III.

Rio de Janeiro.

Der freundliche Leser, welcher in Geduld mich bis hieher begleitet hat,

hat ohne Zweifel eine beträchtliche Dosis Langweile ausgestanden.

So mag man mir denn nicht widerstreiten, daß ich recht treffend

geschildert, und es dahin zu bringen gewußt, die Gefühle des Autors

überzutragen auf den Leser. Denn trotz des Zaubers der Tropennächte,

der Poesie des südlichen Himmels und des Reizes der »dunkelblauen«

Wogen, ist ein achtwöchentlicher Aufenthalt in der Atmosphäre von

Salzfleisch und Zwieback immerhin höchst langweilig.

Leider vermag ich nicht glänzende Genugtuung zu geben, und jetzt

durch Schilderung des Aufenthaltes in Rio de Janeiro den Leser in die

Heiterkeit meiner Stimmung zu versetzen.

Wir fuhren am 22. Juni gegen Mittag in den Hafen von Rio ein. Vielfach

ist seine Einfahrt und die wirklich prachtvolle Lage des Hafens

beschrieben worden. Ich will deshalb so rasch als möglich über die

dennoch unvermeidliche Schilderung jener ersten Eindrücke hinweggehen.

Die Einfahrt in den Hafen ist etwa 3000 Schritte breit und ist links

gebildet durch den sogenannten Zuckerhut, einen steilen, etwa 1300 Fuß

hohen Felsen, rechts durch das Fort Santa Cruz. Von dieser Einfahrt bis

zur Stadt sind aber wenigstens noch ein und eine halbe englische Meile

zu durchschiffen bis man das Land erreicht. Weiter aber noch in der

Breite dehnt sich der Hafen aus, um ihn liegt die Stadt, im Hintergrunde

das Orgel- und Sterngebirge.

Abgesehen von verschiedenen Forts, welche neben dem genannten, sowohl

die Einfahrt als auch in Nähe der Stadt diese letztere selbst decken,

sind im Hafen selbst zwei Inseln mit Forts, von welchen namentlich das

auf der Ilha das Cobras, die Schlangeninsel, die Stadt gut zu schützen

vermag.

Ich muß offen gestehen, daß sowohl zur Zeit wo ich in den Hafen

einfuhr, als auch gegenwärtig, die strategische Wichtigkeit dieser

sämmtlichen Fortificationen mir nicht besonders am Herzen lag, aber

ihre wirklich malerische Vertheilung an und im Hafen selbst, hat mich

entzückt und gewährt in der That einen reizenden Anblick.

Allenthalben hebt das glänzende Grün jener tropischen Vegetation die

Weiße der Mauern, und unfern der Kanonen steigen schlanke Palmen empor,

oder das riesige Blatt der Banane beschattet dieselben.

Es läßt sich kaum die Belebtheit des Hafens schildern. Hunderte

von Booten von allen Größen durchkreuzen nach jeder Richtung hin

denselben. Die meisten sind mit Negern bemannt, halbnackten, kräftigen

Gestalten. So ist das in der Sonne blitzende Grün des Wassers mit der

buntesten Staffage decorirt.

Obgleich ich dort noch nicht die Bekanntschaft des edlen Onkel Tom

gemacht, stiegen doch allerlei philantropische Gefühle in mir auf, als

ich die ersten dieser Boote erblickte.

Eins derselben näherte sich unserem langsam vorwärts treibenden

Schiffe, und obgleich am Steuer ein Weißer, mit einem etwas

verfänglich aussehenden Bambusstabe stand, schien dennoch im

schwarzen Volke der Geist ungestörter Heiterkeit zu herrschen. Schnell

vorübergleitend an unserm Borde streckten uns sämmtliche Neger die

Zunge entgegen, und solches war der erste Gruß, den wir von unsern

schwarzen Brüdern und überhaupt von menschlichen Wesen im neuen Lande

erhielten.

Bald folgte ein zweiter. Unweit eines jener Forts angelangt, rief man

uns von demselben aus in englischer Sprache zu: _Anker geworfen_! Mag es

nun sein, daß von uns der Befehl nicht gehörig verstanden oder nicht

rasch genug befolgt wurde, gleich darauf donnerte ein Kanonenschuß

über uns hinweg und unmittelbar nach demselben der zweite Ruf: »Anker

geworfen, oder ich schieße scharf!«

Etwas verwirrte hastige Thätigkeit an der Ankerspille und obligate,

vielleicht auch hier und da etwas ängstliche Verwunderung der auf Deck

befindlichen Passagiere war die Folge der freundlichen Mahnung. Der

Grund derselben aber, daß kein fremdes Schiff jene Linie überschreiten

durfte, ohne vorher von Douane und Sanitätscommission besucht worden zu

sein.

Als der Anker geworfen, kamen bald Boote in unsere Nähe, welche uns in

Augenschein nahmen, theils Leute, welche Geschäfte zu machen suchten,

theils müßige Gaffer. Die Neger schnitten uns wieder Fratzen und

riefen uns, wie ihre Geberden zeigten, Schimpfworte zu, von welchen

uns indessen blos das Wort »Californi« verbindlich, wenn gleich

nicht erklärlich war. Wir erfuhren erst später dessen Bedeutung und

Ursprung.

Douane und Sanitätscommission kamen kurz nach einander an Bord. Es

wurde geprüft, gezahlt, was allenthalben auf der Welt die Hauptsache zu

sein scheint, und hierauf die Erlaubniß gegeben an's Land zu kommen.

Jetzt legten fast zu gleicher Zeit zwei Boote bei uns an, und es kamen

die Agenten zweier Kaufleute an Bord in der Absicht, Kapitain und

Passagieren ihre Dienste anzubieten. Die Sache hatte auf den ersten

Blick etwas seelenverkäuferisches an sich und erinnerte an die lieben

Landsleute, welche in Nordamerika landende unerfahrene Reisende um den

Rest ihrer Habe bringen. Aber es zeigte sich das Gegentheil. Diese Leute

suchten nur jene Vorräthe und Bedürfnisse an uns zu verkaufen, von

welchen sie wissen, daß sie Reisenden nöthig, und dafür helfen sie

uns über eine Menge Schwierigkeiten hinweg, die sich dem Ankömmlinge

im fremden Lande entgegenstellen. Ich schloß mich mit einem großen

Theil der Passagiere dem Agenten eines Schweden, _Holm_, an, von welchem

wir später alle unsere Bedürfnisse kauften und gut bedient worden

sind. Nur wenige Gegenstände, welche überhaupt in Rio zu haben

sind, fehlten im Verkaufsgewölbe dieses Mannes, und verlangte, nicht

vorhandene wurden sogleich aus andern Läden herbeigeschafft. Holm

besorgte alle Briefe der Passagiere, ließ dieselben in Häuser führen,

welche sie nicht zu finden wußten, und wohin man etwa Empfehlungen

hatte, und wurde nicht müde eine Unzahl müssiger und unnützer Fragen

zu beantworten, welche unaufhörlich an ihn gethan wurden.

Vorläufig fuhr ich mit seinem Boote vom Bord aus an's Land. Hier erst

im raschen Durchgleiten des Hafens konnte ich seine ganze Schönheit

bewundern und fand die ganze Bestätigung dessen, was ich schon in

Europa gehört, daß nämlich der Hafen von Rio zu den schönsten

Punkten der Erde gehört.

