III.

Anaximenes.

Anaximenes war nach Diogenes Laertius ein Schüler des Anaximander. Von

seinen Lebensumständen wissen wir fast nichts, als daß auch er aus Milet

war, ein Sohn des Euristratus, geboren zwischen 529-525 v. Chr. und um die

Zeit der Eroberung von Sardes durch die Jonier gestorben (499 v. Chr., also

etwa 45 Jahre später, als Anaximander.)

Er hinterließ eine Schrift über die Natur, aus der uns Stobäus den Satz

erhalten hat: »Wie unsere Seele Luft ist und unseren ganzen Leib

durchdringt, so auch durchdringt und umfaßt eine geistige Luft das

Weltall.« Diese (beseelte) Luft also erklärte er für das Prinzip aller

Dinge. Nach der einstimmigen Angabe aller Berichterstatter hat er sich

diese Luft als _unendlich_ der Ausdehnung nach gedacht und die Dinge aus

derselben durch Verdünnung und Verdichtung abgeleitet, oder wie der ihm

eigentümliche Ausdruck gelautet zu haben scheint, durch »Zusammenziehung«

und »Nachlassung«. So lehrte er, das Warmwerden und Kaltwerden der Dinge

bestehe nur in der Verdünnung und Verdichtung der Luft; verdünnt werde die

Luft Feuer, verdichtet Wind und Gewölk, noch mehr verdichtet Wasser, und

daraus wieder durch Verdichtung Erde und Stein; alles übrige aber werde aus

diesen. Es ist möglich, daß Anaximenes nur durch die Beobachtung des

Athems, als einer Bedingung alles tierischen Daseins, dazu geführt ist, in

der Luft zunächst das Lebensprinzip und so schließlich das Prinzip aller

Dinge überhaupt zu suchen. Die Identifizierung von Leben, Seele und Athem

(Odem) ist ja uralt, wie denn sogar die Stammgeschichte der Worte Seele,

Geist, +anima+, +psyche+, darauf zurückweist. Auch deutet darauf hin die

von ihm für die Gleichstellung der Naturkräfte mit dem Lebensprinzip und

die Erklärung des Lebensprozesses angeführte naive Bemerkung, wenn wir die

Luft mit den Lippen zusammengedrückt aushauchten, würde sie kalt, aus

geöffnetem Munde dagegen gehe sie warm hervor.

Ein gewisser Fortschritt über Anaximander ist insofern nicht zu verkennen,

als Anaximenes den Versuch machte, eine bestimmtere Vorstellung von dem

_Prozeß_ zu gewinnen, durch den sich die Dinge aus dem Urstoff bilden.

_Anaximenes soll auch zuerst die Beleuchtung des Mondes durch die Sonne und

den Grund der Mondfinsternisse entdeckt haben._[514]

Übrigens dachte er sich die Erde noch als eine runde breite von der Luft

getragene _Platte_, und dieselbe Scheibengestalt schrieb er auch der Sonne

und den Gestirnen zu.

Der Occultismus des Altertums · 第 123 / 155 题