2. Die Thesmophorien.

Zu den cerealischen Mysterien gehörten auch die Thesmophorien. Die Feier

derselben verdient sowohl ihres eigentümlichen Charakters wegen, der sie

vor den Eleusinien auszeichnet, -- es handelt sich nämlich um ein

_ausschließlich von Frauen begangenes Fest_ --, als auch deshalb noch

besonders dargestellt zu werden, weil in ihr eine von den bloß agrarischen

und auf das Jenseits bezüglichen Symbolen sehr verschiedene, sozusagen

soziale Beziehung des Demeterkultus zu Tage tritt. Sie bietet interessante

kulturgeschichtliche Momente. Der Beiname Thesmophoros, d. h.

_Gesetzgeberin_[602], kennzeichnet die Demeter als Stifterin des Gesetzes.

%Thesmoi%, Satzungen, heißen die ältesten Gesetze, z. B. die des Draco. In

den Thesmophorien wird der Ackerbau als das _fruchtbarste Prinzip der

Humanität_, als Anfang allseitiger Veredelung, als Grenze zwischen dem

unstäten Nomadenleben und zwischen dem auf feste Wohnsitze gegründeten

_geordneten Familien- und Staatsleben_ gefeiert. Die Gedanken, welchen

Schiller in seiner Ballade: »_Das Eleusische Fest_« eine so klassische

poetische Einkleidung gegeben hat, bilden eigentlich weniger den

Hintergrund der eigentlichen Eleusinien, als vielmehr der Thesmophorien.

»Daß der Mensch zum Menschen werde,

Stift er einen ew'gen Bund,

Gläubig mit der frommen Erde,

Seinem mütterlichen Grund,

Ehre das Gesetz der Zeiten

Und der Monde heil'gen Gang,

Welche still gemessen schreiten

Im melodischen Gesang.

Freiheit liebt das Tier der Wüste,

Frei im Äther herrscht der Gott,

Ihrer Brust gewalt'ge Lüste

Zähmet das Naturgebot;

Doch der Mensch in ihrer Mitte

Soll sich an den Menschen reihn,

Und allein durch seine Sitte

Kann er frei und mächtig sein.«

Als wichtigste Satzung aber, als Fundament des geordneten Familienlebens

und des Staates galt auch den Griechen die _Ehe_.

Darum ist es vor allem die Ehe und alles, was mit dieser zusammenhängt, was

den Gegenstand der Thesmophorien bildet. Man kann sie als das _Mysterium

der Ehe_ bezeichnen. »Die rechtmäßige, gesetzliche Ehe«, schreibt W.

Menzel, a. a. O. S. 19, »verhielt sich zur wilden Ehe oder zum Concubinat,

wie die geregelt auf dem Acker stehende goldne Saat zum wilden Unkraut der

Steppe und des Waldes. Die edlere Gesittung, die aus der ehelichen Pflicht

erwächst, wurde so hoch angeschlagen, als sie es verdient, und lange, bevor

Schiller sang: Ehret die Frauen! wurden sie in Hellas auf die würdigste

Weise verehrt.«

Dabei vergißt freilich W. Menzel zu bemerken, daß die

_natürlich-geschlechtliche_ Basis der Ehe in den Thesmophorien in einer so

unzweideutigen Weise hervorgekehrt und in den Vordergrund gestellt wurde,

wie es unserer germanischen _christlich gesitteten_ Anschauung fast

unbegreiflich erscheinen muß.

»Willst du genau erfahren, was sich ziemt,

So frage nur bei edlen Frauen an!«

sagt zwar Goethe.

Einige Einzelheiten der Thesmophorien müssen uns aber bezweifeln lassen,

ob dieses Dichterwort auch schon für die edlen Frauen des Altertums Geltung

beanspruchen darf; -- jedenfalls werden etwaige Leserinnen, denen übrigens

geraten werden darf, diesen Abschnitt über die Thesmophorien zu

überschlagen, falls sie ihn dennoch lesen, stellenweise Veranlassung haben,

über den Mangel an Dezenz bei den althellenischen Frauen sich zu entrüsten.

