2. »Alles ist aus einem Feuer entstanden.«

Der erste Kommentator sagt:

»Alles emanirt aus Gott. Er hat Alles geschaffen, nämlich die geistigen

Vorbilder der Dinge[234]; der eigentliche Weltbaumeister verfertigte die

irdischen Abbilder der vorigen, denn von der Materie, welche aber nicht vom

Urquell des Lichts herstammt, konnte die Körperwelt nicht entstehen.«

Psellos bemerkt zu diesem Aphorismus in seiner Fassung nur, daß er dem

christlichen Glauben entspreche, insofern alles in Gott wurzele.

Der neunundzwanzigste Aphorismus der ersten Fassung fehlt bei Psellos und

ist der neunzehnte bei Plethon; er hat folgenden Wortlaut:

1. »Die Dinge, welche vom Verstand erforscht werden, sind selbst

Intelligenzen.«

2. »Die Seelen, welche vom Vater empfangen werden, sind selbst der

Empfängniß fähig.«

Der erste Kommentar lautet dahin, daß die geistigen, unkörperlichen Wesen

Zeugungen Gottes, selbst handelnde Persönlichkeiten und verschieden von den

mit dem Leib vermählten Seelen[235], den Geschöpfen des Demiurgen sind.

Plethon sagt nur, daß hier die geistige Fortpflanzung der Ideen gemeint

sei, welche die Chaldäer sich als unsichtbare Personifikationen der Dinge

auf Erden vorstellten.

Der dreißigste Aphorismus der ersten Fassung ist bei Psellos der siebente

und bei Plethon der zwanzigste. Er lautet der Reihenfolge nach:

1. »Die Welt wird nach unwandelbaren Gesetzen von vielen Intelligenzen

regiert.«

2. »Die Welt wird durch vernunftbegabte und doch unbewegliche Wesen vor dem

Untergang geschützt.«

3. »Die Welt erhält zu Lenkern solche Wesen, die, weil sie nur

intellektuell, also mit den Sinnen nicht wahrnehmbar, auch der Veränderung

nicht unterworfen sind.«

Der erste Kommentator und Plethon bemerken nur, daß die oberste dieser

Intelligenzen der Demiurg[236] sei, und daß, da die Welt unvergänglich sei,

diese Eigenschaft deren geistigen Regenten erst recht zukomme. Psellos

verliert sich in die unfruchtbare magisch-astrologische Lehre von den

Planetenintelligenzen.

Der einunddreißigste Aphorismus ist bei Psellos der dreiundzwanzigste, bei

Plethon der einundzwanzigste und lautet in den drei Fassungen:

1. »Sich selbst hat der höchste Gott dem Blicke aller Wesen entzogen,

welche, obschon mit dem Vermögen ausgerüstet, sich von unsichtbaren Dingen

eine Vorstellung zu machen, doch seine Eigenschaften nicht begreifen

können.«

2. »Der Schöpfer hat sich in die Verborgenheit zurückgezogen und ist selbst

den geistigen Naturen unerforschlich.«

Der Occultismus des Altertums · 第 109 / 155 题