Litteratur über Ophiuroidea und Asteroidea.
* Lütken, C. F. Additamenta ad historiam Ophiuridarum. Kongel. Danske
Vedenskab. Selsk. Skrifter. 5 Raekke. Bd. V 1861, Bd. VIII 1870.
* Lyman, Th. Report on the Ophiuroidea. Scientif. Results of Challenger
Voyage. Vol. V 1882.
* Müller, J., & Troschel. System der Asteriden. Braunschweig 1842.
Quenstedt, F. A. Petrefactenkunde Deutschlands. Bd. IV. Leipzig 1874-76.
Stürtz, B. Beitrag zur Kenntniss paläozoischer Seesterne.
Palaeontographica Bd. 32. 1886.
Wright, Th. Monogr. of the fossil Echinodermata from the Oolitic
formation. Bd. II. Palaeont. Soc. 1862, 1866.
Die Ophiuren oder Schlangensterne sind meist platte, deutlich
fünfstrahlige Thiere, deren schmale Arme sich scharf von einer
runden, centralen Scheibe (Fig. 146 A) absetzen. Die Verdauungs-
und Geschlechtsorgane sind auf die Scheibe beschränkt, in den Armen
verlaufen ausser Nerven nur Zweige des Blut- und Wassergefässsystems.
Die Körperhaut wird in der Regel durch Kalkplatten gestützt, welche
auf den Armen stets, auf der Scheibe nur zuweilen regelmässig gelagert
sind. In der Mitte der Unterseite der Scheibe liegt der fünfstrahlige
Mund (Fig. 145 A o), eine gesonderte Afteröffnung fehlt. Ebenfalls
auf der Unterseite und zwar symmetrisch zu beiden Seiten der auf die
Scheibe sich fortsetzenden Arme finden sich 1 oder 2 spaltförmige
Oeffnungen, also im Ganzen 10 oder 20, die sog. Bursalspalten (Fig. 145
A g; Fig. 146 J bs). Diese Oeffnungen führen -- einerlei, ob 10 oder 20
vorhanden -- zu 10 blind geschlossenen, sackförmigen Einstülpungen der
Körperwand, welche Bursae heissen und als Athmungsorgane und Leiter für
die Geschlechtsproducte dienen.
[Illustration: Fig. 145. A Unterseite der Scheibe von Ophiura laevis
Rond. sp. (Lebend. Mittelmeer) mit den Armansätzen (b); o = Mund, durch
die fünf vorspringenden Mundecken fünfstrahlig; a = Mundschilder; g
= Bursalspalten zu zwei auf jeder Seite des Armes. B Armwirbel einer
Ophiure, von den Armschildern (im Querschnitt) umschlossen; w = unterer
Wirbelcanal; r = Rückenschild; s = Seitenschild; b = Bauchschild. C
drei Armwirbel von der Seite; iv = Muskelgruben für die zwischen den
Wirbeln befindlichen Muskeln.]
[Illustration: Fig. 146. A-H Ophiocten ferrugineum Böhm. Oberer
Dogger (Ferrugineus-Sch.). Vögisheim, Breisgau. A Ansicht eines
vollständigen Stückes von der Unterseite; br = Arme. B die Scheibe
mit den inneren Armenden von unten; bl = Bursalschuppen; p =
Ambulacralporen. C das Mundskelet von unten; mw = Mundwinkel; p =
Mundpapillen (etwas ergänzt, fälschlich meist 7 statt 5 gezeichnet); me
= Mundeckstücke. Die Zahnpapillen, welche die Spitzen der me verdecken,
sind auf der Zeichnung nicht angegeben. ms = Seitenmundschilder; m =
Mundschilder (Oralplatten); b = zweite Bauchplatte des Mundskelets. D
die eingedrückte Scheibe von oben gesehen; r = Rückenplatten des Armes.
E ein Stück des Armes von unten; s = Seitenschilder; b = Bauchschilder;
p = Ambulacralporen; fs = Füsschenschuppen. F derselbe von oben; r
= Rückenschilder; s = Seitenschilder; st = Stacheln. G derselbe von
der Seite. Bezeichnung wie bei F. H Querschnitt des Armes. I Geocoma
planata Qu. sp. Oberer Malm. Kelheim, Bayern. Die Scheibe von der
Unterseite; m = Mundschilder; bl = Bursalschuppe aus der Bursalspalte
(bs) herausgedrückt; k = Körner der Scheibenhaut.]