Rio de Janeiro ist vielfach beschrieben worden, und die

naturhistorischen Schätze Brasiliens wurden ausgebeutet und geschildert

mit Gelehrsamkeit und Phantasie von Reisenden, welche das Glück hatten,

Jahre lang jenes Land durchziehen zu können.

_Wir_ hielten uns etwa nur vierzehn Tage in Rio auf und selbst während

dieser Zeit konnten wir nur kleine Ausflüge in die Umgegend machen,

da der Kapitain die Dauer des Aufenthaltes niemand mittheilte, und uns

anbefahl, jeden Tag der Abreise gewärtig zu sein.

Naturhistorische Forschungen waren mithin kaum anzustellen, wenigstens

wäre wohl nur meist schon Bekanntes zu erzielen gewesen. So war ich

darauf hingewiesen, dort nur das Leben und Treiben zu beobachten und --

selbst zu leben, weshalb nur kurze Schilderungen zu erwarten aus jener

glänzenden Tropenstadt.

Ein Theil der Passagiere, zu denen auch ich gehörte, wurden von Holm

in einen ziemlich guten Gasthof, Nationalhotel von August Sprengel,

gewiesen, und ich brachte den ersten Abend und den größten Theil

des folgenden Tags damit zu, in der Stadt umher zu streifen, um einen

Totaleindruck zu erwerben. Ich kann ihn nicht wiedergeben, denn viele

Bogen würden nur ein unvollständiges Bild hervorrufen. -- Mit Ausnahme

einzelner größerer, und meist öffentlicher Bauten sind die meisten

Häuser zweistöckig und haben die Bauart des südlichen Europa,

unbedingt aber modificirt durch den Einfluß der Tropen. Daß die

farbige Bevölkerung für ein ungewöhntes Auge anfänglich wohl

den meisten Reiz hat, läßt sich denken. Kann ich aber hier Neues

berichten? Wohl schwerlich, denn je nach der Auffassungsgabe einzelner

Individuen sind alle diese Dinge uns schon unzählige Male erzählt

worden.

Als recht charakterisirend und bezeichnend aber für den reichlichsten

üppigsten Ueberfluß, welchen jener glückliche Himmelsstrich erzeugt,

muß ich des Victualien-Marktes erwähnen. Ich habe selten vorher ein

reizenderes, lieblicheres und zugleich belehrenderes lebendes Bild

gesehen. In einer großen, im Viereck gebauten Halle liegen alle jene

Früchte aufgehäuft in massenhafter Menge und um einige Pfennige

zu kaufen, welche bei uns theils mit so viel Thalern bezahlt werden

müßten, theils gar nicht zu haben, ja kaum dem Namen nach bekannt

sind.

In Mitte mächtiger Hügel von Ananassen, Orangen von allen Arten und

von unglaublicher Größe, von eßbaren süßen Citronen, Bananen,

Cocosfrüchten, Feigen, Yams, süßen Zwiebeln, Artischoken und einer

Unzahl anderer Dinge mit barbarischen Namen aber höchst kultivirtem

Geschmacke, sitzen frische, reizende Negerinnen, lustig und guter Dinge

ihre Waare anpreisend, singend und trällernd, wohl auch kokettirend,

und um sie und zwischen den Früchten glänzen die glühenden Blüthen

des Landes zum Verkauf oder zur Zierde dorthin gestellt. Andere jener

schwarzen, plaudernden Dirnen sind fast gänzlich versteckt hinter

Bergen von riesenhaften Gemüsen. Dort habe ich mich kaum getraut, den

biedern deutschen Kohlkopf als Landsmann zu begrüßen, so mächtig war

sein Haupt, so tropisch seine Haltung.

Fabelhaftes Seegethier, lebend und todt, wird in andern Regionen zu Kauf

und Schau geboten. Fische in allen denkbaren Formen und Farben, Krebse,

Hummer, Krabben, Austern und Muscheln aller Art, und dort könnte der

Zoologe reiche und ganz gewiß noch unbekannte Schätze erwerben, welche

vielleicht hundert Jahre lang verkauft und gespeist worden sind, ohne

die Ehre gehabt zu haben, wissenschaftlich beachtet zu werden.

So habe ich selbst später in Valparaiso, dessen Fauna gegen jene von

Rio eine ärmliche zu nennen, einen neuen Schmarozerkrebs gefunden, der

ohne Zweifel, so lange jene Stadt besteht, in einem Seeigel zu Markte

gebracht und täglich dort gegessen wird.

Das bunteste und lebendigste Gemälde aber bietet auf jenem Markte in

Rio der Geflügel-Verkauf, oder besser der Wildpretmarkt, der

einen weitern Theil der Halle einnimmt. Wildhühner und Enten, alle

Variationen des Haushuhns, Perlhühner und Truthähne, wechseln mit

lebenden glänzenden Aras und bunten Papageien. Dazwischen sind in

Käfigen jene großen schwarzen Schweine ohne Rückenborsten zu sehen,

deren Fleisch ganz dem Schwarzwild ähnlich, oder ein Stachelschwein,

oder ein kleines unzenartiges Thier, was sich anständig und zahm

geberdet, dann Affen von allen Arten und anderes fremdländisches

Gethier.

Fremde von allen europäischen Nationen, die sich jenes Treiben

besichtigen, Schwarze aus allen Stämmen Afrikas, verkaufend und

einkaufend, arbeitend und müßig einherschlendernd, beleben das Ganze

und vermehren dessen Reiz.

Die ersten Tage in Rio benützte ich um einige Empfehlungsbriefe

abzugeben, die ich dahin hatte. Die Mehrzahl derselben habe ich später

bei Kap Horn in die See geworfen, und sie sind ohne Zweifel von den

Albatrossen verschluckt worden, die dem Schiffe folgten. Binden nicht

spezielle Bande den Schreiber und Empfänger solcher Briefe, oder walten

nicht besondere günstige Verhältnisse ob, so bringen sie meistens

wenig Nutzen.

Halb Nabob halb Englishman steht der Empfänger des Briefes vor

euch, die Daumen in den Armlöchern der Weste, mit den Augen halb den

Schützling musternd, halb zur Thüre hin bekomplimentirend, und aus

allen diesen Halbheiten wird euch bald ganz klar, daß ihr am besten

sogleich wieder geht. Ich habe es redlich gethan, freundlich, lachend,

und mit höflich ausgesprochenem Troste, daß ich nicht wieder kommen

werde. Zu Schutz und Entschuldigung aller jener Empfänger braucht aber

kaum bemerkt zu werden, daß, wenn jeder derselben nur einen halben Tag

einer solchen Empfehlung opfern wollte, der Leichtsinn, mit welchem sie

häufig gegeben werden, ihm wohl wenig freie Zeit übrig lassen würde.

Als ich am ersten Tage des Abends in das Gasthaus zurückkehrte,

fand ich einen ziemlichen Theil der Schiffsgenossen krank und in

jämmerlichem Zustande. Der unmäßige Genuß von Früchten trug ohne

Zweifel die Schuld. Ich empfahl Mäßigkeit für die Folge und ließ

heißen starken Thee ohne irgend eine andere Zuthat nehmen. Durchfall

und Erbrechen hoben sich überraschend schnell und die gefürchteten

Fieber blieben aus. Ich für meine Person habe während meines dortigen

Aufenthaltes ganz nach Belieben meine Lieblingsfrucht, die Orange, und

eben so Ananas gegessen, dazwischen selbst mit Einschluß des Wassers,

jedes Getränke genommen, ohne je irgend ein Uebelbefinden zu spüren.

