IV. Phaeodaria.

Bei den Phaeodarien findet sich nicht selten eine scheinbare

Wiederholung der Skeletbildungen der Spumellaria und Nassellaria.

Meist aber unterscheiden sich die Gitterschalen durch die hohle

Beschaffenheit der Kieselbalken. Isolirte Gitterstücke der

Dictyochidae, welche leicht mit den Skeleten der Stephiden verwechselt

werden können, findet man schon im Jura, auch in der Kreide und im

Tertiär, z. B. Dictyocha speculum Ehrb. (Fig. 28 B) im Miocän Siciliens.

Geologische Verbreitung der Radiolaria.

Fossile Radiolarien sind schon aus Ablagerungen der Silurzeit

bekannt und in fast allen Formationen angetroffen worden. Weder in

ihren Formen, noch bezüglich des Auftretens lassen sich wesentliche

Verschiedenheiten gegenüber den lebenden feststellen. Wenn es

ausgestorbene Gattungen giebt, so sind sie jedenfalls bisher kaum

gefunden worden. Manche mesozoische Formen, namentlich aus der

Abtheilung der einfach gebauten Sphaeridae, dürften von lebenden

auch nicht einmal specifisch zu trennen sein. Das junge Tertiär

birgt zahlreiche, jetzt noch lebende Arten. Aus paläozoischen und

mesozoischen Formationen allein kennt man bereits etwa 80 Gattungen mit

mehreren Hundert Arten, die mit wenigen Ausnahmen den drei Familien der

Sphaeridae, Discidae und Cyrtidae angehören. Im Tertiär werden auch

andere Familien häufig.

Da die Radiolarien zu den freischwimmenden Thieren gehören, sollte

man erwarten, sie in fast allen marinen kalkigen Sedimenten

anzutreffen, zumal sie durch Aetzen mit HCl leicht aus dem Gestein

sich isoliren lassen. Allein es scheint, als ob die aus amorpher

SiO₂ bestehenden Gehäuse vielfach durch den Fossilisationsprocess

zerstört worden sind. In paläozoischen und mesozoischen Schichten

finden sie sich besonders häufig in Kieselschiefern, Hornsteinen

oder Phosphoritknollen eingeschlossen, worin man sie schon mit Hilfe

der Lupe als kleine helle Pünktchen erkennen kann. Die Kieselsäure

der Schale ist meist krystallin geworden und das Innere der Schalen

mit strahligem Quarz erfüllt. Viele paläozoische Kieselschiefer,

besonders aber die Hornsteine des Jura und der Kreide in den Alpen

und im Apennin sind ganz erfüllt mit den mehr oder weniger deutlich

erhaltenen Gitterschalen und wahrscheinlich sind solche SiO₂-reiche

Gesteine aus Radiolarienschlamm hervorgegangen, wie er sich

heutzutage nur in beträchtlichen Tiefen der Oceane bildet. Auch in

den liasischen Phosphoritknollen, welche auf secundärer Lagerstätte

im Senon am Nordrande des Harzes sich finden, sind Radiolarien

häufig und gut erhalten. An Stelle der SiO₂ der Schalen ist hier

vielfach Eisenoxydhydrat oder Glaukonit getreten. Manche jungtertiäre

Vorkommnisse (Insel Barbados, Nikobaren, Sicilien und Oran) sind

ebenfalls durch einen bemerkenswerthen Reichthum an Radiolarien

ausgezeichnet. Doch dürften diese Radiolarienmergel meist nicht in sehr

grossen Tiefen zum Absatz gekommen sein.

Elemente der Paläontologie · 第 34 / 606 题