In den Tagen vor Weihnachten kam die Majorin an den Löfsee hinab, aber
erst am heiligen Abend erreichte sie Ekeby. Während der ganzen Reise war
sie krank; sie hatte Lungenentzündung und heftiges Fieber, doch hatte
man sie niemals heiterer gesehen, hatte niemals freundlichere Worte von
ihr gehört.
Die Tochter des Pfarrers von Broby, die seit dem Oktober bei ihr gewesen
war, saß neben ihr im Schlitten und wollte gern die Fahrt beschleunigen;
aber sie konnte die Alte nicht daran hindern, die Pferde anzuhalten und
jeden, der des Weges kam, an den Schlitten heranzurufen, um nach
Neuigkeiten zu fragen.
»Wie geht es euch hier am Löfsee?« fragte die Majorin.
»Es geht uns gut!« lautete die Antwort. »Es kommen bessere Zeiten. Der
tolle Pfarrer und seine Frau helfen uns allen.«
»Jetzt kommt eine gute Zeit«, antwortete ein anderer. »Sintram ist fort.
Die Kavaliere auf Ekeby haben angefangen zu arbeiten. Das Geld des
Pfarrers von Broby ist im Kirchturm gefunden worden. Es ist so viel, daß
Ekebys Glanz und Ehre wieder aufgerichtet werden kann. Und es bleibt
noch genug, um den Hungernden Brot zu schaffen.«
»Unser alter Propst ist zu neuer Kraft und neuem Leben erwacht«, sagte
ein Dritter. »Jeden Sonntag spricht er mit uns über die Wiederkehr des
Reiches Gottes. Wer kann da noch Lust haben zu sündigen? Die Herrschaft
des Guten bricht an.«
Und die Majorin fuhr langsam weiter und fragte jeden, dem sie begegnete:
»Wie geht es euch jetzt? Leidet ihr hier am Löfsee Mangel an irgend
etwas?«
Und die Fieberhitze und der stechende Schmerz in der Brust ließen nach,
wenn sie ihr antworteten: »Hier sind zwei gute und reiche Frauen:
Marianne Sinclaire und Anna Stjärnhök, die helfen Gösta Berling, von
Haus zu Haus zu gehen und nachzusehen, daß niemand hungert. Und der
Branntweinkessel verschlingt jetzt das Korn nicht mehr.«
Es war, als säße die Majorin dort im Schlitten und hielte einen langen
Gottesdienst ab. Sie war in ein heiliges Land gekommen. Sie sah alte,
runzelige Gesichter sich verklären, wenn sie von den Zeiten sprachen,
die gekommen waren. Die Kranken vergaßen ihre Schmerzen, um den Tag der
Freude zu preisen.
»Wir wollen alle werden wie der gute Hauptmann Lennart«, sagten sie.
»Wir wollen alle gut sein; wir wollen gut von allen denken, wir wollen
niemand Schaden zufügen. Das wird die Wiederkehr des Reiches Gottes
beschleunigen.«
Sie fand alle von demselben Geist beseelt. Auf den Herrenhöfen wurden
die meisten frei gespeist. Alle, die Arbeiten zu verrichten hatten,
ließen sie jetzt ausführen, und auf den sieben Eisenwerken der Majorin
war die Tätigkeit in vollem Gange. Niemals hatte sie sich wohler
gefühlt, als während sie hier saß und die kalte Luft in ihre schmerzende
Brust strömen ließ. Sie konnte an keinem Gehöft vorüberkommen, ohne
stillzuhalten und zu fragen.
»Jetzt ist alles gut!« lautete die Antwort. »Hier herrschte große Not,
aber die Herren von Ekeby helfen uns. Die Frau Majorin wird sich
wundern, was dort alles ausgeführt ist. Das Mühlwerk ist bald fertig,
und die Schmiede ist in vollem Gange.«
Die Not und die herzerschütternden Begebenheiten hatten sie alle
verwandelt. Ach, es würde nicht lange vorhalten! Aber es war doch gut,
in ein Land zurückzukehren, wo der eine dem andern half und alle das
Gute wollten. Die Majorin fühlte, daß sie den Kavalieren verzeihen
könne, und sie dankte Gott dafür. »Anna Lisa,« sagte sie, »ich alte
Person sitze hier und glaube, daß ich mich schon auf dem Wege zum Himmel
der Seligen befinde.«
Als sie endlich Ekeby erreichte und die Kavaliere herauseilten, um ihr
vom Schlitten zu helfen, konnten sie sie kaum wiedererkennen, denn sie
war ebenso milde und freundlich wie ihre eigene junge Gräfin. Die
älteren, die sie gekannt hatten, als sie noch jung war, flüsterten
einander zu: »Das ist nicht die Majorin von Ekeby -- das ist Margarete
Celsing, die wiederkehrt.«
Die Freude der Kavaliere, als sie sie so milde, so ohne alle
Rachegedanken wiederkommen sahen, war groß, sie verwandelte sich aber in
Kummer, als sie sahen, wie krank sie war. Sie mußte sofort ins
Schlafzimmer getragen und ins Bett gelegt werden. Auf der Schwelle aber
wandte sie sich um und sagte zu ihnen: »Gottes Sturmwind ist über das
Land gegangen, Gottes Sturmwind! Jetzt weiß ich, daß alles zum Besten
gewesen ist.« Dann schloß sich die Tür ihres Krankenzimmers, und sie
bekamen sie nicht mehr zu sehen.