Auch die gefürchteten Muskitos ließen sich erträglich an, und ich

habe in Franken in manchen Jahren während einer Nacht mehr von den dort

sogenannten Schnaken (=Culex pipiens=) ausgestanden als während meines

ganzen Aufenthalts in Brasilien von den Muskitos. Im Innern des

Landes und in der Nähe von Sümpfen leugne ich natürlich nicht

das Beschwerliche dieser Gäste. Diejenige Art derselben, welche

uns heimsuchte, war klein, etwa zwei Linien lang und mit gefiederten

Fühlfäden. Sie summt und pfeift nach Art unserer deutschen Schnaken

und ihr Stich hinterläßt einen kleinen Hugel, der mehrere Tage bleibt

und in der Mitte einen schwarzen Punkt hat. Wir hatten auf dem Schiffe,

nachdem wir Rio verlassen hatten, einige Tage lang fast mehr von ihnen

zu leiden, als am Lande selbst.

Einen der lohnendsten Ausflüge in der Umgegend von Rio de Janeiro

machte ich nach einigen Tagen meines dortigen Aufenthaltes nach dem

Corcovado, dem höchsten Berge in der Nähe der Stadt. Man geht eine

große Strecke längs einer Wasserleitung, welche allenthalben berühmt

ist und sicher diesen Ruf verdient. Ueber zwei Stunden weit wird vom

Corcovado aus das Wasser einer Quelle des Rio Catetes in die Stadt

geführt. Der Bau besteht aus achtzig Doppelbogen, und ist an manchen

Stellen über hundert und sechzig Fuß hoch. Das Wasser läuft in

demselben gedeckt und verschlossen, aber an vielen Stellen kann der

Vorübergehende seinen Durst löschen, indem Oeffnungen mit eisernen

Gittern das Schöpfen erlauben.

Die nächste Umgebung der Stadt, der Weg nach dem Berge selbst,

der durch den bereits unweit der Stadt liegenden Urwald führt, die

kostbaren Fernsichten, welche sich allenthalben, wo der Wald eine Lücke

bildet, eröffnen, so wie die phantastischen Formen jener Vegetation,

bieten einen unbeschreiblichen Zauber dar. Man wandert zwischen

prachtvollen Stämmen riesiger Geoffracen, Rhexien, Cisalpinen und

anderer gigantischer Bäume, die durch fast armsdicke Schlinggewächse

decorirt und verbunden sind, und zwischen ihnen hindurch leuchten in

brennenden Farben Bignonien, Lantanen, Pasifloren und hunderte jener

Blumen, die bei uns mit Mühe gezogen werden.

Der Vordergrund jener herrlichen landschaftlichen Gemälde, die häufig

durch Lichtungen des Waldes erblickt werden, wird bald durch vereinzelte

Negerhütten in Mitte mit Früchten überschütteter Orangenbäume,

bald durch pittoreske Felsparthieen, bald wieder durch gefallene und mit

Parasiten bedeckte Stämme gebildet. Wohl blickt man auch, frei ab von

der Höhe, über eine waldige Thalschlucht hinaus in die glänzende

Ferne, auf den Hafen und einen Theil der Stadt und des Orgel- und

Sterngebirges.

In geognostischer Beziehung habe ich dort manches Interessante gefunden,

konnte aber leider nur wenige bezeichnende Stufen schlagen, da ich den

Fehler beging, neue, noch ungeprobte Eisen mit mir zu nehmen, welche

sämmtlich nach den ersten Schlägen zersprangen.

Schwarzer Glimmer scheint bedeutend vorzuherrschen in dem dortigen

Granite, aber Form und Gepräge dieser Gesteine wechseln bedeutend.

Schönen edlen Granat habe ich unter anderen Mineralien in einem frisch

geöffneten Bruche dicht an der Straße gefunden. Die interessanteste

Erscheinung aber, welche man dort aller Orten beobachten kann, ist die

Verwitterung des Granits und die Zersetzung dieses Gesteins in einer

Intensität, von welcher man sich bei uns kaum einen Begriff zu machen

im Stande ist. An manchen Stellen finden sich Thonlager von 40 und

mehreren Fußen Mächtigkeit, welche theils wohl von verwittertem

ausgewaschenem Gesteine herrühren, theils aber auch blos umgewandelter

Granit sind, welcher dort anstand und sich gänzlich gesetzt hat, bis

auf unveränderte Quergänge und hier und da noch sichtbar auftretende

Glimmerparthieen. Bisweilen aber glaubt man noch unverändertes,

vielleicht nur höchstens an der Oberfläche verwittertes granitisches

Gestein vor sich zu haben, so deutlich ist die Form der Bestandtheile

derselben noch erhalten; aber man kann mit leichter Mühe einen Stock

seiner ganzen Länge nach bis an die Faust in den scheinbaren Felsen

stoßen, und ich habe mit einer sieben Fuß langen, am Wege liegenden

Stange denselben Versuch mit gleichem Erfolge gemacht.

Ich habe dort mitten im unzersetzten frischen Granite flache, kaum einen

Zoll mächtige plattenförmige Gebilde anstehen gefunden, welche ich

auf einen Fuß Tiefe in das granitische Gestein verfolgen konnte. Diese

Platten sehen so außerordentlich täuschend gewissen Formen des oberen

Keupersandsteins ähnlich, daß ich an Ort und Stelle fast an die

geognostische Unmöglichkeit geglaubt hätte, Nester von Keupersandstein

mitten im Granite zu finden. Mitgebrachte Handstücke, welche ich noch

heute besitze, belegen die Richtigkeit des Ausgesprochenen und sind

von Sachverständigen stets als Keupersandstein angesprochen worden,

obgleich sie blos zersetzter Granit sind.

Die warmen Regen, die dort zu gewissen Zeiten ziemlich häufig fallen,

im Verein mit der bald wieder erscheinenden glühenden Sonne jenes

Himmels, bewirken ohne Zweifel jene rasche und energische Zersetzung,

welche für unsere Breitegrade ohne Beispiel ist. --

Ich will nicht nochmals von der Aussicht sprechen, die von dem Gipfel

des Corcovado sich darbietet und eben so wenig der baumartigen Farren

weiter erwähnen, welche dort sich in aller Pracht entfalten, da

gelehrte Botaniker den letzten Gegenstand wenn nicht erschöpft, doch

hinlänglich berührt haben.

