HELENE Oh, ich glaube, daß ... wenn man ihnen ein wenig Liebe zeigte --

FABRY Unmöglich, Fräulein Glory. Nichts ist dem Menschen fremder als

ein Roboter.

HELENE Weshalb erzeugen Sie sie dann?

BUSMAN Hahaha, das ist gut! Weshalb man Roboter erzeugt!

FABRY Zur Arbeit, Fräulein. Ein Roboter ersetzt zwei und einen halben

Arbeiter. Die menschliche Maschine, Fräulein Glory, war ungemein

unvollkommen. Sie mußte endlich einmal beseitigt werden.

BUSMAN Sie war zu teuer.

FABRY Sie war wenig leistungsfähig. Der modernen Technik vermochte sie

nicht mehr zu genügen. Und zweitens -- zweitens -- ist es ein großer

Fortschritt, daß ... Pardon.

HELENE Was?

FABRY Ich bitte um Entschuldigung. Es ist ein großer Fortschritt,

mit einer Maschine zu gebären. Es ist bequemer und schneller. Jede

Beschleunigung ist ein Fortschritt, Fräulein. Die Natur hatte keine

Ahnung von dem modernen Arbeitstempo. Die ganze Kindheit ist technisch

genommen ein purer Unsinn. Schlechthin verlorene Zeit. Unerträgliche

Zeitverschwendung, Fräulein Glory. Und drittens --

HELENE Oh, hören Sie auf!

FABRY Bitte. Erlauben Sie, was will eigentlich diese Ihre Liga -- Liga

-- Humanitätsliga?

HELENE Sie soll hauptsächlich -- hauptsächlich soll sie die Roboter

schützen und -- und -- ihnen eine -- gute Behandlung sichern.

FABRY Das ist kein schlechtes Ziel. Eine Maschine soll man gut

behandeln. Bei meiner Seele, das lobe ich mir. Ich liebe beschädigte

Sachen nicht. Ich bitte Sie, Fräulein Glory, notieren Sie uns alle als

beitragende, als ordentliche, als gründende Mitglieder Ihrer Liga!

HELENE Nein, Sie verstehen mich nicht. Wir wollen -- hauptsächlich --

wir wollen die Roboter befreien!

HALLEMEIER Wie, bitte?

HELENE Man soll sie ... wie Menschen behandeln.

HALLEMEIER Aha. Sie sollen vielleicht wählen? Sie sollen Bier trinken?

Sollen uns befehlen?

HELENE Weshalb sollten sie nicht wählen können?

HALLEMEIER Und sollen sie vielleicht am Ende nicht auch Löhnung kriegen?

HELENE Allerdings!

HALLEMEIER Da schau' her. Und was würden sie, bitte, damit anfangen?

HELENE Sie würden sich kaufen ... was sie brauchen ... was ihnen Freude

bereiten würde.

HALLEMEIER Das ist sehr hübsch, Fräulein; nur daß die Roboter nichts

erfreut. Wetter, was sollen sie sich kaufen? Sie können sie mit Ananas,

Stroh, womit Sie wollen, füttern; ihnen ist es gleichgültig, sie haben

überhaupt keinen Geschmack. Sie interessieren sich für nichts, Fräulein

Glory. Zum Teufel, es hat noch niemand gesehen, daß ein Roboter

gelacht hätte.

HELENE Warum ... warum -- warum macht ihr sie nicht glücklicher?

HALLEMEIER Das geht nicht, Fräulein Glory. Es sind nur Roboter.

HELENE Oh, sie sind so vernünftig!

HALLEMEIER Verflucht vernünftig, Fräulein, aber sonst nichts. Ohne

eigenen Willen. Ohne Leidenschaften. Ohne Tradition. Ohne Seele.

HELENE Ohne Liebe und Trotz?

HALLEMEIER Das versteht sich. Die Roboter lieben nichts, nicht einmal

sich selbst. Und Trotz? Ich weiß nicht; nur selten, nur manchmal --

HELENE Was?

HALLEMEIER Eigentlich nichts. Manchmal werden sie irgendwie störrisch.

So etwas wie Fallsucht, wissen Sie? Man nennt es den Roboterkrampf.

