Madreporaria

oder Steinkorallen (auch Hexacoralla genannt), bestehen aus einem

einzigen oder mehr oder minder zahlreichen, zu Colonien (oder Stöcken)

vereinigten Polypenthieren, die einem Skelet aus kohlensaurem Kalke

aufsitzen und sich theilweise in dasselbe zurückziehen können (Fig.

82). Das Kalkskelet oder Polypar wird vom Thiere abgesondert und giebt

die Gestalt desselben in seinen Grundzügen wieder. Indem nämlich jedes

Polypenthier an seiner Basis (dem Fussblatte) und an den Seiten Kalk

ausscheidet, entsteht eine cylindrische oder becherförmige Kalkzelle

(Einzelpolypar, Fig. 82, Fig. 83 A). Zwischen den Mesenterialfalten

der Leibeswand (p. 84, Fig. 82 f) entstehen ebenfalls kalkige

Längsscheidewände, die Sternlamellen oder Septen heissen (Fig. 82

s; Fig. 83 A s, B 1-5). Ihre Zahl, Anordnung und Grösse giebt ein

getreues Abbild des Mesenterialapparates. Die Anzahl der Septen

einer Zelle ist grossen Schwankungen unterworfen (12 bis über 100)

und nimmt mit dem Alter des Thieres zu. Die Grundzahl ist bei den

lebenden und postpaläozoischen Korallen fast durchgängig sechs (bei

der ausgestorbenen Abtheilung der Rugosa vier). Je sechs Septen (oder

ein Vielfaches dieser Zahl) ragen etwa gleich weit in die Zellhöhlung

hinein und werden zu einem Cyclus zusammengefasst. Die sechs mit »1«

bezeichneten Septen der Fig. 83 B gehören dem ersten Cyclus an, die

mit »2« bezeichneten dem zweiten, die mit »3« dem dritten und die mit

»4« und »5« bezeichneten dem vierten. Die Septen entstehen aber nicht,

wie früher angenommen wurde, genau in der Reihenfolge der Cyklen. Der

Oberrand der Septen ist glatt (Fig. 90 c), gekörnelt oder gezähnt (Fig.

85 A); auch die Seitenflächen können mit Körnerreihen besetzt sein.

[Illustration: Fig. 82. Astroides calycularis Lmk. sp. Lebend.

Mittelmeer. Längsschnitt. Das Kalkskelet (s, cd) punktirt, die

Weichtheile schraffirt gezeichnet. s = Sternlamellen oder Septen. cd =

Säulchen.]

[Illustration: Fig. 83. Parasmilia centralis Mant. sp. Obere Kreide:

Senon. England. A eine Zelle der Länge nach aufgeschnitten. B dieselbe

von oben gesehen. s und 1-5 = Septen, am Oberrand gekörnelt. c =

Säulchen.]

Oft erhebt sich in der Mitte der Zelle ein cylindrisches, compactes

(Fig. 82 cd) oder schwammiges (Fig. 83 c) Kalkgebilde, das

Säulchen (oder columella). Kleinere, um das Säulchen herumstehende

Kalkpfeilerchen heissen Pfähle (oder pali) (Fig. 91 B). Die zwischen

den Septen und im unteren vom Thiere nicht mehr bewohnten Theile der

Zelle ausgeschiedenen Kalkbildungen werden unter dem Namen Endothek

zusammengefasst. Entweder füllt sich die Zelle von unten herauf mit

dichter Kalkmasse an (Oculinidae, Fig. 89) oder es werden zwischen den

Septen in gewissen Abständen horizontale, schräge, seltener vertikale

Kalkblätter, die sog. Traversen (Fig. 84 tr) abgeschieden, welche den

nicht mehr bewohnten Theil der Zelle vom Thiere mehr oder weniger

vollkommen abschliessen. Bei der ausgestorbenen Abtheilung der Z.