Wenn ich selbst keinen Anstand nehme, auch über diese grobsinnlichen

Natürlichkeiten der Thesmophorien Bericht zu erstatten, so bedarf ich wohl

bei dem vorwiegend kulturgeschichtlichen Standpunkte meiner Arbeit keiner

Entschuldigung. Es ist von nicht geringem Interesse, den gewaltigen

Fortschritt zu konstatieren, den die christliche Religion und daneben vor

allem der _bessere Volkstypus der Germanen_, der für die christliche

Religion erst den angemessenen Boden bot, für die Erziehung und Würde des

Weibes bezeichnet. In unserer dem Christentum leider nicht eben sehr

günstig gesinnten Zeit kann eine getreue Schilderung der Thesmophorien als

Warnungszeichen gelten dafür, wie weit eine rein _naturalistische_

Weltanschauung, -- eine solche war ja diejenige des heidnischen Altertums

im vollsten Sinne, -- selbst dann, wenn sie die _Heiligkeit_ der Ehe feiern

will, das Weib erniedrigte.

Die Thesmophorien waren eine uralte Feier; ihre Stiftung war in mythisches

Dunkel gehüllt, nach Herodot (+II, 171+) ist sie noch vor diejenige der

Eleusinien, mindestens 1568 Jahre vor Christi Geburt zurückzudatieren.

»Auch über die Weihen der Demeter, die bei den Hellenen Thesmophoria oder

Gesetzgebung heißen«, schreibt Herodot, »auch darüber halte ich reinen

Mund, ohne was zu sagen davon erlaubt ist. _Die Töchter des Danaos brachten

dieselben aus Egypten mit und lehrten sie den pelasgischen Weibern._«

Die Thesmophorien waren ein Saatfest; sie fielen in den Monat Pyanepsion,

nach dem herbstlichen Äquinoktium, in dem der Acker neugepflügt und das

Winterkorn gesät wurde.

Das Pflügen und Säen hatte bei den alten Hellenen von jeher die

Nebenbedeutung der geschlechtlichen Vereinigung. So sagt Kreon in der

Antigone des Sophokles unter Anspielung auf diese Zweideutigkeit zum Hämon:

»Noch andre Fluren giebt es, die du pflügen kannst.«

Und Demeter galt daher ganz besonders auch als die Göttin dieses

Schluß-Mysteriums der »Liebe«, in weit bevorzugterem Sinne, als selbst

Afrodite, die in ihrer hellenischen Idealisierung viel mehr eine Göttin der

Schönheit und des Liebreizes, als der bloßen Fortpflanzung ist. Darum

unterweist sie selber nach dem Mythos ihre Schützlinge, den Celeus, den

Jasion oder Triptolemos nicht nur im Pflügen und Säen in rein

agronomischer, sondern auch in dieser _übertragenen_ Bedeutung, wie es

Goethe in der 12. seiner römischen Elegieen mit folgenden Versen

beschreibt:

»Ungeduldig und bang harrte der Lehrling auf Licht.

Erst nach mancherlei Proben und Prüfungen ward ihm enthüllet,

Was der geheiligte Kreis seltsam in Bildern verbarg.

Und was war das Geheimnis? als daß Demeter, die Große,

Sich gefällig einmal auch einem Helden bequemt,

Als sie dem Jasion einst, dem rüstigen König der Kreter,

Ihres unsterblichen Leibs holdes Verborgne gegönnt.

Da war Kreta beglückt! Das Hochzeitsbette der Göttin

Schwoll von Ähren; und reich drückte den Acker die Saat.«

Um dieses »Geheimnis« nun drehte sich das ganze Thun und Treiben des

Frauenfestes der Herbstsaat, allerdings mit der Einschränkung, daß zugleich

die gesetzlich geheiligte _eheliche_ Form derselben gefeiert, die

ungesetzliche aber verpönt wurde.[603]

So soll nach Clemens (+Alex. Strom. IV. p. 619+) die athenische Priesterin

Theano, gefragt: wie viel Tage eine Frau, die ihrem Manne beigewohnt habe,

warten müsse, ehe sie dem Fest der Thesmophorien vorstehen dürfe,

geantwortet haben: keinen. Als man sie aber frug, an welchem Tage sie dem

Feste beiwohnen dürfe, nachdem sie einen andern Mann umarmt hätte,

antwortete sie: niemals.

