Womit einer sündiget, damit pflegt er auch gestraft zu werden. Die
Kindsblattern richteten mich dergestalt zu, daß ich hinfüro vor den
Weibsbildern gute Ruhe hatte. Ich kriegte Gruben im Gesicht, daß ich
aussahe wie eine Scheurtenne, darauf man Erbsen gedroschen. Ja, ich
ward so häßlich, daß sich mein schönes, krauses Haar, in welchem sich
so manch Weibsbild verstrickt, meiner schämte und seine Heimat verließ,
daß ich also notwendig eine Perücke tragen mußte. Meine liebliche
Stimme ging als auch dahin, dann ich den Hals voller Blattern gehabt.
Meine Augen, die man hiebevor niemalen ohne Liebesfeuer finden konnte,
eine jede zu entzünden, sahen jetzt rot und triefend aus wie die eines
achtzigjährigen Weibes. Über das alles war ich in fremden Landen,
kannte weder Hund noch Menschen, verstund die Sprache kaum und hatte
allbereits kein Geld.
Da fing ich erst an hinter sich zu denken und die herrliche Gelegenheit
zu bejammern, die mir hiebevor zur Beförderung meiner Wohlfahrt
angestanden, ich aber so liederlich hatte verstreichen lassen. Ich
merkte, daß mein außergewöhnlich Kriegsglück und mein gefundener Schatz
nur Ursache und Vorbereitung zu meinem Unglück gewesen. Da war kein
Einsiedel mehr, der es treulich mit mir meinete, kein Pfarrer, der
mir das Beste riete. Da mein Geld hin war, hieß es, ich sollte auch
fort und meine Gelegenheit anderswo suchen. O schnelle, unglückselige
Veränderung! Vor vier Wochen war ich ein Kerl, der die Fürsten zur
Verwunderung bewegte, das Frauenzimmer entzuckte, dem Volk als ein
Meisterstück der Natur, ja, ein Engel vorkam, jetzt aber so unwert, daß
mich die Hunde anpißten.
Der Wirt stieß mich aus dem Haus, da ich nicht bezahlen konnte, kein
Werber wollte mich vor einen Soldaten annehmen, weil ich wie ein
grintiger Kuckuck aussahe, arbeiten konnte ich nit, dann ich war noch
zu matt und keiner Arbeit gewohnt. Mich tröstete allein, daß es gegen
den Sommer ging und ich mich zur Not hinter einer Hecken behelfen
konnte, weil mich niemand mehr im Hause litt. Mein stattlich Kleid und
Leinenzeug wollte mir niemand abkaufen, weil jeder sorgte, ich möchte
ihm auch eine Krankheit damit an den Hals hängen.
Ich nahms also auf den Buckel, den Degen in die Hand und den Weg unter
die Füße, der mich in ein klein Städtlein trug, so gleich wohl über
eine eigene Apotheke vermochte. In dieselbe ging ich und ließ mir eine
Salbe zurichten, die mir die Blatternnarben im Gesicht vertreiben
sollte. Ich gab ein schön, zart Hemd davor.
Es war ein Markt daselbst, und auf demselben befand sich ein
Zahnbrecher, der trefflich Geld lösete, da er doch liederlich Ding den
Leuten dafür anhing.
»Narr,« sagte ich zu mir selber, »was machst du, daß du nicht auch so
einen Kram aufrichtest! Bist du so lang bei ~Mons. Canard~ gewesen und
hast nicht so viel gelernt, einen einfältigen Baur zu betrügen und dein
Maulfutter davon zu gewinnen? Da mußt du wohl ein elender Tropf sein.«
Ich mochte damals fressen wie ein Drescher, dann mein Magen war nicht
zu ersättigen. Ich hatte aber nur noch einen einzigen göldenen Ring mit
einem Diamant, der etwa zwenzig Kronen wert war. Den versilberte ich um
zwölfe und resolvierte mich, ein Arzt zu werden. Kaufte die Materialia
zu einem Theriak und richtete ihn zu für kleine Städt und Flecken. Vor
die Bauren aber nahm ich ein Teil Wacholderlatwerge, vermischte solches
mit Eichenlaub, Weidenblättern und dergleichen herben Ingredienzien,
alsdann machte ich auch aus Kräutern, Wurzeln, Blättern und etlichen
Olitäten eine grüne Salbe zu allerhand Wunden, damit man wohl ein
gedruckt Pferd hätte heilen können, ~item~ aus Galmei, Kieselsteinen,
Krebsaugen, Schmirgel und Trippel ein Pulver, weiße Zähne damit
zu machen, ferner ein blau Wasser aus Lauge, Kupfer, Ammoniak und
Kampfer vor Mundfäule, Zähn- und Augenweh. Ich bekam auch einen Haufen
blecherner und hölzerner Büchslein, Papier und Gläslein, meine Ware
darein zu schmieren. Damit es auch ein Ansehen haben möchte, ließ ich
mir einen französischen Zettel koncipieren und drucken, darin man sehen
konnte, wozu ein und das ander gut war. Ich hatte kaum drei Kronen in
die Apotheke und vor Geschirr angewendet und war in drei Tagen fertig.