Wenn jemand sterben soll, so hat man ihm stets so viel zu sagen. Die
Worte drängen sich über die Lippen, wenn man weiß, daß im Zimmer nebenan
jemand liegt, dessen Ohr sich bald für immer schließen soll. »Ach, mein
Freund, mein Freund,« würde man gern sagen, »kannst du vergeben? Kannst
du trotz allem glauben, daß ich dich geliebt habe? Wie konnte ich dir
doch so viel Kummer bereiten, während wir hier beisammen wanderten? Ach,
mein Freund, hab Dank für all die Freude, die du mir geschenkt hast!«
Solche Worte möchte man sprechen und noch weit mehr.
Die Majorin aber lag in brennendem Fieber, und die Stimmen der Kavaliere
konnten sie nicht erreichen. Sollte sie denn nie mehr erfahren, wie sie
gearbeitet hatten, wie sie ihr Werk wieder aufgenommen und die Ehre von
Ekeby gerettet hatten? Sollte sie das niemals erfahren?
Bald darauf gingen die Kavaliere zur Schmiede hinab. Dort wurde nicht
gearbeitet. Sie aber warfen frische Kohlen und neues Roheisen in den
Ofen und bereiteten alles zum Schmelzen vor. Sie riefen nicht die
Schmiede, die nach Hause gegangen waren, um Weihnachten zu feiern,
sondern arbeiteten selber. Konnte die Majorin nur leben, bis der Hammer
in Tätigkeit kam, da sollte der schon ihre Sache bei ihr reden!
Es ward Abend, und die Nacht brach herein über ihrer Arbeit. Mehrere
von ihnen dachten daran, wie wunderbar es doch sei, daß sie nun wieder
Weihnachten in der Schmiede feierten. Der große Gelehrte Kevenhüller,
der den Wiederaufbau der Mühle und der Schmiede geleitet hatte, und
Christian Bergh, der starke Hauptmann, standen am Ofen und
beaufsichtigten das Schmelzen. Gösta und Julius trugen Kohlen. Von den
übrigen saßen einige auf dem Amboß unter dem in die Höhe gezogenen
Hammer, andere hatten sich auf Kohlenkarren und Haufen von Stangeneisen
niedergelassen. Löwenberg, der alte Mystiker, sprach mit Onkel Eberhard,
dem Philosophen, der neben ihm auf dem Amboß saß.
»In dieser Nacht stirbt Sintram«, sagte er.
»Weshalb gerade über Nacht?« fragte Eberhard.
»Du entsinnst dich wohl des Vertrages, den wir vor einem Jahr mit ihm
schlossen? Jetzt haben wir nichts getan, was nicht kavaliermäßig wäre,
folglich hat er verloren.«
»Wenn du an so etwas glaubst, so weißt du doch wohl auch, daß wir
vielerlei getan haben, was nicht kavaliermäßig war. Erstens haben wir
der Majorin nicht geholfen, zweitens fingen wir an zu arbeiten, drittens
war es nicht ganz kavaliermäßig, daß Gösta sich nicht das Leben nahm,
wie er gelobt hatte.«
»Ich habe darüber nachgedacht,« erwiderte Löwenberg, »aber ich glaube,
daß du dich darin irrst. Es war uns verboten, mit kleinlichen Gedanken
zu unserm eigenen Vorteil zu handeln, nicht aber so, wie die Liebe oder
die Ehre oder unsere eigene Seligkeit es von uns erheischt. Ich glaube,
Sintram hat verloren. Ja, ich weiß es. Ich habe seine Schlittenglocken
den ganzen Abend gehört, aber es war kein richtiges Schlittengeläut,
wir werden ihn bald hier haben.«
Und der kleine alte Mann saß da und starrte auf die offene Tür der
Schmiede und das kleine Stückchen blauen Himmels mit den einzelnen
Sternen, das da hindurch sichtbar ward. Plötzlich sprang er auf.
»Siehst du ihn?« flüsterte er. »Da kommt er geschlichen! Siehst du ihn
nicht in der Tür?«
»Ich sehe nichts,« erwiderte Onkel Eberhard, »du bist müde, das ist das
Ganze.«
»Ich sah ihn deutlich gegen den hellen Himmel. Er hatte seinen langen
Wolfspelz an und seine Pelzmütze auf. Jetzt ist er dort im Dunkeln, und
ich kann ihn nicht mehr sehen. Sieh, jetzt ist er dort beim Ofen. Er
steht dicht neben Christian Bergh, aber Christian scheint ihn nicht zu
sehen. Jetzt bückt er sich und wirft etwas ins Feuer. Hu! Wie
abscheulich er aussieht. Nehmt euch dort hinten in acht!«
Im selben Augenblick ertönte ein Knall, und die Funken sprangen aus dem
Ofen über die Schmiede und ihre Gehilfen. Aber es entstand kein Schade.
