2. Ordnung Radiolaria.

Litteratur über Radiolarien.

Ehrenberg, C. G. Mikrogeologie 1854.

---- Abhandl. d. Berl. Akad. d. Wissensch. 1875. -- Monatsber. der

Berl. Akad. d. Wissensch. 1873.

Haeckel, E. Die Radiolarien. Berlin 1862.

---- Report on the Radiolaria. Scientif. Results of Challenger Voyage.

Zoology 1887.

Rüst, D. Palaeontographica. Bd. XXXI. 1885.

Stöhr, E. Palaeontographica. Bd. XXVI. 1878.

Die Radiolarien sind mikroskopisch kleine, selten mehrere mm grosse

Meeres-Protozoen, meist mit einem zierlichen Kieselskelet ausgerüstet.

Der Protoplasmakörper wird durch eine häutige, chitinartige Kapsel,

die sog. Centralkapsel, in zwei Theile gesondert, die als intra-

und extracapsuläre unterschieden werden. Durch Oeffnungen in der

Centralkapsel stehen beide Theile miteinander in Verbindung. Die

Oeffnungen sind entweder sehr zahlreich und fein (und dann auf die

ganze Kapsel vertheilt oder auf einen bestimmten Theil derselben

beschränkt), oder sie sind gross und wenig zahlreich (1-3). Die

extracapsuläre Partie sendet aus ihrer tieferen, der Centralkapsel

aufliegenden Schicht die sehr feinen Pseudopodien durch die äussere

Gallertschicht hindurch.

Weitaus die Mehrzahl der Radiolarien besitzt ein festes Skelet, welches

entweder aus wasserhaltiger amorpher Kieselsäure oder seltener aus

Akanthin, einer festen, organischen, in H₂SO₄ löslichen Substanz

besteht. Akanthinskelete sind aus leicht begreiflichen Gründen noch

nicht gefunden worden, während man Kieselskelete aus fast allen

Formationen kennt. Meist dürfte freilich auch die Kieselsäure aufgelöst

und zur Bildung von Kieselknollen verwendet worden sein, die uns jetzt

in der Form von Hornsteinen, Calcedonen, Feuersteinen etc. vorliegen.

An Stelle der ursprünglich amorphen Kieselsäure ist in vielen Fällen

die krystalline Modification derselben oder Brauneisenstein, zuweilen

auch Glaukonit getreten.

Die Kieselskelete sind sehr mannigfaltig gestaltet und zierlich gebaut,

aber nie innerhalb der Centralkapsel gelegen. Sie bestehen entweder

aus isolirten Nadeln oder Stäbchen, oder aus einer zusammenhängenden

Gitterschale von kugeliger, eiförmiger, mützenförmiger oder platter

Gestalt und sind oft mit Stacheln verziert (Fig. 24-29). Wenn auch eine

naturgemässe Classification nach den Skeleten allein nicht durchführbar

ist, so stehen doch in der Regel die Skeletbildungen in einer so engen

Beziehung zum Bau der Weichtheile, dass nach denselben allein eine

sichere Unterscheidung vorgenommen werden kann. Die Abgrenzung der

Familien, Gattungen und Arten erfolgt sogar fast ausschliesslich nach

dem Skelet.

Die Radiolarien sind Meeresbewohner; sie leben gesellig, zum Theil

an der Oberfläche, zum Theil in bedeutenden Meerestiefen. An

gewissen Stellen des pacifischen Oceans (zwischen den Philippinen

und Marquesas-Inseln) besteht der Meeresboden in sehr grossen Tiefen

fast ausschliesslich aus einer Anhäufung von Radiolarienschalen (sog.

Radiolarienschlamm).

Man unterscheidet folgende vier Unterordnungen der Radiolaria:

Skelet aus Akanthin bestehend. Fossil unbekannt. I. Acantharia.

{ überall gleichmässig von feinen Poren durchbrochen.

{ Gitterschale kugelig oder plattgedrückt, homaxon,

{ d. h. nach allen Richtungen oder doch oben und unten

Skelet { symmetrisch gebildet (Fig. 24-27) II. Spumellaria.

kieselig, { mit einem einzigen Felde feiner Poren am Oralpol der

Membran { Hauptachse. Gitterschale mützenförmig oder verlängert,

der { monaxon, d. h. an den beiden Polen der Längsachse

Centralkapsel { verschieden gebildet (Fig. 28 A; Fig. 29).

{ III. Nassellaria.

{ mit einer einzigen oder wenigen grösseren Oeffnungen.

{ Gitterschale sehr verschieden gestaltet, oft aus hohlen

{ Röhren bestehend. Fossil selten (Fig. 28 B).

{ IV. Phaeodaria.

Für den Paläontologen kommen fast nur die beiden Unterordnungen der

Spumellaria und Nassellaria in Betracht. Die Skelete der ersteren sind,

um krystallographisch zu reden, homomorph nach der Hauptachse, die der

letzteren hemimorph. Fossile Phaeodaria scheinen sehr selten zu sein.

Ihre Skelete sind sehr mannigfaltig, aber nichtsdestoweniger durch

gewisse Merkmale leicht kenntlich.

Elemente der Paläontologie · 第 31 / 606 题