Dagegen will ich eines Negertanzes erwähnen, den wir, heimkehrend,

zu beobachten Gelegenheit hatten. Im Hofe eines jener Landhäuser,

die schon unweit der Stadt beginnen, und dann stets isolirter und

vereinzelter bis in weite Entfernung von derselben angetroffen werden,

hatten sich die Schwarzen beiderlei Geschlechts versammelt und führten

einen ihrer National-Tänze auf. Die Wahrheit zu gestehen, war bei

diesem Tanze wenig zu bemerken von kindlicher Unschuld eines Naturvolkes

oder ungekünstelter Grazie. Die Tanzenden waren je nach dem Geschlechte

in zwei Reihen gestellt. Einer der Männer sprang vor und näherte

sich mit hüpfenden Schritten, welche allerdings einige entfernte

Aehnlichkeit mit regelrechten =Pas= hatten, der weiblichen Reihe. Die

gewählte Dame, vor welcher er stehen blieb, trat vor, und nun begann

der Tänzer eine Reihenfolge von Bewegungen, welche nichts weniger als

zweideutig genannt werden dürfen, sondern vielmehr höchst unzweideutig

und nicht näher bezeichenbar waren. Hatten sämmtliche schwarze Herren

ihre Tour beendet, begannen die Damen dieselben Manöver. Ich brauche

wohl kaum zu bemerken, daß was, gelinde bezeichnet, bei den Männern

als burlesk betrachtet werden konnte, von Frauen ausgeführt höchst

widerlich erschien. Das Ganze löste sich in eine wilde, verworrene,

jauchzende und tobende Gruppe, worauf wieder das vorher geschilderte

Spiel begann.

Als begleitendes musikalisches Instrument diente ein rohes an der Sonne

getrocknetes Kalbfell auf eine Tonne gelegt, nicht gespannt, und mit

einem harten Holzstücke geschlagen und fast ununterbrochen von den

Tanzenden mit einem eintönigen Gesange begleitet. Wir glaubten die ewig

wiederholten Worte =Aira, Aira, re!= verstanden zu haben.

Man hat mich von glaubwürdiger Seite versichert, daß jener Tanz ein

Nationaltanz der Neger sei und nicht die Parodie oder Nachäffung des

Menuett, wie ich theilweise zu glauben geneigt war.

Das Interessanteste, was ich auf jener Excursion in zoologischer

Hinsicht getroffen, war ein negatives Resultat. Ich habe nämlich keinen

einzigen Käfer getroffen, obgleich mir die Fundorte dieser Thiere wohl

bekannt sind, und ich kein ungeübtes Auge besitze. Ich glaube

nicht, daß die Jahreszeit hieran die Schuld trug, denn =Dipteren,

Hymenopteren, Hemipteren= und prachtvolle =Lepidopteren= waren zahlreich

zu treffen. Am häufigsten unter den größeren Schmetterlingen war der

schöne Bombyx Atlas, der dem chinesischen und japanischen kaum etwas

an Größe nachgab. Auch =Aeronauta phorbanta= oder eine ihm wenigstens

sehr ähnliche Species saß häufig an den glatten Stämmen jener

mächtigen Bäume, mit den großen blau gefärbten Flügeln schlagend

und ausschwitzende Säfte saugend. Für mich, der ehemals

leidenschaftlich gesammelt hatte, war es ein eigenthümliches

bittersüßes Gefühl, diese prachtvollen Thiere, die Idole meiner

Knabenzeit, lebend und in solcher Menge zu sehen, ohne sie fangen zu

dürfen. Aber ich hatte mir zum Grundsatz gemacht, hier in Brasilien

wenigstens keine Schmetterlinge mitzunehmen, da Transport ohne

Beschädigung auf der weiteren Reise kaum möglich gewesen wäre. Die

leicht transportirbaren Käfer aber sollen, wie man mir sagte, in der

Umgebung von einigen Stunden überhaupt sehr selten sein, da eine

Menge von Speculanten ihre Neger ausschicken, um sie einzufangen und an

europäische Naturalienhändler zu versenden. Auch in ornithologischer

Beziehung sahen wir nur einige kleine finkenähnliche Vögel, hingegen

drei Gesellschaften von Brasilianern, welche mit Vogelflinten bewaffnet

jagten, indessen auch noch ohne sonderliche Beute waren.

Außer einem mächtigen Regenwurme, vielleicht eine neue Lumbricus-Art,

welchen ich aber nicht mitnehmen konnte, war ebenfalls kein kriechendes

Thier zu sehen.

Ich bedaure, meinen Lesern nicht von einem Kampfe mit einer

Klapperschlange erzählen zu können oder vor ihren Augen eine =Boa

constrictor= erlegen zu dürfen, aber ich vertröste sie auf Chile! Dort

werde ich sie über die Gipfel eines Urwalds hinwegführen, sie werden

auch ein höchst merkwürdiges Abenteuer mit einem Löwen bestehen

sehen, und überhaupt die interessantesten Dinge vernehmen. Zwar nichts

Neues, Alles schon dagewesen! Aber wer vermag lauter Nova zu liefern,

wenn er wahr sein und nicht ungebührlich »_decoriren_« will!

Das lebhafte rege Leben, was in tropischen Städten erst mit dem Abende

beginnt und bis in die späte Nacht fortdauert, ist so bekannt, daß

eine Schilderung desselben vollständig überflüssig.

In Rio de Janeiro aber sind die Abende schon vor Sonnenuntergang

prachtvoll, weil der Seewind, der dort herrscht, kostbar erfrischt. Ich

brachte bisweilen, war ich gerade nicht auf einer größern Excursion,

solche Abende in einer jener Restaurationen nahe am Hafen zu, welche

einem Franzosen gehörte, und woselbst ich später kurz vor der Abreise

auch einige Tage wohnte. In diesen Anstalten herrscht eine merkwürdige

Mengung von französischer Eleganz, brasilianischem Ueberflusse und

zugleich, wie soll ich mich ausdrücken, -- einer gewissen Einfachheit

der Sitten.

Die großen bogenförmigen Thüren sind in den zu ebener Erde und gegen

die See liegenden Speisezimmern stets geöffnet, so daß die frische

Luft ungehindert Zutritt hat, an den Wänden schöne Kupferstiche, die

kleinen Speisetische mit Silber und Kristallglas geziert und in der

Mitte des geräumigen Gemaches eine Art Buffet zierlich, ja malerisch

geschmückt mit allen jenen eßbaren Produkten des Landes aus Thier- und

Pflanzenreich, die bei uns mit Gold gewogen, dort um einige Kreuzer zu

haben sind, eine Miniatur-Ausgabe des besprochenen Victualienmarktes.

Hinter einem andern in der Tiefe des Zimmers befindlichen Buffet

beaufsichtigt eine zierliche Französin die Spirituosen. Aber der

Kellner geht in Hemdärmeln, in abgetretenen Pantoffeln, nicht selten

ohne Strümpfe und die Bedienung ist, wenn gerade nicht langsam, doch

eigenthümlich. Ich war Augenzeuge, wie ein Fremder ein Glas Cognac

verlangte. Der am Buffet lehnende Garçon hatte zufällig die linke Hand

in der Tasche seiner Beinkleider stecken. Es war ihm lästig, sie zu

entfernen, und so ergriff er die in der Nähe stehende Cognac-Flasche

mit der Rechten, beseitigte den Stöpsel mit den Zähnen, füllte ein

Gläschen und verkorkte die Flasche wieder auf dieselbe Weise, ohne die

Linke zu rühren. Hier wußte die Linke nicht, was die Rechte that und

umgekehrt, wie es häufig in unsern Kammern der Fall ist.

