Verschiedene Ursachen wirken zusammen, um die paläontologische
Ueberlieferung zu einer sehr lückenhaften zu machen. Der grössere Theil
der Erdrinde, nämlich so weit dieselbe vom Wasser bedeckt ist, wird
unserer Forschung wohl stets unzugänglich bleiben. Aber selbst gesetzt
den Fall, wir könnten die ganze Erdrinde auf ihren Gehalt an Fossilien
hin durchforschen, so würden wir doch nur ein sehr unvollständiges
Bild der organischen Gesammtentwickelung erhalten. Der Grund hierfür
liegt in der leichten Zerstörbarkeit der organisirten Gebilde. Es
lässt sich als ein allgemein giltiges Gesetz aussprechen, dass nur
die widerstandsfähigeren Theile des Thier- und Pflanzenkörpers der
Nachwelt überliefert werden können und diese auch nur dann, wenn sie
durch baldige Einbettung in Gesteinsmasse vor der Zersetzung durch
die atmosphärische Luft einigermaassen geschützt werden. Selbst die
resistentesten Theile eines Organismus, das Knochenskelet eines
Wirbelthieres oder der Holzcylinder eines Baumes, zerfallen schon
nach wenigen Jahren zu Staub, wenn sie mit der Luft in Berührung
bleiben. Das Gleiche gilt in noch viel höherem Maasse von den sog.
Weichtheilen, von dem protoplasmatischen Inhalte der Pflanzenzelle und
von allen aus Protoplasma bestehenden Theilen des Thierkörpers, selbst
wenn der Organismus gleich nach dem Absterben im Sande oder Schlamme
begraben wird. Nur ein Gestein von antiseptischen Eigenschaften, wie
es das Eis ist, vermag ein Abweichen von dieser Regel herbeizuführen
(Mammuthcadaver im sibirischen Eise). Dagegen sind die sog. Harttheile,
die aus kohlensaurem oder phosphorsaurem Kalke (seltener aus
Kieselerde) bestehenden Schalen und Skelete, oder die hornigen oder
chitinösen Gebilde der Thiere, sowie die meist aus Cellulose, seltener
aus Kieselerde aufgebauten Zellmembrane der Pflanzen im fossilen
Zustande als solche erhaltungsfähig. Weichtheile können nur Abdrücke
im Gestein zurücklassen, aber auch diese Fälle sind relativ selten
(Quallenabdrücke im lithographischen Schiefer).
Daher kommt es, dass uns von manchen Abtheilungen des Thierreichs,
z. B. von den Infusorien, Würmern etc., entweder gar keine oder nur
nichtssagende Fossilreste überliefert wurden. Aus demselben Grunde
werden uns auch die ältesten Bewohner der Erde stets unbekannt
bleiben. Denn es zweifelt heutzutage wohl kein Biologe daran, dass die
Harttheile der Thiere und Pflanzen als Schutz- oder Stützgebilde erst
im Laufe der organischen Entwickelung sich herausgebildet haben, mithin
den ältesten Organismen sicherlich fehlten.
Unter besonders ungünstigen Verhältnissen werden anscheinend sehr
schwer zerstörbare Harttheile, z. B. die kalkigen oder kieseligen
Skelete der Protozoen und Spongien, noch ehe sie ins Gestein
eingeschlossen werden können, vollständig aufgelöst. In bedeutenden
Meerestiefen besitzt das mit CO₂ beladene Wasser ein hohes
Auflösungsvermögen für Kalkcarbonat und es scheint, dass daselbst ein
ähnlicher Auflösungsprocess mit den aus amorpher Kieselerde bestehenden
Harttheilen der niederen Thiere und Pflanzen vor sich geht.
Mit manchen thierischen und den meisten pflanzlichen Harttheilen geht
vor ihrer Einbettung in das Gestein eine Zerstückelung vor sich, welche
die Deutung der fossilen Reste wesentlich erschwert. Die Skelete der
Wirbelthiere maceriren im Wasser sehr rasch und fallen in einzelne
Knochen oder Skelettheile aus einander. Letztere werden aus ihrem
Zusammenhange gelöst an verschiedenen Punkten im Gestein begraben und
häufig isolirt aufgefunden. Der gleiche Vorgang vollzieht sich in wenig
erfreulicher Regelmässigkeit bei den Pflanzen. Die Blätter, Blüthen,
Früchte werden getrennt von Stamm und Wurzeln, sehr häufig auch die
Rinde des Stammes vom Holzcylinder. Bei den Skeleten der Wirbelthiere
erleichtert die Correlation, welche zwischen der Form der einzelnen
Theile derselben häufig besteht, das Auffinden des Zusammengehörenden.
Bei den Pflanzen verschafft meist nur ein glücklicher Fund, welcher die
einzelnen Theile im Zusammenhange zeigt, völlige Gewissheit über die
Zusammengehörigkeit. Die einzelnen Theile ein und derselben Pflanze
werden deshalb häufig mit verschiedenen Namen provisorisch bezeichnet.
Schliesslich haben die in Schichtgesteinen eingeschlossenen Reste
nachträglich mannigfache Veränderungen theils chemischer, theils
mechanischer Natur erfahren und sind durch dieselben oft bis zur
Unkenntlichkeit entstellt worden. Für die richtige Deutung der
Fossilreste ist die Kenntniss dieser Vorgänge unumgänglich nöthig. Es
mag deshalb zunächst »der Erhaltungszustand der Fossilien« besprochen
werden.