Also packte ich auf und nahm mir vor, von einem Dorf zum andern bis in
das Elsaß hinein zu streichen und endlich zu meinem Weib zu finden.
Da ich das erste Mal mit meiner Quacksalberei vor eine Kirche kam
und feil hatte, war die Losung gar schlecht, weil ich noch viel zu
blöd war. Sahe demnach gleich, daß ichs anders angreifen müßte. Im
Wirtshaus vernahm ich über Tisch vom Wirt, daß den Nachmittag allerhand
Leute unter der Linden vor seinem Haus zusammenkommen würden, da
dörfte ich wohl so etwas verkaufen, wann man nur an einer Probe vor
Augen sähe, daß mein Theriak ausbündig gut wäre. Als ich dergestalt
vernommen, woran es mangele, bekam ich ein halbes Trinkgläslein voll
gutem Straßburger Branntewein und fing eine Art Kroten, so in den
unsauberen Pfützen sitzen und singen, sind fast rotgelb unten am Bauch
schwarz gescheckigt, gar unlustig anzusehen. Ein solche satzte ich
in ein Schoppenglas mit Wasser und stellets neben meine Ware auf den
Tisch unter der Linde. Wie sich nun die Leute versammleten und um mich
herumstunden, vermeineten etliche, ich würde mit der Zange, so ich von
dem Wirte aus der Kuchen entlehnet, die Zähn ausbrechen, ich aber fing
an:
»Ihr Herren und gueti Freund, bin ich kein Brech-dir-die-Zahn-aus,
allein hab ich gut Wasser vor die Aug, es mag all die Flüß aus die rote
Aug ...«
»Ja,« antwortete einer, »man siehets an Euren Augen wohl, die sehen ja
aus wie zween Irrwische!«
»Das ist wahr, wann ich aber der Wasser vor mich nicht hab, so wär
ich wohl gar blind werd. Ich verkauf sonst das Wasser nit. Der
Theriak und das Pulver vor die weiße Zähn und das Wundsalb will ich
verkauf und der Wasser noch darzu schenk! Ich bin kein Schreier und
Bescheiß-dir-die-Leut. Hab ich mein Theriak feil, wann ich sie hab
probiert, und sie dir nit gefallt, so darfst du sie nit kauf ab.«
Indem ließ ich einen von meinem Umstand aus den Theriakbüchslein
wählen, daraus tät ich etwan eine Erbse groß in meinen Branntewein, den
die Leute vor Wasser ansahen, zerrieb den Theriak darin und kriegte mit
der Zange die Krot zu fassen.
»Secht ihr, gueti Freund, wann dies giftig Wurm kann mein Theriak trink
und sterbe nit, do ist der Ding nit nutz, dann kauf ihr nur nit ab.«
Hiemit steckte ich die arme Krote, welche im Wasser geboren und
erzogen, in meinen Branntewein und hielt ihn mit einem Papier zu, daß
die Krot nicht herausspringen konnte. Da fing sie dergestalt an darin
zu wüten und zu zablen, ja viel ärger zu tun, als ob ichs auf glühend
Kohlen geworfen hätte, und streckte endlich alle vier von sich.
Die Bauren sperrten Maul und Beutel auf, da war in ihrem Sinn kein
besserer Theriak als der meinige, und ich hatte genug zu tun, den
Plunder in die Zettel zu wickeln und Geld davor einzunehmen. Es kauften
etliche drei-, vier-, fünf- und sechsfach, damit sie auf den Notfall
mit so köstlicher Giftlatwerge versehen wären, ja, sie kauften auch vor
ihre Freunde und Verwandten.
Ich machte mich noch dieselbe Nacht in ein anderes Dorf, weil ich
besorgte, es möchte etwan auch ein Baur so kurios sein und eine Kroten
in ein Wasser setzen, meinen Theriak zu probieren, und mir der Buckel
geraumet werden.
Damit ich aber gleichwohl die Vortrefflichkeit meiner Giftlatwerge auf
eine andere Manier erweisen könnte, machte ich mir aus Mehl, Safran
und Gallus einen gelben ~Arsenicum~ und aus Mehl und Vitriol einen
~Mercurium Sublimatum~. Wann ich die Probe tun wollte, hatte ich zwei
gleiche Gläser mit frischem Wasser auf dem Tisch, davon das eine
ziemlich stark mit ~Aqua Fort~ oder ~Spiritus Victril~ vermischt war.
In dasselbe zerrührte ich ein wenig von meinem Theriak und schabte
alsdann von meinen beiden Giften so viel, als genug war, hinein. Davon
ward das eine Wasser, so keinen Theriak und also auch kein ~Aqua Fort~
hatte, so schwarz als Tinte, das andre blieb wegen des Scheidewassers
wie es war.
»Ha,« sagten dann die Leute, »das ist fürwahr ein köstlicher Theriak um
so ein gering Geld!«
Wann ich aber beide untereinander goß, so ward wieder alles klar.
Davon zogen die guten Bauren ihre Beutel und ich kam glücklich an die
deutsche Grenze.