»Er will sich rächen!« flüsterte Löwenberg.
»Nein, du bist zu toll,« rief Eberhard aus, »von diesen Sachen solltest
du doch nachgerade genug haben!«
»So etwas kann man denken und wünschen, aber was hilft das? Siehst du
nicht, er steht dort am Balken und grinst über uns. Aber, so wahr ich
lebe, ich glaube wirklich, daß er den Hammer löst!«
Er sprang auf und riß Eberhard mit sich. Unmittelbar darauf schlug der
Hammer dröhnend auf den Amboß nieder. Es war nur eine Krampe, die sich
gelöst hatte, Eberhard und Löwenberg aber waren nur mit genauer Not dem
Tode entgangen.
»Siehst du wohl, daß er keine Macht über uns hat?« triumphierte
Löwenberg; »aber rächen will er sich, das ist klar.«
Und er rief Gösta Berling zu: »Geh du zu den Frauen hinauf, Gösta.
Vielleicht zeigt er sich denen auch. Sie sind nicht so daran gewöhnt,
dergleichen zu sehen wie ich, sie könnten leicht bange werden. Und nimm
dich in acht, Gösta; denn er ist dir nicht gewogen, und vielleicht hat
er des Gelübdes wegen Macht über dich. Wer kann das wissen?«
Später erfuhr man, daß Löwenberg recht gehabt hatte und daß Sintram in
der Christnacht gestorben war. Einige wollten wissen, daß er sich im
Gefängnis erhängt habe. Andere glaubten, die Diener der Gerechtigkeit
hätten ihn ganz im stillen vom Leben zum Tode befördert; denn die
Untersuchung schien zu seinen Gunsten auszufallen, und es ging ja nicht
an, ihn wieder die Herrschaft über die Harde gewinnen zu lassen.
Wiederum andere behaupteten, ein gewisser finsterer Herr sei mit einem
schwarzen Wagen und mit schwarzen Pferden gekommen, um ihn aus dem
Gefängnis zu holen, und Löwenberg war nicht der einzige, der ihn in der
Christnacht sah. Auch in Fors ward er gesehen und in Ulrika Dillners
Träumen. Mehr als einer sagte, daß er sich ihm gezeigt hätte, bis Ulrika
Dillner seine Leiche nach dem Broer Kirchhof überführte. Sie ließ auch
das böse Gesinde von Fors vertreiben und führte ein christliches
Regiment ein. Jetzt spukt es dort nicht mehr.
* * * * *
Man erzählt sich, daß, ehe Gösta Berling den Hof erreichte, ein Fremder
dort angelangt sei und einen Brief an die Majorin abgegeben habe.
Niemand kannte den Boten, der Brief aber wurde hineingetragen und neben
der Kranken auf den Tisch gelegt. Gleich darauf trat eine unerwartete
Besserung ein, das Fieber ließ nach, die Schmerzen nahmen ab, und sie
fühlte sich wohl genug, um den Brief zu lesen.
Die Alten wollten nur zu gern glauben, daß diese Besserung dem Einfluß
der finsteren Mächte zuzuschreiben sei. Sintram und seine Freunde
konnten Vorteil davon haben, wenn die Majorin diesen Brief las.
Es war ein mit Blut auf schwarzem Papier geschriebenes Dokument. Die
Kavaliere würden es wohl wiedererkannt haben; es war in der vergangenen
Christnacht in der Schmiede zu Ekeby geschrieben worden.
Und die Majorin lag nun da und las, daß sie, sintemal sie eine Hexe
gewesen sei und Kavalierseelen zur Hölle gesandt habe, verurteilt werde,
Ekeby zu verlieren. Dies und ähnliche Torheiten las sie. Sie betrachtete
das Datum und die Unterschriften, und fand bei Göstas Namen folgende
Bemerkung: »Sintemal die Majorin sich meine Schwäche zunutze gemacht
hat, um mich von ehrlicher Arbeit abzuhalten und mich als Kavalier auf
Ekeby zu behalten; sintemal sie mich zu Ebba Dohnas Mörder gemacht hat,
indem sie ihr verriet, daß ich ein abgesetzter Geistlicher bin,
unterschreibe ich.«
Die Majorin faltete langsam das Papier zusammen und legte es in den
Umschlag; dann lag sie regungslos da und dachte über das nach, was sie
soeben erfahren hatte. Sie begriff unter bitteren Schmerzen, daß dies
die Meinung der Leute von ihr war. Eine Hexe und eine Zauberin war sie
für alle die, denen sie wohlgetan, denen sie Arbeit und Brot gegeben
hatte. Dies war ihr Lohn, dies würde ihr Leumund sein. Einer
Ehebrecherin konnten sie nichts anderes zutrauen.
Was aber machte sie sich aus diesen Unwissenden? Sie hatten ihr doch
ferngestanden. Aber diese armen Kavaliere, die von ihrer Gnade gelebt
hatten und sie genau kannten, auch sie glaubten es oder taten doch so,
als ob sie es glaubten, um einen Vorwand zu haben, unter dem sie Ekeby
an sich reißen konnten. Ihre Gedanken jagten schnell durch ihr
fieberheißes Gehirn, wilder Zorn, glühende Rachelust sprachen aus ihren
Augen. Sie ließ die Tochter des Pfarrers von Broby, die mit Gräfin
Elisabeth bei ihr wachte, einen Boten nach Högfors zum Gutsverwalter und
zum Inspektor senden. Sie wollte ihr Testament machen.
