ORGAN DES GERMANISCHEN MUSEUMS.

1880. Nº 10. Oktober.

Wissenschaftliche Mittheilungen.

Alte Handzeichnungen von Goldschmiedearbeiten im germanischen Museum.

(Mit 2 Tafeln.)

Im Anschlusse an die in früheren Nummern mitgetheilten Gefäßzeichnungen

lassen wir heute auf den beiliegenden beiden Tafeln vier weitere

folgen, zunächst einen Pokal, sorgfältig mit der Feder gezeichnet

und mit violetter Farbe (Neutraltinte) angetuscht. Das Blatt zeigt

von späterer Hand mit anderer Tusche die Initialen W und I zu beiden

Seiten des Mittelknaufes, die hier weggelassen sind, in der That

aber wiederholt Veranlassung gegeben haben, das Blatt dem berühmten

W. Jamitzer zuzuschreiben. Die Farbe veranlaßt uns, anzunehmen, daß

die Ausführung in unvergoldetem Silber gedacht ist. (Nr. 19 der

Handzeichnungen.)

[Illustration: Getuschte Federzeichnungen eines Pokales und einer Vase.

2. Hälfte des 16. Jahrh.

Halbe Originalgröße. Aus den Handzeichnungen des german. Museums. Nr.

19 u. 102.]

Das zweite Gefäß ist eine Vase, aus einer Cocosnuß hergestellt, welche

auf der Zeichnung braun schattiert ist, während die silberne Fassung

ebenfalls mit Neutraltinte schattiert, theilweise aber leicht gelb

angelegt ist, so daß man ersehen kann, daß sie theilweise vergoldet

werden, zum Theile die Naturfarbe des Silbers behalten sollte; die

Zeichnung ist jener des vorhergehenden Blattes verwandt, doch wol nicht

von derselben Hand. Das Blatt trägt in unserer Sammlung die Nummer 102.

[Illustration: Getuschte Federzeichnungen zweier Nautiluspokale.

16.-17. Jahrh.

Halbe Originalgröße. Aus der Sammlung der Handzeichnungen des

germanischen Museums. Nr. 109 u. 111.]

Mit Tusche leicht schattiert und somit ohne Angabe des Materials sind

die beiden Zeichnungen Nr. 109 und 111, zwei Gefäße darstellend, die

aus Nautilusmuscheln hergestellt werden sollten, welche am Schlusse

des 16. und im 17. Jahrh. häufig zu Gefäßen verarbeitet wurden,

die mehr Schaugefäße waren, als eigentliche Gebrauchsgegenstände.

Das erste derselben hat einen Deckel mit einer liegenden weiblichen

Gestalt, die, nackt, blos mit einem Federdiadem auf dem Kopfe und

ein ähnlich ausgestattetes Scepter in der linken Hand, Ketten und

Ringe auf der Brust und an den Armen, in der Rechten eine kleine

Nautilusmuschel trägt. Es soll wol eine allegorische Darstellung, und

zwar jene von Amerika sein, während ein Bewohner dieses Landes es ist,

der, in der Rechten ein Ruder haltend, mit der Linken einen großen

Fisch schleppend, auf dem gebückten Rücken das Gefäß trägt, das in

ornamentale Spangen von Metall gefaßt, an der Mündung mit Metallrand

versehen ist. Das zweite Gefäß hat keine Metallfassung und ruht nur auf

zwei auf einem Postamente stehenden Schwänen.

+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.

Gerhard Heinrich von Amsterdam, Bildhauer in Breslau.

Anfang dieses Jahres veröffentlichte ich (Breslau, 1880) eine kleine

Schrift über den Bildhauer Gerhard Heinrich und dessen Hauptwerk, das

Grabdenkmal des Feldmarschalls Melchior von Redern in der Stadtkirche

zu Böhmisch-Friedland. Durch die Güte des Stadtbibliothekars Herrn Dr.

Markgraf ist mir nun ein Hochzeitsgedicht zugänglich gemacht worden,

das Georg Reuter bei Gelegenheit der Vermählung des Meisters mit seiner

Stiefenkelin, Barbara Wittich, am 20. Mai 1607 (nach dem Carmen: am

21. Mai) gereimt hat, und diese an sich werthlose poetische Leistung

gibt uns über den Künstler manch wichtige Nachricht.

Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit, 27. Band, 1880 Organ des Germanischen Museums · 第 107 / 173 题