Plötzlich schmeißt einer alles hin, was er in der Hand hält, steht da,

knirscht mit den Zähnen -- und muß in den Stampftrog geworfen werden.

Offenbar eine Störung des Organismus.

DOMIN Ein Fabrikationsfehler. Das muß beseitigt werden.

HELENE Nein, nein, das ist die Seele.

FABRY Glauben Sie, die Seele beginne mit Zähneknirschen?

HELENE Ich weiß nicht. Vielleicht ist es Auflehnung. Vielleicht ist

gerade das ein Zeichen, daß sie ringen -- -- Oh, wenn Sie das in ihnen

zu entfachen vermöchten!

DOMIN Das wird beseitigt werden, Fräulein Glory, Doktor Gall stellt

eben gewisse Versuche an --

DR. GALL Nicht damit, Domin; jetzt mache ich Nerven für den Schmerz.

HELENE Nerven für den Schmerz?

DR. GALL Ja. Die Roboter spüren körperliche Schmerzen beinahe nicht.

Wissen Sie, der selige junge Hirn hat das Nervensystem allzu sehr

beschränkt. Das hat sich nicht bewährt. Wir müssen Leiden einführen.

HELENE Warum -- warum -- Wenn ihr ihnen keine Seele gebt, warum wollt

ihr ihnen den Schmerz geben?

DR. GALL Aus industriellen Gründen, Fräulein Glory. Der Roboter

beschädigt sich manchmal selber, weil es ihn nicht schmerzt; er steckt

die Hand in die Maschine, zerbricht sich einen Finger, zerschlägt sich

den Kopf, das ist ihm einerlei. Wir müssen ihnen den Schmerz geben; das

ist ein automatischer Schutz vor Verletzung.

HELENE Werden sie glücklicher sein, wenn sie Schmerz fühlen werden?

DR. GALL Im Gegenteil; aber sie werden technisch vollkommener sein.

HELENE Warum erschaffen Sie ihnen keine Seele?

DR. GALL Das ist nicht in unserer Macht.

FABRY Das ist nicht in unserem Interesse.

BUSMAN Das würde die Fabrikation verteuern. Du lieber Gott, schöne

Dame, wir machen es ja so billig! Hundertzwanzig Dollars das bekleidete

Exemplar, und vor fünfzehn Jahren hat es zehntausend gekostet! Vor

fünf Jahren kauften wir Kleider für sie; heute haben wir eine eigene

Weberei und exportieren noch die Stoffe fünfmal billiger als andere

Fabriken. Ich bitte Sie, Fräulein Glory, was zahlen Sie für einen Meter

Tuch?

HELENE Ich weiß nicht -- -- wirklich -- -- -- ich hab's vergessen.

BUSMAN O du mein, und dann wollen Sie eine Humanitätsliga gründen! Es

kostet nur mehr ein Drittel, Fräulein; alle Preise stehen heute auf

einem Drittel und werden immer tiefer, tiefer, tiefer, tiefer sinken

bis -- so. He?

HELENE Ich verstehe nicht.

BUSMAN Jemine, Fräulein, das bedeutet, daß die Arbeit im Wert gesunken

ist! Denn ein Roboter samt Fütterung kostet pro Stunde dreiviertel

Cents! Das ist ein Jux, Fräulein: sämtliche Fabriken platzen wie

Eicheln oder kaufen schleunigst Roboter ein, um die Erzeugung zu

verbilligen.

HELENE Ja, und werfen die Arbeiter auf die Straße hinaus.

BUSMAN Haha, das versteht sich! Aber wir, du meine Güte, wir haben

inzwischen 500000 Tropen-Roboter auf die argentinischen Pampas

geworfen, damit sie Weizen anbauen. Seien Sie so gut, was kostet bei

Ihnen ein Pfund Brot?

HELENE Ich habe keine Ahnung.

BUSMAN Also sehen Sie; jetzt kostet es zwei Cents, in Ihrem guten

alten Europa: aber das ist ~unser~ Brötchen, verstehen Sie? Zwei

Cents ein Pfund Brot: und die Humanitätsliga hat davon keine Ahnung!

