neuestes Buch. Aber als wir nur wenige Abschnitte gelesen, da konnten
wir mit Freude feststellen, +daß diesmal der Meister sich selbst
übertroffen+....“
Nationalzeitung.
Fortsetzung auf Seite 3 des Umschlags.
Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig.
Altgermanische
Religionsgeschichte
Von Dr. Richard M. Meyer
a. o. Professor an der Universität Berlin
665 S. Brosch. M. 16.-- In Originalleinenband M. 17.--
Das Werk gibt zunächst eine vollständige Darstellung der altgermanischen
Religion oder besser gesagt, der altgermanischen Religionen und
versucht auf dieser Grundlage eine Entwickelungsgeschichte der
germanischen Mythologie von den frühesten Spuren bis zum Uebergang in
das Christentum. Durchweg ist dabei der Standpunkt der +vergleichenden+
Mythologie (im neueren Sinne des Wortes) eingehalten, der in zwei
einleitenden Kapiteln über typische Entwicklung der Mythologie und über
mythologische Formenlehre eingehend begründet wird. Daneben wird der
Einwirkung der Heldensage auf die Mythologie besondere Aufmerksamkeit
gewidmet. Durch die Vereinigung dieser verschiedenen Gesichtspunkte
ergeben sich eine Fülle neuer Probleme und neuer Erkenntnis,
wodurch das Werk einen höchst wertvollen Beitrag zur Wissenschaft
vom deutschen Geist und seiner Geschichte bildet, um so mehr, als
Verfasser allen auftauchenden, historischen, kulturgeschichtlichen,
allgemein-religionsgeschichtlichen und literarhistorischen Fragen
besondere Beachtung geschenkt hat.
In der Darstellung ist größte Gemeinverständlichkeit angestrebt.
Alle speziellen wissenschaftlichen Erörterungen sind in Anmerkungen
verwiesen. Ein ausführliches Inhaltsverzeichnis, eine chronologische
Tabelle und mehrere Register erhöhen die Benutzbarkeit des Buches.
Prospekte unentgeltlich und postfrei
[Illustration] Naturwissenschaftliche Bibliothek [Illustration]
=Das Süßwasser-Aquarium.= Von +C. Heller+.
„Dieses Buch ist nicht nur ein +unentbehrlicher Ratgeber+ für jeden
Aquarienfreund, sondern es macht vor allen Dingen seinen Leser mit
den interessanten Vorgängen aus dem Leben im Wasser bekannt ...“
Bayersche Lehrerzeitung.
=Reptilien- und Amphibienpflege.= Von ~Dr.~ +P. Krefft+.
„Die einheimischen, für den Anfänger zunächst in Betracht kommenden
Arten sind +vorzüglich geschildert+ in bezug auf Lebensgewohnheiten
und Pflegebedürfnisse, -- die fremdländischen Terrarientiere nehmen
einen sehr breiten Raum ein.“
O. Kr. Pädagogische Reform.
=Die Ameisen.= Von +H. Viehmeyer+.
„Viehmeyer ist allen Ameisenfreunden als +bester Kenner+ bekannt. Von
seinen Bildern kann man sagen, daß sie vom ersten bis zum letzten
Wort +der Natur geradezu abgeschrieben+ sind.“
Thüringer Schulblatt.
=Die Schmarotzer= der Menschen und Tiere. Von ~Dr.~ +v. Linstow+.
„Es ist eine unappetitliche Gesellschaft, die hier in Wort und Bild
vor dem Leser aufmarschiert. Aber gerade jene Parasiten, die unserer
Existenz abträglich sind, gerade sie verdienen, von ihm nach Form und
Wesen gekannt zu sein, weil damit der erste wirksame Schritt zu ihrer
Bekämpfung eingeleitet ist.“
K. Süddeutsche Apotheker-Zeitung.
=Unsere Wasserinsekten.= Von +Georg Ulmer+.
Für Freunde des Wassers, für Liebhaber von Aquarien ist dies Buch
geschrieben. Es bietet +eine Fülle von Anregungen+ und wird den Leser
veranlassen, selbst hinauszuziehen in die Natur, sie mit eigenen
Augen zu betrachten.