tabulata (p. 108) zeichnen sich diese Böden (tabulae) durch besondere

Regelmässigkeit aus (Fig. 110 Ct, t’). Zur Stütze der getrennt von

einander entstehenden Septen dienen die sog. Synaptikel, cylindrische

oder conische Kalkstäbchen, welche durch Zusammenwachsen von seitlichen

Fortsätzen je zweier benachbarter Septen entstehen (Fig. 84 p). Eine

compacte Kalkhülle (eine sog. Wand) der einzelnen Zelle tritt meist nur

bei denjenigen Korallen auf, welche keine Synaptikel besitzen (vgl.

Tabelle p. 90). Die Aussenseite der Zellwand ist oft mit Längsrippen

(Fig. 90 B) verziert oder mit einer dichten runzeligen Kalklage, der

sog. Epithek (Fig. 85 oben) bedeckt.

Vielfach besteht der Korallenstock nur aus einer einzigen Zelle (Fig.

83; Fig. 85); in diesem Falle geschieht die Vermehrung meist durch

Eier. Gewöhnlich vereinigt sich eine grössere Anzahl Zellen zu einem

Stocke (Fig. 86 A). Bleiben die Zellen nur in ihrem unteren Theile

im Zusammenhange, so entstehen bündelförmige, buschige oder ästige

Formen (Fig. 86 A), legen sich die Zellen ihrer ganzen Länge nach an

einander (Fig. 88) oder werden sie durch eine kalkige Skeletbildung

des Cönosarks, durch das sog. Cönenchym (p. 85, Fig. 108 c) verbunden,

so entstehen massige oder knollige Stöcke. In diesen Fällen geht die

Vermehrung der Zellen durch Knospung oder Selbsttheilung vor sich.

[Illustration: Fig. 84. Cyclolites. Vertikalschliff, mehrere Septen

(t) durchschnitten zeigend. tr = Traversen zwischen den Septen. p =

Synaptikel.]

Die Zoantharia leben ausschliesslich im Meere. Sie finden sich zum

Theil in grösseren Meerestiefen (von 50-1500 Faden); doch sind das

meist die kleineren Formen, Einzelkorallen oder locker gebaute Stöcke.

Die riffbauenden Korallen beschränken sich auf die wärmeren Meere

zwischen 32° N. Br. und 29° S. Br., wo sie in nur geringer Tiefe (bis

zu 20 Faden) lebend angetroffen werden. Da die Mächtigkeit der Riffe

diesen Betrag aber häufig bedeutend übersteigt, so muss für solche

Gegenden eine allmähliche, positive Verschiebung des Meeresspiegels

angenommen werden. Die Korallenriffe der Tertiärperiode und des

Mesozoicums sind von Korallen erzeugt, welche sich von den heutigen

nicht wesentlich unterscheiden, während die Riffe der paläozoischen

Periode von den ausgestorbenen Abtheilungen der Zoantharia rugosa und

Z. tabulata aufgebaut wurden.

Die mesozoischen, tertiären und lebenden Korallen (Hexacoralla)

werden nach dem Fehlen oder Vorhandensein einer Einzelmauer, nach der

Beschaffenheit der Septa und nach der Art der Endothek in fünf Familien

eingetheilt, deren wichtigste Merkmale aus nachstehender Tabelle zu

entnehmen sind:

+-------------------+--------------+--------------+--------------+--------------+--------------+

| Familie | Einzelmauer | Cönenchym | Traversen | Synaptikel | Septa |

+===================+==============+==============+==============+==============+==============+

| | vorhanden, | vorhanden | vorhanden | vorhanden | porös oder |

| Poritidae | (porös) oder | oder fehlt | oder | | dicht |

| | fehlend | | fehlend | | |

+-------------------+--------------+--------------+--------------+--------------+--------------+

| | | | | | |

| Fungidae | fehlt | fehlt | selten | zahlreich | dicht, |

| | | | | | gezähnt |

+-------------------+--------------+--------------+--------------+--------------+--------------+