Haha, Fräulein Glory, Sie wissen nicht, was eine allzu teure Schnitte

bedeutet. Für die Kultur und so weiter. Aber in fünf Jahren, na, wetten

wir!

HELENE Was?

BUSMAN Daß in fünf Jahren alles auf 0·1 stehen wird. Leutchen, in fünf

Jahren werden wir in Weizen und allem möglichen ertrinken.

ALQUIST Ja, und sämtliche Arbeiter der Welt werden ohne Arbeit sein.

DOMIN _erhebt sich_ Das werden sie, Alquist. Das werden sie, Fräulein

Glory. Aber in zehn Jahren werden Werstands Universal Roboter so viel

Weizen, so viele Stoffe, von allem so viel erzeugen, daß die Dinge

keinen Wert mehr haben werden. Nun nehme jeder, wieviel er braucht.

Es gibt keine Not. Ja, sie werden ohne Arbeit sein. Aber es wird dann

überhaupt keine Arbeit mehr geben. Alles werden lebende Maschinen

verrichten. Roboter werden uns bekleiden und sättigen. Roboter uns

Ziegel herstellen und Häuser bauen. Roboter werden für uns Zahlen

schreiben und unsere Stiegen fegen. Keine Arbeit wird es geben. Der

Mensch wird nur das tun, was er liebt: Er wird aller Sorgen ledig und

von der Erniedrigung der Arbeit befreit sein. Er wird nur leben, um

sich zu vervollkommnen.

HELENE _erhebt sich_ Wird es so sein?

DOMIN Es wird. Es kann nicht anders sein. Vorher kommen vielleicht

schreckliche Sachen, Fräulein Glory. Das läßt sich einfach nicht

verhüten. Aber dann hört der Mensch auf, dem Menschen dienstbar und

der Materie versklavt zu sein. Die Mühseligen und Hungernden werden

vor vollen Tischen sitzen. Roboter werden des Bettlers Füße waschen

und ihm ein Lager bereiten in seinem Hause. Niemand wird mehr sein

Brot bezahlen mit Leben und Haß. Du bist nicht mehr Arbeiter, du

kein Schreiber mehr; du gräbst nicht mehr Kohle und du stehst nicht

an fremder Maschine. Nicht mehr wirst du deine Seele verschwenden an

Arbeit, die du verfluchtest.

ALQUIST Domin, Domin! Was Sie da sagen, sieht allzu sehr nach Paradies

aus. Domin, es war etwas Gutes am Dienen und etwas Großes in der

Unterwerfung. Ach, Harry, es war ich weiß nicht was für eine Tugend in

der Arbeit und Ermattung.

DOMIN Vielleicht war es so. Aber wir können nicht mit dem, was verloren

geht, rechnen, wenn wir die Welt von Adam an umformen. Adam, Adam! Du

wirst nicht mehr dein Brot im Schweiße deines Angesichts essen; wirst

nicht mehr Hunger und Durst, Ermüdung und Erniedrigung erfahren; du

kehrst in das Paradies zurück, wo des Herrn Hand dich nährte. Du wirst

frei und erhaben sein; du wirst keine andere Aufgabe, keine andere

Arbeit, keine andere Sorge haben als dich selbst zu vervollkommnen.

Du wirst weder der Materie noch dem Menschen dienen. Du wirst keine

Maschine und Mittel der Erzeugung sein. Du wirst der Herr der Schöpfung

sein.

BUSMAN Amen.

FABRY Also geschehe es.

HELENE Sie haben mich verwirrt. Ich bin ein törichtes Mädchen. Ich

möchte -- ich möchte daran glauben.

DR. GALL Sie sind jünger als wir, Fräulein Glory. Sie werden alles

erleben.

HALLEMEIER So ist's. Ich denke, Fräulein Glory könnte mit uns

frühstücken.

DR. GALL Das versteht sich! Domin, bitten Sie für uns alle.

DOMIN Fräulein Glory, erweisen Sie uns die Ehre.

HELENE Aber das ist doch -- Wie könnte ich?

FABRY Für die Humanitätsliga, Fräulein.

BUSMAN Und ihr zu Ehren.

W U R · 第 22 / 99 题