=Die mikroskopische Kleinwelt unserer Gewässer.= Eine Einführung in die
Naturgeschichte der einfachsten Lebensformen nebst kurzer Anleitung zu
deren Studium. Von +E. Reukauf+.
„Nur wenige haben eine Ahnung von dem ungeheuren Formenreichtum und
eine auch nur annähernd richtige Vorstellung von dem Wesen jener
Mikroorganismen, die unsere Gewässer bevölkern. Als ein Schlüssel
hierzu wird das vorliegende Bändchen +vorzüglich geeignet+ sein....“
Deutsche Zeitung.
=Aus der Vorgeschichte der Pflanzenwelt.= Von ~Dr.~ +W. Gothan+.
An einer solchen allgemeinverständlichen Einführung in die Geschichte
der Pflanzenwelt fehlte es bisher. Der Verfasser bespricht zunächst
die geologischen Grundbegriffe, geht dann auf die Art der Erhaltung
der fossilen Pflanzenreihe ein und schildert die Vorgeschichte der
großen wichtigsten Gruppen des Pflanzenreiches der Jetzt- und Vorzeit.
[Illustration] Naturwissenschaftliche Bibliothek [Illustration]
=Niedere Pflanzen.= Von Prof. ~Dr.~ +R. Timm+.
„In dieser Weise führt das kleine Büchlein den Leser +in die gesamte
Welt+ der so mannigfachen Kryptogamen ein und lehrt ihn, sie
verständnisvoll zu beobachten.“
Naturwissenschaftliche Rundschau.
=Häusliche Blumenpflege.= Von +Paul+ F. F. +Schulz+.
„Der Stoff ist mit großer +Übersichtlichkeit+ gruppiert, und der
Text ist so +faßlich+ und +klar+ gehalten, außerdem durch eine Fülle
von Illustrationen unterstützt, daß auch der Laie sich mühelos
zurechtfinden kann. ... Dem Verfasser gebührt für seine reiche,
anmutige Gabe Dank.“
Pädagogische Studien.
=Chemisches Experimentierbuch.= Von +O. Hahn+.
Das Buch will jedem, der Lust zum chemischen Experimentieren hat, mit
einfachen Apparaten und geringen Mitteln eine Anleitung sein, für
sich selbst im Hause die richtigsten Experimente auszuführen.
=Die Photographie.= Von +W. Zimmermann+.
„Das Buch behandelt die theoretischen und praktischen Grundlagen der
Photographie und bildet ein +Lehrbuch bester Art+. Durch die populäre
Fassung eignet es sich ganz besonders für den Anfänger.“
„Apollo“, Zentralorgan f. Amateur- u. Fachphotogr.
=Beleuchtung und Heizung.= Von +J. F. Herding+.
„Ich möchte gerade diesem Buche, seiner +praktischen, ökonomischen
Bedeutung+ wegen, eine weite Verbreitung wünschen. Hier liegt, vor
allem im Kleinbetrieb, noch vieles sehr im argen.“
Frankfurter Zeitung.
=Kraftmaschinen.= Von Ingenieur +Charles Schütze+.
„Schützes Kraftmaschinen sollten deshalb in +keiner
Schülerbibliothek+, weder an höheren noch an Volksschulen, +fehlen+.
Das Büchlein gibt aber auch dem Lehrer Gelegenheit, seine technischen
Kenntnisse schnell und leicht zu erweitern.“
Monatsschrift für höhere Schulen.
=Signale in Krieg und Frieden.= Von ~Dr.~ +Fritz Ulmer+.
„Ein interessantes Büchlein, welches vor uns liegt. Es behandelt das
Signalwesen von den ersten Anfängen im Altertume und den Naturvölkern
bis zur jetzigen Vollkommenheit im Land- und Seeverkehr.“
Deutsche Lehrerzeitung.
=Seelotsen-, Leucht- und Rettungswesen.= Ein Beitrag zur Charakteristik
der Nordsee u. Niederelbe. Von ~Dr.~ +F. Dannmeyer+.
