ALQUIST Seien Sie willkommen, Fräulein Glory.
_Von rechts stürzt BUSMAN herein._
BUSMAN Hallo, was gibt's hier?
DOMIN Hierher, Busman. Das ist unser Busman, Fräulein. Die Tochter des
Präsidenten Glory.
HELENE Es freut mich.
BUSMAN Jemine, welche Ehre! Fräulein Glory, dürfen wir den Zeitungen
kabeln, daß Sie die Güte hatten, uns aufzusuchen --?
HELENE Nein, nein, ich bitte Sie!
DOMIN Bitte, Fräulein, nehmen Sie Platz.
BUSMAN } { Belieben --
DR. GALL } _rücken Fauteuils heran_ { Bitte --
FABRY } { Pardon --
ALQUIST Fräulein Glory, wie war Ihre Reise?
DR. GALL Werden Sie sich länger bei uns aufhalten?
FABRY Was sagen Sie zu der Fabrik, Fräulein Glory?
HALLEMEIER Sie sind auf der Amelie gekommen?
DOMIN Still, laßt Fräulein Glory reden.
HELENE _zu Domin_ Wovon soll ich mit ihnen sprechen?
DOMIN _verwundert_ Wovon Sie mögen.
HELENE Soll ... darf ich ganz offen reden?
DOMIN Aber freilich.
HELENE _zögert, dann verzweifelt entschlossen_ Sagen Sie, ist es Ihnen
niemals peinlich, wie man mit Ihnen umgeht?
FABRY Wer, bitte?
HELENE Alle Menschen.
_Alle blicken einander betroffen an._
ALQUIST Mit uns?
DR. GALL Warum meinen Sie?
HALLEMEIER Donnerwetter!
BUSMAN Aber, Gott bewahre, Fräulein Glory!
HELENE Fühlen Sie denn nicht, daß Sie besser existieren könnten?
DR. GALL Es kommt darauf an, Fräulein. Wie meinen Sie das?
HELENE Ich meine, daß -- _bricht los_ daß es scheußlich ist! daß es
furchtbar ist! _Erhebt sich._ Ganz Europa redet davon, was hier mit
Ihnen geschieht. Deshalb kam ich hierher, um es zu sehen, und es ist
tausendmal schlimmer, als man nur denken kann! Wie können Sie das
ertragen?
ALQUIST Was ertragen?
HELENE Ihre Lage. Um Gottes willen, Sie sind doch Menschen wie wir, wie
ganz Europa, wie die ganze Welt! Das ist skandalös, das ist unwürdig,
wie Sie leben!
BUSMAN Herrgott, Fräulein!
FABRY Nein, Jungens, sie hat ein bißchen Recht. Wir leben hier sicher
wie Indianer.
HELENE Ärger als Indianer! Darf ich, oh, darf ich Sie Brüder nennen?
BUSMAN Aber, Gottchen, warum denn nicht?
HELENE Brüder, ich kam nicht als die Tochter des Präsidenten. Ich kam
im Namen der Humanitätsliga. Brüder, die Humanitätsliga hat bereits
über 200000 Mitglieder. 200000 Menschen stehen hinter euch und bieten
euch ihre Hilfe an.
BUSMAN 200000 Menschen, Wetter, das ist gehörig, das ist ganz prächtig.
FABRY Ich sage euch immer, es geht nichts über das alte Europa. Ihr
seht es, es hat uns nicht vergessen. Es bietet uns Hilfe an.
DR. GALL Was für Hilfe? Ein Theater?
HALLEMEIER Ein Orchester?
HELENE Mehr als das.
ALQUIST Sie selbst?
HELENE Oh, was mich betrifft. Ich bleibe, solange es nötig sein wird.
BUSMAN Herrgott, das ist eine Freude!
ALQUIST Domin, ich gehe ein Zimmer für das Fräulein bereitstellen.
DOMIN Warten Sie einen Moment. Ich fürchte, daß -- daß Fräulein Glory
noch nicht ausgeredet hat.
HELENE Nein, noch nicht. Außer Sie schlössen mir mit Gewalt den Mund.
DR. GALL Harry, unterstehen Sie sich!
HELENE Ich danke Ihnen. Ich wußte, Sie werden mich schützen.
DOMIN Pardon, Fräulein Glory. Sind Sie sich dessen sicher, daß Sie mit
Robotern reden?
HELENE _stockt_ Mit wem sonst?
DOMIN Es tut mir leid. Diese Herren sind nämlich Menschen wie Sie. Wie
ganz Europa.
HELENE _zu den andern_ Sie sind keine Roboter?
BUSMAN _kichert_ Gott bewahre!
HALLEMEIER _würdevoll_ Pfui, Roboter!
DR. GALL _lacht_ Da bedanken wir uns schön!
HELENE Aber ... das ist nicht möglich!
FABRY Bei meiner Ehre, Fräulein, wir sind keine Roboter.
HELENE _zu Domin_ Weshalb sagten Sie mir also, alle Ihre Beamten seien
Roboter?
DOMIN Ja, die Beamten. Aber nicht die Direktoren. Gestatten Sie,
Fräulein Glory: Ingenieur Fabry, technischer Generaldirektor von
Werstands Universal Robots. Doktor Gall, Leiter der physiologischen
und Untersuchungsabteilung. Doktor Hallemeier, Leiter der Anstalt für
Psychologie und Erziehung der Roboter. Konsul Busman, kommerzieller
Generaldirektor, und Baumeister Alquist, Chef der Bauten von Werstands
Universal Robots.
HELENE Verzeihen Sie, meine Herren, daß -- daß -- Ist es schrecklich,
was ich Ihnen angestellt habe?
ALQUIST Aber, Gott bewahre, Fräulein Glory. Bitte, setzen Sie sich.
HELENE _setzt sich_ Ich bin ein dummes Mädel. Jetzt -- jetzt werden Sie
mich mit dem ersten Schiff zurückschicken.
DR. GALL Um nichts auf der Welt, Fräulein. Weshalb sollten wir Sie
fortschicken?
HELENE Weil Sie bereits wissen -- weil -- weil ich Ihnen die Roboter
aufhetzen würde.
DOMIN Teures Fräulein Glory, hier sind schon hunderte Erlöser und
Propheten gewesen. Jedes Schiff bringt irgendeinen her. Missionare,
Anarchisten, die Heilsarmee, alles mögliche. Es ist erstaunlich,
wieviel Sekten und Narren es auf Erden gibt.
HELENE Und Sie lassen sie zu den Robotern reden?
DOMIN Weshalb nicht? Bis jetzt haben es alle bleiben lassen. Die
Roboter merken sich alles, aber nichts mehr. Sie lachen sogar nicht
einmal über das, was die Leute sagen. In der Tat, geradezu unglaublich.
Falls es Sie unterhält, teures Fräulein, so führe ich Sie in das
Robotermagazin. Es sind ihrer dort etwa dreihunderttausend.
BUSMAN Dreihundertsiebenundvierzigtausend.
DOMIN Gut. Sie können ihnen sagen, was Sie wollen. Sie können ihnen die
Bibel, Logarithmen oder was Ihnen beliebt, vorlesen. Sie können ihnen
schließlich über die Menschenrechte predigen.