Schlesische Schreibersprüche.[253]

Die Namen mittelalterlicher Schreiber sind bekanntlich häufig in

Gestalt naiver Räthsel verewigt. So gibt ein Schlesier(?) seinen

Vornamen Nicolaus in folgenden Hexametern zu errathen auf:

Nomen scriptoris si tu cognoscere queris,

_Nic_ tibi sit primum, medium _co_, _laus_ vero ymum.

(Richsteig Landrechts, 15. Jhrhdt., unter den Rechtshandschriften

der Stadt Breslau). Vollständig nennt sich in ähnlicher Weise

nach denselben Anfangsworten ein Johann Henning als Schreiber des

Lehnrechts, Sachsenspiegels etc. (Schweidn. Rathsarch. 14. Jahrh.):

_Jo. Hen._ tibi sit primum, medium _ning_. _vs_ fit in ymum.

Ein dritter fährt nach dem geistreichen Introitus „Ego sum, qui sum“

fort: „noch weist du nicht, wer ich ben.“

Suroffotsirc ist der name meyn,

Rot[254] den bal[255] obiral![256] 1427.

Das geheimnißvolle Wort ist gleich heraus; man braucht es nur rückwärts

zu lesen. Ein vierter aber gibt nach der nämlichen vielversprechenden

Eingangsformel schon den Versuch auf, seinen Namen in den Vers zu

zwängen, sondern schreibt offen Johannes de Namslauia[257] 1426.

(Rationes frumentariae 1411-1457 im Schweidn. Pf.-A.)

Obengenannte Schweidnitzer Rechtshandschrift enthält noch folgende

fromme Wünsche, wovon der zweite am Schluß eine sinnliche Anwandlung

des Verfassers verräth.

Nu hat das buch eyn ende,

Gott muz vnz alle vnse vngemach swende. amen, amen.

Hy hat das buch eyn ende,

Got muz den schriber senden

Vz disem elelende[258] in das ewige rich

Czu den iuncvrouwen suberlich.[259]

+Bunzlau.+ Dr. +Ewald Wernicke+.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums · 第 109 / 173 题