Mit dieser Anekdote ist freilich der sicher beglaubigte Umstand nicht gut

zu vereinigen, daß zur Vorbereitung des Festes (+paraskeve+) vorerst

neuntägige Enthaltung von geschlechtlichem Verkehr überhaupt gehört hat. So

schreibt z. B. +Ovid. Metam. X. 430ff.+:

Demeters Jahresfest begehen die Matronen,

Den Leib in weißen Kleidern eingehüllt,

Und opfern Erstlingsfrüchte von der Ernte,

Den Ährenkranz im wohlgepflegten Haar,

Neun Nächte lang nun achten sie's für Sünde,

Dem Manne sich in Liebe zu vereinen.

Creuzer (+Symbolik IV. 374+) findet darin eine Anspielung auf die

neuntägige Ungewißheit und Trauer der Ceres über das Verschwinden der

Persephone.

Ein eigenartiges Licht auf die natürliche Sinnlichkeit der griechischen

Frau wirft nun dabei die Nachricht, daß die Frauen sich diese

Enthaltsamkeit erleichterten, indem sie auf allerlei Kräutern saßen und

ruhten, denen besondere Kräfte zur Abstumpfung des Geschlechtstriebes

zugeschrieben wurden. Unter andern zählte man dazu das %kneôron%, aus der

Gattung +Daphne+, den %lygos%, eine Weidenart (+agnus castus+, Keuschlamm),

%konyza% oder %knyza% (+erigeron graveolens+). In Milet war die Fichte der

Demeter heilig und wurden deren Zweige zu demselben Gebrauche verwandt.

(+Vgl. Preller, Demeter und Persephone S. 345 Nr. 36.+) Den Genuß der

Granate mußten die Frauen in dieser Vorbereitungszeit meiden, da derselben

eine entgegengesetzte Wirkung beigelegt wurde, weshalb sie gerade umgekehrt

als Symbol bei der Hochzeit ihre Rolle spielte und gemeinsam von den

Neuverehelichten genossen wurde. Als Persephone in der Unterwelt von der

Granate gekostet hat, verliert sie die Möglichkeit der freiwilligen

Rückkehr:

»Nach dem Apfel greift sie, und es bindet

Ewig sie des Orkus Pflicht.« (Schiller.)

Seltsamerweise aber bucken sie in derselben Zeit Festkuchen aus feinem

Weizenmehl, Sesam und Honig, sog. %mylloi%, die eine sehr _obscöne_ Form

hatten, nämlich teils die männliche des +Phallus+, teils die des weiblichen

Organs. Vgl. +Athenaeus XIV. 647+. Nach +Delaur, Des divinités generatrices

p. 226+ hat diese Sitte sich in einigen Gegenden Frankreichs erhalten:

+Dans plusieurs parties de la France on fabrique des pains, qui ont la

figure du Phallus. On en trouve de cette forme dans le ci-devans

Bas-Limousin et notamment à Brires. Quelque fois ces pains on »miches« out

les formes du sexe feminin; tels sont ceux que l'on fabrique à Clermont en

Auvergne et ailleurs.+ Näheres bei +Lobeck, Aglaophamus p. 1067ff.+

+Bryerinus Campagius (de re cibar. VII. 7. 402. 1560)+ rügt, daß sich diese

Unsitte auch in den christlichen Zeiten noch erhalten hat, »+adeo

degeneravere boni mores, ut etiam Christianis obscoena et pudenda in cibis

placeant; sunt enim quos _cunnos saccharatos_ appellent+.«

Das eigentliche Fest, zu dem man sich so vorbereitete, dauerte fünf[604],

oder nach Wellauer (+De Thesmophor.+) drei Tage. Wie bereits gesagt, nahmen

nur Frauen an der Feier teil, _kein Mann durfte nahen, bei strenger

Strafe_. Am ersten Festtage, dem 9. Pyanepsion (Oktober?) zogen die Frauen

in zwanglosen einzelnen Zügen nach Halimus. Dieser Ort lag am Strande des

Meeres. Vermutlich nahmen sie hier zum Zwecke der Reinigung und Entsühnung

Bäder und Waschungen im Meere vor.[605]

Der Tag hieß %stêniai% (Sthenien) angeblich wegen der Neckereien und

Scherze, welche die einzelnen sich begegnenden Züge miteinander ausübten.