| | | | | | löcherig, |

| Thamnastraeidae | fehlt | fehlt | vorhanden | vorhanden | z. Th. dicht |

| | | | | | werdend |

+-------------------+--------------+--------------+--------------+--------------+--------------+

| | | | | | |

| Astraeidae | vorhanden, | meist | vorhanden | fehlen | dicht, meist |

| | dicht | fehlend | | | gezähnt |

+-------------------+--------------+--------------+--------------+--------------+--------------+

| | | | | | dicht, |

| Oculinidae | vorhanden, | vorhanden | selten | fehlen | meist |

| | dicht | oder fehlt | | | ganzrandig |

+-------------------+--------------+--------------+--------------+--------------+--------------+

Eintheilung der Hexacoralla.

A. Einzelmauer vorhanden, dicht, Synaptikel fehlend, Wachsthum

vorwiegend acrogen, d. h. in die Höhe. Septa der benachbarten Kelche

nicht zusammenfliessend, dicht.

1. Traversen zahlreich und stets vorhanden. Cönenchym fehlend oder von

den über die Mauer hinaus verlängerten Rippen mit dazwischen

liegenden Traversen gebildet. Oberrand der Septen meist gezähnt

Fam. Astraeidae p. 90-93.

2. Traversen selten. Kelche häufig durch compacte Kalkmasse von unten

her sich auffüllend. Cönenchym fehlend, dicht oder blasig. Oberrand

der Septen meist ganz

Fam. Oculinidae p. 93-95.

B. Einzelmauer fehlend oder porös. Wachsthum vorwiegend prolat, d. h.

seitlich, selten (Poritidae) acrogen. Synaptikel immer vorhanden, meist

zahlreich. Septa der benachbarten Kelche meist zusammenfliessend.

α) Einzelmauer fehlend. Synaptikel auf der ganzen Fläche der Septa

zerstreut.

1. Septa mehr oder weniger löcherig. Traversen vorhanden, zahlreich

Fam. Thamnastraeidae p. 95-96.

2. Septa dicht. Traversen fehlend oder äusserst selten und schwach

Fam. Fungidae p. 96-97.

β) Die Synaptikel in der Mitte des Kelches fehlend, nahe der Peripherie

zahlreich und dort ein netzförmiges Cönenchym oder poröse

Einzelmauern bildend. Septen dicht oder porös. Traversen vorhanden

oder fehlend

Fam. Poritidae p. 97-99.

Fam. Astraeidae.

Einzelkorallen oder zusammengesetzte Stöcke mit compactem Skelet.

Einzelmauern nie fehlend, dicht, wenn mit einander verschmolzen,

durch Anschleifen sichtbar werdend. Sternlamellen zahlreich, dicht,

am Oberrande meist gezähnt. Traversen vorhanden. Synaptikel fehlend.

Rippen meist wohl entwickelt. Cönenchym durch die über die Wand

hinausragenden und durch Traversen verbundenen Rippen gebildet. Von der

Trias an bis in die Gegenwart reichlich entwickelt. Maximalentwickelung

im Jura und in der Kreide.

A. Oberrand der Sternlamellen und die Rippen gezähnt. Seitenflächen

der Sternlamellen mit Rippen oder Körnerreihen, welche senkrecht zum

Oberrand stehen. Astraeinae.

α) Vermehrung durch Selbsttheilung.

Montlivaultia Lmk. (Fig. 85). Einfache, cylindrische oder

scheibenförmige Zellen mit dicker, concentrisch runzeliger Epithek;

die aber leicht abwittert. Septen sehr zahlreich und stark, tief

gezähnt. Traversen reichlich. Säulchen fehlt. Von der Trias- bis in die

Tertiärzeit, besonders häufig im Jura.