„Mit über 100 guten Bildern interessantester Art, mit Zeichnungen
und zwei Karten versehen, führt das Buch uns das +Schiffahrtsleben+
in anschaulicher, fesselnder Form vor Augen, wie es sich täglich an
unseren Flußmündungen abspielt.“
Allgemeine Schiffahrts-Zeitung.
[Illustration] Ausführliche Prospekte
unentgeltlich und postfrei [Illustration]
~Schönste Festgeschenke~
~aus dem Verlage von Quelle & Meyer, Leipzig~
Der Sinn und Wert des Lebens
für den Menschen der Gegenwart. Von Geheimrat +R. Eucken+.
3. völlig umgearbeitete Auflage. 13. und 14. Tausend. 192 Seiten.
In Originalleinenband M. =3.60=
Die bildende Kunst der Gegenwart
Von Hofrat ~Dr.~ +J. Strzygowski+. 235 S. mit zahlreichen Abbildungen.
In Originalleinenband M. =4.80=
Geschichte der Römischen Kaiser
Von Geheimrat Professor ~Dr.~ +A. v. Domaszewski+. 2 Bände zu je 332 S.
mit 12 Porträts auf Tafeln in künstlerischer Ausführung u. 8 Karten. In
Originalleinenband je M. =9.--=, in Halbfranzband je M. =11.--=
Unsere religiösen Erzieher
Eine Geschichte des Christentums in Lebensbildern, herausgegeben von
Professor Lic. +B. Beß+. 2 Bände zu je 280 S. In Origbd. je M. =4.40=
Preußens Geschichte
von +Rudolf Herzog+. 384 S. mit 22 farb. und schwarzen Bildern von
Professor +Kampf+. Buchschmuck und Einbandzeichnung von Professor G.
Belwe. In Origb. M. =3.40=. Vorzugsausgabe auf Bütten M. =10.--=
Männer und Zeiten
Essays zur neueren Geschichte. Von Geheimrat Prof. ~Dr.~ +E. Marcks+.
2 Bände 640 S. 5. und 6. Tausend. In Originalleinenband M. =12.--=, in
Halbfranzband M. =16.--=
Große Denker
Eine Geschichte der Philosophie in Einzeldarstellungen. Herausgegeben
von Privatdozent ~Dr.~ +E. v. Aster+. 2 Bände zu je 320 S. mit 8
Porträts. In Originallbd. M. =16.--=, in Halbfrzbd. M. =20.--=
~Ausführliche Prospekte unentgeltlich und postfrei.~
Fußnoten:
[1] Nordische Form des deutschen Namens Nibelunge.
[2] Volsungar ist der im Norden gebräuchliche Geschlechtsname des
Sigurd und seiner Angehörigen.
[3] Ragnar wird verheiratet gedacht mit Aslaug, einer hinterlassenen
Tochter des Sigurd und der Brynhild.
[4] Da sein Verfasser im Grunde nur den gedruckt vorliegenden „Hürnen
Seifrid“ umschreibt, widerspricht das Auftauchen des Volksbuches im 18.
Jahrhundert nicht der S. 1 aufgestellten Behauptung, daß die direkte
volkstümliche Überlieferung im Dreißigjährigen Kriege erloschen ist.
[5] Die Beispiele sind entnommen aus „Die Edda“, übersetzt und
erläutert von Hugo Gering.
[6] Odin ist die nordische Form des Namens für denselben Gott, der in
Deutschland Wodan hieß.
[7] Wagner hat diesen Zug der Sage in der „Walküre“ benutzt, ihn aber
verschoben; bei ihm ist Siegfrieds Mutter an die Stelle der Signy
getreten.
[8] Wagner überträgt den Namen auf die Person seiner Dichtung, die
eigentlich die Figur des Siggeir fortsetzt.
[9] Man dachte sich die Gnitaheide auf dem halben Wege von Paderborn
nach Mainz gelegen, wo sie im 12. Jahrhundert ein wandernder Norweger,
Abt Nikolaus, wiedergefunden zu haben glaubte.