Wieder lag sie da und sann. Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen, ihr
Antlitz verzerrte sich unheimlich vor Schmerz.
»Sie sind sehr krank, Frau Majorin«, sagte die Gräfin leise.
»Das bin ich, kränker denn je zuvor.«
Es trat abermals eine Pause ein, dann aber sprach die Majorin mit
harter, scharfer Stimme: »Es ist wunderlich zu denken, daß auch Gräfin
Elisabeth, die von allen geliebt wird, eine Ehebrecherin ist.«
Die junge Gräfin zuckte zusammen.
»Ja, wenn auch nicht in Taten, so doch in Gedanken und in Wünschen, und
das macht keinen Unterschied.«
»Das weiß ich, Frau Majorin.«
»Und doch bist du jetzt glücklich geworden. Du kannst den, den du
liebst, ohne Sünde besitzen; das schwarze Gespenst wird nicht zwischen
euch stehen, wenn ihr einander jetzt begegnet. Ihr könnt euch auch vor
der Welt angehören. Ihr könnt Seite an Seite durchs Leben wandern.«
»Ach, liebe Frau Majorin.«
»Wie kannst du es wagen, bei ihm zu bleiben?« rief die Alte mit
steigender Heftigkeit aus. »Tue Buße! Tue beizeiten Buße! Reise heim zu
deinem Vater und zu deiner Mutter, ehe sie kommen und dich verfluchen.
Wagst du es, Gösta Berling deinen Mann zu nennen? Gehe von ihm! Ich will
ihm Ekeby geben, ich will ihm Macht und Ehre geben -- wagst du es, das
mit ihm zu teilen? Wagst du es, Glück und Ehre anzunehmen? Ich wagte es.
Entsinnst du dich, wie es mir erging? Entsinnst du dich des
Weihnachtsschmauses auf Ekeby? Entsinnst du dich des Gefängnisses in
Munkerud?«
»Ach, Frau Majorin, wir Sünder gehen hier Seite an Seite ohne Glück. Ich
gehe hier einher und wache darüber, daß das Glück nicht an unserm Herd
heimisch wird. Glauben Sie denn nicht, Frau Majorin, daß ich mich nach
Hause sehne? Ach, ich sehne mich bitter nach dem Schutz und der Stütze
des Elternhauses, aber dieser Wunsch wird nie erfüllt werden. Ich muß
hierbleiben in Furcht und Beben und mit dem Bewußtsein, daß alles, was
ich tue, zu Sünde und Kummer führt, daß ich, wenn ich dem einen helfe,
dem andern sicher schade. Zu schwach und zu gering für das Leben
hienieden, bin ich doch gezwungen, es zu leben, weil ich an eine ewige
Buße gebunden bin.«
»Mit solchen Gedanken betören wir unser Herz!« rief die Majorin aus;
»aber das ist Schwäche. Du willst nicht von ihm fort, das ist die
Sache.«
Ehe die Gräfin antworten konnte, trat Gösta Berling ins Zimmer.
»Komm hierher, Gösta«, sagte die Majorin sofort, und ihre Stimme wurde
noch schärfer und härter. »Komm hierher, du, der du von der ganzen
Umgegend gepriesen wirst! Komm her, du, der du willst, daß man dich nach
deinem Tode den Erretter des Volkes nennen soll. Jetzt sollst du hören,
wie es deiner alten Majorin ergangen ist, die du verlassen und verachtet
im Lande umherziehen ließest.
»Zuerst will ich erzählen, wie es mir erging, als ich in diesem Frühling
zu meiner Mutter kam, denn du sollst den Schluß der Geschichte kennen.
»Im März erreichte ich den Hof in den Elfdalswäldern, Gösta. Ich sah
nicht viel anders aus als ein Bettelweib. Als ich kam, sagte man mir,
meine Mutter sei in der Milchkammer. Dahin ging ich und stand lange
schweigend an der Tür. Ringsumher an den Wänden auf langen Borten
standen die blanken Kupferschalen mit Milch. Und meine Mutter, die mehr
als neunzig Jahre zählte, nahm eine Milchschüssel nach der andern
herunter und schöpfte die Sahne ab. Sie war flink genug dabei, aber ich
merkte wohl, wie schwer es ihr ward, an die Milchschalen hinanzureichen.
Ich wußte nicht, ob sie mich gesehen hatte, aber nach einer Weile redete
sie mich mit einer eigentümlich scharfen Stimme an.
»'So ist es dir denn ergangen, wie ich es dir gewünscht habe', sagte
sie. Ich wollte reden und sie um Verzeihung bitten, aber das nützte mir
nichts. Sie hörte kein Wort davon -- sie war stocktaub. Nach einer Weile
aber sagte sie: 'Du kannst mir helfen.'