M. obliqua Mnst. Unterer Alpenkeuper (Karnische Stufe). Südtirol.

M. polymorpha Terqu. & P. Unterer Lias (α). England,

Lothringen.

M. caryophyllata Lmk. (Fig. 85). Oberer Dogger. }

} Mitteleuropa.

M. decipiens Gf. sp. Oberer Dogger. }

M. truncata Mnstr. sp. } Unterer und oberer Malm. Frankreich,

} Schweiz, Deutschland.

M. obconica Dfr. sp. }

[Illustration: Fig. 85. Montlivaultia caryophyllata Lmk. Oberer Dogger

(Grossoolith). Caen, Normandie. Von der Seite (obere Figur) und von

oben (untere Figur) gesehen.]

[Illustration: Fig. 86. Calamophyllia subdichotoma Mnstr. Unterer

Alpenkeuper (Karnische Stufe). St. Cassian, Südtirol. A Theil eines

rasenförmigen Stockes von oben. B eine in Zweitheilung begriffene Zelle

von der Seite. C Querschnitt eines Kelches, die Septen und Traversen

zeigend.]

Calamophyllia (Fig. 86 A-C). Korallenstock rasenförmig. Zellen

mehr oder minder verlängert, nur wenig mit den Seiten verwachsen.

Sternlamellen zahlreich. Wand mit kragenförmigen Absätzen und

Längsrippen (B). Traversen schräg, zahlreich (C). Säulchen fehlt. Trias

-- Kreide. Häufig.

C. subdichotoma Mnst. (Fig. 86). Alpenkeuper (Karnische Stufe).

C. radiata Lmk. sp. Oberer Dogger. Mitteleuropa.

C. flabellum Mich. Unterer und oberer Malm. Mitteleuropa.

Eine nahe verwandte Gattung Thecosmilia (trichotoma Gf., Malm)

findet sich ebenfalls häufig von der Trias bis in das Tertiär.

Leptoria E. & H. (Fig. 87). Stock massig; Kelche zu gewundenen Reihen

vereinigt, die durch die Kelchwände getrennt werden. Septa zahlreich.

Säulchen blattförmig. In Jura, Kreide und Tertiär. Diese Gattung steht

der lebenden Maeandrina Lmk. nahe.

L. Konincki Rss. (Fig. 87). Unteres Senon (Hippuritenkreide). Alpen

und Südfrankreich.

[Illustration: Fig. 87. Leptoria Konincki Rss. Oberes Turon

(Hippuritenkreide). Gosau, Salzkammergut.]

[Illustration: Fig. 88. Isastraea helianthoides Gf. sp. Oberer Malm.

Nattheim, Schwaben.]

β) Vermehrung durch Knospung. Stöcke massiv. Zellen dicht gedrängt.

Isastraea E. & H. (Fig. 88). Stock massiv. Zellen polygonal, ihrer

ganzen Länge nach eng mit einander verwachsen. Kelche tief. Säulchen

fehlt. Septa zahlreich, fein gezähnt. Unterseite mit Epithek. Trias bis

Kreide in zahlreichen Arten.

I. sinemuriensis d. From. Unterer Lias. England, Frankreich.

I. limitata Lmk. sp. Oberer Dogger. Mitteleuropa.

I. helianthoides Gf. sp. (Fig. 88) } Unterer und oberer Malm.

I. explanata Gf. sp. } Mitteleuropa.

Die vom Jura bis in die Jetztzeit ebenfalls sehr häufig vorkommende

Gattung Heliastraea E. H. unterscheidet sich durch kreisrunde, durch

Zwischenräume von einander getrennte Kelche und durch die Existenz

eines Säulchens. H. cribraria Mich. Obere Kreide. Südfrankreich.

B. Oberrand der Sternlamellen glatt. Körnerreihen auf den Seiten

derselben parallel dem Oberrande. Meist einfache Stöcke, selten ästig

oder asträoidisch. Eusmilinae.

