Die Skeletelemente der Lithistiden besitzen nur selten die eigentliche
Nadelform, vielmehr erscheinen sie zu wurzelförmig verästelten
Körperchen von vier- oder einstrahliger oder unregelmässiger Form
umgestaltet. Die verästelten Enden der Arme verhaken und verflechten
sich meist mit den gleichen Bildungen der Nachbarelemente derart,
dass ein festes, steinartiges, nach dem Tode des Thieres nur selten
zerfallendes Skelet entsteht (Fig. 48 B). Aus diesem Grunde besitzen
die Lithistiden unter den Tetractida die grösste Wichtigkeit für den
Paläontologen. Neben den eigentlichen Skeletelementen finden sich frei
in der Sarkodine liegend an der Oberfläche des Skelets einfache oder
gegabelte Vierstrahler (sog. Anker), wie sie bei den Tetractinelliden
die Regel sind; auch Einstrahler und gelappte Kieselscheiben kommen
vor. Diese Oberflächenkörper bilden oft eine poröse (scheinbar dichte)
Deckschicht über dem Schwammkörper.
Die Gesammtform des Lithistiden-Skelets ist grossen Schwankungen
unterworfen. Bald ist dasselbe frei, bald aufgewachsen und dann oft
mit einer stielartigen Verlängerung und zackigen Wurzel versehen.
Der Körper kann kugelig, birnförmig, cylindrisch, becherförmig,
schüsselförmig, ästig verzweigt oder ganz unregelmässig knollig sein.
Da die meisten Lithistiden im Gegensatze zu den Hexactinelliden sehr
dickwandige Schwämme sind, so zeigt sich auch meist ein complicirtes
Canalsystem entwickelt. Grössere Ausfuhröffnungen (als Mündungen
der Centralhöhlen) sind häufig vorhanden (Fig. 41 A a; Fig. 45 A
a). Zuweilen tritt ein Bündel senkrechter Röhren an die Stelle der
Centralhöhle (Fig. 49 A). Gebogene, der Oberfläche des Schwammes
nahezu parallel verlaufende (sog. concentrische) Canäle münden oft
in die Centralhöhle (Fig. 41 A c). Andere Canäle stehen mehr oder
weniger senkrecht zur Oberfläche (sog. Radialcanäle, Fig. 41 A b).
Die Grösse der Canäle wechselt sehr, oft sinken sie zu der Grösse
einfacher Einströmungsöffnungen herab und lassen sich von den Lücken
des Skeletgewebes nicht unterscheiden. Zuweilen vereinigen sich die
radialen Canäle zu Vertikalspalten, die dem Schwammkörper einen
scheinbar gesetzmässig radiären Bau verleihen (Fig. 48 A r).
Nach der Form und der Art der Verflechtung der Skeletelemente
unterscheidet man folgende vier Familien:
1. Fam. Tetracladina. Skeletelemente vierstrahlig, mit vierstrahligem
Achsencanal, mit nicht verdicktem Centrum. Die wurzelartig verzweigten
Enden benachbarter Skeletelemente verflechten sich mit einander (oft zu
knorrigen Knoten) (Fig. 36).
2. Fam. Anomocladina. Skeletelemente im Centrum verdickt, mit vier oder
mehr Armen, die zum Theil mit Achsencanälen versehen sind. Die Arme
legen sich alle oder zum Theil mit ihren plattig verbreiterten Enden an
den centralen Knopf (Fig. 37) oder an den unteren Theil der Arme der
Nachbarelemente an (Fig. 37).
3. Fam. Rhizomorina. Skeletelemente mehr oder weniger verlängert,
unregelmässig knorrig, mit einem einfachen geraden oder gebogenen
Achsencanal (Fig. 38). Die Skeletelemente verflechten sich in
unregelmässiger Weise mit ihren Aestchen und Zacken (Fig. 48 B).
4. Fam. Megamorina. Skeletelemente verlängert, sehr gross, sparsam
verästelt, mehr oder weniger glatt, mit einem einfachen Achsencanal
(Fig. 39); sie verflechten sich zu groben Faserzügen (Fig. 51 B).
[Illustration: Fig. 36. Skeletelement einer Tetracladine mit
vierstrahligem Achsencanal.]
[Illustration: Fig. 37. Zwei Skeletelemente einer Anomocladine mit
verdickten Centren. Das obere Element stützt sich mit einem, von einem
Canale durchzogenen Arme gegen das verdickte Centrum des unteren.]
[Illustration: Fig. 38. Skeletelement einer Rhizomorine mit einfachem
gebogenen Achsencanal.]