[10] Daß Sigurds Schwert dasselbe ist, das sein Vater geführt hat,
behauptet erst die Volsungasaga; die Lieder-Edda weiß noch nichts davon.
[11] Nach späterer nordischer Sage ist allerdings die Aslaug, die
Gattin des Ragnar Lodbrok, eine Frucht dieser frühern Bekanntschaft
Sigurds mit Brynhild. Übrigens nennt der Liedersammler die Brynhild bei
ihrer ersten Begegnung mit Sigurd „Sigrdrifa“, indem er einen Beinamen
(Spenderin des Sieges) als Namen auffaßt; vielleicht hat er dadurch
für die beiden Verlobungsgeschichten (vgl. S. 22) zwei verschiedene
Heldinnen schaffen wollen.
[12] Die ursprüngliche Fassung der Sage, daß Sigurd in untergeordneten
Verhältnissen aufgewachsen ist, blickt deutlich hindurch.
[13] Im Norden wird sein Volk nicht das hunnische genannt, wenigstens
nicht in den älteren Quellen; nach vereinzelten Andeutungen herrscht er
in Walland (Italien).
[14] Ihr Alter dürfen wir freilich nicht nachrechnen. Svanhild ist beim
Eintritt in die Erzählung ein junges Mädchen. Inzwischen sind aber
ihre Brüder aus der dritten Ehe ihrer Mutter bereits zu waffenfähigen
Männern herangewachsen. Gudruns zweite Ehe mit Atli, sowie die Zeit
ihrer Witwenschaft sind inzwischen vergangen, auch die Zeit der Ehe mit
Sigurd, die doch immerhin einige Jahre gewährt hat, ist vorüber. Wir
kommen also für Svanhild, wenn wir nachrechnen, auf ein ziemlich hohes
Alter, das zur Erzählung nicht stimmt. Wir dürfen in dieser Beziehung
nicht zu streng sein. Denn gerade diese Dinge, wie überhaupt jede
Chronologie, sind die schwächsten Punkte aller sagenmäßigen Tradition.
Alles dies verschwimmt in der Erinnerung der Menschen zu allererst;
sie werfen alles auf eine Fläche, sie sehen in der Erinnerung alles
nebeneinander, kein Vor- und kein Hintereinander mehr; Personen, die
in Wirklichkeit durch hundert Jahre getrennt waren, können leicht als
Zeitgenossen erscheinen. Es war für die einfachen Leute, welche die
Überlieferung gepflegt haben, eben nicht möglich, solche Dinge zu
kontrollieren.
[15] Er gehört übrigens ursprünglich nur dem Texte ~C~ an, vergleiche
später S. 107.
[16] Den Namen des Vaters (Gibich, der in andern deutschen Dichtungen
wohlbekannt ist) hat das Nibelungenlied vergessen; erst der Text ~C~
nennt ihn im Anschluß an die „Klage“ mit einem offenbar willkürlich
herausgegriffenen Namen Dankrat.
[17] Woher sie mit ihr bekannt ist (die Geschichte spielt ja in der
Mädchenzeit der beiden), wird nicht erklärt.
[18] Etwa dem alten Herzogtum Nieder-Lothringen entsprechend. Eine
Residenz Santen (heute Xanten) hat erst der Text ~C~ aus der einmaligen
Erwähnung dieses Städtchens Str. 715 (Holtzmann) herausgesponnen, vgl.
Braune, Die Handschriftenverhältnisse des Nibelungenliedes, S. 178.
[19] Die Burgunden sitzen nach der Sage in einer Gegend, die zur Zeit
der vollendeten Dichtung den Franken gehört; sie fallen infolgedessen
in der Auffassung des Dichters und seiner Zuhörer mit diesen zusammen.
[20] Solche Feste werden in unserm Liede stets mit besonderer Liebe
behandelt. Unserm heutigen Geschmack sagen die Schilderungen von Festen
und dem dabei entwickelten Prunke, besonders was Kleidung anbetrifft,
wenig zu, und man hat deshalb die betreffenden Abschnitte gar für
unecht erklären wollen; sie sind jedoch nur leer an Sagengehalt.