»Und dann ging ich hin und sahnte die Milch. Ich nahm die Schüsseln in
der richtigen Reihenfolge herunter und setzte alles an seinen Platz und
schöpfte tief genug mit dem Sahnenlöffel, und sie war zufrieden. Keiner
der Mägde hatte sie das Sahnen der Milch anvertrauen können; ich wußte
ja aber aus alten Zeiten, wie sie es haben wollte.
»'Diese Arbeit kannst du von jetzt an übernehmen', sagte sie, und damit
wußte ich, daß sie mir vergeben hatte.
»Und dann war es plötzlich, als könne sie mit einem Schlage nicht mehr
arbeiten. Sie saß still in ihrem Lehnstuhl und schlief fast den ganzen
Tag. Einige Wochen vor Weihnachten starb sie. Ich wäre gern früher
gekommen, Gösta, aber ich konnte die Alte nicht verlassen.«
Die Majorin hielt inne. Es ward ihr schwer zu atmen, aber sie ermannte
sich und fuhr fort:
»Es ist wahr, Gösta, daß ich dich hier gern bei mir in Ekeby haben
wollte. Es ist nun einmal so, daß alle gern mit dir zusammen sind.
Hättest du ein ordentlicher Mann werden können, so würde ich dir viel
Macht gegeben haben. Meine Hoffnung war stets darauf gerichtet, daß du
eine gute Frau finden würdest. Zuerst glaubte ich, daß es Marianne
Sinclaire werden würde, denn ich sah, daß sie dich liebte, schon während
du als Holzhauer im Walde lebtest. Dann glaubte ich, daß es Ebba Dohna
werden würde, und ich fuhr eines Tages nach Borg hinüber und sagte ihr,
wenn sie sich mit dir verheiraten wollte, würde ich dich zum Erben von
Ekeby einsetzen. Habe ich darin unrecht getan, so mußt du mir
verzeihen.«
Gösta lag neben dem Bett auf den Knien, die Stirn gegen die Kante des
Bettes gepreßt; er stöhnte schwer.
»Sage mir doch, Gösta, wie du zu leben gedenkst. Wie willst du für deine
Frau sorgen? Sage es mir! Du weißt ja, ich habe stets dein Bestes
gewollt.«
Und Gösta antwortete ihr lächelnd, obwohl ihm sein Herz fast zerspringen
wollte vor Schmerz: »In alten Zeiten, als ich versuchte, hier auf Borg
Arbeiter zu werden, schenkte mir die Frau Majorin ein Haus, in dem ich
wohnen könnte, und das besitze ich noch. Diesen Herbst habe ich dort
alles instand gesetzt; Löwenberg hat mir geholfen, wir haben die Decken
gemalt und die Wände tapeziert. Das hintere kleine Zimmer nennt
Löwenberg das Boudoir der Gräfin, und er hat ringsumher bei den Bauern
nach Möbeln gesucht, die sie auf Auktionen auf Herrenhöfen gekauft
haben. Die hat er ihnen abgehandelt, und nun sind da hochlehnige Stühle
und Truhen mit blankem Beschlag. In dem vordersten großen Zimmer aber
steht der Webstuhl der jungen Frau und meine Drechselbank. Dort haben
wir auch unser Hausgerät und andere Sachen, und dort haben Löwenberg und
ich schon manchen Abend gesessen und darüber geredet, wie die junge
Gräfin und ich im Tagelöhnerhäuschen leben werden. Meine Frau erfährt
dies aber alles erst jetzt, Frau Majorin! Wir wollten es ihr erzählen,
wenn wir Ekeby verließen.«
»Fahre fort, Gösta!«
»Löwenberg sprach stets davon, wie notwendig es für uns sein würde, ein
Mädchen zu haben. 'Im Sommer ist es hier herrlich,' sagte er, 'aber im
Winter wird es zu einsam für die junge Frau. Du mußt ein Mädchen halten,
Gösta.' Und ich fand wohl, daß er recht hatte, aber ich wußte nicht,
woher ich die Mittel nehmen sollte. Da kam er eines Tages mit seinem
Tisch herbeigeschleppt, auf den die Tasten gemalt sind. 'Es wird wohl
noch so kommen, Löwenberg, daß du unser Mädchen wirst', sagte ich. Er
meinte, wir würden seiner schon bedürfen, ob ich vielleicht wolle, daß
die junge Gräfin Essen kochen und Wasser und Holz tragen solle? Nein,
ich hatte gemeint, sie solle nicht das Allergeringste tun, solange ich
ein Paar Hände hätte, mit denen ich arbeiten könne. Aber er meinte doch,
es würde wohl das beste sein, wenn wir unser zweie wären, dann könnte
sie den ganzen Tag in der Ofenecke sitzen und sticken. Ich hätte keinen
Begriff davon, wieviel Bedienung ein so kleines weibliches Wesen
erfordere, sagte er.«
»Fahre fort«, sagte die Majorin. »Das lindert meine Schmerzen. Glaubtest
du, daß deine junge Gräfin in einem Tagelöhnerhause wohnen würde?«
Er wunderte sich über ihren höhnischen Ton, fuhr aber fort: »Ach, Frau
Majorin, ich wagte es nicht zu glauben, aber es wäre so schön gewesen,
wenn sie es gewollt hätte. Es sind ja von hier fünf Meilen bis zu dem
nächsten Arzt. Sie, die eine so leichte Hand und ein so liebevolles Herz
hat, würde Arbeit genug finden durch Verbinden von Wunden und Stillen
des Fiebers. Und ich dachte, alle Betrübten würden den Weg finden zu der