[Illustration: Fig. 39. Skeletelement einer Megamorine mit einfachem
Achsencanal.]
Die relativ geringe Zahl der heutigen Lithistiden findet sich in
mittleren Meerestiefen der wärmeren Meere, wo sie meist gesellig und
mit Hexactinelliden vergesellschaftet vorkommen. Alle vier Familien
sind noch jetzt vertreten, die Megamorina und Anomocladina jedoch nur
in wenigen Formen.
Fam. Tetracladina.
[Illustration: Fig. 40. Skeletelement einer Tetracladine mit 4
glatten, an den Enden verzweigten und verästelten, von je einem Canale
durchzogenen Armen. (Der vierte Strahl wird durch die drei anderen zum
grössten Theile verdeckt.)]
Diese Familie zeichnet sich durch deutlich vierstrahlige Skeletelemente
aus. Jeder Arm derselben besitzt einen Achsencanal (Fig. 40). An ihren
Enden sind die Arme oft gegabelt und verzweigt. Die knorrigen Enden der
benachbarten Skeletelemente haken in einander und bilden so ein mehr
oder minder solides Skelet. Isolirte oberflächliche Skeletelemente
breiten sich häufig plattig aus und bilden eine Art Deckschicht (Fig.
43 B).
Die Tetracladinen sind neben den Rhizomorinen die wichtigste Familie
der Lithistiden, beginnen im Silur, finden sich noch spärlich im Jura,
erreichen erst in der Kreide ihre hauptsächlichste Entwickelung und
finden sich lebend noch in mehreren Gattungen.
A. Arme der Skeletelemente glatt (Fig. 40).
a. Ohne Wurzel.
Aulocopium Osw. (Fig. 41). Schwammkörper kugelig, halbkugelig oder
kreisrund, ohne Anheftungsstelle, mit einer tief trichterförmigen (auf
Fig. 40 A weiss gelassenen) Centralhöhle, in welche bogenförmige, der
Oberfläche nahezu parallel verlaufende, sog. concentrische Canäle (c)
einmünden. Zahlreiche feinere Canäle (Radialcanäle) (b) verlaufen vom
unteren Ende des Schwammes bis zur Oberfläche. Die Unterseite wird von
einer scheinbar dichten Nadelschicht bedeckt. Skeletelemente deutlich
vierstrahlig, wenn gut erhalten. Der untere Theil des Schwammes ist
fast immer mit Chalcedon ausgefüllt, weshalb sich der obere, meist
verkalkte, leicht von ihm ablöst.
[Illustration: Fig. 41. Aulocopium aurantium Osw. Untersilurisches
Diluvialgeschiebe von Sadewitz bei Oels. A Vertikalschnitt des
Schwammes, die trichterförmige Centralhöhle, die weiteren,
concentrischen Canäle (c) und die feineren radialen (b) zeigend. B ein
Skeletelement mit vier glatten Armen.]
Im oberen Untersilur, selten im Obersilur, häufig als Geschiebe in
Norddeutschland.
A. aurantium Osw. (Fig. 41). Untersilurisches Geschiebe der
norddeutschen Tiefebene.
A. Gothlandicum Rö. Obersilur. Gothland. Als Geschiebe auf der
Insel Sylt.
b. Mit Wurzel.
Siphonia Park. (Fig. 43 A). Der meist kugelige, feigen- oder
birnförmige Körper verlängert sich nach unten in einen Stiel und eine
verzweigte Wurzel. Vom Scheitel erstreckt sich eine mässig weite
Centralhöhle (o) mehr oder weniger tief in den Schwammkörper hinein.
In dieselbe münden bogenförmige, der Oberfläche parallel laufende
Canäle (c). Ihre Ostien bilden senkrechte und wagerechte Reihen (o).
In der Richtung der Achse des Körpers stehen diese Canäle senkrecht
und verlaufen durch den Stiel bis zur Wurzel. Ausserdem finden sich
feinere, radial gestellte Canäle, welche auf der Oberfläche des
Schwammkörpers münden. Das Skelet besteht aus glattarmigen, selten
etwas gekörnelten Vierstrahlern, wie bei der Gattung Jerea (vgl. Fig.
42). In zahlreichen Arten in der oberen Kreide (Cenoman -- Senon) in
England, Frankreich und Deutschland.
S. tulipa Zitt. (Fig. 43 A). Cenoman.
S. pyriformis Gf. Cenoman und Turon.
S. ficus Gf. Turon und Senon.
S. Koenigi Mant. sp. Senon.
[Illustration: Fig. 42. Jerea Quenstedti Zitt. Mittelsenon
(Quadraten-Kreide). Linden bei Hannover. Ein Skeletelement mit 4
glatten, dichotom gespaltenen, an den Enden wurzelig verzweigten Armen.