Wir müssen uns in die damalige Zeit hineinversetzen, um diese
Schneiderszenen, wie man sie genannt hat, zu würdigen. Man erwartete
im Mittelalter von der erzählenden Dichtung nicht nur Anregungen
innerlichen, sondern auch solche äußerlichen Charakters, als da sind
Berichte über neue oder absonderliche Moden oder Gebräuche.
[21] Die Schilderung dieser Jagd im 16. Gesange unseres Liedes ist
in gewisser dichterischer Beziehung vielleicht sein Höhepunkt. Der
Verfasser weiß auf das genaueste Bescheid von allem, was bei einer Jagd
jener Zeit vorkommt, und versetzt sich und seine Zuhörer so lebhaft
in die richtige Wald- und Jagdstimmung, daß man diesen Gesang nur mit
großem Genusse lesen kann.
[22] Seltsamerweise wird vorausgesetzt, daß Siegfried für den
Scheinfeldzug vor einigen Tagen und für die Jagd ein und denselben Rock
trägt.
[23] Unter diesem Namen verstehen die Deutschen späterhin immer Ofen
(Budapest); ob das Nibelungenlied schon diese Stadt meint, bleibt
zweifelhaft: Ungarns alte Hauptstadt ist Gran (noch heute Sitz des
Primas); erst nach seiner Zerstörung durch die Mongolen 1241 trat Ofen
an seine Stelle.
[24] Diese einfachen Boten sind sicher eine aus einer ältern
Erzählungsschicht stehengebliebene Altertümlichkeit; der ritterliche
Dichter würde vornehmere Herren zu diesem Zwecke bemüht haben.
[25] Dieser Held, der keiner andern Quelle unserer Sage bekannt ist,
spielt von jetzt an eine Schritt für Schritt wachsende Rolle, und
zwar tritt er immer an Stellen hervor, die eine Neuerung in der Sage
bedeuten.
[26] Die Dichter des Mittelalters vermögen ihren Werken kein andres
Kolorit als das ihrer eigenen Zeit zu geben.
[27] Die „Vorrede“ des Heldenbuches, vgl. später S. 118.
[28] Der Kampf im Saale beginnt also auch hier mit Ortliebs Tode, doch
ist der Umstand, daß Kriemhilt diesen mit Absicht herbeiführt, um Etzel
zur Rache zu entflammen, als zu grauenerregend abgeschwächt.
[29] Irnfrid von Thüringen ist der historische letzte König der
Thüringe Ermanfrid, der um 530 von den Franken besiegt und vertrieben
(später auch getötet) wurde; die letzten seiner Familie flohen zum
oströmischen Kaiser, den unsere deutsche Sage in älterer Zeit immer
durch den ihr geläufigen Hunnenkönig Attila ersetzt.
[30] Amelunge (Amaler) ist ursprünglich der Name des Königshauses der
Ostgoten; er wird (was auch anderwärts nicht selten vorkommt, z. B.
Kärlinge = Franken) so häufig für „Goten“, den Namen des beherrschten
Volkes, gebraucht, daß die hochdeutsche Überlieferung diesen ganz
vergessen hat.
[31] Im dritten Gudrunliede, das einen Einzelzug behandelt, der nicht
einmal sagenecht ist, wird er erwähnt.
[32] Das Volk der Bayern begegnet uns zuerst um die Mitte des 6.
Jahrhunderts unter einheimischen, von den fränkischen Königen
abhängigen Fürsten; das ihnen gehörige Land war kurz vorher noch
ein Teil des Gotenreiches. Als die Oströmer dies eroberten, drangen
sie nicht bis über die Alpen vor; es scheint daher, daß sich die
zwischen Donau und Alpen übrig gebliebenen Goten mit Resten anderer
Germanenstämme zu einem neuen Volke unter dem Namen „Bayern“
(~Baiuuarii~) zusammengeschlossen haben. Wenigstens betrachten die
Bayern noch später sich als identisch mit den Amelungen (Goten) und
also den Dietrich als ihres Stammes.
[33] Auch hier ist Etzel sagenhafter Vertreter des oströmischen Kaisers
(Zeno, der den Theodorich 489 gegen Odoaker schickte).