Parasmilia (Fig. 89). Eine einfache, conische Zelle von rundem

Querschnitt; mit platter Basis aufgewachsen. Sternlamellen (s, 1-5)

zahlreich, vorstehend, mit horizontalen Körnerreihen an den Seiten.

Oberrand nicht gezähnt. Traversen spärlich. Säulchen schwammig (c).

Jura -- Tertiär.

P. centralis Mnt. sp. (Fig. 89). Senon. England. Frankreich.

Norddeutschland. Häufig verkieselt als Diluvialgeschiebe in

Norddeutschland.

Von den ästigen Formen dieser Abtheilung wäre Plocophyllia Rss.

(calyculata Rss. Oligocän. Vicentin) als häufig zu erwähnen.

[Illustration: Fig. 89. Parasmilia centralis Mnt. sp. Obere Kreide:

Senon. England. A eine Zelle der Länge nach aufgeschnitten. B eine

Zelle von oben gesehen; s, 1-5 = Septen; c = schwammige Columella.]

Fam. Oculinidae.

Mauern oft verdickt, undurchbohrt. Septen fast immer ganzrandig.

Traversen selten; statt derselben auch wohl eine compacte Endothek.

Zuweilen ein dichtes oder blasiges Cönenchym vorhanden.

A. Stöcke meist ästig. Skelet sehr compact, mit reichlichem,

oberflächlich glattem, mit den Wänden verschmolzenem Cönenchym. Zellen

cylindrisch, Zellhöhlung trichterförmig, unten sehr eng. Septa wenig

zahlreich, dicht. Synaptikel und Traversen fehlen. Vom Jura an; nicht

besonders häufig. Oculininae.

Enallohelia E. & H. (Fig. 90). Korallenstock ästig verzweigt. Die

kleinen Zellen zweizeilig, in einem äusserlich gestreiften oder

gekörnelten compacten Cönenchym gelegen. Aussenseite der Wand mit

deutlichen Rippen (B, r). Kelche kreisrund, tief trichterförmig. Septen

wenig zahlreich (c). Säulchen vorhanden, aber oft nur schwer sichtbar.

Im oberen Jura.

[Illustration: Fig. 90. Enallohelia compressa Mnstr. sp. A ein

verzweigtes Stück des Stockes. B ein kleines Stück vergrössert; r =

Rippen. C eine Zelle von oben mit zwei Cyklen von Septen. 1 = erster, 2

= zweiter Cyclus.]

E. elegans Mnstr. sp. } Unterer und oberer Malm.

E. compressa Mnstr. sp. (Fig. 90) } Mitteleuropa.

Die verwandte lebende, auch im Tertiär vorkommende Gattung Oculina

Lmk. zeichnet sich durch den Besitz von Pfählchen aus.

B. Einzelzellen mit zahlreichen, meist ganzrandigen Septen. Kelche

leer, d. h. ohne irgendwelche endothekalen Bildungen. Vom Jura an,

hauptsächlich tertiär und lebend. Turbinolinae.

Caryophyllia Stokes. Kreiselförmig; im Habitus der Gattung Parasmilia

(p. 93) ähnlich. Säulchen aus gedrehten Stäben gebildet, von einem

Pfählchenkranze umgeben. Kreide -- Lebend.

C. cylindracea Rss. Obere Kreide: Senon. Nordeuropa.

C. cyathus Sol. Lebend. Mittelmeer.

Thecocyathus E. & H. (Fig. 91). Niedrig kreiselförmige, kleine Zellen

mit zahlreichen, relativ starken und gut entwickelten Sternlamellen.

Das bündelförmige Säulchen von mehreren Pfählchenkränzen umgeben (B).

Aussenwand mit Epithek und ringförmigen Einschnürungen (A). Vom Lias

bis zur Gegenwart.

Th. mactra Gf. sp. (Fig. 91). Unterster Dogger (Torulosus-Schicht).

