10. Fam. Spatangidae.

Ausgeprägt zweiseitig symmetrische, meist herzförmige Schalen mit

2lippiger (Fig. 143 B o), seltener 5eckiger Mundlücke (Fig. 142 B o),

die dem Vorderrande genähert, und in der Nähe des Randes gelegener

Afterlücke (Fig. 142 B a). Ambulacra petaloid. 3 Arten von Ambulacren:

1 vorderes unpaares, meist in einer Furche gelegenes (Fig. 142 A),

2 vordere seitliche (Fig. 142 A v), meist länger als die 2 hinteren

seitlichen (Fig. 142 A h). Auch die seitlichen Ambulacren liegen meist

vertieft (Fig. 143 A). Bei vielen Gattungen verlaufen auf der Schale

glatte oder feingekörnelte, aber nicht mit Stachelwarzen besetzte

Bänder, sog. Fasciolen (oder semitae) (Fig. 143 B f, Fig. 144 fp, fl).

Diese Familie erscheint in der Kreide, erreicht aber erst im Tertiär

und in der Gegenwart das Maximum ihrer Entwickelung.

[Illustration: Fig. 142. A-D Toxaster complanatus L. sp. Mittelneocom.

Auxerre, Dép. de l’Yonne. A Schale von oben; v = vordere, h = hintere

Ambulacra; a = After. B von unten; o = Mundlücke; v und h wie bei A.

C Stück eines Porenstreifens des vorderen unpaaren Ambulacrums; a =

äussere, i = innere Porenreihe. D derselbe Porenstreifen von Heteraster

oblongus Deluc. sp.; a und a₁ = äussere, i = innere Porenreihen.]

A. Mundlücke fünfeckig (Fig. 142 B o). In der unteren Kreide häufig, in

jüngeren Schichten und lebend sehr selten.

Toxaster Ag. (Fig. 142 A-C) (= Echinospatangus Breyn.). Das vordere,

unpaare Ambulacrum liegt in einer Furche, die vom Scheitel bis zur

fünfeckigen Mundlücke (o) zieht. Die Porenstreifen desselben bestehen

aus einer äusseren Reihe stark querverlängerter (C a) und einer inneren

Reihe weniger stark verlängerter (C i) Poren. Die zwei vorderen

paarigen Ambulacra (A v) sind stärker gebogen, länger und breiter als

die hinteren (h). Oberseite der Schale mit sehr feinen, Unterseite mit

etwas gröberen Warzen. Der After liegt am abgestutzten Hinterrande. In

der unteren und oberen Kreide (Neocom, Gault und Cenoman), stellenweise

sehr häufig (Toxaster- oder Spatangen-Kalke des Mittelneocoms).

T. complanatus L. sp. (Fig. 142 A-C). Mittelneocom. Frankreich,

Schweiz, Norddeutschland, Algier.

T. Collegnii Sism. Aptien. Frankreich, Schweiz.

Bei der nahe verwandten Gattung Heteraster d’Orb. ist die Ungleichheit

zwischen den vorderen und hinteren paarigen Ambulacren noch grösser.

Dazu sind die Poren der äusseren Reihen des unpaaren Ambulacrums

gebogen und unter einander ungleich, bald länger (Fig. 142 D a), bald

kürzer (a₁).

H. oblongus Deluc sp. (Fig. 142 D). } Aptien. Frankreich, Schweiz,

H. Couloni Ag. sp. } Algier.

H. Tissoti P., C. & G. Gault. Algier.

B. Mundlücke zweilippig (Fig. 143 B o). Besonders häufig in der oberen

Kreide und im Tertiär.

[Illustration: Fig. 143. A-D Micraster cor anguinum Kl. sp. Senon.

Frankreich. A von oben; v = vordere, h = hintere paarige Ambulacra.

B von unten; o = Mundlücke; a = Afterlücke; f = Fasciole. C 3

Ambulacralplatten eines paarigen Ambulacrums mit je einem gejochten

Porenpaar (j). D Scheitelapparat m = Madreporenplatte; g =

Genitaltafeln; o = Augentafeln.]

Micraster Ag. (Fig. 143 A-D). Schale meist herzförmig. Alle 5 Ambulacra

liegen in Furchen. Poren des unpaaren Ambulacrums rund, die der

paarigen Ambulacra etwas querverlängert und gejocht (C j). Hintere

Ambulacra (A h) kürzer als die vorderen (v). Scheitelschild aus 9

Platten bestehend (D). Madreporenplatte bis in die Mitte reichend (D

m). Unterhalb des Afters (B a) eine (subanale) Fasciole (B f) von

ovaler Form. Warzen der Unterseite grösser als die der Oberseite.

Häufig in der oberen Kreide, selten im Tertiär.

M. breviporus. Mittleres Turon (Scaphiten-Pläner). England,

Norddeutschland, Frankreich.

M. cor testudinarium Gf. Oberstes Turon (Cuvieri-Pläner).

Ebendaselbst.

M. cor anguinum Kl. sp. (Fig. 143 A-D). Unteres Senon.

Ebendaselbst.

Nachstehende 2 Gattungen sind durch den Besitz einer fasciola

peripetala, d. h. eines glatten, die Ambulacra umfassenden Bandes

(Fig. 144 B fp) und querverlängerte Poren der paarigen Ambulacra

ausgezeichnet.

Hemiaster Des. Umriss meist oval, seltener herzförmig. Alle 5 Ambulacra

in wenig tiefen Furchen. Nur eine fasciola peripetala entwickelt.

Scheitel meist etwas nach hinten gelegen. Untere und obere Kreide,

Tertiär und Recent.

