Schnellpressendruck von _Heinrich Hogrefe._

Fußnoten:

[1] Landratten-Ausdruck. Seemanns-Sprache: schlimmes Wetter.

[2] In jeder Beziehung ist auf Kriegsschiffen ein anderes Verhältniß.

Dort ist jeder Kapitain unumschränkter Herr. Er muß es dort nothwendig

sein, und jedermann an Bord sieht dieß ein. Es trifft sich selten der

Fall, daß auf Kriegsschiffen Passagiere mitgenommen werden. Geschieht

aber dieß, so muß der Reisende sich unbedingt in die Befehle des

Kapitains fügen. Ich weiß einen Fall, wo ein Passagier in Ketten

gelegt wurde, weil er hartnäckige Widersetzlichkeit an den Tag legte.

[3] Bericht über die Arbeiten von Chatin, E. Marchand, Niepce, Meyrac

über das Vorkommen des Jods. =Compte rend. XXXV.= 505, und Erdmann:

Journal f. pract. Chemie. Band 57, Seite 468. 1852. Vorzugsweise zu

berücksichtigen die Abhandlung v. Niepce: Abhängigkeit des Cretinismus

von Mangel des Jod in der Luft, im Wasser und in den Nahrungsmitteln.

[4] Dieses Gesetz wurde bereits im Jahre 1830 gegeben.

[5] Bei dieser Gelegenheit muß ich der Uneigennützigkeit unserer

Matrosen auf der Reform lobend erwähnen. Ich hatte vorher gegen

dieselben ausgesprochen, daß ich für jede eigenthümliche Erscheinung

am nächtlichen Himmel, welche man mir zeigen werde, zwei Thaler geben

wolle. Sie hatten mich des Nachts gerufen, um mich auf jenen Mondhof

aufmerksam zu machen, aber keiner war auch durch die freundlichsten

Worte zu bewegen, die bedungenen zwei Thaler zu nehmen. Ich habe

Aehnliches bei allen deutschen Matrosen getroffen. Gerne _verdienen_ sie

Geld durch wirkliche Arbeit und Mühe, aber was ihnen keine Aufopferung,

keine Anstrengung kostet, lassen sie sich nicht bezahlen. Eine andere

Sache ist es mit Wein und ähnlichen Dingen, z. B. Cigarren, welche

gerne jederzeit von dem Matrosen angenommen werden. Ja er hält es nicht

für unanständig, kann er irgendwie über den Vorrath des Passagiers

gerathen, sich selbst zu bedienen. Stellt man aber selbst solche

Gegenstände unter die Obhut der Matrosen, schenkt man ihnen Vertrauen,

so wird kein Atom derselben verschwinden. So mag ich wohl sagen, daß

ich die Seeleute derb, ja roh getroffen, nie aber gemein. Als solcher

mag der bezeichnet werden, der unbedingt geschenktes Vertrauen

mißbraucht, und auch wohl den Vertrauenden für einfältig oder schwach

hält.

[6] Um für die Folge nicht stets überrechnen zu müssen, und einen

Anhaltspunkt für die Preise zu haben, hier folgende Bezeichnungen der

vorzüglichsten Münzen und Geldsorten. Eine Unze Gold, _Onza_, gleich

17¼ Thaler spanisch, etwa 25 Thaler preußisch oder 43 Gulden. Dann

die halbe _Onza_, die viertel oder der _Escudo_, und der _Escudito_ oder

die achtel Unze. Diese in Gold geprägt, viertel und achtel aber nicht

häufig. In Silber ist ein Thaler, _Peso_, etwa 2 Gulden 30 Kreuzer am

häufigsten. Die halben und viertel Thaler, _medio Peso_ und _Pesata_,

habe ich selten getroffen. Die gewöhnlichste kleinere Silbermünze ist

der Real und der _doppelte Real_, 18 und 36 Kreuzer, dann der halbe

Real 9 Kreuzer. Der Quartillo, der viertels Real und Kupfergeld, kommt

ebenfalls im Verkehr der größeren Städte weniger vor. In Kupfer hat

man übrigens Zwei-Centaro-Stücke gleich ein Quartillo, und 1 Centaro.