Vermutlich sangen sie keineswegs immer sehr anständige Lieder, die sogar

mit allerlei unanständigen Geberden illustriert wurden. Man versammelte

sich vor und in dem uralten Tempel der Göttin, wo dann eine nächtliche

Orgie gefeiert wurde. Einiges Licht auf die Art der Feier in Halimus wirft

ein erst im Jahre 1870 entdecktes Scholion zu +Lucian, Dial. meretr. II. 1

(Rohde, Rhein. Museum N. F. 25)+. Die Frauen versenkten neben den

Backwerken der vorhin geschilderten Gestalt lebende Ferkel in eine Grube.

Angeblich geschah letzteres zur Erinnerung daran, daß Eubulos an der

Stelle, wo Pluto die Proserpina zur Unterwelt entführte, gerade eine

Schweineheerde hütete und daß diese in den sich öffnenden Erdschlund mit

hinabgerissen wurde. Das Ferkel hat aber im Griechischen auch noch eine

andere den bildlichen Darstellungen der genannten Backwerke durchaus

kongruente Nebenbedeutung, wie aus des Aristophanes +Acharnern V. 755-785+

deutlich erhellt. Darum wurde es mit Vorliebe der Demeter geopfert. Es ist

ein Sinnbild der Fruchtbarkeit.

Die Orgie in Halimus zeichnete sich durch große Ausgelassenheit aus. Man

denke sich die Frauen Athens, in der übrigen Zeit des Jahres meist in ihrer

Häuslichkeit eingeschlossen, jetzt plötzlich für einige Tage völlig der

strengen Obhut entledigt und unter sich beim Opfermahl schwelgend, wobei

fast aller Witz sich um den einen, durch eine neuntägige Enthaltsamkeit nur

um so mehr erregten, Gedanken des Festes drehte. Besonders wird allseitig

berichtet, daß die Handlung der Baubo, durch welche diese die Ceres zuerst

in ihrer Trauer erheiterte, von den Weibern mit Vorliebe bei dieser

Gelegenheit nachgeahmt wurde. Daß dies auch bei dem Jakchoszuge der

Eleusinien vorkam, wurde schon oben erwähnt. Hier, wo nur Frauen unter sich

waren, geschah es in weit rückhaltloserer Weise. Genaueres darüber hat der

Philologe Lobeck in seinem klassischen leider lateinisch geschriebenen

Werke +Aglaophamus II. e. 6+ zusammengestellt. Das deutlichste Licht darauf

werfen einige Kirchenväter, die gerade diese schamlose Seite altheidnischer

Feste in geschicktester Weise zum Angriffspunkte gegen den Paganismus

benutzt haben. Ich citiere den Arnobius, ohne mich jedoch aus begreiflichen

Gründen zu einer Übersetzung der von jeder modernen Prüderie allzuweit

entfernten Stelle zu bequemen: +Baubo accipit hospitio Cererem; sitienti ad

ores oggerit potionem cinnum; aversatur et respuit dea. -- Tum vertit Baubo

artes et quam serio non quibat (poterat) allicere, ludibriorum statuit

exhilarare miraculis; _partem illam corporis, per quam sexus femineum

sobolem solet prodere, facit in speciem laevigari (levigari) nondum duri

atque striculi pusionis, redit ad deam tristem et retegit se ipsam_,

Sic effata sinu vestem contraxit ab imo

_Objecitque oculis formatas inguinibus res,

Quas cava succutiens Baubo manu_, nam puerilis

Ollis vultus erat, plaudit, _contrectat amice_.

Tum Dea defigens augusti luminis orbes,

Tristitias animi paulum mollita reponit;

Inde manu poculum sumit, risuque sequenti

Producit totum cyceonis laeta liquorem.+

Etwas anders heißt es in den angeblichen Versen des Orpheus:

%hos eipousa peplous anesyrato, deixe te panta

sômatos oude preponta typon. pais d'êen Iakchos

cheiri te min rhiptaske gelôn Baubous hypo kolpois.

hê d'epei eidêse thea, meidês' eni thymô

dexato d'aiolon angos, en hô kykeôn enekeito.%

Auch belustigte man sich mit Tänzen, über deren Charakter schon die

Benennung derselben nicht den mindesten Zweifel gestattet. Einer dieser

Tänze hieß %knismos% (Reiz und Lüsternheit), ein anderer %oklasma%

(Niederkauern und Spreizen der Beine). Man spielte das %chalkidikon diôgma%

(Greifspiel). Vor allem wurden auch Scenen aus der heiligen Geschichte der

Demeter, der Raub der Kore, die Scenen mit Eubulos usw. mimisch aufgeführt.

