Anno 1587 Nun war dieser Herr Breutgam fein,
In dieses Land komen herein,
Hierin sich etwas vmbzusehn,
Das seiner kunst möcht wol anstehn,
Wie er dann zuvor in Franckreich,
Welschland, zu Venedig, deßgleich
Im Römischen Reich war gewesen.
Er heiratet in Breslau die Witwe des Bildhauers und Stadtbaumeisters
Friedrich Groß, der, wie der Poet mittheilt, 1588 gestorben war. Als
den Hochzeitstag nennt Georg Reuter den 21. Mai 1589. Das ist aber
falsch; denn, als der Sohn des Friedrich Groß am 20. Oktober 1589 sein
Testament macht, war Gerhard Heinrich noch unverheiratet, und das
Traubuch der Maria-Magdalenenkirche gibt als Datum der Verehelichung
den 4. Juni 1590.
Aus der Ehe giengen, wie ferner der Poet berichtet, 8 Kinder hervor.
Zwei derselben starben 1606; die Mutter, welche in demselben Jahre
verschied, überlebten drei Söhne und drei Töchter.
Wichtiger sind die Angaben über des Meisters Herkunft, von der wir bis
jetzt gar nichts wußten.
[Sidenote: starb Anno 1585]
Der Geburt ist er aus Hohland,
Von Amßderdamm der Handelstadt,
Drin es manch schönen Künstler hat.
Kunstreich auch seine Eltern warn,
Von den er ehlich ist geborn.
Der Vater des Herrn Breutigam,
War der Ehrvest Kunstreich mit Nam:
+Heinrich Gerhard+, Bildhawer schon,
Seine Fraw Mutter erbar, from,
War +Margretha, ein Wilhelmin+,
Welche dan hat gezeugt mit jhm
Zwölff Töchter und nur zwene Söhn,
Welche noch beyd im Leben stehn.
Gott sie noch lenger auch erhalt,
Das sie mit Ehren werden alt.
Weil Unfried war im Niderland,
Und in Krieg zihn ist keine schand,
Als hat sich gsetzt zur Kegenwehr
Des Herren Breutigams Vater,
Drumb er dann von der Wiederpart
In Spanien gefangen wardt.
Durch Kunst des Wassersteigens loß
Er ward, welchs den Feind sehr verdroß.
Nach +Hollstein+ kam, darin 6 Jahr
In der Stadt +Kyll+ gewohnt alldar.
Nach +Dantzig+ sich mit Kind und Weib
Endlich macht, 7 Jahr drin bleib.
In der Sterb er mit der Fraw sein
Und sieben Kindern thet schlaffen ein.
Von seinen Werken wird berichtet:
Wie er dann durch sein edle Kunst,
Bey Fürsten und Herrn hat gros Gunst,
Weil er etlich Fürstlichen Person
Und andern Herrn hat machen thon
Gar künstlich Epitaphia,
Zur Elß ein Predigstul auch ja.
An jtzt ein solch Werck für sich hat,
Welches ein groß stücke Gelds gestat[246];
Gehört dem Edlen Gestrengen Herrn,
Wolgborn Herrn, Melchior von Rehdern,
Welches dem Herren seiner Gnad
Die Wolgeborne Wittib zart,
Sein liebs Gemahl, leßt richten auff,
Ihm zu Ehrn, wagt gros Gelt darauff,
Welchs also zierlich wird gemacht,
Nicht bald dergleich ist so erdacht,
Als es dieser Herr Breutigam
Durch seine Kunst macht lobesam.
Das zuletzt erwähnte Werk ist jenes von mir schon geschilderte
Epitaphium des Melchior von Redern († 1600), welches auf Kosten der
Witwe Katharina, geb. Gräfin Schlick, ausgeführt und 1610 in Friedland
aufgestellt wurde. Die Kanzel der Oelser Schloßkirche wurde auf Kosten
des Herzogs Karl II. von Münsterburg-Oels 1605 gearbeitet (Sinapius,
Olsnographia II.) Von sonstigen Denkmälern ist mir nichts bekannt.
