Die Namen mittelalterlicher Schreiber sind bekanntlich häufig in
Gestalt naiver Räthsel verewigt. So gibt ein Schlesier(?) seinen
Vornamen Nicolaus in folgenden Hexametern zu errathen auf:
Nomen scriptoris si tu cognoscere queris,
_Nic_ tibi sit primum, medium _co_, _laus_ vero ymum.
(Richsteig Landrechts, 15. Jhrhdt., unter den Rechtshandschriften
der Stadt Breslau). Vollständig nennt sich in ähnlicher Weise
nach denselben Anfangsworten ein Johann Henning als Schreiber des
Lehnrechts, Sachsenspiegels etc. (Schweidn. Rathsarch. 14. Jahrh.):
_Jo. Hen._ tibi sit primum, medium _ning_. _vs_ fit in ymum.
Ein dritter fährt nach dem geistreichen Introitus „Ego sum, qui sum“
fort: „noch weist du nicht, wer ich ben.“
Suroffotsirc ist der name meyn,
Rot[254] den bal[255] obiral![256] 1427.
Das geheimnißvolle Wort ist gleich heraus; man braucht es nur rückwärts
zu lesen. Ein vierter aber gibt nach der nämlichen vielversprechenden
Eingangsformel schon den Versuch auf, seinen Namen in den Vers zu
zwängen, sondern schreibt offen Johannes de Namslauia[257] 1426.
(Rationes frumentariae 1411-1457 im Schweidn. Pf.-A.)
Obengenannte Schweidnitzer Rechtshandschrift enthält noch folgende
fromme Wünsche, wovon der zweite am Schluß eine sinnliche Anwandlung
des Verfassers verräth.
Nu hat das buch eyn ende,
Gott muz vnz alle vnse vngemach swende. amen, amen.
Hy hat das buch eyn ende,
Got muz den schriber senden
Vz disem elelende[258] in das ewige rich
Czu den iuncvrouwen suberlich.[259]
+Bunzlau.+ Dr. +Ewald Wernicke+.