„Am Alhie Zue Staffelstain[101]... Angestelten Schützenhoeff ....
hatt es sich Anfengklich Inn Besichtigung der Püchsen so ein Ider
erschinnener Schütz den Erkiesten Herren Siebenern[102] fürlegen
müssen, Zugetragen, Daß An Eines wolbetagten Alten Manß Mit Nahmen
Peter Fritzsch von Eger seines handtwercks Ein Peck geschoß Am Schafft
In der dicken des Anschlags[103] do die Rechte Handt Zum halten und
Abtrücken gebraucht wirdt. Ein Kreütz so ein weisen[104] Schein
gehabt. sich befunden..... Inn dem..... hat man daß Benante Kreütz
mit einem Messer durch Auf- oder nachgraben geöffnet vnnd darin ein
verdächtige Materia befunden.... Darauff befragt worden, warümb er
dieses Kreütz Inn dem Schafft machen Lassen, er zur Antwort geben, der
Schiffter[105] habs One sein geheyß gethan, vnnd wie ers erfahren.
so sey es Elsen holtz[106] gewest. daß söll gut vnd bewert sein für
Zauberey. Vf die gegenfrag vf wem er sich Zauberey befare,[107] den
söll er Namhafft machen, hat er Keinen ZubeNahmen gewust. Vf solches
der vnlust[108] volkümblich wie gehört Ausgegraben, vnd Im sein Püchsen
wieder gegeben worden.
Nach diesem Allen Alß daß Schiesen sein Anfang genomen vnd die Schützen
von Schüessen Zu Schüessen vortgeschriten, Ist seinethalben Allerley
Inn gemein fürkomen. Daß er mit Vortheil seine Schüß thue, welches
gleichwol den Herren Siebenern heimbliche Bedencken gemacht, Also
daß sie Sönderbare[109] Verordnung gethan. vf Ine den Verdächtigen
Inn den Schieß Ständten auf Achtung zu haben. Darbey kein fürneme
oder erhebliche Vrsache zu schöpffen gewest. Daß dan vom 16. Schuß
an Bieß vf den 18. Instehendt Also Er sitzen Blieben, Inn dem sichs
Zugetragen, Daß durch sönderliche Verordnung Gottes des Allmechtigen
durch etliche Persohnen, vnnd fürnemblich Ein frembde Persohn so ein
Schleyffer. Aber Kein Schütz gewest. sich verlauten Lassen, wie er
dieses tags Alß Mitwochen neben mehr Persohnen Zu früe Inn der Pfarr
Kirchen (darein sie sich dieselb Zubesehen verfügt) wax so er geweyet
geheisen, vonn einem Leüchter vf einem Altar genomen. Mit vnwarhaffter
erdichten Vermeldung. die Herren Siebener (so Im sein Püchsen Am
Schafft geschmellert vnd gelöchert) hetten Im den Rath geben, er
söllt dasselb Ortt[110] mit geweyten wax Ausfüllen, welches[111] so
vern vnd weit sich Ausgebraitet, daß Aus dem Kirchen Beraub.... seine
Nachbarn sich von Im gesöndert. Auß dem durch die Herren Siebener
mit Zuordnung etlicher gemainer Schützen ... ertzwungen worden (weil
er... wieder daß Ördentlich Ausschreiben mit geuerlichen Vortheilen
seine Schüß verBracht) Ime dieselben... nit Zugestatten noch weniger
Zum Vergleichen Zutzulassen, welches Im Also... Angetzeigt worden Ob
er wol durch diese erscheinende[112] Puben Stück seines Schieß Zeugs
Auch verlüstig were, so wölle doch die Erbare Schützen geselschafft
Alß die dessen nit Bedürfftig seiner Löblichen Herrschafft derwegen
verschonen..... Actum Mitwoch den 5. Septembris Anno 84. Stilo Nouo.“
(Das ausführliche Protokoll, dem die vorstehenden Hauptpunkte entlehnt
wurden, ist einer brieflichen Antwort des Bürgermeisters und Rathes zu
Staffelstein, de dato 13. Oct. 1584, beigefügt, aus welcher hervorgeht,
daß Fritsch bei seiner Nachhausekunft sich beim Egerer Rathe
beschwerte und dieser, seinen Mitbürger vertretend, nach Staffelstein
schrieb, worauf eben der dortige Rath unter Beilage des von den
Siebenern abgefaßten Protokolls Auskunft ertheilte.)