Am folgenden Tag begab man sich in feierlicher Prozession zur Stadt zurück.

Hierbei trugen ausgewählte Frauen die Satzungen der Demeter, welche sich

auf das eheliche Mysterium bezogen, Schriftrollen in Kapseln auf den

Köpfen. Unter anderen Bildern und Symbolen, Phallus usw., trug man dabei

ein Kolossalbild der %kteis%[606] (+kteis+) voran, welches nichts anderes

war als eine keineswegs bloß symbolische, sondern äußerst naturalistische

Abbildung des »holden Geheimnisses« der Ceres, der »weiblichen Scham«.

Creuzer bemerkt (+Symbolik IV+) zu diesen Schamlosigkeiten: »Man darf die

naive Freiheit dieser Gebräuche nicht mit unserem Maßstabe des Schicklichen

messen.«

Am folgenden Festtage schlug die Ausgelassenheit in höchste Andacht um; man

nannte ihn %Nêsteia% von dem strengen Fasten, das an diesem Tage bis zum

Eintritt der Nacht gewahrt wurde. In der Nacht begann dann wieder der

Orgiasmus, Chorgesänge und Reigen unter Fackelbeleuchtung. Der dritte Tag

hieß %kalligeneia% (+Calligeneia+) vielleicht wegen der von Demeter

erflehten Geburt schöner Kinder. »Die ganze Gruppe der von den

Thesmophoriazusen gefeierten Gottheiten nennt Aristophanes in seiner

gleichnamigen Komödie: Demeter und Kore, beide unter dem Epithet

Thesmophoros, Plutos, Kalligeneia, Ge Kurotrophos, Hermes und die Chariten.

Daraus kann man auf den Inhalt der Gebete schließen, um Segen der Flur und

des Ackers, besonders aber der Kindererzeugung und Geburt. Dahin gehört

auch die Kalligeneia. Sie wird als Tochter oder Dienerin der Demeter oder

sonst erklärt, ist aber wohl weiter nichts, als die Demeter selbst in einer

besonderen Beziehung, als die Mutter des schönen Kindes nämlich, der

lieblichen Kore, darum vornehmlich von den Frauen gerufen, welche ihren

Geburten gleiche Anmut wünschen.«[607]

Von den Chorgesängen der Frauen hat uns möglicherweise Aristophanes in

jenem Stücke einige mehr oder weniger echte Beispiele überliefert. Vor dem

Thesmophorentempel singt die Heroldin (6. Scene):

Still schweigt in Andacht! Still schweigt in Andacht!

Der Thesmophoren Götterpaar

Fleht an, Demeter und die Tochter,

Auch Plutos und Kalligeneia,

Und die Jugendnährerin Erde,

Den Hermes und die Chariten,

Daß sie diese Versammlung und die Gemeine dahier

Schön und herrlich machen,

Wohlersprießlich der Stadt der Athener,

Und segensreich uns Frauen,

Und daß Jene den Sieg gewinne,

Die mit Rat und That das Beste schafft

Für das Volk der Athener

Und für das Volk der Frauen!

Solches erfleht und was uns selber frommt!

Heil über uns! Heil über uns!

Derselbe Komiker schildert uns in drastischer Weise, wie die Entdeckung

gemacht wird, daß Mnesilochus, ein Freund des Weiberfeindes Euripides, über

den die Frauen bei seiner Thesmophorienfeier zu Gericht sitzen, sich in

Weibertracht eingeschlichen hat, und kennzeichnet diese That »als ein

Beispiel trotzatmenden Hohns, unheiligen Thuns, ungöttlichen Sinns.« -- Das

Schlußopfer des Festes hieß %zêmia%, nach Wellauers Vermutung, weil es zur

Sühne etwaiger Vergehungen während der Feier dargebracht ward.

Der Occultismus des Altertums · 第 140 / 155 题