Fam. Poritidae.
Einfache oder zusammengesetzte Stöcke. Zellen mit löcherigen Mauern.
Septen dicht oder porös, zuweilen nur als Dornen entwickelt. Traversen
oft vorhanden. Synaptikel fast immer fehlend. Netzförmiges Cönenchym
meist vorhanden. Eine relativ jugendliche Familie, die schon im Jura
beginnt, aber erst seit der Tertiärzeit in zahlreichen Formen sich
entwickelt hat. Poritinae.
[Illustration: Fig. 95. Porites ramosa. Oligocän. Vicentin. A Stück
eines verzweigten Stockes. B Querschnitt einiger Zellen: w = poröse
Wand; c = Säulchen mit den Pfählchen.]
Porites Lmk. (Fig. 95). Stock knollig oder ästig, locker porös. Zellen
klein, dicht gedrängt, mit porösen Wänden (B w). Septen meist nur 12,
mit den Pfählchen und der columella (B c) zu einem porösen Gewebe
verwachsen. Fossil von der Kreide an. Lebend als wichtige Riffkoralle.
P. ramosa (Fig. 95). Oligocän. Vicentin.
P. incrustans Rss. Miocän. Wiener Becken.
P. solida Forsk. Lebend. Rothes Meer.
B. Stöcke meist ästig. Die Einzelpolyparien in ein poröses Cönenchym
gebettet. Von den 6 oder 12 Sternlamellen zeichnen sich zwei durch
besondere Stärke aus. Säulchen fehlt. Septa meist dicht. Madreporinae.
Madrepora L. (Fig. 96). Charakter der Familie. Meist nur wenige,
höchstens 12 Sternleisten, von denen zwei bis zur Mitte des Kelches
reichen und sich dort zu einer Scheidewand vereinigen (C s). Kelchwand
deutlich, porös (B k). Cönenchym schwammig oder porös (c). Lebend in
zahlreichen Arten. Fossil im Tertiär.
M. Solanderi Dfr. (Fig. 96). Obereocän. England, Frankreich.
M. corymbosa Lmk. Lebend. Indischer Ocean.
M. cervicornis Lmk. Lebend. Antillen.
[Illustration: Fig. 96. Madrepora Solanderi Dfr. Obereocän. Acy, Dép.
Oise. A ein Stück in natürlicher Grösse. B die etwas abgeriebene
Oberfläche vergrössert; k = Kelche, die Reste der Septen und die
durchbohrte Mauer zeigend; c = Cönenchym. C ein Kelch mit erhaltenen
Septen; s = die zwei bis zur Mitte reichenden Septen.]
[Illustration: Fig. 97. A Dendrophyllia elegans Dunc. Mitteleocän.
Bracklesham, England. Querschnitt einer Zelle. c = Säulchen; 1 = Septen
des ersten Cyclus; 4 u. 5 = die sich vereinigenden und bis zum Centrum
reichenden Septen des vierten Cyclus. B Stephanophyllia imperialis
Mich. Miocän. Lapugy, Siebenbürgen. Von oben gesehen. c = Säulchen.]
C. Einzelpolypare, oder zusammengesetzte Stöcke ohne Cönenchym.
Wandporen fein. Septa zum Theil dicht, zum Theil porös, einige seitlich
mit einander verschmelzend (Fig. 97 A 4 u. 5), zahlreich (mehr als 12).
Eupsamminae.
Stephanophyllia Mich. (Fig. 97 B). Korallenstock einfach, frei,
scheibenförmig, mit platter, radial gerippter, nackter, durchlöcherter
Wand. Oberfläche stark gewölbt, mit tiefer sechsseitiger Centralgrube,
in deren Mitte ein blattförmiges, schwammiges Säulchen (B c). Septa
zahlreich, an den Seiten mit spitzen Höckern versehen, zum Theil
porös und, mit Ausnahme der sechs Primärsepten, unter einander zu
einem Maschenwerk verschmelzend. Von der oberen Kreide bis ins Neogen
verbreitet.
St. imperialis Mich. (Fig. 97 B). } Miocän und Pliocän. Wiener
St. elegans Br. sp. } Becken und Italien.
Dendrophyllia Blv. (Fig. 97 A). Aestige oder massive, durch seitliche
Knospung sich vermehrende Stöcke, deren Aussenseite mit körnigen,
geschlängelten Rippen bedeckt ist. Mauer fein porös. Die rundlichen
oder zusammengedrückten Zellen enthalten ein schwammiges Säulchen (c)
und zahlreiche Sternlamellen. Diejenigen des ersten und zweiten Cyclus
(1 u. 2) etwa gleich lang, gegen aussen schwach verdickt. Diejenigen
des dritten (3) kurz, die des vierten (4 u. 5) mit einander sich
bogenförmig vereinigend und bis zum Centrum reichend. Tertiär und
lebend.
D. elegans Dunc. (Fig. 97 A). Mitteleocän. England.
D. amica Mich. sp. Miocän. Touraine, Piemont.
D. ramea L. sp. Lebend. Mittelmeer.
Geologische Verbreitung der Hexacoralla.
Riffbauende Korallen, namentlich aus den Familien der Astraeiden,
Oculiniden, Thamnastraeiden und Poritiden finden sich in verschiedenen
Horizonten der mesozoischen und känozoischen Formationen sehr häufig.
Die wichtigsten Vorkommnisse derselben sind in folgender Uebersicht dem
Alter nach dargestellt:
Tertiär: Pleistocän u. Pliocän: Rothes Meer, Japan
Miocän: Wiener Becken, Piemont, Touraine
Oligocän: Steyermark, Vicentin, Westindien
Eocän: Nord- und Südrand d. Alpen, N. Pyrenäen,
Pariser Becken, Vicentin,
Arabien, Libyen, Westindien
Kreide: Danien: Mastricht (Holland), Faxe (Insel Seeland)
Oberes Turon u. Senon: Südfrankreich, Venetien, Salzkammergut
(Gosau-Schichten)
Cenoman: Dép. de la Sarthe
Urgon: Nordalpen (Schrattenkalk)
Neocom: Dép. de la Hte. Marne, Krim
Jura: Tithon: Mähren, Savoyen, Apennin
Kimmeridge: Schwaben (Nattheim), Schweizer Jura
Oxford: England, Norddeutschland, Lothringen,
Badisches Oberland, Schweizer
Jura, Frankreich (sog. Corallien)
Oberer Dogger: England, Normandie, Oberes Rheinthal,
Schweizer Jura
Mittlerer Dogger: Lothringen, Schwaben
Lias: England, Luxemburg
Trias: Rhätische Stufe: Lithodendronkalke der Nord- und
Südalpen
Karnische Stufe: Dolomitalpen (St. Cassian)
Norische Stufe: Salzkammergut (Zlambach-Schichten).
Tiefsee-Korallen trifft man vereinzelt in den verschiedensten
Horizonten an.
Ausgestorbene Gruppen der Anthozoa.
Die in der mesozoischen und känozoischen Periode so formenreich
entwickelten Hexacoralla fehlen in den paläozoischen Ablagerungen
gänzlich. Ihre Stelle vertreten zwei vollständig erloschene Gruppen,
die der Zoantharia rugosa (oder Tetracoralla) und die der Z. tabulata.