+Eger.+ +Heinrich Gradl+.
Ein Manuscriptenschatz der Grafen von Sayn.
Nachricht über einen solchen Schatz gibt eine im Staatsarchive
zu Idstein beruhende Urkunde vom 10. Mai 1490, laut welcher Graf
Gerhard von Sayn dem Cisterzienserkloster Marienstatt (im Bezirk des
heutigen Amtes Hachenburg, Regierungs-Bezirk Wiesbaden, gelegen) eine
Schenkung, bestehend in 128 Handschriftenbänden in Pergament zuwies.
Indem ich mich jeden Kommentares enthalte, gebe ich für die, welche
an der Nachricht über diese Sammlung ein Interesse haben könnten, die
betreffende Schenkungsurkunde und das Verzeichniß der Manuscripte hier
wieder. In Idstein, wohin die Archivalien des Klosters Marienstatt
nach der Säcularisation gekommen sind, befindet sich keine der
Handschriften. Auch läßt es sich hier nicht feststellen, ob dieselben
bei Aufhebung des Klosters noch in dessen Besitz waren. Vielleicht,
oder vielmehr wahrscheinlicher Weise, sind sie schon vorher in alle
Welt zerstreut worden. Wirft man doch gerade den Marienstatter Mönchen
der späteren Zeit eine besondere Zuchtlosigkeit vor; so daß man sich
bei ihnen keiner besonderen Pietät gegen das Geschenk des Grafen von
Sayn wird versehen können. Wüthete doch auch über diesem Kloster so
mancher Sturm des großen, verheerenden Krieges, der Deutschland noch
ganz andere Schätze geraubt hat.
Mit Freuden würden es gewiß viele begrüßen, wenn diese Sammlung sich
intakt wiederfinden würde. Doch sind das wol „fromme Wünsche.“ Der
Umstand wenigstens, daß mannigfache Aktenstücke im Archiv des Klosters
Marienstatt Pergamenteinbände tragen mit Bruchstücken von Handschriften
verschiedener Jahrhunderte, gibt zu ganz besonderen Vermuthungen Anlaß.
Hier genüge es, öffentlich Akt zu nehmen von der Munifizenz des Grafen
Gerhard, von der das nachstehend wiedergegebene authentische Dokument
den Beweis liefert.
Wir broder Frederich apt zu Sente Marienstat, prior und gantz gemeyn
convent da selbs doin kunt und bekennen vur uns unde unse nakomen in
diesem unserm brieffe, so wie das uns der edell und waillgeboren herre
herre Gerhart grave zu Seyne etc. unser gnediger lieber herre van
sunderlicher groiszer gnaiden und gunst syne gnaide zu unserm gotzhusze
vorgenant und uns hait gutwillentclichen gegeben in unser gotzhusze
hant reichen hait laissen vor datum disz brieffs, myt namen hundert
und echt und zwentziich latynscher bucher uff pergamene geschreben der
hilliger schriifft, die dan van namen zu namen gliich na dyssem brieffe
geschreben staynt, wie igliichs heyst. bekennen die also van syner
gnaiden entphangen und in unserm gotzhusze haben, geredden und geloben
alsz dar umbe wir apt prior unde gantz convent obgenant by unserm
orden unde professie vor uns und unse nakomen der vorgenanten bucher
keyns noch zu maile zu verkeufen zu versetzen zu veruseren ader[113]
bussent[114] unse cloister zu verliihen, sunder die in unserm cloister
erffliich[115] ewencliich unde ummerme unverdeylt zu behalden und uns
der dar inne gode dem almechtigen zu lobe unde eren zu gebruchen. Were
aber sache, das eynich unser gnediger lieber herren graven zu Seyne,
so dan zu yeder ziit ist, so geleirt were und der vorgenanten bucher
eyns ader me begern und behuben[116] were, sall man yme dye altziit
zu syme gesynnen[117] lehenen, doch also und in der gestalt, daß
alle ziit, so he des gebrucht hait, wieder umbe in das genante unse
cloister zu lieberen[118] und neyt hynder sich zu behalden, das eyn
grave van Seyne dan ouch also wieder doin sall sunder insage. und des
zu urkunde und getzuge der wairheit, uff das disz also veste stede und
unverbruchlichen gehalden werde, so haben wir broider Frederich apt
vorgenant unser aptygen syegel an dyesen brieff gehangen, und wir prior
unde convent obgenant unser gemein conventz syegell auch an diesen
brieff gehangen, der gegeben ist in den jaren unsers herren m^occcc^o
und nuntzich uff maendach na dem sondage „cantate.“ (1490, Mai 10).