Es mag beigefügt werden, was von Seite der Wechsler häufig Gelegenheit

gibt den Unkundigen zu prellen, daß die Unze Gold 17¼ Thaler in

_Realen_ gilt, in _harten Thalern_ aber nur 17 Thaler, und daß der

_harte Thaler_ ebenfalls gewechselt wird mit 8½ Realen, während

unter einem Peso, Thaler, gewohnlich 8 Realen verstanden werden, d. h.

man nennt 8 Realen einen Peso.

Von Realen sind aber zwei Gepräge da, als altspanische, unförmlich von

Barren gehauene Silberstücke, mit dem Stempel und der Zahl I oder

II versehen, und neue nett geprägte. Bei jenen ersten, welche meist

gewaltig abgeschliffen sind, entscheidet die Zahl, welche eben noch

sichtbar, ob sie einen oder zwei Realen galten, so daß oft ein kleines

Stück auf dem die II noch zu erkennen auch für so viel genommen wird,

während das größere, offenbar als Doppelreal geprägt, nur einen

gilt.

[7] Ich habe den scheinbar höchsten desselben barometrisch gemessen und

1309 Fuß hoch gefunden.

[8] Ich habe an den dicken knolligen Wurzeln dieser =Puretia= eine

eigenthümliche Erscheinung beobachtet. Der holzige Blüthenstengel und

die scharfstachlichen Blätter werden von den Chilenen zu verschiedenem

Zwecke häufig nach Hause gefahren. Die starken und durch das Abhauen

der Blätter blosgelegten Wurzeln färben sich dann, wenn sie längere

Zeit der Sonne ausgesetzt waren, so intensiv schwarz und werden so

kohlenähnlich, daß man eine ausgebrannte Feuerstelle an solchen Orten

vor sich zu sehen glaubt. Diese schwarze Schicht dringt zolltief und

noch weiter in die Wurzel ein, und Schwächere dünnere Partien sind

ganz durchaus in die schwarze Substanz verwandelt, sie ist zerreiblich

und hat alle äußeren Eigenschaften wirklicher Kohle. Eine Partie

solcher schwarzen Fragmente, welche ich nach Deutschland zur chemischen

Untersuchung mitnehmen wollte, ist mir leider abhanden gekommen. Ich

habe bei keiner andern Pflanze ein ähnliches Verhalten getroffen.

An eine wirkliche freiwillige Verkohlung, an eine Zersetzung und ein

Entweichen der anderen Bestandtheile und ein Restiren des Kohlenstoffes

darf, wie ich glaube, kaum gedacht werden, es müßte also das Auftreten

irgend eines Farbstoffes angenommen werden. Vielleicht gelingt es mir

noch, die dort so häufige Substanz zur Untersuchung zu erhalten.

[9] Die chilenische Flagge besteht aus drei Feldern, aus zwei oberen,

das eine blau mit weißem Sterne, das zweite ganz weiß, das dritte,

untere, roth.

[10]: Die Unabhängigkeit macht uns stark und die Freiheit groß,

Einwohner von Valparaiso erinnert Euch mit Dankbarkeit an die Patrioten

von 1810.

[11] Ich glaube =Caspicum annuum=. Er ist roth, und wird in kleinen

ausgehöhlten Kürbissen zum Verkauf gebracht.

[12] Deutscher, speziell _bayerischer_ Landsmann! Drei Gläser Bier

fünf Gulden! Welch ein Land! Aber die Chilenen trinken kaum dieses

edle Getränke, und obgleich sogar das oben bezeichnete immer halbweg

erträgliche Bier im Lande gebraut wird, wird es doch meist von Fremden

consumirt. Es ist kein Scherz, wenn ich Folgendes erzähle. Ich habe

an einem Abende der Heimath gedenkend einmal eine zweite Flasche Ale

verlangt, aber man getraute sich nicht zu verstehen, so ungeheuerlich

erschien dem Kellner dies Begehren. Er zeigte mir endlich die

beigebrachte Flasche in der Entfernung, ob er auch recht verstanden,

und später versammelten sich Neugierige unter der Thür, um den Mann

zu betrachten, der zwei Flaschen solch bittern Zeugs ohne Schaden zu

verschlingen vermöge. Kaum half es, daß ich mich als Deutscher zu

erkennen gab.