In jener Restauration versammelte sich ein großer Theil der Reisenden,

deren Schiffe im Hafen lagen, und das babylonische Gewirre aller

Sprachen, welches meist dort herrschte, ist schwer zu beschreiben. So

war ein nordamerikanisches Schiff, welches, wie wir, nach Kalifornien

bestimmt war, bei Kap Horn wegen Havarie gezwungen gewesen, umzukehren,

und dessen Passagiere gaben uns jeden Abend Gelegenheit, Yankee-Sitte

vor Augen zu haben. Eine Cigarre oder Kautabak im Munde, und war es

halbweg möglich beide Füße auf dem Tische, spuckten diese Gentlemen

mit bewundernswürdiger Virtuosität weit ab von sich an Wände

und Geräthschaften. Aber ich hatte auch Gelegenheit, den durchweg

praktischen Sinn jener Leute zu beobachten. Sie hatten an einem

Abend auf der Straße vor dem Gasthause Händel mit den Brasilianern

angefangen, man hatte die Messer gezogen, und einige der Nordamerikaner

waren, ich weiß nicht auf welche Art, durch tiefe Querschnitte über

den Rücken verwundet worden. Es war nöthig, vor der Uebermacht auf

der Straße sich durch das Haus auf die andere Seite in's Freie

zurückzuziehen, und sie bewirkten diesen Rückzug, indem sie

gänsemarschartig sich mit außerordentlicher Geschmeidigkeit durch

alle Gäste schoben, den Einzelnen wegstoßend, größeren Gruppen

ausweichend und die Verwundeten so mit sich schleppend, daß diese

mit beiden Händen sich an den Schultern des Vordermanns festhielten,

während ihr Hintermann sie selbst am Kragen gefaßt hielt.

* * * * *

Nicht leicht habe ich den Ausdruck heiterer und harmloser Freude über

eine ganze Bevölkerung ausgebreitet gesehen als in Rio de Janeiro am

Vorabende des Johannis-Festes.

Sicher ist es eine der glücklichsten Segnungen der meisten warmen

Länder, daß ihre Bewohner eine gewisse kindliche Gemüthlichkeit,

einen eigenthümlichen gütlichen Leichtsinn bewahren, die sich bei

jeder Gelegenheit äußern. Am Johannis-Feste freut sich alles, eben

weil man sich freut. Auf den Straßen eine heitere, wogende, jubelnde

Menge, in den Häusern geladene Gäste, freundliche Hausherren und

geschäftige Diener, Scherz und Lust in jedem Winkel des Hauses, in

jeder Laube des duftenden Gartens. Sobald es zu dunkeln beginnt, erheben

sich tausende von farbigen Ballons in die Luft, die entweder in der

Höhe verschwinden oder durch ein angebrachtes Feuerwerk in Flammen

gerathen und Leuchtkugeln oder Raketen auswerfen. Aber auch auf der Erde

entzünden sich allenthalben plötzlich farbige Leuchtsätze und nicht

selten wird irgend eine zärtliche Gruppe unfreiwillig beleuchtet,

Raketen steigen in die Höhe, Schwärmer und sogenannte Frösche blitzen

und knallen aller Orten. Das eigentliche Johannisfeuer aber, von welchem

sich auch in Deutschland an mehreren Orten noch Spuren erhalten

haben, brennt vielfach in jeder Straße und auf größeren Plätzen in

mächtigen Flammen. Alte Kisten und Tannen, unbrauchbares Hausgeräthe

und hundert andere brennbare Dinge werden aufgespart auf diesen Tag,

und Jedermann sucht sein Scherflein beizutragen für diese allgemeinen

Freudenfeuer.

Mich hat dort verwundert, wie geduldig die Pferde über jene Feuer

hinwegliefen, denn da die letzteren in ganz engen Straßen brannten,

wo an kein Ausweichen zu denken war, mußten alle Wagen, welche zu

hunderten die Stadt durchzogen, durch die Flammen fahren, so daß

brennende Holzstücke oft zwanzig Schritte weit von den Rädern

hinweggeführt wurden.

Die Heiterkeit des Abends wurde wieder durch eine Anzahl Nordamerikaner

gestört, welche Unfug verübten und durch die Polizei zur Ruhe gebracht

werden mußten. Wir erfuhren bei dieser Gelegenheit die Bedeutung des

Wortes »Californi!« welches man uns bei der Einfahrt in den Hafen

zugerufen hatte. Es hatten schon vor unserer Ankunft die Passagiere

mehrer gleichzeitig im Hafen von Rio verweilender nordamerikanischer

Schiffe manchfache Tollheiten und Unarten verübt, in Schenken z. B.

statt die Zeche zu zahlen, Geräthe zerschlagen, Raufereien begonnen,

Dirnen mißhandelt u. s. w. Da jene Schiffe nach Kalifornien bestimmt

waren, so kam unter dem Volke als Schimpfwort jener Name in Umlauf, mit

welchem man ohne Unterschied alle nach Kalifornien Reisenden belegte. --

Man wird von mir keine statistische Notizen über Rio verlangen, die

allenthalben eben so gut oder schlecht als ich sie geben könnte,

nachzuschlagen sind. Daß die 100,000 Einwohner, welche mit Einschluß

der Neger die Bevölkerung ausmachen, sich durch das, einige Monate nach

meiner Anwesenheit ausbrechende gelbe Fieber bedeutend vermindert haben,

ist bekannt; aber solche Verluste ersetzen sich schnell in der neuen

Welt, theils durch fremde Ankömmlinge, theils wie hier in Rio, durch

Schwarze.

Das Militair hat keinen sehr günstigen Eindruck auf mich gemacht. Es

besteht, mit Ausnahme von Fremden, welche in brasilianische Dienste

getreten sind, aus Negern, und es ist in der That kein Scherz, wenn ich

sage, daß der erste Anblick dieser Krieger mich an eine Affen-Komödie

erinnert hat. Sich selbst überlassen, stehn die Schwarzen meist

mit gebogenen Knieen, wodurch die ohnedies langen Arme noch länger

erscheinen und dies, vereint mit den schwarzen, bisweilen wirklich

fratzenhaften Physiognomien bringt jenen pavianartigen Typus zuwege.

Doch stehen sie wacker und ernsthaft Schildwacht und wissen, ganz auf

europäische Weise, Zudringliche von verbotenen Stellen zu entfernen.

Ich habe den Kaiser Dom Pedro mehrmals auf der Parade gesehen, welche

er zu Pferde besuchte. Die Generäle und hohen Stabsoffiziere fahren in

kleinen einspännigen, geschlossenen Wagen dorthin. Der Kaiser scheint

durchgängig beliebt zu sein und zwischen den beiden dort herrschenden

Parteien die Wage zu halten. So viel mir während meines kurzen

Aufenthaltes von den dortigen politischen Verhältnissen klar geworden,

besteht eine sogenannte altportugiesische Partei, welche die früheren

Verhältnisse zurückwünscht, und auf der andern Seite die Partei der

Brasilianer, welche das constitutionelle Kaiserthum erhalten wissen

will, wohl auch noch weitere Fortschritte in diesem Sinne wünscht.

Der Kaiser, welcher eine sehr geringe Civilliste bezieht, soll bei

ernstlichen Händeln zu verschiedenen Malen mit Bestimmtheit gedroht

haben, abzudanken, was stets eine rasche Vereinigung der streitenden

Kräfte herbeiführte. Von beiden Seiten mag man wohl eingesehen haben,

daß einestheils ein Kaiser in Brasilien wenigstens für die Gegenwart

und ohne eine vollständige Anarchie herbeizuführen, nöthig,

vielleicht haben auch gefürchtete Eingriffe von Außen, im Falle

einer Umwälzung, das ihrige beigetragen. Wohl aber ist es auch beiden

Parteien klar, daß man mit so wenigen Opfern wie gegenwärtig kaum

irgendwie ein Staatsoberhaupt werde erhalten können. -- Vielleicht ist

hier, da ich doch einmal begonnen, von politischen Dingen zu sprechen

der passendste Ort der Sklaverei zu gedenken.