Der äussere (vom Arme abgewandte) Rand der Bursalspalten ist nach innen
umgeschlagen und setzt in der Form einer Schuppe in die Scheibe hinein
fort (Bursalschuppe).
Durch Zusammensinken der Scheibe beim Fossilisationsprocess wird die
Bursalschuppe aus der Bursalspalte häufig nach aussen gedrückt und ist
dann als eine dem Arme anliegende Leiste sichtbar (Fig. 146 B bl).
Die Arme bestehen aus einer Reihe wirbelartiger, gelenkig verbundener,
senkrecht gestellter Kalkscheiben (Fig. 145 B, C) und den 4, jeden
Wirbel umschliessenden Armschildern des Hautskelets (Fig. 145 B r,
s, b); für die Weichtheile bleibt nur wenig Raum. Die Zwischenräume
der Wirbel werden von Muskelsubstanz ausgefüllt. In einem unteren
Einschnitt (B w) des aus 2 zusammengewachsenen, symmetrischen Hälften
bestehenden Wirbels verläuft ein Strang des radiären Nerven-, Blut- und
Wassergefässsystems bis zur Spitze des Armes. Die Armschilder gliedern
sich in unpaare obere, den Arm deckende Rückenplatten (Fig. 145 B r;
Fig. 146 H r), unpaare untere, meist flache Bauchplatten (B b, H b) und
paarige, stark gewölbte Seitenplatten (B s, H s). Die Seitenschilder
tragen kürzere oder längere, anliegende oder abstehende Stacheln,
erstere an dem Aussenrande (Fig. 146 G st, F st), letztere auf der
Seitenmitte befestigt. Zwischen den Bauch- und Seitenschildern tritt zu
jeder Seite eines Bauchschildes ein Fuss des Wassergefässsystems aus
einer runden Pore (Fig. 146 B p, E p) heraus. Die Poren sind oft von
kleinen beweglichen Kalkschuppen (Fuss- oder Tentakelschuppen (Fig. 145
A s; Fig. 146 E fs)) verdeckt.
Die Arme setzen auf der Unterseite der Scheibe bis zum Munde fort.
Die beiden innersten Wirbel sind mit den zugehörigen Seitenplatten
zum Mundskelet umgewandelt. Die wichtigsten Theile desselben sind
folgende: Die ∧-förmig von 2 benachbarten Armen her convergirenden
(10) Mundeckschilder (Fig. 146 C me) sind als die Wirbelhälften des
zweiten Armwirbels (+ den Seitenschildern der ersten), die schräg
gestellten (10) Mundseitenschilder (ms) als die Seitenschilder des
zweiten und das kleine Bauchschild am Ende der Mundwinkel (b) als das
Bauchschild des zweiten Armwirbels aufzufassen. Dazu gesellen sich noch
5 grössere, zwischen den Armen gelegene (interradiale) Mundschilder
(m) und verschiedene kleinere Stückchen. Eines der Mundschilder dient
gewöhnlich als Madreporenplatte.
Die Oberseite der Scheibe ist entweder nur von einer Haut oder
gleichzeitig von kleineren (Fig. 146 D) oder grösseren Kalkplatten
(Fig. 148 o) bekleidet, welch’ letztere z. Th. als die Fortsetzung der
Rückenplatten der Arme anzusehen sind.
Die Schlangensterne bewohnen zumeist geringe oder mässige Tiefen,
nur wenige steigen über 1000 und bis 2300 Faden hinab. Fossile Funde
gehören nicht gerade zu den Seltenheiten, aber ihr Erhaltungszustand
ist meist nicht günstig genug, um die Stachelbewehrung und die
Einzelheiten des Mundskelets festzustellen.
Eintheilung der Ophiuroidea.
A. Arme einfach, unverzweigt, nur seitlich bewegbar, nicht nach
unten einrollbar. Meist Hautschilder auf der Scheibe (Fig. 146-148).
1. Ordn. Ophiurae.
B. Arme oft verzweigt, nach unten einrollbar; Scheibe und Arme
ohne grössere Hautschilder (Fig. 149) 2. Ordn. Euryalae.