[52] In einer Besprechung der 1. Auflage dieses Buches (Literarische

Rundschau vom 1. Juni 1909) hat Fr. Panzer die hier entwickelte

Gedankenreihe beanstandet und darauf hingewiesen, daß Zeizenmure in

der ungarischen Sage als Ort einer Schlacht eine große Rolle spielt

und infolgedessen in die Grundhandschrift des Not-Textes gelangt

sei. Das könnte möglich sein, hilft uns aber nicht weiter, denn 1)

ist die Darstellung der ungarischen Sage, wie sie bei Simon Kézai

vorliegt, trotz Bleyers Ausführungen (im 31. Bande der Beiträge) eine

halbgelehrte Kompilation aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts, 2)

ist nicht abzusehen, wie ein Nicht-Österreicher (denn ein Österreicher

konnte den Fehler nicht begehen) zur Kenntnis ungarischer Sage

gelangt sein sollte, und 3) bleibt die Sache beim alten, weil die

Grundhandschrift des Not-Textes den Fehler, mag seine Ursache sein,

welche sie will, eben begangen hat und daher notwendigerweise nur

eine nebengeordnete, nicht eine übergeordnete Stelle neben den

Liet-Handschriften einnehmen kann. Auf Zarncke’s feinen Gedanken,

Nithart zur Erklärung heranzuziehen, könnte man schließlich

verzichten; den in der „Not“ vorliegenden Text aber weit über 1230

hinaufzuschieben, ist trotzdem unmöglich wegen gewisser unbestreitbarer

Zusätze, wegen Spuren beginnenden Verfalles in der Verstechnik und

besonders wegen des Zustandes aller hierher gehörigen Handschriften (s.

S. 107).

[53] Das ist nicht ohne Beispiel; so wurde das um 1170 entstandene

Gedicht vom Herzog Ernst bereits um 1200 (hauptsächlich reimtechnisch)

überarbeitet; als aber in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts ein

neuer Bearbeiter den Text vornahm, griff er auf das Original zurück und

ignorierte die um 1200 entstandene Überarbeitung.

[54] Nach Lachmann nur dreizehn; er behielt 1627 bei und änderte sie

durch Konjektur; wir haben dazu heute keine Veranlassung mehr.

[55] Mit einer Ausnahme: Lachmanns 17. Lied schließt an das 15. an; das

16. ist eine Parallelerzählung.

[56] Vgl. Schönbach, Das Christentum in der altdeutschen

Heldendichtung, S. 203.

[57] Heinrich von Ofterdingen, den manche beim Wiedererwachen

unserer Kenntnis der mittelalterlichen Literatur als Dichter des

Nibelungenliedes in Anspruch genommen haben, ist keine historische

Person, sondern vom Dichter des Wartburgkrieges erfunden; dieser Mann

brauchte eine Figur, die als Gegenstück und Widerpart der historisch

bekannten Sänger am Hofe zu Eisenach hingestellt werden konnte.

[58] Es ist mir leider nicht gelungen, das Werkchen, das ich vor mehr

als dreißig Jahren selbst gelesen habe, irgendwo wieder aufzutreiben.

[59] Wilkina- (richtiger Wilcina-) und Niflungasaga sind Teile und

Untertitel der Thidrikssaga.

Der Sagenkreis der Nibelungen · 第 14 / 14 段