[34] Eine Namenverschiebung: da derjenige, der in der Lieder-Edda
Regin heißt, hier bereits (auf Grund deutscher Sage) Mimir benannt
ist, überträgt der Sagaschreiber jenen Namen auf den Drachen (der in
nordischer Sage Fafnir heißt und Regins Bruder ist).
[35] Schwert und Roß führen hier die aus der Lieder-Edda bekannten
Namen Gram und Grani; jenes entspricht dem deutschen Balmung, dies wird
in Deutschland nicht mit Namen genannt.
[36] Dieser gilt in der Saga als Bruder der Burgundenkönige; ein
Zugeständnis an die nordische Sagenform der Lieder-Edda.
[37] Der also hier als vierter die Stelle Dankwarts im Nibelungenliede
einnimmt; Dietrichs Mitgehen ist halbwegs begründet, das Dankwarts aber
nicht; liegt hier vielleicht eine dunkle Beziehung zwischen den beiden
Überlieferungen vor?
[38] Davon war bisher nichts erzählt; die Saga ist hier mit sich selbst
nicht einig. Ihre einzelnen Teile stammen aus verschiedenen Quellen und
sind nicht durchweg ineinander gearbeitet und miteinander ausgeglichen.
[39] Als persönliches Opfer ihrer Rache fällt hier Giselher; einer muß
durch ihre Hand umkommen, damit begründet ist, daß Dietrich (statt
Hiltebrands im Liede) sie tötet.
[40] Ich will nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß der
Personenname „Nibulung“ im Geschlechte der Arnulfinge einen ganz
besonderen Sinn gehabt haben kann: die Stifterin des Klosters Nivelles
(belgische Stadt südlich von Brüssel) ist die Heilige Gertrud (†
659), Tochter Pipins des Ältern; dies Nivelles ist also ein jenem
Geschlechte ganz besonders wertes Heiligtum; ist es danach nicht
denkbar, daß Söhne dieser Familie gelegentlich „Mann von Nivelles“, in
altfränkischer Sprachform „Nibulung“, benannt worden sind? Ist diese
Annahme richtig, so müssen natürlich die Nibelunge der Sage unbedingt
von diesen historischen Nibelungen hergeleitet werden. Ich wage nun
freilich für die Richtigkeit nicht einzustehen, muß aber behaupten, daß
diese Herleitung plausibler ist als die alte, die in den Nibelungen
„Nebelsöhne“, „Mächte der Finsternis“ erkennen wollte; sie ist ja schon
dadurch widerlegt, daß es mythische Nibelunge in der Sage ursprünglich
gar nicht gegeben hat.
[41] Daß dieser als Schwestersohn dem Oheim den Grund für sein
Verhalten gibt, ist ein höchst altertümlicher Zug, der die ältesten
germanischen (mutterrechtlichen) Verhältnisse widerspiegelt, vgl. ~Tac.
Germ. c. 20~: ~sororum filiis idem apud avunculum qui apud patrem
honor. quidam sanctiorem artioremque hunc nexum sanguinis arbitrantur~
(Schwestersöhne stehen beim Oheim in derselben Geltung wie beim Vater;
einige halten dies Blutsband sogar für heiliger und enger).
[42] Deshalb vermag ich, wenn ein elsässisches Kirchheim urkundlich
gelegentlich auch ~Tronia~ genannt wird, darin nichts altes zu sehen,
sondern höchstens den Versuch einer Lokalisierung des sagenhaften
Tronje.
[43] Wilhelm Jordan hat in seiner „Sigfridsage“ als Grund für
Siegfrieds Verhalten gegenüber Brünhilt angenommen, sie habe an
Siegfried das im Text angeführte Verlangen gestellt; damit hat Jordan
gewiß das sagenechte getroffen; eine Nachdichtung der durch die Ungunst
der Überlieferung zerpflückten alten Dichtung (und um eine solche
handelt es sich doch, unbeschadet aller Grundlagen) führt am sichersten
zu den alten Zusammenhängen.