feinen Frau in dem Tagelöhnerhaus. Es ist so viel Elend unter den Armen,
dem gute Worte und eine freundliche Gesinnung abzuhelfen vermögen.«
»Aber du selber, Gösta Berling?«
»Ich habe meine Arbeit an der Hobel- und Drechselbank, Frau Majorin. Ich
muß fortan mein eigenes Leben leben. Will meine Frau nicht mit mir
gehen, so muß ich es geschehen lassen. Wenn man mir jetzt auch alle
Reichtümer der Welt böte, würde mich das nicht verlocken; ich will mein
eigenes Leben leben. Ich will fortan ein armer Mann unter den Bauern
sein und ihnen helfen, soweit es in meinen Kräften steht. Sie brauchen
einen, der ihnen bei Hochzeiten und beim Weihnachtsschmaus aufspielt,
einen, der Briefe an die Söhne in der Fremde schreiben kann -- und das
kann ich alles tun. Aber arm muß ich sein, Frau Majorin.«
»Das wird ein trauriges Leben für euch, Gösta!«
»Ach nein, Frau Majorin, das würde es nicht, wenn wir nur zwei wären,
die zusammenhalten. Die Reichen und Fröhlichen würden ebensogut zu uns
kommen wie die Armen. Wir würden Frohsinn genug in unserm Häuschen
haben. Die Gäste würden sich nicht daran stoßen, daß das Essen vor ihren
Augen bereitet würde, es würde sie nicht beleidigen, daß sie zu zweien
von einem Teller speisen müßten.«
»Und welchen Nutzen würdest du mit alledem stiften, Gösta? Welche Ehre
würdest du erringen?«
»Es würde mir Ehre genug sein, Frau Majorin, wenn die Armen sich ein
paar Jahre nach meinem Tode meiner noch erinnerten. Ich würde Nutzen
genug gestiftet haben, wenn ich bei jedem Hause ein paar Apfelbäume
gepflanzt, wenn ich dem Spielmann ein paar von den Melodien der alten
Meister gelehrt hätte, wenn der Hirtenbube auf dem Waldpfade einige
schöne Lieder singen könnte. -- Die Frau Majorin können mir glauben, ich
bin noch derselbe tolle Gösta Berling wie in alten Zeiten. Ein
Bauernspielmann, das ist alles, was ich werden kann; aber das ist genug.
Ich habe viel wieder gutzumachen, aber das Weinen und die Reue sind
nichts für mich. Ich will den Armen Freude bereiten, das ist meine
Buße!«
»Gösta,« sagte die Majorin, »ein solches Leben ist zu gering für einen
Mann mit deinen Gaben. Ich will dir Ekeby geben.«
»Ach, Frau Majorin!« rief er entsetzt aus; »machen Sie mich nicht reich!
Belasten Sie mich nicht mit solchen Pflichten! Scheiden Sie mich nicht
von den Armen!«
»Ich will dir und den Kavalieren Ekeby geben«, wiederholte die Majorin.
»Du bist ja ein vorzüglicher Mensch und vom Volke gesegnet. Ich sage wie
meine Mutter: Fortan kannst du diese Arbeit übernehmen.«
»Nein, Frau Majorin, das können wir nicht annehmen, wir, die wir Sie so
verkannt und Ihnen so viel Kummer bereitet haben!«
»Ich will Euch Ekeby geben! Hörst du es nicht?« Sie sprach hart und
scharf ohne alle Freundlichkeit.
Eine entsetzliche Angst überkam ihn.
»Führen Sie die Alten nicht in eine solche Versuchung, Frau Majorin; das
würde sie ja wieder zu leichtsinnigen Zechbrüdern machen. Reiche
Kavaliere! Gott im Himmel! Was sollte wohl aus uns werden?«
»Ich will dir Ekeby geben, Gösta, dafür sollst du mir aber geloben,
deiner Frau die Freiheit zu schenken. So eine feine, kleine Dame paßt
nicht für dich. Sie hat zuviel gelitten hier im Bärenlande; sie sehnt
sich zurück in ihre lichte Heimat. Du sollst sie reisen lassen. Deshalb
gebe ich dir Ekeby.«
Jetzt aber kniete Gräfin Elisabeth am Lager der Majorin nieder. »Ich
sehne mich nicht mehr fort, Frau Majorin. Er, der mein Gatte ist, hat
das Rätsel gelöst und das Leben gefunden, das ich leben kann. Ich
brauche nicht kalt und streng an seiner Seite zu gehen und ihn an Reue
und Buße zu mahnen. Armut und Not und strenge Arbeit werden das schon
zur Genüge tun. Die Wege, die zu den Armen und Kranken führen, kann ich
ohne Sünde wandeln. Ich fürchte mich nicht mehr vor dem Leben hier oben
im Norden. Machen Sie ihn aber nicht reich, Frau Majorin, denn dann kann
ich nicht bei ihm bleiben.«
Die Majorin richtete sich im Bette auf. »Alles Glück verlangt Ihr für
Euch«, rief sie und drohte mit der geballten Faust, »alles Glück und
allen Segen. Nein, die Kavaliere sollen Ekeby haben, damit sie zugrunde
gehen. Mann und Weib sollen voneinander getrennt werden, damit sie
zugrunde gehen. Eine Hexe, eine Zauberin bin ich, und ich will Euch zu
allem Bösen anstacheln. So wie mein Ruf ist, so will ich auch sein!«
Sie nahm den Brief und schleuderte ihn Gösta ins Gesicht. Das schwarze
Papier flatterte zur Erde. Gösta kannte es sehr wohl.