Jeder Arm enthält einen Achsencanal. Der vierte Arm ist z. Th. durch
die übrigen verdeckt.]
[Illustration: Fig. 43. A Siphonia tulipa Zitt. Cenoman. Blackdown,
England. Längsschnitt durch den oberen Theil des Schwammkörpers. In
der aufgeschnittenen Centralhöhle sind die in Längs- und Querreihen
gestellten Ostien (o) der bogenförmigen Canäle (c) sichtbar. B
Ragadinia. Oberes Senon. Ahlten bei Hannover. Gelappter Vierstrahler
der Oberflächenschicht; der vierte Strahl auf ein Knöpfchen reducirt. C
Plinthosella squamosa Zitt. Obersenon. Ahlten bei Hannover. Einige in
einander verhakte, wenig verzweigte Skeletelemente mit knorrigen Armen.]
Bei der Untergattung Hallirhoa Lmk. ist der Schwammkörper lappig
zertheilt.
H. costata Lmk. und agariciformis Bennett sp. im Cenoman von England
und Nordfrankreich.
Jerea Lmk. (Fig. 42). Im Habitus der Gattung Siphonia ähnlich.
Statt der fehlenden oder nur ganz schwach entwickelten Centralröhre
ein System von groben Vertikalröhren, welche den Schwammkörper bis
zur Wurzel durchziehen und am Scheitel oder auf dem Grunde der
Centralhöhle münden. Daneben gröbere und feinere Radialcanäle. Skelet
aus glattarmigen Vierstrahlern bestehend.
Vorkommen wie bei Siphonia.
J. pyriformis Lmk. und reticulata Hinde. Cenoman.
J. Stadensis Blumb. sp. Turon und Senon.
J. Quenstedti Zitt. (Fig. 42). Senon.
Bei manchen Tetracladina bilden vierstrahlige Gabelanker eine poröse,
oft scheinbar dichte Deckschicht auf der Oberfläche des Schwammkörpers,
z. B. bei der in der oberen Kreide häufigen Gattung Turonia Mich.
Zuweilen sind die Gabelanker in gelappte Kieselscheiben umgebildet, an
denen der vierte Strahl nur noch als ein Knöpfchen erkennbar ist
(Fig. 43 B). Das ist z. B. bei mehreren lebenden Gattungen und bei der
im Senon Norddeutschlands vorkommenden Ragadinia rimosa Rö. sp. der
Fall.
B. Arme der Skeletelemente knorrig, kaum verzweigt (Fig. 43 C).
Plinthosella Zitt. (Fig. 43 C). Der unregelmässig knollige
Schwammkörper besitzt keine Centralhöhle, sondern nur gewundene Canäle.
Das Skelet besteht aus unverzweigten, fest verhakten, knorrigen
Vierstrahlern, die Oberflächenschicht aus verschieden gestalteten
Kieselscheiben. Auf das Senon beschränkt.
Pl. squamosa Zitt. (Fig. 43 C). Senon. Norddeutschland und England.
Fam. Anomocladina.
Die Anomocladina werden durch ihre im Centrum verdickten Skeletelemente
(Fig. 44) leicht kenntlich. Von dem Centrum gehen zahlreiche (meist
mehr als vier), an den Enden schwach verzweigte Strahlen aus, von
denen einige (stärkere) sich fest an die Centren der benachbarten
Skeletkörper anlegen. In denselben ist meist ein Achsencanal sichtbar.
Vertreter dieser Familie finden sich vereinzelt vom Silur bis zur
Gegenwart. Die meisten sind aus Jura und Kreide bekannt.
[Illustration: Fig. 44. Zwei Skeletelemente von Cylindrophyma. Der
verdickte Arm, welcher die beiden Elemente verbindet, gehört nur dem
einen derselben an.]
Astylospongia Röm. (Fig. 45 A-C). Schwammkörper nahezu kugelig oder
abgeplattet. Scheitel meist mit einer centralen, trichterförmigen
Centralgrube (a). Unterseite gerundet, ohne Anheftungsstelle.
Oberfläche oft mit radiären, verzweigten Furchen (B c) und den
Ostien der Radialcanäle bedeckt. Das Skelet (Fig. 45 C) besteht
aus zahlreichen, kleinen, in der Mitte stark verdickten Elementen,
deren Arme fast ganz glatt und dünn sind, die in der gewöhnlichen
Erhaltungsweise aber ziemlich dick erscheinen.
Im Unter-, namentlich aber im Obersilur Nordeuropas und der Vereinigten
Staaten in mehreren Arten.