(Original auf Pergament, Siegel des Abtes und des Konvents.)
+Idstein.+ +Dr. Joachim+.
Verzeichnis der Manuscripte:
Augustinus de civitate dei.
Augustinus de trinitate.
Augustinus de natura et origine anime, et in enchiridion.
Augustinus super XV gradus.
Augustinus prima pars super Johannem.
Augustinus secunda pars super Johannem.
Augustinus super primam quinquagenam.
Augustinus de verbis domini.
Augustinus de doctrina christiana.
Augustinus de corporis et anime miseria.
Augustinus in libro confessionum.
Augustinus de diversis causis, et de paciencia.
Augustinus contra Donatistas.
Ambrosius super beati inmaculati.
Ambrosius in exameron.
Ambrosius in Thobiam.
Ambrosius super Lucam abbreviatus.
Amalarii de divinis officiis libri tres.
Amalarii liber quartus.
Liber de animalibus.
Alanus de planctu nature, et Ysegrinus.
+Brito.+
Beda super Lucam.
Boetius de musica.
Basilii regula, exhortacio ejusdem ad monachos, Bernardus ad
Cluniacenses et Clarevallenses, et de XII gradibus, et alia.
Catholicon.
Crisostimus de reparacione lapsi.
Crisostimus in exposicione epistole multipharie.
Cassiodorus super primam quinquagenam.
Cassiodorus super secundam quinquagenam.
Cassiodorus super terciam quinquagenam.
+Cassiodorus in ecclesiastica historia.+
Cassianus in collacionibus patrum.
Cromacius de octo beatitudinibus.
Concordancie quatuor evangelistarum postillate.
+Cronice abbatis Broniensis.+
Cordiale de quatuor novissimis, item tractatus de ascensionibus.
Comes.
Doctrinale.
Diversi auctores.
Epistole Pauli postillate, et ecclesiasticus.
Exposicio epistolarum canonicarum et beati Pauli.
+Ecclesiastica historia Rufini.+
Effrem.
Exposicio super canonem misse.
+Freculfus.+
Gregorii dyalogus.
Gregorii prima et secunda pars moralium.
Gregorii V et VI pars moralium in Job.
Gregorius in XL omeliis.
Gregorius in pastorali.
+Gregorii vita.+
+Gesta et vite sanctarum feminarum.+
Grecismus.
Hebraicorum et latinorum dictionum interpretacio.
Hugucio.
Hylarius de trinitate.
Hugo super quartum sentenciarum.
+Horosius.+
Hatligarius de viciis et eorum remediis.
+Josephus.+
Jeronimus in correctione psalterii.
Iheronimus super Ysaiam.
Iheronimus super Jeremiam.
Iheronimus super Danielem.
Iheronimi epistole.
Iheronimi commentarium.
Iheronimus contra Jovinianum.
Ieronimi concordancie in evangelistis.
+Jacobi de Voragine+ prima pars de tempore.
Johannes ad Castorem de institucione vite monastice.
Interliniaris super septem canonicas et Pauli epistolas.
Interliniaris super ecclesíasten, et alia.
+Itinerarium Clementis+ pape et alia plura.
+Itinerarium de diversis partibus transmarinis et precipue de terra
sancta.+
Leonis epistole, et Ancelmus cur deus homo?
Lucanus.
Libri philosophie.
+Martilogium.+
Marcianus de nupciis philologie, et de 7 artibus.
Musice plurium doctorum tractatus.
Nycolaus de Lyra super psalterium postillatus.
Oracii Flacci carminum, et alia.
Petrus Lambardi super epistolas glosa ordinaria.
Prisciani majus volumen.