[13] So besitze ich einen zierlichen, aus Baumbast gefertigten Poncho,

der während meiner Anwesenheit in Valparaiso von einem von jenen

Inseln kommenden Schiffer gebracht wurde, und welcher Spuren längeren

Gebrauchs trägt.

[14] Der Pferdefreund fragt mich: Welche Race? Ich weiß es nicht. Das

chilenische Pferd ist, ähnlich seinem Herrn, von Mittelgröße, eher

aber kleiner als dieselbe überragend. Es ist zierlich und schlank

gebaut und erinnert an die ungarische Race. Jedenfalls ist es zuerst

von den Spaniern mitgebracht worden und auch die wilden Pferde auf der

Ostküste Amerikas stammen von spanischen Pferden ab, aber wie es sich

zur gegenwärtigen Race andalusischer Pferde verhält, ob und wie es

verändert, vermag ich nicht anzugeben.

[15] =Goma=, eigentlich Gummi, Harz. In meinem Tagebuch finde ich

bei der =Goma de Mimbrilla= verzeichnet: »ist auch in der Pharmacie

bekannt,« aber ich habe hier nicht entwickeln können, woher der Name

kömmt.

[16] =Triaca=, wörtlich Theriak, oder allgemeines Gegengift.

[17] Eine Akazien-Art mit langen Stacheln, welche erst später im Sommer

sich belaubt.

[18] Cuesta heißt auch die Höhe eines Berges, wird aber häufiger noch

als Abhang, als die abschüssige Seite des Berges gebraucht, während

=los altas= den eigentlichen Gipfel, die Höhe bezeichnet. Die Chilenen

gebrauchen vorzüglich den Ausdruck Cuesta, wie mir scheint, um das

Hinderniß zu bezeichnen, was sich den Reisenden beim Uebersteigen

entgegenstellt.

[19] Es giebt in Chile privilegirte Bettler, welche durch ein

Messing-Schild an der Brust kenntlich sind. Meist Blinde oder solche

Leute, welche keine Angehörige haben und absolut arbeitsunfähig sind.

Ihre Zahl ist sehr beschränkt, und andere Bettler trifft man kaum.

[20] In Peru habe ich nichts dem Erwähnten analoges gefunden.

[21] Ich habe von meinem verehrten Freunde, Hrn. Professor _Domeyko_ in

Santjago die Ergebnisse der Analysen einiger Fluß- und Brunnenwasser

aus Santjago und der Umgebung erhalten, welche ich hier mittheile.

_Wasser des Flusses Maipo_

7½ Stunden

in Santjago von Santjago

Chlornatrium 0.193 0.170

Schwefelsaure Kalkerde 0.474 0.623

Kohlensaure Kalkerde 0.115 0.054

Kohlensaure Talkerde 0.048 0.060

Eisen und Thonerde 0.010 0.014

Kieselerde 0.033 0.118

------ ------

Summe der gelösten Stoffe 0.873 1.039

Suspendirte Stoffe 1.100 1.545

_Brunnen-Wasser._

_Brunnen_ _Brunnen_

aus dem v. d. Plaça

Flusse Velasco in Santjago

Chlornatrium 0.096 0.042

Schwefelsaure Kalkerde 0.204 0.275

Kohlensaure Kalkerde 0.103 0.129

Kohlensaure Talkerde 0.003 0.020

Eisen und Thonerde 0.007 0.015

Kieselerde 0.017 0.035

------ ------

Summe der gelösten Stoffe 0.440 0.516

Suspendirte Stoffe --- 0.040

Die untersuchten Mengen waren jedesmal ein Quartillo, gleich 1265

Grammen.

Spuren von Chlorkalium und Chlormagnesium wurden in allen Wassern

gefunden. In einigen der chilenischen Flußwasser auch Spur von Jod und

Brom.

_Domeyko_ trennte durch Filtriren die suspendirten und fand in

denselben.