A. praemorsa Gf. sp. (Fig. 45). Obersilur. Gothland, Tennessee,
Indiana. Als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland häufig.
[Illustration: Fig. 45. Astylospongia praemorsa Gf. sp. Obersilurisches
Diluvialgeschiebe von Sadewitz bei Oels. A vertikaler Medianschnitt mit
der Centralgrube (a), in welche die concentrischen Canäle (c) münden;
b = Radialcanäle, welche auf der Oberfläche münden. B der Schwamm von
der Seite gesehen; c = radiäre Furchen der Oberfläche; a = wie oben. C
Skelet. Jede Verdickung ist der Mittelpunkt eines Skeletelements.]
[Illustration: Fig. 46. Cylindrophyma milleporatum Gf. sp. Oberer Malm.
Franken. a = Centralhöhle mit den in Reihen angeordneten Ostien der
bogenförmigen Canäle. b = Ostien der radialen Canäle.]
Cylindrophyma Zitt. (Fig. 44; Fig. 46). Schwammkörper mehr oder weniger
cylindrisch, einfach oder aus mehreren, an der Basis verwachsenen
Röhren bestehend. In die bis zur Basis reichende Centralröhre münden
bogenförmige, der Oberfläche fast parallel laufende concentrische
Canäle ein; ihre Ostien stehen in horizontalen Reihen (a). Auf der
Oberfläche die Oeffnungen zahlreicher radialer Canäle (b). Basis meist
mit einer Kieselhaut überzogen. Von dem verdickten, mit kleinen Zacken
besetzten Centralknoten der Skeletelemente zweigen sich zahlreiche, an
ihrer Spitze schwach verästelte Arme ab; einer derselben zeichnet sich
meist durch erhebliche Stärke und den Besitz eines Canales aus (Fig.
44). Auf der Oberfläche des Skelets finden sich verzweigte Gabelanker
(ähnlich den in Fig. 35 G dargestellten). Malm.
C. milleporatum Gf. sp. (Fig. 44; Fig. 46). Oberer Malm (W. J. E.).
Franken und Schwaben.
Fam. Rhizomorina.
Skeletelemente unregelmässig verästelt, nach einer Richtung verlängert,
mit einem einfachen oder verzweigten, aber nie deutlich vierstrahligem
Achsencanal (Fig. 47). Die Skeletelemente verflechten sich zu
einem lockeren oder festen Skelet. Oberflächennadeln nie plattig
ausgebreitet. Diese Familie kennt man erst seit der Jurazeit, aber
dort bereits in zahlreichen Gattungen. Sie ist auch in der Kreide noch
reich entwickelt und im Tertiär und in der Gegenwart noch mit vielen
Gattungen vertreten.
[Illustration: Fig. 47. Skeletelement einer Rhizomorine: Seliscothon
Mantelli Gf. sp. Mittleres Senon (Quadratenkreide). Coesfeld,
Westfalen.]
[Illustration: Fig. 48. Cnemidiastrum stellatum Gf. sp. Oberer Malm
(W. Jura δ). Heuberg, Schwaben. A ein aus Individuen zusammengesetzter
Stock; r = Radialspalten. B ein Stück der Oberfläche; r =
Radialspalten: o = Ostien. C, D Skeletelemente.]
A. Skeletelemente schwach verzweigt und wenig fest mit
einander verhakt (Fig. 48 C, D). Im Jura.
Cnemidiastrum Zitt. (Fig. 48). Der verkehrt kegelförmige,
schüsselförmige oder cylindrische Schwammkörper ist meist einfach und
mit einer trichterförmigen Centralhöhle (A) versehen. Die aus schwach
verästelten (C, D), locker mit einander verflochtenen Skeletkörperchen
bestehende Wand wird von zahlreichen, deutlich radial gestellten,
verästelten Vertikalspalten durchsetzt (A r, B r) die an der Oberfläche
des Schwammkörpers durch kurze Skeletstränge derart überbrückt werden,
dass an Stelle der einfachen Spalte eine Vertikalreihe von gerundeten
oder rechteckigen Ostien entsteht (B o). Oberfläche der Wand oft
mit einer Deckschicht überzogen. Sehr häufig im Malm (Oxford- und
Kimmeridgestufe), namentlich Schwabens und Frankens.
Cn. stellatum Gf. sp. (Fig. 48) }
Cn. striato-punctatum Gf. sp. } Mittlerer und oberer Malm.
Cn. rimulosum Gf. sp. } Schwaben, Franken.