H. minimus Ag. sp. Gault. Frankreich, Schweiz.

H. bufo Brgt. sp. Cenoman. Frankreich.

H. nasutulus Sor. Oberes Turon. Frankreich, Norddeutschland.

H. prunella Lmk. sp. Senon. Limburg, Südfrankreich.

H. nux Des. Eocän. Schweiz, Vicentin.

[Illustration: Fig. 144. A-C Linthia Verneuili Des. Unteres Turon. La

Bédoule bei Marseille. A von der Seite, B von oben, C von unten. o =

Mundlücke; a = Afterlücke; v = vordere, h = hintere paarige Ambulacra;

fp = fasciola peripetala; fl = fasciola lateralis.]

Linthia Mer. (Fig. 144 A-C). Ausser einer peripetalen Fasciole (fp)

noch eine seitliche (fasciola lateralis -- B fl) vorhanden, welche den

After umkreist. Scheitel meist etwas nach vorn gerückt. Obere Kreide,

hauptsächlich tertiär, selten recent.

L. Verneuili Des. (Fig. 144 A-C). Leitend für das untere Turon.

Südfrankreich, Algier.

L. Heberti Cott. Eocän. Norditalien, Pyrenäen.

L. subglobosa Lmk. sp. Mitteleocän. Schweiz, Frankreich.

Vorkommen und Verbreitung der Echinoidea.

Die fossilen Seeigel kommen, wie die lebenden, meist gesellig

vor. Die Mehrzahl derselben findet sich in Absätzen aus geringer

Meerestiefe. So weisen beispielsweise die Korallenbildungen der

Jura-Kreidezeit einen ausserordentlichen Reichthum an Seeigel-Schalen

und -Stacheln auf, namentlich der Gattungen Cidaris, Rhabdocidaris,

Hemicidaris, Pseudodiadema, Echinobrissus, Collyrites, während für

die Seichtwasserbildungen der Tertiärperiode Conoclypeus, Clypeaster,

Scutella, Echinolampas sowie manche Spatangiden-Formen als bezeichnend

gelten können. Durchschnittlich grössere Meerestiefen scheinen die

Echinoconiden und Holasteriden der Kreidezeit bewohnt zu haben, denn

auch ihre heute noch lebenden Nachkommen sind erst durch die jüngsten

Tiefseeforschungen zu Tage gefördert worden.

Sehen wir von den wenig zahlreichen Funden von Seeigeln aus

paläozoischen und triadischen Schichten ab, so finden wir zum ersten

Male zur Jurazeit, besonders vom mittleren Dogger an aufwärts reiche

Faunen, in denen alle Familien mit Ausnahme der Conoclypeiden,

Clypeastriden und Spatangiden bereits vertreten sind. Cidariden und

Diadematiden überwiegen über alle anderen Familien. In der Kreide

treten die Spatangiden neu hinzu und die Holasteriden werden durch

zahlreiche Gattungen vertreten. Erst in der allerjüngsten Kreide

erscheinen die ersten Vertreter der Conoclypeiden und Clypeastriden.

In den tertiären Faunen herrschen die Echiniden, Clypeastriden,

Echinolampiden und Spatangiden, während alle übrigen Familien sowohl

bezüglich der Häufigkeit ihres Auftretens als auch der Mannigfaltigkeit

der Formentwickelung hinter denselben zurückstehen.

Die vertikale Verbreitung der aufgeführten Gattungen ist aus

nachstehender Tabelle ersichtlich, in welcher die ausgestorbenen Formen

durch ein † bezeichnet sind. Die Maximalentwickelung einer Gattung ist

durch einen vollen Strich angedeutet:

+--------------------+---------+------+------+------+------+------+

| |Mittlerer| | | | | |

| | und | Malm |Untere| Obere|Eogen |Neogen|

| | oberer | |Kreide|Kreide| | |

| | Dogger | | | | | |

+====================+=========+======+======+======+======+======+

| { Cidaris | .... | ---- | ---- | ---- | .... | .... |

| { † Rhabdocidaris | .... | ---- | .... | | | |

|{ Salenia | | | ---- | ---- | .... | .... |

|{ † Acrosalenia | ---- | ---- | ---- | | | |

| { † Hemicidaris | .... | ---- | .... | .... | .... | |

| { † Pseudodiadema | ---- | ---- | ---- | ---- | .... | |

| { Cyphosoma | | .... | ---- | .... | .... | |

| { † Glypticus | .... | ---- | | | | |

|{ † Pedina | .... | ---- | | | | |

|{ Echinus | | | | | .... | ---- |

| { † Echinoconus | | | .... | ---- | | |

| { † Discoidea | | | ---- | ---- | | |

|{ † Pyrina | .... | .... | ---- | ---- | .... | |

| { † Conoclypeus | | | | .... | ---- | .... |

|{ Clypeaster | | | | | .... | ---- |

|{ Scutella | | | | | .... | ---- |

| { Echinobrissus | ---- | ---- | ---- | | | |

| { Echinolampas | | | | | ---- | ---- |

|{ † Collyrites | ---- | ---- | ---- | | | |

|{ † Ananchytes | | | | ---- | | |

|{ † Holaster | | | .... | ---- | | |

| { † Toxaster | | | ---- | | | |

| { † Heteraster | | | ---- | | | |

| { † Micraster | | | | ---- | .... | .... |

| { Hemiaster | | | .... | ---- | ---- | .... |

| { Linthia | | | | .... | ---- | .... |

+--------------------+---------+------+------+------+------+------+

Elemente der Paläontologie · 第 87 / 606 题