1880. Nº 5. Mai.
Wissenschaftliche Mittheilungen.
Aus Baseler Handschriften.
Herr Bibliothekar Dr. L. Sieber in Basel hat die Güte gehabt, mir
einige Mittheilungen aus Baseler Handschriften zukommen zu lassen.
Im Cod. chart. misc. Bibl. publ. Basil. A. VII. 42, der aus der
Karthause stammt, findet sich ein Tractat „Viridarium clericorum“,
geschrieben 1445 in Etlingen. Darin ist auch das Gedicht gegen die
Weiber enthalten, welches schon im Anzeiger, 25. Jahrg., Sp. 315,
gedruckt ist, aber so abweichend und vermehrt, daß ein neuer Abdruck
gerechtfertigt ist, da er zugleich zeigt, wie sehr sich in mündlicher
Tradition diese Stücke umgestalteten.
.... Jeronimus dicit: Mulier est janua dyaboli, via iniquitatis,
scorpionis percussio, nocivumque genus, quod gentes ferreas et mentes
castissimas libidine domat. Unde metrista de arte ejus:
O quam sincerum cor polluit }
O quam forte merum, sed fortior }
Heu jam presbiterum laqueo ligat }
Et capit armigerum, si non fugit, }
Cum populo clerum stultum facit }
Quantumcunque ferum cor mitigat }
Non timet orbis herum, sed deicit }
Cordibus in veterum facit ignes }
Sepe senem puerum fatuum facit }
O quam mortiferum volnus facit }
Virus pestiferum tibi porrigit }
Ad foveas scelerum stultos trahit }
Perditio rerum que (quod?) fit, facit } ars mulierum
Consilium procerum jam dissipat }
Ignoro numerum quos destruit }
Hunc reputo miserum quem decipit }
Ade mortiferum pomum dedit }
David et Homerum decepit (l. deceperat) }
Et Salomonaticum[86] stultum fecit (l. facit) }
Infringit verum falsum simul }
In scoriam cinerum[87] Troyam dedit }
Corpus sincerum putridum facit }
Et ditem clerum depauperat }
Cunctorum scelerum fraudatrix }
Non tibi sit mirum si te domat }
Ecce quanta mala facit ars mulierum, quocunque modo hoc vocabulum ars
sumatur, sive latine sive theutonice.....
Auf das Viridarium clericorum folgt von anderer Hand:
Prosperitas rerum, series longinqua dierum,
Preterit absque mora, mortis dum venerit hora.
Si fueris dives, fortis pulcherve, quid inde?
Si dominus mundi, rex sive papa[88], quid inde?
Si prior aut abbas fueris presulve, quid inde?
Tam cito pretereunt hec omnia, quod nichil inde.
Sola manent merita, quia glorificabimur inde.
Vir[89], videas quid tu[90] jubeas, dum[91] magnus haberis,
Et caveas[92] ne forte ruas, dum[93] stare videris[94].
Inspicias[95] ne despicias quem[96] ledere queris:
Dat varias[97] fortuna vias[98], non ergo mireris[99].
Miramur omnes quod orbis exul et hospes
Construit in terra domus, alta pallatia, castra.
Cur non in celis sibi construit ista fidelis,
Ut videas Christum contemplative nobiscum?
Terra transibit, celum sine fine manebit.
Diese letzten Verse sind sehr viel besser gemeint, als scandiert. Im
Cod. membr. F. II. 31 saec. XIII. (Conradi de Mure Graecista novus),
ebenfalls aus der Karthäuserbibliothek, steht am Ende von jüngeren
Händen: „Congratulor incauto quod ulterius scribere nolo.“ Gemeint ist
doch wol die Dinte incaustum. Ferner der so häufige Schreibervers:
„Detur pro penna scriptori pulchra puella.“ Darauf folgt:
Est bona vox +schenk+ in, melior +trinck+, optima +gerus+.
Funde merum, funde, quasi sint fluminis unde;
Non dicas unde, sed funde semper abunde.
Scientia est arbor alta, cujus radix amarissima fructusque dulcissimus,
nec ejus fructum gustabit qui ejus amaritudinem non sensit. Hoc
Augustinus ca^{lo} lib^o et partibus ejus.
+Berlin.+ +Wattenbach+.
Jagdscene des 14.-15. Jahrhunderts.
Wir geben hier in der Größe des Originals aus unserer Hagada eine Scene
wieder, die dem Leben entnommen ist, wie es sich in vornehmen Kreisen
abspielte, eine Jagdscene, da ja die Jagd die Lieblingsbeschäftigung
jener Kreise war. Die Hunde halten bereits den Hirsch fest, und der
Jäger bläst in sein Horn. Er hat den Bogen als Waffe bei sich. Ein
Häschen schaut über den Hügel hervor. In den Bäumen unterhalten sich
die Vögel des Waldes, die ja so viel zur Poesie der Jagd beitragen, und
ohne die der Aufenthalt im Walde nicht jenen Reiz haben könnte, der
so verlockend ist. Es ist gerade die Aufnahme der Vögel in dem Bilde
besonders charakteristisch. Wie die Dichter, so zeigt uns auch hier
der Maler, daß unsere Voreltern den Wald nicht ohne Vögel sich denken
konnten, daß schon sie wesentlich um des Gesanges willen den Wald
liebten. Die Scene stellt Esau dar, der aus der Jagd ist, die seine
Sinne gefangen nimmt, während zu Hause Jacob den väterlichen Segen
statt seiner empfängt.
+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.
[Illustration]
Zur Geschichte der musikalischen Instrumente.
[Illustration: Fig. 1.]
[Illustration: Fig. 2.]
Die Darstellung von Musikern und Musikinstrumenten in alten
Handschriften ist eine sehr häufige. Man vergleiche Figur 4 in Nr.
3 und die letzte Abbildung in Nr. 4 des diesjährigen Anzeigers. Wir
veröffentlichen heute einige fernere Beiträge zur Geschichte der
Musikinstrumente aus zweien der in jüngster Zeit in diesem Blatte
mehrfach besprochenen Manuscripte. Figur 1-3 sind der Hagada
entnommen. Es ist eine Lautenschlägerin und zwei Trompeter; Figur
4 und 5 sind dem trojanischen Kriege von 1441 entnommen; Figur 4
gibt zwei Trompeter, die an der Spitze eines Kriegsheeres zu Pferde
in den Kampf ziehen. Sie sind durchaus unbewaffnet und tragen die
Gesellschaftstracht der vornehmen Kreise. Der Zaddelhaube und den
Zaddeln an der Tunika entsprechen auch solche an der Decke unter dem
Sattel. Figur 5 zeigt dagegen zwei Pfeifer, die zum Mahle aufspielen,
in der Tracht der geringen Leute.
[Illustration: Fig. 3.]
[Illustration: Fig. 4.]
[Illustration: Fig. 5.]
+Nürnberg.+ A. +Essenwein+.
Aus dem Egerer Archive.