Frankreich, Süddeutschland.

[Illustration: Fig. 91. Thecocyathus mactra Gf. sp. Untere Grenze

des Doggers (Torulosus-Schicht). Schwaben. A eine Zelle von der

Seite gesehen. B von oben, die Sternlamellen, das Säulchen und die

zahlreichen Pfählchen zeigend.]

[Illustration: Fig. 92. Stylina Labechei E. & H. Unterer Malm:

Korallenkalk des Oxford. England. A Stück eines Stockes von oben. B

einige angewitterte Kelche von der Seite; tr = Traversen der Kelche, ex

= Traversen zwischen den Kelchen (Exothek); ep = Epithek; c = Säulchen;

r = Rippen.]

Die Gattung Trochocyathus E. & H., welche vom Jura an bis in die

Tertiärzeit in zahlreichen Arten verbreitet ist, unterscheidet sich

durch die meist verlängerte Gesammtform und die deutlichen Rippen.

Tr. conulus Mich. sp. Gault. Frankreich, England.

Tr. Magnevillianus Mich. sp. Mittl. Dogger. Frankreich, England.

Ceratotrochus E. & H. Kelch von ovalem Querschnitt. Zelle meist

gebogen. Septa und Säulchen stark. Rippen stachelig. Pfählchen fehlen.

Kreide und Tertiär.

C. Stöcke bündelförmig, ästig oder asträoidisch. Kelche meist klein,

mit wenig zahlreichen, ganzrandigen Septen. Traversen wohl entwickelt.

Zuweilen ein blasiges oder poröses Cönenchym vorhanden. Stylininae.

Stylina Lmk. (Fig. 92). Stock massig oder knollig, mit gefalteter

Epithek (B ep). Zellen durch ihre von Traversen (tr) durchsetzten

Rippen (r) (die sog. Exothek) getrennt. Kelche kreisrund oder oval,

vorstehend. Der Raum zwischen den Kelchen mit Rippen (A r) bedeckt.

Septa ganzrandig, nach der 6-, 8- oder 10-Zahl geordnet. Traversen

reichlich (tr). Säulchen griffelförmig (c). Trias -- Kreide, besonders

häufig im Jura.

St. solida M’C. sp. Mittlerer und oberer Dogger.

St. Labechei E. & H. (Fig. 92). Unterer und oberer Malm. Septen

achtzählig.

St. tubulosa Gf. sp. Unterer Malm. Septen sechszählig.

St. micrommata Qu. Oberer Malm. Septen sechszählig.

St. lobata Gf. sp. Unterer und oberer Malm. Septen zehnzählig.

Cryptocoenia d’Orb. unterscheidet sich nur durch das Fehlen des

Säulchens. Verbreitung wie Stylina. Häufig in den Korallenriffen des

Malm ist Cr. limbata Gf. sp.

Astrocoenia E. & H. und Stephanocoenia E. & H. finden sich häufig

in Jura, Kreide und Tertiär, die letztere auch noch in der Gegenwart.

Ihre Zellen sind nicht rund, sondern polygonal und direct mit ihren

Wänden verwachsen. Sie besitzen ein Säulchen und St. auch Pfählchen.

A. ramosa Sow. sp. Obere Kreide (Hippuritenkreide). Südfrankreich.

Salzkammergut.

St. pentagonalis Gf. sp. Oberer Malm. Schwaben.

Fam. Thamnastraeidae.

Einfache oder zusammengesetzte, meist flach ausgebreitete Stöcke. Die

Zellen besitzen keine seitlichen Wände -- höchstens eine horizontale

oder bei zusammengesetzten Stöcken eine gemeinschaftliche Wand. Septen

meist löcherig, mit zahlreichen Synaptikeln (p) und Traversen (tr).

Oberrand der Septen gekörnelt. In Trias, Jura und Kreide häufig, selten

tertiär und recent.

