XIII.

Das Gefallen an der Natur und ihren Schöpfungen machte Leonardo auch

zum ~Botaniker~. Aber wie er die Natur mehr ~sezirend~ betrachtete, so

ist er eher ein ~Pflanzenanatom~ zu nennen. In seinem Werk über Malerei

(Manzi, Roma) finden wir im 6. Kap. gleichsam eine Pflanzenphysiologie.

Er bringt Beobachtungen über die Form, Vertheilung und Symmetrie

der Blätter und Zweige, die Konstruktion in der Rinde und im Holze.

Diese und andere zahlreiche Mittheilungen Leonardo’s über Botanik

hat ~Gustavo Uzielli~ bereits gesammelt und 1869 veröffentlicht im

Nuovo Giornale Botanico Italiano unter dem Titel: ~Sopra alcune

osservazioni Botaniche di Leonardo da Vinci~. Uzielli vindizirt dem

Leonardo die Begründung der Wissenschaft von der Konstruktion und

Gruppirung der Blätter (Fillotani), welche bisher dem Engländer

Brown (1658) zugeschrieben wurde. -- Auch andere Manuskripte, zumal

der Codex Atlanticus, enthalten Beiträge für diese Seite der Botanik.

Leonardo sucht auch die Art der Ernährung der Pflanzen darzulegen. Er

erklärt, daß die Pflanzen, welche an Orten stehen, wo viel Feuchtigkeit

und Nahrung vorhanden ist, mehr Rinde ansetzen, als an solchen, wo

diese Nahrung fehlt oder spärlich ist. Die Bildung der Jahresringe

und ihre verschiedene Dicke führt er zurück auf die größere oder

geringere Feuchtigkeit des Jahres und findet einen Unterschied in dem

Abstande des Zentrums von der nördlichen Seite der Borke gegenüber

der südlichen, indem er diesen Abstand für ersten Fall größer nennt.

Alle diese Beobachtungen wurden erst in späterer Zeit wieder gemacht

und veröffentlicht. Nach Dioscorides gab es nur wenige griechische

und römische Gelehrte, welche sich mit der Botanik befaßten. Gonza

(1430) gab die Werke des Theophrast heraus mit vielen Zufügungen;

später kamen Barbarus und Virgilius, Leonicenus und Brassavola und

Mathioli (1501-77) -- alle Kommentatoren des Dioscorides. Das letztere

Werk wurde für Italien ein Abschluß. Später traten die Schriften

von Costaeus, Porta, Caesalpinus und Colonna auf. Letzterer gab

(1592-1616) eine Arbeit mit Kupferstichen von Blüthen und Früchten. In

Deutschland kamen die illustrirten Arbeiten von Fuchs (1542), Cordus

(1561), Gesner (1565) dazu, in den Niederlanden Dodonaeus und Lobel

und Clusius, in Frankreich Champier, Ruellius (1536), Delechamp, in

Spanien Nebrija, Laguna (1543), Herrera (1513), in Portugal Garcia

d’Orta, Acosta, Fraposo, in England Ascham (1520), Turner u. s. w. Alle

diese Gelehrten lebten später als Leonardo (nur wenige waren kurze Zeit

„~Zeitgenossen~“ desselben), und eine ernste Betrachtung, wie Leonardo

sie gibt, ist selbst in diesen Werken nicht überall zu finden.

Interessant ist Leonardo’s Versuch des ~Selbstdrucks~ der Blätter. Im

Codex Atlanticus befindet sich ein solcher Abdruck eines Salbeiblattes

mit folgender Bemerkung: Questa carta si dette tingere di fumo di

candella temporato con colla dolce, e poi imbrattare sottilmente

la foglie di biacca a olio, come si fa alle lettere in istampa, e

poi stampire nel modo comune, e cosi tal foglia parrà nombrata ne’

cavi e alluminata nelli rilievi, il che interviene qui il contrario.

Bekanntlich hat Auer in unseren Zeiten diese Kunst ausgebildet und also

erneut. --

Leonardo da Vinci als Ingenieur und Philosoph Ein Beitrag zur Geschichte der Technik und der induktiven Wissenschaften · 第 33 / 36 题