Den wahren Familiennamen des Künstlers kennen wir nicht; sein Vater
heißt Heinrich Gerhard also Hendrik Geritzoon[247]. Unser Meister
nennt sich Gerhard Heinrich also Gerit Hendrikzoon. Auch die Mutter
Margaretha Wilhelmine wird Margaretha Willemsdochter ursprünglich
geheißen haben. Der Vater hat die Niederlande gegen 1572 verlassen, ist
bis 1578 in Kiel gewesen und hat dann bis 1585 in Danzig gelebt. Die
zwei Jahre 1585-1587 scheint Gerhard Heinrich auf Reisen in Frankreich,
Italien, Deutschland zugebracht zu haben. Er lebte seit 1587 in Breslau
und ist etwa 1615 gestorben. Seine Witwe heiratete wieder am 15.
Februar 1616.
+Breslau.+ +Alwin Schultz+.
Judasaustreiben.
„Der schulmeister sol in der marterwochen bestellen all vinster metten,
daz die schuler mit grozzen hölczern niht in die stül slagen, sunder
daz sie mit cleinen hölczlein oder mit spreizzeln[248] klopfen auf die
erden vnd dorzu sol er sechs schuler bestellen, die also clopfen vnd
suͤst[249] nyemancz mer.“
Aus dem Leitbuch des neuen Spitals, aus der 2. Hälfte des 14.
Jahrhunderts, Bl. 55^a, im Nürnberger Stadtarchiv. --
Vergl. Schmeller I, 1689: „Pumpermetten, Chorgesang, der jetzt an den
Vorabenden des Donnerstags, Freitags und Samstags in der Charwoche
statthat, ursprünglich aber in den horae matutinae gehalten zu werden
pflegte. Nach jedem Psalme, der abgesungen ist, wird immer eine von 15
an einem dreieckigen Gestelle aufgesteckten Kerzen ausgelöscht. Ehemals
sollen hierauf die Kirchengänger mit Stöcken, Hämmern, Steinen etc.
an die Bänke und Wände geschlagen, und dieser Lärm soll dem Verräther
Judas gegolten haben.“ S. auch Grimm, Wbch. IV, 2351: Judasjagen.
+Meißen.+ W. +Loose+.
Glockeninschrift.
Dem alten Glauben von der gewitterzerstreuenden Kraft der Glocken
entsprechend, finden sich hierauf bezügliche Glockeninschriften auch
in Siebenbürgen. Zu den von Fr. Müller („Zur älteren siebenbürgischen
Glockenkunde“ im Archiv für siebenbürgische Landeskunde, neue Folge,
Bd. IV, 224 und 236) mitgetheilten habe ich vor kurzem in Marienburg im
Burzenland eine überaus bezeichnende dritte gefunden. Sie steht dort,
in guter Minuskel aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, auf der größten
Glocke der evangelischen Pfarrkirche und lautet:
Hac cristi tuba pellatur grandinis turma
turbinis conflictus stringatur fulminis ictus.
+Hermannstadt.+ +Teutsch+.
Bruchstück eines mittelhochdeutschen Meßgebetes.
In dem cod. Aa. 46 (neue Signatur) der ständischen Landesbibliothek in
Fulda, klein 4^o, von einer Hand des zwölften Jahrhunderts geschrieben,
findet sich auf fol. 71^b nachstehendes +Wandlungsgebet+:
Got uater allir cristinheit.
lop vnd | ere si dir giseit.[250]
von allir dinir hant | gitat.[251]
die din sun irlosit hat.
dur[252] | daz opfir herre crist.
so hilf vns daz | du selbe bist.
daz wir giwinnin reinin | mǒt.
vnde vns din licham vnd din blǒt, |
irlûtere vnd gireîne.
von svndin al gimeî | ne.
swa cristane sele in nôtin si.
die irlôse | dur die namen dri.
amen. Pater noster.
In den letzten vier Versen finden sich an den bezeichneten Stellen mit
blasserer Tinte geschriebene Accente. Am Rande steht mit rother Schrift:
In der stillvn | messe sol man | diz sprechin | so man vnsirs | herrin
lichamin | vf hebit.
Die Handschrift enthält lateinische Psalmen, Cantica, Symbola,
Litaneien etc. Die auf das Gebet unmittelbar folgenden Blätter 72 und
73 sind herausgeschnitten. Der Codex gehört weder zu den alten Fuldaer,
noch zu den Weingartner Handschriften. Woher er stammt, ist unbekannt.
+Fulda.+ Dr. +Joseph Rübsam+.