II. Kreis: Spongia (Schwämme).

Litteratur über Spongien.

Fossile.

Goldfuss. Petrefacta Germaniae Bd. I. 1826-33.

Hinde, G. J. Catalogue of the Fossil Sponges of the Geological

Department of the British Museum. London 1883, mit vollständigem

Litteraturverzeichniss.

Michelin. Iconographie zoophytologique. Paris 1840-47.

Quenstedt, F. A. Petrefactenkunde Deutschlands. Bd. V. Leipzig 1877-78.

Roemer, A. Die Spongitarien des Norddeutschen Kreidegebirges.

Palaeontographica Bd. XIII. 1864.

Zittel, K. A. Studien über fossile Spongien. I-III. Abh. d. k. bayer.

Akad. d. Wiss. II. Cl., Bd. XIII, 1877.

---- Beiträge zur Systematik fossiler Spongien. N. Jahrb. f. Min. 1877

p. 337, 1878 p. 561, 1879 p. 1.

Lebende.

Schmidt, O. Die Spongien des Meerbusens v. Mexico. Jena 1879-80.

Schulze, F. E. Report on the Hexactinellida. Scient. Res. of Challenger

Voyage. Zoology vol. XXI. 1887.

Zum Kreise der Spongia oder Seeschwämme gehören meist festsitzende,

selten freie, fast ausschliesslich marine, in der Regel durch ein

festes Skelet gestützte Thiere von sehr wechselnder Körperform. Von

den Protozoen unterscheiden sie sich durch den zelligen Bau ihrer

Weichtheile, von den Coelenteraten durch das Fehlen der Nesselorgane

sowie durch ihren nichtradiären, in seltenen Fällen undeutlich radiären

Bau. Mit Hilfe des durch den Schwamm circulirenden Wassers findet

die Nahrungsaufnahme statt, indem das Thier wie ein Filter fungirt.

Es besitzen deshalb alle Schwämme ein mehr oder weniger complicirtes

System von Canälen, welche den Körper (die Weichtheile und das

Skelet) durchziehen und das Wasser ein- und ausführen. Das Wasser

tritt meist durch kleine, auf der Oberfläche des Schwammes vertheilte

Poren (Oberflächenporen, Fig. 30 d) ein und wird durch gröbere, meist

verzweigte Canäle zusammen mit den Geschlechtsproducten und Excrementen

ausgeführt. Die Ausfuhrcanäle münden entweder in einen oder mehrere

grössere Hohlräume (sog. Magenhöhlen oder Centralhöhlungen, Fig. 30 b),

deren Oeffnungen Oscula (Fig. 30 a) heissen, oder sie endigen auf der

Oberfläche des Schwammes.

[Illustration: Fig. 30. Skelet eines lebenden Schwammes,

Caminus vulcani O. Schm. (Tetractinellide) aus der Adria (links

aufgeschnitten). a = oscula, die Mündungen der Centralhöhlungen (b). c

= Rindenschicht mit den kleinen Oeffnungen (Oberflächenporen d).]