Die Sklaverei ist in Brasilien zwar nicht aufgehoben, indessen insofern

beschränkt, daß keine neuen von Afrika aus eingeführt werden sollen.

Das heißt, es existirt ein Gesetz[4], welches dies verbietet; nichts

desto weniger kommen indessen fortwährend Ladungen dieser schwarzen

Waare an die Küste, werden heimlich ausgeladen, in die Pflanzungen

geschafft und dann endlich nach und nach in die Städte gebracht, wenn

man ihrer bedarf.

Man braucht nicht zu sagen, daß die Behandlung der Sklaven eine

schlechte sei, es reicht hin, zu bedenken, daß sie eine _willkürliche_

ist.

Wenn aber ein Individuum der Willkür eines andern, und wie hier, kaum

mit dem Schatten eines Gesetzes geschützt, überlassen ist, kann man

die Folge wohl errathen. Selbst bei bessern Gemüthern liegt es leider

oft nahe, Aerger und üble Laune an der Umgebung auszulassen. Es ist

klar, daß gemeine und boshafte Naturen jede üble Disposition den

unbeschützten Schwarzen fühlen lassen. Ein verfehltes Handelsgeschäft

trägt dem Sklaven Prügel ein von seinem Herrn, und die Frau, der etwa

ein Liebeshandel entdeckt oder vereitelt worden, peinigt ihre Sklavin

bis auf's Blut, wie die Damen überhaupt mit eigentlichem methodischen

Quälen in jeder Beziehung besser umzugehen wissen, als Männer, welche

einmal derb darein schlagen, physisch oder moralisch, und dann Ruhe

geben, wenigstens auf einige Zeit.

Was mich am meisten empört hat, ist das Mißhandeln der Mütter in

Gegenwart ihrer Kinder und umgekehrt. Ich habe zehnmal und öfter

vielleicht in einem Morgen gesehen, wie die Herrin in der Küche der

dort beschäftigten Sklavin im Vorübergehen einige Hiebe versetzte, je

nach Bequemlichkeit auf Kopf oder Rücken, und mit dem Gegenstande, den

sie eben gerade in der Hand hatte, während ihre Gehülfin das Kind der

Negerin mit einem Fußtritte aus der Küche schleuderte.

Wißt ihr, Freunde der Humanität, was ich dort gethan habe? Ich habe

jenem schlagenden Drachen Confect überreicht, welches ich zufällig

vorher gekauft hatte, und der Schwägerin, welche dem Kinde

ihre Aufmerksamkeit durch Fußstöße erzeigte, sagte ich einige

Schmeicheleien, denn beide Damen waren sanfte, deutsche Landsmänninnen.

Man begreift, daß verdoppelte Mißhandlungen die Folge gewesen wären,

hätte ich gewagt, Gegenvorstellungen zu machen. War man Zeuge einer

solchen Behandlung, und ich habe Analoges öfter gesehen, so begreift

man schwer, wie der lustigste heiterste Theil der Bevölkerung doch

unbedingt immer die Neger sind. Der kurz vorher durchgeprügelte

Schwarze entwickelt ganz ungetrübt Fröhlichkeit, wenn die Folgen

der Strafe ihn nicht allzudeutlich an dieselbe erinnern, ja er wird

unverschämt, wenn er nicht stets im Zaum gehalten oder an sein

»Verhältniß« erinnert wird.

Ich will jetzt erzählen, wie ich selbst Neger geprügelt habe.

Fast sämmtliche Passagiere der Kajüte hatten bei Kaufmann Holm sich

Bedürfnisse für die weitere Reise gekauft und einer der Passagiere und

ich hatten aus Gefälligkeit den Transport dieser Gegenstände auf unser

Schiff übernommen. Ich muß hier ausdrücklich bemerken, daß jener

Passagier, ein junger begabter Mann, für Freiheit, Menschenrechte und

dergleichen großartig schwärmte und in Folge des Jahres 1848 sich 1849

etwas rasch aus Deutschland entfernt hatte.

Wir hatten etwa 20 Neger gemiethet, denselben unsere verpackten Waaren

gegeben, und wollten sie so zum Hafen führen. Aber schon nach den

ersten Straßen, welche wir zurückgelegt hatten, schnitten uns die

Neger Fratzen, führten allerlei Kapriolen aus, und machten ersichtlich

Anstalt, sich nach allen Richtungen hin zu zerstreuen. So machte

mir mein junger Freund selbst den Vorschlag, um uns »Respect« zu

verschaffen, einige, allenthalben zum Verkaufe ausstehende Bambusröhre

zu erstehen. So rasch dies geschah, so schnell waren die Neger wieder in

Reihe und Glied, singend und guter Dinge zum Hafen wandernd.

Ich bin mir dort sonderbar vorgekommen, mit meinem Bambusstocke eine

Reihe Sklaven führend.

Angekommen am Kai, lohnten wir die Neger bedungenermaßen ab, aber

einige derselben gaben uns durch leicht verständliche Zeichen

zu erkennen, sie wünschten ein Trinkgeld. Ich gab mehreren eine

Kleinigkeit, nun aber hatten sie mich vollständig zum Besten, drängten

uns immer weiter an den Rand des Kai, und gerade die, welche etwas

erhalten hatten, waren die tollsten und ausgelassensten.

Als mich endlich einer bei den Schultern faßte, riß meine Geduld,

ich holte aus, und schlug derb auf die wolligen Krausköpfe nach allen

Richtungen hin, während mein freisinniger Freund, gleiches thuend,

mich getreulich unterstützte. Der Erfolg war, daß die Neger

auseinanderstoben und sich mit Gelächter zerstreuten. So waren wir

also, eigentlich buchstäblich um uns zu schützen, genöthigt, eine

Handlung auszuüben, welche wir wohl beide vorher als eine Rohheit

erklärt hatten.

Ich glaube, daß eine strenge Behandlung nöthig ist, wo einmal

Sklaverei herrscht, ja daß dieselbe eines der Mittel ist, wodurch eine

allgemeine Empörung verhütet wird. =Exempla sunt odiosa.=

Aber der Hauptgrund, weshalb wenigstens in Rio de Janeiro und Brasilien

überhaupt kein eigentlicher Sklavenaufstand ausgebrochen, ist der,

weil die meisten der Sklaven, wenigstens der importierten, sich unter

einander tödtlich hassen. Sie gehören verschiedenen Stämmen Afrika's

an, die, in der Heimat sich bekriegend, und selbst gegenseitig als

Sklaven an die Weißen verkaufend, hier in Brasilien ihre Feindschaft um

so eifriger fortsetzen, da sie sich wechselseitig als die Ursache ihres

gegenwärtigen schlimmen Looses betrachten.

Die Sklaverei ist allerdings etwas Schändliches und das Empörende

derselben ist noch augenfälliger für den, der nicht von erster Jugend

an diesen Anblick gewöhnt ist, und für den -- welcher keinen Vortheil

davon hat.