[44] Wenigstens setzt der Skalde Bragi der Alte, der um das Jahr 900
gestorben ist, in seiner Ragnarsdrapa diese Verbindung bereits voraus.
[45] ~Pro mariti fraudulento discessu~; das hat man auch übersetzen
wollen: dafür, daß sie ihren Mann (nämlich Ermanarich) trügerisch
verlassen hatte; dann wäre die Übereinstimmung mit den Eddaliedern
nahezu vollkommen; allein der Zusammenhang bei Jordanes unterstützt
diese Übersetzung nicht.
[46] Man hat mit Recht daran erinnert, daß die an der mittlern Donau
sitzenden Heruler (nach Procopius von Caesarea) noch im Anfang des
6. Jahrhunderts mit ihren Stammesgenossen im südlichen Schweden in
lebhaftem Verkehr stehen.
[47] Pöchlarn (Bechelaren) wird in dieser Zeit tatsächlich der Sitz des
bayrischen Ostmarkgrafen gewesen sein.
[48] Da das Nibelungenlied gelegentlich den Tod Nudungs erwähnt, der
von Witig in der Ravennaschlacht getötet wurde, so muß es letztere
als vergangen annehmen; da nun ursprünglich gewiß diese Schlacht
zur Rückführung Dietrichs geführt hat, war nicht recht begreiflich,
warum er nach ihr noch an Etzels Hof lebt; das hat zur Annahme zweier
Feldzüge gegen Ermenrich (und seinen Nachfolger) geführt, deren erster
dann unglücklich verlaufen sein muß. Die „Klage“ läßt übrigens am
Schlusse Dietrich mit seiner Gattin und Hiltebrand in friedlicher Reise
nach Bern zurückkehren, nimmt also an, daß er seit der Ravennaschlacht
im Besitze seines Reiches ist. Daß der Verräter Sibich nach Ermenrich
in Italien geherrscht habe, behauptet nur die Thidrikssaga.
[49] D. h. als Buch erhaltenen; lückenhaft infolge Verlustes einzelner
Blätter kann eine solche vollständige Handschrift immerhin sein.
[50] Seit dem ersten Erscheinen dieses Buches hat sich das
handschriftliche Material, außer um Blätter bereits bekannter
Handschriften, noch um Reste von drei bisher unbekannten vermehrt:
~X~, ein Blatt aus der Klage, gefunden in Sterzing; ~Y~, ein Wiener
Blatt; ~Z~, ein in Dülmen gefundenes Blatt. Ich will nicht unerwähnt
lassen, daß mir scheint, als gehöre ~W~ zur Nibelungenhandschrift
~S~, ~X~ zur Nibelungenhandschrift ~U~. -- Die in der alphabetischen
Folge fehlenden Buchstaben sind verwendet wie folgt: ~P~ bezeichnete
früher ein Fragment, das sich als der gleichen Handschrift wie ~N~
entstammend erwiesen hat; ~T~ ist die Signatur der fragmentarisch
erhaltenen niederländischen Übersetzung aus dem 14. Jahrhundert; ~V~
ist (wegen Ähnlichkeit mit ~U~) nicht verwendet; ~c~ gilt für die
Zitate, die Lazius, ein Gelehrter des 16. Jahrhunderts, in seiner
Schrift ~De gentium aliquot migrationibus~ aus einer alten Handschrift
angebracht hat; ~e~ und ~f~ hatte man anfangs irrtümlich die jetzt mit
~L~ bezeichneten Fragmente benannt; ~m~ ist Inhaltsverzeichnis einer
verlorenen Handschrift.
[51] Vielleicht hat Wolfram von Eschenbach, der Parzival 420 f. sich
auf das Nibelungenlied bezieht, schon den Liet-Text gekannt; doch ist
sein Zitat auch verständlich, wenn er nur die beiden Texten gemeinsame
Strophe 1496 (Holtzmann) vor sich gehabt hat; die folgende, dem
Liet-Texte eigentümliche Strophe, in der, wie bei Wolfram, „Schnitten“
als eine gute Speise erwähnt werden, dürfte eher in Anlehnung an die
etwas spöttisch gehaltene Ausführung im Parzival verfaßt sein.