Kieselerde 0.501

Eisen und Thonerde 0.351

Kalkerde 0.086

Vermit 0.062

-----

1.000

[22] =Myopotamus Coypus.=

[23] Erst später erhielt ich aus den Sessionsberichten der Academie in

Santjago eine Abhandlung von _Domeyko_, worin derselbe eine Analyse

des Wassers veröffentlicht und zugleich einige Notizen über dasselbe

giebt. Diesen Berichten ist ein weiterer beigefügt von =Dr.= _Veillon_

über die Wirksamkeit des Wassers. Da diese Mittheilungen ziemlich

das Gegentheil von dem enthalten, was ich oben ausgesprochen habe,

so erwähne ich ihrer nachträglich, weil mein Zweck bei allen meinen

wissenschaftlichen Arbeiten sowohl wie bei den vorliegenden Skizzen der

ist, die Wahrheit zu geben nach Kräften. _Veillon_ giebt glückliche

Erfolge an, die er mit dem Wasser bei verschiedenen Krankheiten

erhalten hat, welchen ich nicht widersprechen kann, wenn sie vielleicht

gleichwohl in die Reihe derjenigen zu setzen sind, welche man häufig

auch bei uns in ähnlichen Fällen beobachtet hat. Beim Gebrauche von

solchen Bädern sind der Glaube, die veränderte Lebensweise und ein

wenig guter Wille mächtige Agentien. _Domeyko_ indessen hat das Wasser

analysirt, und die Arbeiten dieses tüchtigen Chemikers verdienen alles

Vertrauen. In dem zum Trinken benützten Wasser fand er auf 1000 Theile

Wasser:

=Chlor calcium= 2.165

=Chlor natrium= 1.177

=Chlor magnesium= 0.034

Schwefelsauren Kalk 0.052

Thonerde und Eisen 0.020

Kieselerde 0.035

Organische Substanz Spur

-----

3.483

Domeyko fand Spuren von Jod und Brom im Wasser, aber _Kupfer_ konnte er

in keiner der Quellen finden. Die qualitative Zusammensetzung der Wasser

ist gleich, sie variiren nur in quantitativer Beziehung.

Domeyko sagt ferner: =El aqua de Apoquindo es clara, cristalina, sin

olor, de un sabor mui desagradable, dificil de describir etc.=, d. h.

das Wasser von Apoquindo ist klar, kristallhell, ohne Geruch und von

einem höchst unangenehmen, schwer zu beschreibenden Geschmacke. Hierzu

habe ich nur zu bemerken, daß jene Quelle, welche mir als kupferhaltig

bezeichnet wurde, allerdings einen eigenthümlichen üblen Geschmack

besaß, die anderen Quellen aber, und eben so die Trinkquelle, sich

nach meinem Dafürhalten im Geschmacke nicht von jedem andern guten

Brunnenwasser unterschieden.

[24] In Chile nämlich. In Europa giebt es natürlich reizendere Damen

und ohne Zweifel auch schauderhaftere alte Weiber jeden Alters und

Geschlechts.

[25] Sie war in Chile nie sehr im Gebrauche. Mir scheint, als bethätige

sich hier, was ich oben bei Brasilien über die Sklaverei ausgesprochen.

In Chile, wo der Weiße arbeiten kann, war die Sklaverei nie sehr

im Schwunge, durch die Einführung der Republik wurde sie gänzlich

aufgehoben. Auch in Peru hat man Republik gemacht, aber die Sklaverei

hat man gelassen. Der Transport der schwarzen Waare ist zwar aufgehoben,

aber die einmal vorhandenen werden fortgezüchtet wie nützliche

Hausthiere. Aber Peru liegt unter den Tropen.

[26] Es wurde vor drei Jahren eine Tuchfabrik in Santjago etablirt, sie

ist jetzt bereits wieder eingegangen.

[27] Jeder Gegenstand, der im Hafen von einem Schiffe auf das andere

gebracht wird, muß verzollt werden, als sei er am Lande verkauft

worden. Streifende Boote der Zollwacht führen scharfe Aufsicht.

[ Hinweise zur Transkription

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Offensichtliche

Fehler wurden korrigiert, bei Zweifeln der Originaltext beibehalten.

Eine Liste der vorgenommenen Änderungen befindet sich hier am Ende

dieses Textes.

Reise in Südamerika. Erster Band. · 第 18 / 19 题