[Illustration: Fig. 93. Cyclolites. A C. undulata Lmk. Oberes Turon

(Hippuritenkreide). Gosau, Salzkammergut. Eine Zelle von oben gesehen.

B Verticalschnitt durch einige Septen von Cyclolites; t = Septen,

(die von der Seite gesehen löcherig erscheinen); tr = Traversen; p =

Synaptikel.]

Cyclolites Lmk. (Fig. 93). Eine einfache, freie Zelle mit dichter,

horizontaler, flacher Wand, die mit einer runzeligen Epithek bedeckt

ist. Oberfläche gewölbt, mit einer länglichen Centralgrube (A).

Septen ausserordentlich zahlreich, sehr dünn, löcherig, bis zum

Centrum reichend, Synaptikel aussendend, die in der Mitte verwachsen

(p). Traversen (tr) zahlreich. Kreide und Tertiär. Sehr häufig in der

Hippuritenkreide Südeuropas (Turon und Senon).

C. undulata Mich. sp. (Fig. 93) } Oberes Turon und Senon.

C. elliptica Lmk. } Südfrankreich, Salzkammergut.

Thamnastraea Lesv. (Fig. 94). Zusammengesetzte Stöcke, flach

ausgebreitet, verkehrt conisch oder pilzförmig, von einer gemeinsamen,

meist auf die Unterseite beschränkten, mit feinen Rippen versehenen

Wand (A w) umgeben. Die Einzelzellen ohne äusserlich sichtbare Mauern;

vielmehr fliessen die Septen benachbarter Zellen direct in einander.

Im Radialschliff sind die Wände durch die fächerförmige Stellung der

die Septen aufbauenden, knotigen Bälkchen (Trabekel) angedeutet (B t).

Septa zahlreich, aus mehr oder minder stark verschmolzenen knotigen

Trabekeln zusammengesetzt (t), wodurch das Septum porös erscheint (B

p). Traversen und Synaptikel wie bei Cyclolites (Fig. 93). Ein warziges

Säulchen. Eine wichtige fossile Gattung, von der Trias bis in das Eogen

verbreitet, besonders häufig in Jura und Kreide.

Th. Mettensis E. & H. Mittlerer Dogger. Lothringen, England.

Th. arachnoides Park. sp. Unterer und oberer Malm. England,

Frankreich, Schweiz, Schwaben.

Th. prolifera Beck. (Fig. 94 A). Oberer Malm. Schwaben.

Th. Lennisii A. Roe. Neocom. Harzrand, Frankreich.

Th. agaricites Gf. sp. Turon und Senon (Hippuritenkreide).

Salzkammergut, Südfrankreich.

Th. centrifuga Rss. Oligocän. Vicentin.

[Illustration: Fig. 94. A Thamnastraea prolifera Beck. Oberer Malm.

Nattheim, Schwaben. w = die mit feinen Längsrippchen bedeckte

gemeinsame Wand. B Radialschliff von Thamnastraea. Seitenansicht eines

zwei benachbarter Kelchen gemeinsamen Septums. m = die Grenze der

beiden Zellen. t = Trabekeln. p = Poren.]

Fam. Fungidae.

Einfache oder zusammengesetzte Stöcke mit ausgeprägt seitlichem

Wachsthum. Septa zahlreich, dicht, gezähnt. Einzelmauern fehlen, in

der Regel auch die Traversen. Synaptikel vorhanden. Seit der Jurazeit,

aber vorwiegend tertiär und lebend. Als Beispiel mag hervorgehoben

werden:

Cyathoseris E. &. H. Zusammengesetzte Stöcke, seitlich ausgebreitet.

Die wenig tiefen Kelche mit zahlreichen, gewundenen Septen, welche

mit denen der Nachbarkelche verschmelzen. Epithek und Säulchen fehlt.

Kreide und älteres Tertiär.

Elemente der Paläontologie · 第 63 / 606 题