Prisciani minus volumen.
Priscianus in peregisi.
Pronosticorum liber.
Phisionomia autentica, et de tonitruo.
Racionale divinorum.
Rodulphus de symonia.
Rodulphi dictamina et epistole.
Remigius super Marcianum Mineum Felicem Capellam.
Raymundus summa, et compendium theologie.
Rabanus in benedictionibus Jacob.
Speculum judiciale.
+Vincencii prima pars in speculo historiali.+
+Vincencii secunda pars in speculo historiali.+
+Scolastica historia.+
Summa super titulis decretalium, composita a magistro Gofrido de
Trano.
Summa Roffredi et Compostellanus.
Super decretum palearum glosa.
Statuta synodalia et provincialia.
Sacramentale Gwillelmi de Monte Lauduno.
Smaragdus in dyademate monachorum.
Smaragdus in regula sancti Benedicti.
Suffragium monachorum et Wilhelmus Mandagoti.
Sermones Johannis de Rupellis a festo sancti +Petri+ ad vincula.
Sermones de tempore.
Sermones de tempore.
Sermones de sanctis per annum.
Super cantica canticorum trifaria exposicio.
+Salustius, Macrobius et Plato.+
Seneca de beneficiis.
Thome glosa ordinaria super Matheum et Marcum.
Thome glosa super Lucam et Johannem.
Thome prima secunde partis summe.
Thome secunda secunde partis summe.
Thome prima pars summe.
Thome tercia pars summe.
Thomas super primum sentenciarum.
Thomas super secundum sentenciarum.
Thomas super tercium sentenciarum.
Thomas super quartum sentenciarum.
Wilhelmus Durandi super Raymundum.
Ysidorus de summo bono, Elucidarius.
Ysidorus ethymologiarum.
Ysidori, exposicio super plures partes biblie.
Die Regenbogenschüsselchen in Niederösterreich.
Die sogenannten Regenbogenschüsselchen, welche man lateinisch Sperma
Solis aut Iridis nannte, sind bekanntlich convexconcave keltische
Münzen von Gold oder Electrum (d. i. eine Legierung aus Gold und
Silber) und zeigen gewöhnlich auf einer Seite eine dreitheilige
Figur oder einen Vogelkopf, auf der andern einen offenen Ring und
verschiedene Punkte. Ihre Benennung stammt nach einigen von der
regenbogenförmigen Figur des Gepräges, nach andern vor der Sage, daß
Engel die Regenbogen mit kleinen Goldschüsseln stützen, damit sie nicht
den Boden berühren, und sie dann liegen lassen, oder von dem Glauben,
daß man sie dort finde, wo der Regenbogen die Erde berührt hatte
(S. Sacken, Leitf. zur Kunde des heidn. Alterth. 114; vgl. Streber,
über die „Regenbogenschüsselchen“ I-II, und meine Abhandlung: „Die
Regenbogenschüsselchen“ in der „Wiener Abendpost,“ 1879, N. 106). Nach
L. Bechstein, (Mythe, Sage, Märe und Fabel I, 87) kann der erwähnte
Glaube jedoch kaum früher entstanden sein, als bis solche Schüsselchen
wirklich gefunden wurden, und schon deshalb dürften die folgenden
kleinen Mittheilungen aus Niederösterreich -- wo meines Wissens bisher
noch keine Funde solcher Münzen bekannt geworden sind -- von Interesse
sein.
1. Eine Schnitterin in Hohenwarth (im Gerichtsbezirke Ravelsbach) war
auf dem Felde und sah daselbst auf der Erde etwas glänzen. Sie eilte
hin und fand ein kleines goldenes Schüsserl, hob es auf und zeigte es
dem Geistlichen des Ortes, welcher ihr sagte, daß sie dies Schüsserl
gefunden habe, sei für sie ein großes Glück; es sei im Firmament
geschmolzen worden und vom Regenbogen herunter gefallen. (Von einer nun
90jährigen Frau aus Hohenwarth.)