Die nahe verwandte Gattung Hyalotragos Zitt. begreift mehr
schüsselförmige Schwammkörper, in deren weiter Centralhöhle runde
Canäle münden, die den Schwamm in senkrechter Richtung durchziehen,
und bei denen die Radialspalten feiner und weniger regelmässig
ausgeprägt sind. H. patella Gf. sp. im oberen Jura mit der vorigen
Gattung.
B. Skeletelemente stark verästelt und fest mit einander verflochten
(Fig. 49 B). Kreide, Tertiär und Gegenwart.
Jereica Zitt. (Fig. 49). Cylindrische bis kugelige, gestielte und
mit platten Wurzeln festgewachsene Körper mit schwach vertieftem
Scheitel. Auf der Scheitelfläche münden die groben Ausfuhrcanäle,
welche den Körper bogenförmig (c), im Centrum aber in senkrechter
Richtung durchziehen, als ein dickes Röhrenbündel. Die viel feineren
Einfuhrcanäle (b) stehen radial und kreuzen die bogenförmigen Canäle
nahezu rechtwinkelig. Ihre Mündungen liegen als kleine Löcher
dichtgedrängt auf der Oberfläche. Die Skeletelemente sind stark
verlängert, reichlich verästelt und zu einem festen Gerüst verflochten
(B). Im Senon Englands und Norddeutschlands.
J. punctata Gf. sp. (Fig. 49). Unteres Senon. } Norddeutschland.
J. polystoma Rö. sp. Oberes Senon. }
[Illustration: Fig. 49. Jereica punctata Gf. Unterer Senon. Sudmerberg
bei Goslar. A medianer Vertikalschnitt; c = bogenförmige Ausfuhrcanäle;
b = die viel feineren Radialcanäle. B ein Theil des Skelets, einen
Radialcanal umschliessend. Die einzelnen Skeletelemente sind stark
verästelt und fest mit einander verflochten.]
Fam. Megamorina.
Die Skeletelemente der zu dieser Familie gehörigen Schwämme besitzen
eine ähnlich verlängerte Form, wie diejenigen der Rhizomorinen; aber
dieselben sind sehr gross, nur ganz schwach verästelt und entbehren
meist der feineren Zacken und Auswüchse. Achsencanal einfach (Fig.
50), selten schwach verzweigt. Neben diesen typischen megamorinen
Elementen finden sich auch solche von rhizomorinem Aussehen.
Oberflächennadeln als Einachser oder Vierstrahler. Vom Subcarbon bis
zur Gegenwart in wenigen Gattungen bekannt. Die meisten finden sich im
Malm und in der oberen Kreide.
[Illustration: Fig. 50. Skeletelement einer Megamorine (Megalithista
foraminosa Zitt.) mit einem einfachen Achsencanal.]
[Illustration: Fig. 51. Doryderma. A Dor. dichotomum Bennett sp.
Cenoman. Wiltshire. B Skeletoberfläche von Dor. Roemeri Hinde.
Oberes Senon. Ahlten bei Hannover. Die grossen, gebogenen, glatten
Skeletelemente und die mit zahlreichen Gabelankern angefüllten Maschen
des Skeletgeflechtes zeigend.]
Doryderma Zitt. (Fig. 51). Der baumförmig verästelte, bis 0,4 m hohe
Schwammkörper besitzt cylindrische, meist dichotom sich spaltende
Aeste, welche im Inneren von einer Anzahl paralleler Röhren durchzogen
werden. Die bis 2 mm grossen, schwach verästelten Skeletelemente
verflechten sich zu einem grobmaschigen Netzwerke. Die Maschen
desselben zeigen sich an gut erhaltenen Exemplaren mit zahlreichen
langschaftigen Gabelankern angefüllt, wie ein Köcher mit Pfeilen (B).
Häufig in der oberen Kreide, vielleicht schon im Subcarbon vorhanden.
D. Dalryense Hinde. Subcarbon. England.
D. dichotomum Bennett sp. (Fig. 51 A). Cenoman. England.
D. Roemeri Hinde (Fig. 51 B). Senon. Norddeutschland, England und
Südfrankreich (Nizza). Häufig als Diluvialgeschiebe in Norddeutschland.
Ein im obersten Malm von Schwaben recht häufiger Vertreter dieser
Familie ist die Gattung Megalithista Zitt. M. foraminosa Zitt. Der
cylindrische oder becherförmige Schwammkörper besitzt eine Centralhöhle.
Seine Wand wird von gewundenen Canälen durchsetzt, die z. Th. auf der
Oberfläche, z. Th. in der Centralhöhle münden. Skeletelemente gross,
glatt, gekrümmt und verzweigt (Fig. 50).