»Du hast dich gegen mich versündigt, Gösta. Du hast die verkannt, die
dir eine zweite Mutter gewesen ist. Wagst du es, dich zu weigern, deine
Strafe aus meiner Hand hinzunehmen? Du sollst Ekeby annehmen, und es
soll dein Verderben werden, denn du bist schwach. Du sollst deine Frau
nach Hause senden, daß du niemand hast, der dich erretten kann. Du
sollst mit einem Namen sterben, der ebenso verhaßt ist wie der meine.
Von Margarete Celsing wird es nach ihrem Tode heißen, daß sie eine Hexe,
eine Zauberin war, von dir soll es heißen: er war ein Verschwender, ein
Bauernschinder!«
Sie sank in ihre Kissen zurück, und alles ward still. Da erklang durch
die Stille der Nacht ein dumpfer Schlag, dann folgte ein zweiter und ein
dritter. Der Stangeneisenhammer hatte sein dröhnendes Werk begonnen.
»Horch!« sagte Gösta Berling. »So klingt Margarete Celsings Nachruhm!
Das sind nicht die Scherze betrunkener Kavaliere. Es ist die Siegeshymne
der Arbeit, die zu Ehren einer alten, treuen Arbeiterin angestimmt wird.
Dank! sagt sie, Dank für gute Arbeit, Dank für das Brot, das du den
Armen gegeben, Dank für die Wege, die du gebahnt, Dank für die
Wohnungen, die du gebaut, Dank für die Freude, der du deine Säle
geöffnet hast! -- Dank, sagt sie, ruhe in Frieden, dein Werk soll leben
und bestehen. Dein Heim soll stets eine Freistätte für die
glückbringende Arbeit sein! -- Dank! sagt sie, und verurteile uns nicht,
die wir geirrt haben Du, die du jetzt die Reise in das Heim des Friedens
antrittst, gedenke unser, die wir noch leben, mit milden Gedanken.«
Gösta schwieg. Der Hammer aber fuhr fort zu reden. Alle Stimmen, die gut
und liebevoll mit der Majorin geredet hatten, vermischten sich mit dem
Hammerklang. Nach und nach wich die Spannung aus ihren Zügen; sie
erschlafften, und es war, als breite der Tod seine Schatten über sie
aus.
Anna Lisa trat ein und meldete, daß die Herren aus Högfors da seien.
Die Majorin schickte sie fort; sie wollte kein Testament machen.
»Gösta Berling, du Mann der Tat, so hast du also noch einmal gesiegt.
Neige dich zu mir herab, damit ich dich segnen kann.«
Das Fieber kehrte mit verdoppelter Gewalt zurück. Der Todeskampf begann.
Der Körper hatte noch schwere Leiden durchzukämpfen, die Seele aber
wußte gar bald nichts mehr davon. Sie begann in die Himmel zu schauen,
die sich den Sterbenden öffnen.
So verging eine Stunde, dann war der schwere Todeskampf beendet. Da lag
sie so friedlich und schön, daß die Umstehenden tiefbewegt waren.
»Meine liebe alte Majorin,« sagte Gösta Berling, »so habe ich dich schon
einmal gesehen. Jetzt ist Margarete Celsing wieder ins Leben
zurückgekehrt. Jetzt soll sie der Majorin von Ekeby nie wieder weichen.«
* * * * *
Als die Kavaliere aus der Schmiede zurückkehrten, vernahmen sie die
Kunde vom Tode der Majorin.
»Hörte sie den Hammer?« fragten sie. Den hat sie gehört, und damit
mußten sie sich begnügen.
Sie erfuhren später, daß sie die Absicht gehabt hatte, ihnen Ekeby zu
vermachen, daß aber das Testament niemals geschrieben wurde. Das
betrachteten sie als große Ehre und taten sich bis an ihr Lebensende
etwas darauf zugute. Niemand aber hörte sie jemals über die Reichtümer
klagen, die ihnen verloren gegangen waren.
Man erzählt auch, daß Gösta Berling in dieser Christnacht an der Seite
seiner jungen Gattin stand und seine letzte Rede an die Kavaliere hielt.
Er war betrübt über ihr Schicksal, da sie nun alle aus Ekeby fort
mußten. Die Gebrechen des Alters harrten ihrer. Wer alt und griesgrämig
ist, dem wird nur ein kühler Empfang zuteil, wohin er auch kommen mag.