2. Während ein Mann in einem Weingarten bei Krems arbeitete, zeigte
sich nach einem Gewitter ein Regenbogen, und ein Regenbogenschüsserl
fiel dem Manne auf die Hand, daß es klingelte. Das Schüsserl war aber
ganz schwarz, und der Mann gab es der Eigenthümerin des Weingartens,
welche es zum Goldschmied trug, und dieser machte ihr daraus ein paar
Ohrgehänge. (Aus Stockerau.)
3. Wo der Regenbogen die Erde berührt, da steht eine Schüssel voll
Dukaten. (Aus Spillern bei Stockerau.)
Die bei 1 angeführte Volksmeinung von der vermeintlichen
glückbringenden Eigenschaft der Regenbogenschüsselchen, findet sich
übrigens auch noch anderwärts in Süddeutschland (vgl. Wuttke: Der
Volksaberglaube der Gegenwart, S. 88-89), und ich glaube dabei noch
bemerken zu sollen, daß man auf Island vom Regenbogen (regnbogi,
friđarbogi) erzählt, daß derjenige, welcher an den Ort gelange, an
welchem derselbe auf der Erde aufstehe, sich wünschen könne was er
wolle. -- (S. Maurer, Isländ. Volkssagen der Gegenwart, S. 185).
+Stockerau+ in Niederösterreich. C. M. +Blaas+.
Jäger vom Schlusse des 15. Jhdts.
[Illustration]
Unsere Sammlung von Handzeichnungen enthält u. A. eine zwar sehr
flüchtige, aber doch charakteristische Federzeichnung, die mit der
Jahreszahl 1496 bezeichnet ist, die wir, obwohl der Meister kaum
festzustellen sein dürfte, als Gegensatz zu der Abbildung auf Spalte
140 gern wiedergeben, um zu zeigen wie sich 100 Jahre später das
Jagdvergnügen äußerlich zu erkennen gab. Der Jäger ist zu Pferde mit
der Armbrust bewaffnet hat und auf dem Rücken das Horn hängen. Die
Hunde springen voraus.
+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.
Ein Begräbniss. Abbildung vom Jahre 1441.
Der oft erwähnte Codex 998 unserer Bibliothek vom Jahre 1441 gibt unter
seinen vielen Bildern auch die Darstellung des Begräbnisses Hektors im
Stile des 15. Jahrh. Wir sehen ein viereckiges, senkrecht eingetieftes
Grab, mit dessen Aushebung zwei Todtengräber beschäftigt sind, der eine
mit der Haue das Erdreich lockernd, der andere es mit der Schaufel
ausstechend. Charakteristisch für die Auffassung der Zeit ist, daß
beide Männer fleißig arbeiten, daneben aber das Grab schon fertig
dargestellt ist, wie auch in den Kampfscenen die Kämpfer das Schwert
erheben, um zum Schlage auszuholen, während der Gegner schon getroffen
aus den Wunden blutend sich zeigt.
[Illustration]
So ist es nur konsequent, daß auch auf unserem Bilde schon die Träger
mit dem Sarge kommen. Eine Leichenbegleitung fehlt dem Bilde. Ebenso
ist von einer besonderen Trauerfarbe an den Trägern nichts zu sehen,
nicht einmal die Decke der Bahre ist schwarz. Träger und Todtengräber
zeigen das Kostüm der niederen Volksklasse. Der Sarg hat die Gestalt
einer flachen Kiste und ist mit einer weißen Decke geschmückt, auf
welcher kreuzförmig rothe Bänder aufgenäht sind und von deren Seiten
Fransen herabhängen. Auf der Bahre ruht der Stechhelm mit der Heimzier,
die durch das ganze Buch den Helden Hektor bezeichnet, so daß also
auch hier bestimmt ausgedrückt ist, wer zu Grabe getragen wird. Im
Hintergrunde ist im Original die Stadt Troja dargestellt, von deren
Mauerzinnen Zuschauer an dem Begräbnisse theilnehmen, die wir hier
weggelassen haben, da auch sie, -- es sind nur die Köpfe sichtbar, --
kein äußerliches Zeichen von Trauer an sich tragen.
+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.
Verantwortliche Redaction: Dr. +A. Essenwein+. Dr. +G. K. Frommann+.
Verlag der literarisch-artistischen Anstalt des germanischen Museums in
Nürnberg.
Gedruckt bei +U. E. Sebald+ in Nürnberg.
(Mit einer Beilage.)