Man hat eingewendet, daß man von den frühesten historischen Zeiten an

Sklaven gehabt, und sie behandelt, wie man es gegenwärtig thut; man hat

gesagt, daß im Vaterland der Neger selbst die Sklaverei zu Hause;

das ist Alles richtig, ja es ist sogar wahr, daß man bei sehr vielen

Negerstämmen nicht selten einen wohlgenährten Sklaven, welcher ein

zartes Fleisch zu liefern verspricht, aufspeist.

Aber giebt das frommen und gläubigen Christen, oder den

aufgeklärten freien Republikanern ein Recht, solche heidnische und

barbarische Gebräuche beizubehalten? Oder hat es Grund, daß die

Fortschritte des Menschengeschlechts vorzugsweise repräsentirt werden

durch Dampfmaschinen und Schnellpressen, durch Kleider ohne

Naht und Streichfeuerzeuge, durch vulkanisirten Kautschuck,

Missionsgesellschaften und die Anwendung der Galvanoplastik?

Eine traurige Thatsache ist, daß unter den Tropen weiße Männer kaum

oder gar nicht Feldarbeit verrichten können und daß der dort geborene

Indianer nie zu gedungener Arbeit zu bringen ist, so daß afrikanische

Arbeiter unvermeidlich erscheinen, wenn Weiße jene Länder überhaupt

benützen und bewohnen wollen.

Die ganze Welt weiß, daß diese Wahrheit eine der wichtigsten

Lebensfragen für die Einigkeit wenigstens der nordamerikanischen

Freistaaten ist.

Der Preis eines Sklaven ist sehr verschieden, 200 Thaler (à 2 fl. 30

kr.) für ein männliches Individuum, was halbweg rüstig, ist wohl das

Minimum, aber diese Preise steigen mit der Kunstfertigkeit des Negers

bedeutend, 800, 1000 Thaler und auch höher, wie man mir sagte.

Weiber sind im Verhältnisse billiger, indessen bestimmen auch hier

körperliche Vorzüge und Geschick den Preis.

Wer sich kürzere Zeit in Brasilien aufhält, kann sich Sklaven miethen

und hier sind die Preise ebenfalls wieder bedingt durch die Fähigkeiten

derselben, durchschnittlich 20-30 Thaler per Monat. Ja man kann sich in

Rio de Janeiro aller Orten Sklaven auf Tag und Stunde miethen, indem es

dort eine häufige Spekulation ist, die Schwarzen beiderlei Geschlechts

des Morgens hinauszuschicken, um eine gewisse Summe zu verdienen, welche

des Abends abgeliefert wird. Der Mehr-Verdienst gehört den Sklaven, was

beim Weniger geschieht, braucht kaum erwähnt zu werden.

Ein freundlicheres Bild als diese Sklavenzustände giebt der botanische

Garten, aber in allen Notizen über Rio de Janeiro ist dessen erwähnt,

so daß ich nur wenig über denselben berichten werde. Der Stifter

dieses Gartens war ein Mönch, und die Grundidee, welche denselben

leitete, die, alle Kulturpflanzen der Erde, einheimisch unter gleichen

Breitegraden oder im wärmeren Klima überhaupt, dort zu vereinigen, die

Bedingnisse ihres Gedeihens zu studiren, und sie dann in Brasilien

zu verbreiten. So viel ich weiß, ist dieser Zweck nur unvollkommen

erreicht worden, obgleich von Zeit zu Zeit die Regierung ihn kräftig

unterstützt hat. Ich halte diesen Garten für den schönsten der

Welt und habe ihn an Ort und Stelle für eine lebende Illustration zu

»Tausend und eine Nacht« erklärt.

Die Anlage desselben ist einigermaßen im altfranzösischen Style

gehalten, aber jene Kinder der tropischen Flora haben sich nicht binden

lassen durch Schnürleib und Perücke, und so ist nur das Zierliche der

Etikette geblieben, und deren Steifheit verschwunden.

Man kann sich denken, welchen Effect mächtige Baumgruppen machen,

die zusammengestellt sind aus den abenteuerlichsten und prachtvollsten

Blattformen der Erde.

Eine lange Allee des australischen Brodfruchtbaums fällt beim ersten

Anblick in die Augen und überrascht durch die eigenthümliche Form der

Stämme. Mächtige Gruppen von Bambusrohr imponiren durch ihre Höhe,

während anderwärts ein Feld mit Theestauden, ferner Kaffeebäume,

Baumwollenbäume, Cacaobäume und alle Gewürze Indiens vor unsern

Augen blühen oder Früchte tragen. Lauben, mit phantastischen

Schlinggewächsen überzogen, kleine künstliche Bassins, das

mystische Dunkel mehrerer Partien des Gartens, so wie die allenthalben

beschäftigten Neger vollenden das prachtvolle Bild, jener Abtheilung

des Gartens gar nicht zu gedenken, in welcher man die kostbarsten Blumen

blühen sieht und wo selbst europäische Zierpflanzen, möglichst kühl

gehalten und durch Tücher vor der Sonne geschützt, gezogen werden.

Wenn man das über den Hafen fahrende Dampfboot benützt, hat man von

der Stadt aus etwa eine Stunde bis zum botanischen Garten. Auf jenem

Wege habe ich wieder auffallende Beweise von der stellenweise so starken

Verwitterung des Granits gefunden und bezeichnende Handstücke erworben.

Einige Tage, ehe wir Rio verließen, liefen abermals einige Schiffe ein,

welche theils bei Buenos Ayres, theils näher bei Kap Horn so bedeutend

beschädigt worden waren, daß sie umwenden und im Hafen von Rio den

erlittenen Schaden ausbessern mußten. Zugleich verbreitete sich

das Gerücht, als sei in diesem Jahre die Schifffahrt bei Kap Horn

gefährlicher als je. Das schien bedenklich.

Mehr aber noch war die fast gleichzeitig eingelaufene Nachricht vom

Vaterlande aufregender Art. Die Revolution sei erneut und vollständig

ausgebrochen. Ein Theil der Fürsten sei getödtet, die anderen verjagt,

die Armeen zum Volke übergetreten. Blutige Rache werde genommen

an Besitzenden, und Deutschland gehe einer freien, schönen Zukunft

entgegen.

Vielleicht hat selten eine Nachricht bei Leuten verschiedener Parteien

einen gleicheren Eindruck hervorgebracht.

Diejenigen, welche an die Schönheit jener Zukunft glaubten, bedauerten,

das Vaterland verlassen zu haben im entscheidenden Augenblicke.

Wir anderen, die bescheidene Zweifel hegten, waren in Sorge, der

zurückgelassenen Angehörigen halber. So bedauerte jeder, nicht

anwesend zu sein in der Heimat, und wir trösteten uns beinahe

gegenseitig, statt uns zu befeinden.

Es war die erste Nachricht vom badischen Aufstande, welche also

vergrößert über die See gedrungen war. Erst in Chile erfuhren wir

durch vor uns gekommene Dampfer den wirklichen Verlauf der Sache.

Nun aber, ehe ich Rio de Janeiro verlasse, will ich noch einige Angaben

über die Temperatur des Wassers und der Luft beifügen -- auf See, und

über die in Rio selbst.

