Das Egerer Archiv bewahrt einen Papierstreifen von ca. 20 cm. Länge,
ca. 5 cm. Breite, der in schön gezeichneten Schriftzügen der zweiten
Hälfte des 15. Jahrhunderts folgende Worte enthält:
„Bitt den almechtigen Got fur Jobsten Schonsteter des Statschreibers
Sun Der in frembden landen verschieden sein sol, den wirt man begeen
auff morgen montag zw abent mit vigilien vnd auff den dinstag mit den
ambtten der heiligen meß Bitt got ab die Sele etc.“
Der hier gemeinte Schönstetter, Vater, dürfte Konrad Schönstetter sein,
der von 1466 bis 1504, in welchem Jahre er starb, Stadtschreiber in
Eger war, und dem sein Sohn Sebastian Schönstetter (des obigen Jobstens
Bruder) folgte von 1504-1543, bis zur Resignazion in Folge „Alters
und Unvermögenheit“. Für die Zeit des letzteren scheinen mir die
Schriftzüge wie die Schreibweise wol schon zu alt.
Der Zettel trägt weiter keine Adresse und keinen Namen eines Absenders.
Ich vermuthe, eine Anzahl ähnlicher wurden vom alten Stadtschreiber
nach Empfang der Todesnachricht an Gönner und Verwandte herumgeschickt,
und irgend ein altes Rathsmitglied steckte den seinen zu andern Akten,
mit denen er nun erhalten blieb. Für ein Konzept ist die Schrift zu
geziert; selbst in den vorliegenden von Schönstetter, der doch den
Zettel geschrieben haben wird, abgefaßten Aktenstücken führt derselbe
nicht diese schöne Handschrift.