Das nur selten fehlende Skelet der Schwämme wird von dem sog. Mesoderm

abgesondert; das Skelet kann kalkig, kieselig, hornig, oder hornig

und kieselig zugleich sein. In allen Fällen besteht dasselbe aus

ursprünglich isolirten, mehr oder weniger nadelförmigen Körperchen

(Skeletelementen oder Nadeln), die entweder frei in den Weichtheilen

liegen oder in Hornfasern eingebettet sind. Sie können sich mit ihren

wurzelförmig verzweigten Enden zu einem festen Skelet verhaken oder

durch Kieselcement zu einem festen Gerüst verkittet werden. Compacte

Skelete wie bei den Foraminiferen oder Korallen giebt es nicht. Die

gröberen, das eigentliche Skelet bildenden Nadeln unterscheidet man

als Skeletnadeln von den meist viel kleineren, in den Weichtheilen

gelegenen Fleischnadeln (Oberflächennadeln, wenn auf die Oberfläche

beschränkt). Die Form der Schwammnadeln ist sehr wechselvoll, wie ein

Blick auf Fig. 31 A-G zeigt. Man unterscheidet als einstrahlige oder

monakte (Fig. 31 A; Fig. 32 A, D) einfach stabförmige, gerade oder

gebogene, als dreistrahlige solche, deren drei Strahlen in einer Ebene

liegen und sich unter Winkeln von ca. 120° schneiden (Fig. 33 E), als

vierstrahlige oder tetrakte solche, deren vier Arme sich im Raume unter

Winkeln von 109° 28′ treffen (Fig. 31 E, G; Fig. 32 B, C) und als

sechsstrahlige oder hexakte solche, die aus sechs unter rechtem Winkel

in einem Punkte zusammenstossenden Armen bestehen (Fig. 34). Durch

Verkürzung oder völliges Schwinden eines oder mehrerer Strahlen, sowie

durch plattige Ausbreitung oder wurzelartige Verästelung der Arme und

Verdickung der Nadelcentren entstehen Gebilde, welche die Bezeichnung

Nadeln zum Theil nicht mehr verdienen, so z. B. die Kieselkugeln (Fig.

31 C), Kieselsterne (Fig. 31 D), Kieselscheiben (Fig. 31 F), die

wurzelig verästelten Skeletelemente der Lithistiden (Fig. 32 C), die

verbogenen, ursprünglich dreistrahligen Nadeln mancher Kalkschwämme

(Fig. 33 B-D) etc. Meist beobachtet man in den Skeletelementen der

Schwämme einen Hohlraum, den sog. Achsencanal; derselbe giebt die

Gestalt der Elemente in vereinfachter Form wieder und ist also bei den

Einstrahlern einfach, gerade oder schwach gebogen (Fig. 31 B), bei den

Dreistrahlern dreiarmig, bei den Vierstrahlern vierarmig (Fig. 32 C)

und bei den Sechsstrahlern sechsarmig (Fig. 54-56).

[Illustration: Fig. 31. Verschiedene Nadelformen (Kieselnadeln) der

Tetraxonier aus dem englischen Senon. A = gebogener, B = conischer

Einstrahler. C = Kieselkugel. D = Kugelstern. E = spiralgedrehter

Vierstrahler. F = Kieselscheibe. G = Gabelanker (gegabelter

Vierstrahler, dessen einer Arm verkürzt und einfach).]

[Illustration: Fig. 32. Verschiedene Nadelformen der Tetraxonier.

A, D = Einstrahler. B = einfacher, C = gegabelter und an den Enden

wurzelförmig verzweigter Vierstrahler.]

[Illustration: Fig. 33. Ein lebender Kalkschwamm (Leucosalenia lacunosa

Bk.) mit seinen Nadeln. E = Dreistrahler. B, C, D = gebogene Nadeln aus

dem Dreistrahler entstanden.]

[Illustration: Fig. 34. Ein Sechsstrahler von Hyalostelia Smithi Young.

Subcarbon. Schottland.]

Die Skeletelemente der Kalkschwämme bestehen aus krystallinem

Kalkspath, die der Kieselschwämme aus amorpher wasserhaltiger

Kieselsäure. Die ursprüngliche Beschaffenheit der Kieselnadeln ist

vielfach verändert: entweder ist die amorphe Kieselsäure krystallin

(und damit doppeltbrechend) geworden oder sie wurde fortgeführt und

durch Calcit ersetzt oder endlich nur fortgeführt, so dass an Stelle

der Nadeln Hohlräume sich finden.

Eine Eintheilung der Spongien nach der chemischen Beschaffenheit

des Skelets allein kann nicht als naturgemäss gelten. Sie würde

nachstehende Gruppirung ergeben:

Elemente der Paläontologie · 第 35 / 606 题