralplatten
werden auf dem freien Theile der Arme allmählich grösser und gehen in
Randplatten über. Der übrige Theil der Scheibe ist mit kleinen Schuppen
getäfelt (B). Auf der Oberseite die Madreporenplatte (A m, C) und der
von kleinen Täfelchen umgebene After (A a) sichtbar. Ambulacralplatten
namentlich in der Mitte der Arme deutlich wechselständig (D ap).
Rheinisches Unterdevon.
A. Tischbeinianum F. Rö. (Fig. 152 A-C).
A. petaloides Lim. (Fig. 152 D).
In paläozoischen Schichten wiegen die Encrinasteria über die echten
Seesterne (mit correspondirenden Ambulacralplatten) vor, doch giebt
es auch schon einzelne echte Seesterne. Zu den letzteren gehören
alle mesozoischen und jüngeren Formen. In den Sandsteinhorizonten
des mitteleuropäischen Jura sind rohe Abdrücke von Seesternen local
recht häufig, eine sichere Deutung derselben ist jedoch unmöglich
(Angulaten-Sandstein -- Lias α; Murchisonen-Sandstein -- Unterer
Dogger). Im Malm werden vereinzelte Platten einer ausgestorbenen
Gattung (Sphaeraster) nicht selten gefunden. Tertiäre Vorkommnisse sind
ohne Bedeutung.