Ich habe von Bremen an täglich dreimal die Temperatur der Luft genommen

und die des Wassers einmal, die Barometerstände wurden anfänglich nur

einmal verzeichnet, später indessen, vom 31. Grade nördlicher Breite

an bis zum Aequator, von da bis zu Kap Horn und wieder weiter bis Chile,

stündlich von früh 9 Uhr bis des Abends 10 Uhr.

Für die vorliegenden Blätter wäre die Angabe dieser bedeuteten Reihe

von Zahlen natürlich eine zu ausgedehnte, und eine langweilige Zugabe

für den Leser. Ich habe daher unten gewissermaßen nur einen Auszug

gegeben, indem ich von Bremen an bis zum 21. Grade nördlicher Breite

die Temperatur der Luft und des Wassers blos wochenweise gebe, von

dort an aber bis zum Aequator und weiter bis nach Rio de Janeiro die

täglichen Stände anführe. Die Barometerstände habe ich gänzlich

weggelassen, eben so die Angabe des Windes. Durch die Angabe der Länge

und Breite aber kann genau die Stelle gefunden werden, wo sich das

Schiff am bezeichneten Tage befunden und der ganze Kurs desselben liegt

mit etwaiger Beihülfe einer Karte vor.

Es ist die Länge von Greenwich aus genommen und die Temperatur,

genommen im Schatten auf Deck, nach dem Thermometer von Reaumur

angegeben. Das Seewasser war mit passender Vorrichtung von der

Oberfläche geschöpft.

+-----------+------------+------------+-----------+------------+

| | Temperatur | Temperatur | | |

| Datum | der Luft | des Wassers| Länge | Breite |

| 1849 | des Mittags| des Morgens| westliche | nördliche |

| | 12 Uhr | 9 Uhr | | |

+-----------+------------+------------+-----------+------------+

| April 23.| + 7.0 | + 5.7 | Nordsee | u. Kanal |

| " 29.| + 7.0 | + 6.5 | 2° 32' | 51° 52' |

| Mai 5.| + 10.5 | + 10.0 | 9° 22' | 45° 50' |

| " 11.| + 15.3 | + 14.3 | 14° 58' | 32° 58' |

| " 16.| + 18.7 | + 18.0 | 21° 19' | 21° 10' |

| " 17.| + 18.8 | + 17.0 | 22° 30' | 18° 9' |

| " 18.| + 18.8 | + 17.5 | 22° 36' | 15° 22' |

| " 19.| + 19.3 | + 18.7 | 22° 36' | 12° 38' |

| Mai 20.| + 20.0 | + 19.2 | 22° 30' | 10° 35' |

| " 21.| + 21.5 | + 20.5 | 22° 21' | 8° 36' |

| " 22.| + 23.0 | + 21.0 | 22° 37' | 8° 30' |

| " 23.| + 20.0 | -- | 22° 33' | 4° 50' |

| " 24.| + 22.5 | + 21.5 | 22° 19' | 4° 37' |

| " 25.| + 23.0 | + 22.2 | 21° 55' | 4° 36' |

| " 26.| + 22.3 | + 22.0 | 22° 22' | 4° 58' |

| " 27.| + 21.5 | + 22.2 | 19° 38' | 4° 52' |

| " 28.| + 21.8 | + 22.3 | 20° 23' | 4° 24' |

| " 29.| + 22.5 | + 21.5 | 20° 10' | 4° 5' |

| " 30.| + 22.5 | + 21.5 | 21° 41' | 2° 38' |

| " 31.| -- | + 21.8 | 23° 28' | 1° 20' |

| Juni 1.| + 21.8 | + 21.5 | 24° 56' | 0° 38' |

| " 2.| + 21.5 | + 21.2 | 26° 16' | 0° 4' |

|Passiren d.| Aequators | | |südl. Breite|

+-----------+------------+------------+-----------+------------+

| | Temperatur | Temperatur | | |

| Datum | der Luft | des Wassers| Länge | Breite |

| 1849 | des Mittags| des Morgens| westliche | südliche |

| | 12 Uhr | 9 Uhr | | |

+-----------+------------+------------+-----------+------------+

| Juni 3.| + 22.0 | + 21.1 | 26° 30' | 0° 35' |

| " 4.| + 22.4 | + 22.4 | 26° 50' | 2° 41' |

| " 5.| + 22.4 | + 21.9 | 27° 46' | 5° 36' |

| " 6.| + 22.1 | + 21.6 | 28° 47' | 8° 9' |

| " 7.| + 22.2 | + 21.4 | 29° 35' | 10° 50' |

| " 8.| + 21.1 | + 21.0 | 31° 14' | 12° 48' |

| " 9.| + 21.5 | + 21.0 | 32° 55' | 14° 12' |

| " 10.| + 21.4 | + 20.8 | 32° 55' | 14° 11' |

| " 11.| + 20.9 | + 20.5 | 32° 55' | 15° 4' |

| Juni 12.| -- | + 20.4 | 34° 39' | 16° 13' |

| " 13.| + 20.5 | + 19.9 | 36° 22' | 17° 48' |

| " 14.| + 20.0 | + 19.0 | 37° 46' | 19° 23' |

| " 15.| + 20.5 | + 19.3 | 38° 36' | 20° 49' |

| " 16.| + 19.8 | + 18.5 | 39° 13' | 22° 50' |

| " 17.| + 19.9 | + 18.8 | 42° 30' | 23° 49' |

| " 18.| + 17.0 | + 17.1 | -- | -- |

| " 19.| + 15.1 | + 17.3 | 22° 57' | 21° -- |

| " 20.| + 18.0 | + 17.4 | -- | -- |

| " 21.| + 20.3 | + 18.0 | -- | -- |

Bescheidene Zweifel hegend, daß jeder der freundlichen Leser diese

Tabelle einer genauern Beachtung gewürdigt, ja beinahe überzeugt,

daß der überwiegende Theil derselben dies nicht gethan hat, füge ich

einige Mittelzahlen bei.

Vom 21° 10' bis 0° 4' nördlicher Breite war im Mittel von 17

Beobachtungen die Temperatur der Luft + 21.1 R., und in denselben

Breiten und ebenfalls in 17 Beobachtungen, jene des Wassers + 20.5 R.

Von 0° 35' bis 20° 49' südlicher Breite ergiebt das Mittel von

12 Beobachtungen die Temperatur der Luft + 21.4 R., und in denselben

Breiten in 13 Beobachtungen das Wasser eine Temperatur + 20.9.

Es war also, obgleich auf der nördlichen Halbkugel Sommer und auf der

südlichen Winter war, die Luft und das Wasser auf der letzteren um

etwas Weniges wärmer als auf der nördlichen. Man kann indessen nach

dem Vorliegenden und mit Vernachlässigung dieser geringen Differenzen

die Temperatur des Wassers und der Luft unter den Tropen und auf See

für die nördliche und südliche Halbkugel als eine gleiche betrachten.

In Rio de Janeiro war im Mittel von 9 Beobachtungen des Morgens um 6,

des Mittags und 8 des Abends die Temperatur in der Rua de Cotovello im

Schatten:

Des Morgens 6: + 22.0 R., des Mittags 12: + 24.5 R., des Abends 9

+ 22.8 R. Immerhin ein ganz artiges Winterwetter.

Reise in Südamerika. Erster Band. · 第 13 / 19 题