Der arme Kavalier, der sich bei Bauern in Kost geben muß, hat keine
frohen Tage: von Freunden und Abenteuern getrennt, welkt er in
Einsamkeit dahin.
So sprach er zu ihnen, den Sorglosen, die der Wechsel des Glückes
abgehärtet hatte. Noch einmal nannte er sie alte Götter und
Rittersleute, die gekommen waren, um Freude einzuführen in das Eisenland
und in die eiserne Zeit. Aber er klagte, daß der Garten, in dem die
schmetterlingbeschwingte Freude schwärmt, von den zerstörenden Larven
heimgesucht werde, so daß ihre Früchte zugrunde gehen.
Wohl wisse er, daß die Freude ein kostbares Gut sei für die Kinder
dieser Erde und daß sie unentbehrlich wäre. Aber gleich einem schweren
Rätsel laste stets die Frage auf der Welt, wie der Mensch gut und
glücklich zugleich sein könne. Das sei das Leichteste und zugleich das
Schwerste in der Welt, sagte er. Auch sie hätten dies Rätsel bisher
nicht lösen können. Jetzt aber glaubte er, daß sie es gelernt hätten,
die Lösung zu finden, daß sie alle es gelernt hätten in diesem Jahre der
Freude und der Not, des Glückes und der Sorgen!
* * * * *
Ach, ihr guten Herren Kavaliere, auch für mich liegt die Bitterkeit des
Abschiedes über diesem Augenblick! Es ist die letzte Nacht, die wir
zusammen durchwacht haben. Ich soll das muntere Lachen und die
fröhlichen Lieder nicht mehr hören. Ich soll mich jetzt von Euch
trennen und von all den anderen fröhlichen Menschen an den Ufern des
Löfsees.
Ihr lieben Alten! Ihr habt mir in früheren Zeiten gute Gaben gespendet.
Ihr kommt zu den Einsamwohnenden mit der Botschaft von den reichen
Wechselfällen des Lebens. Ich sah euch mächtige Ragnarok-Kämpfe
ausfechten an den Ufern des Sees meiner Kindheit. Was aber habe ich euch
gegeben?
Vielleicht wird es euch doch freuen, daß eure Namen zusammen mit denen
der lieben Besitztümer genannt werden. Möchte all der Glanz, der über
euer Leben ausgegossen war, auf die Gegend zurückfallen, wo ihr gelebt
habt! Noch steht Borg, noch steht Björne, noch liegt Ekeby am Löfsee,
herrlich umkränzt von Gießbach und See, von Park und lächelnden
Waldwiesen, und wenn man auf den breiten Altanen steht, umschwärmen
einen die Sagen wie die Bienen des Sommers.
Aber da wir doch von Bienen sprechen, so laßt mich noch eine kleine
Geschichte erzählen. Der kleine Ruster, der als Trommelschläger an der
Spitze der schwedischen Armee einherging, als sie im Jahre 1813 in
Deutschland einrückte, konnte seither nie müde werden, von dem
wunderlichen Land dort im Süden zu erzählen. Die Menschen seien so groß
wie Kirchtürme, die Schwalben so groß wie Adler, die Bienen wie Gänse.
»Aber dann die Bienenkörbe?«
»Die Bienenkörbe waren wie gewöhnliche Bienenkörbe.«
»Wie konnten denn die Bienen da hineinkommen?«
»Ja, das war ihre Sache«, antwortete dann der kleine Ruster.
Lieber Leser, darf ich nicht dasselbe sagen? Hier haben uns nun die
Riesenbienen der Phantasie seit Jahr und Tag umschwärmt, aber wie sie
in den Bienenkorb der Wirklichkeit hineinkommen sollen -- ja, das muß
wahrlich ihre Sache sein.
_Inhalt_
_Einleitung_ 1
Der Pfarrer 2
Der Bettler 13
_Gösta Berlings Sage._
Die Landschaft 32
Die Christnacht 37
Das Weihnachtsfestmahl 54
Gösta Berling, der Poet 68
=La cachucha= 85
Der Ball auf Ekeby 90
Die alten Gefährten 114
Der große Bär auf dem Gurlita-Berge 134
Die Auktion auf Björne 153
Die junge Gräfin 188
Gespenstergeschichten 219
Ebba Dohnas Geschichte 235
Mamsell Marie 262
Vetter Kristoffer 275
Lebenswege 282
Buße 301
Das Ekebyer Eisen 315
Liliencronas Heimat 332
Die Hexe vom Hochgebirge 339
Hochsommer 346
Frau Musika 352
Der Pfarrer von Broby 362
Patron Julius 370
Die tönernen Heiligen 379
Gottes Gesandter 389
Der Kirchhof 406
Alte Lieder 412
Der Tod, der Befreier 426
Die Dürre 437
Des Kindes Mutter 454
=Amor vincit omnia= 466
Das Mädchen aus Nygaard 474
Kevenhüller 494
Der Markt zu Broby 511
Der Schatz des Pfarrers von Broby 522
Margarete Celsing 548
Ins Deutsche übertragen
von Mathilde Mann
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Druck der Spamerschen
Buchdruckerei zu Leipzig
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Anmerkungen zur Transkription:
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Formatierung:
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