Wann ich so durch die Gassen daherprangete und mein Pferd unter mir
tanzte, da sagte das alberne Volk wohl: »Sehet, das ist der Jäger! Min
God, wat vor en prave Kerl is nu dat!« Ich spitzte die Ohren gewaltig
und ließ mirs gar sanft tun. Aber ich Narr hörete meine Mißgönner
nicht, die mir ohn Zweifel wünschten, daß ich Hals und Bein bräche.
Verständige Leute hielten mich gewißlich vor einen jungen Lappen,
dessen Hoffart notwendig nicht lang dauern würde.
Meine Gewohnheit war, herum zu terminieren und alle Wege und Stege,
alle Gräben, Moräste, Büsche und Wasser zu bereiten, um vor eine
künftige Occasion des Orts Gelegenheit so offensive als defensive
zu Nutz machen zu können. Einst ritt ich unweit der Stadt bei einem
alten Gemäuer vorüber, darauf vor Zeiten ein Haus gestanden. Ich drang
mit meinem Pferd in den Hof ein, zu sehen, ob man sich auch auf den
Notfall zu Pferd darin salvieren könne. Als ich nun bei dem Keller,
dessen Gemäuer noch rund umher aufrecht stund, vorüberreiten wollte,
war mein Pferd, das sonst im geringsten nichts scheute, weder mit Liebe
noch Leid dahin zu bringen. Ich stieg ab und führete es an der Hand
die verfallene Kellersteigen hinunter, wovor es doch scheuete, damit
ich mich ein andermal darnach richten könnte. Mit guten Worten und
Streichen brachte ich es endlich so weit, indem ward ich gewahr, daß
es vor Angst schwitzte und die Augen stets nach der Ecke des Kellers
richtete, dahin es am allerwenigsten wollte, ob ich auch gleich nichts
gewahrete. Ich stund mit Verwunderung, und wie mein Pferd je länger,
desto ärger zitterte, da kam mich ein solches Grausen an, als ob man
mich bei den Haaren aufzöge und einen Kübel voll kalt Wasser über mich
abgösse. Mein Pferd stellete sich immer seltsamer, doch konnte ich
nichts sehen, also daß ich mir nichts anders einbilden konnte, als ich
müßte vielleicht mitsamt dem Pferd verzaubert sein. Derowegen wollte
ich wieder zurück, aber mein Pferd folgte mir nicht. Dahero ward ich
noch ängstlicher und so verwirrt, daß ich schier nicht wußte, was ich
tät. Zuletzt nahm ich meine Pistole auf den Arm und band mein Pferd an
eine Holderstockwurzel, der Meinung, aus dem Keller zu gehen und Leute
zu suchen, die meinem Pferde heraushülfen. Indem fällt mir ein, ob
nicht in dem Gemäuer vielleicht ein Schatz läge, dahero es so ungeheuer
sein möchte. Ich sehe mich um, sonderlich nach der Ecke, dahin mein
Pferd nicht wollte, und ward eines Stückes im Gemäuer gewahr, so groß
als ein gemeiner Kammerladen, welches in Farbe und Arbeit dem andern
Gemäuer nicht allerdings glich. Ich wollte hinzugehen, da sträubten
sich alle meine Haare gen Berg und das bestärket mich in der Meinung,
daß ein Schatz verborgen sein müsse.
Hundertmal lieber hätte ich Kugel gewechselt, als mich in solcher Angst
befunden. Ich ward gequält und wußte doch nicht recht von wem, dann ich
sahe oder hörte nichts. Ich wollte durchbrennen, vermochte aber die
Stiegen nicht hinauf zu kommen, weil mich eine starke Luft aufhielt. Da
lief mir die Katze wohl den Buckel hinauf! Zuletzt fiel mir ein, ich
sollte meine Pistole lösen, damit mir die Bauren im Feld zuliefen. Ich
war so erzörnt oder viel mehr desperat, da ich sonst kein Mittel noch
Hoffnung sahe, aus diesen ungeheuern Wunderort zu kommen, daß ich mich
gegen den Ort kehrete, wo ich die Ursache meiner seltsamen Begegnus
vermeinete, und traf obgemeldtes Gemäuerstück mit zweien Kugeln so
hart, daß es ein Loch gab, zwo Fäuste groß.
Als der Schuß geschehen, wieherte mein Pferd und spitzte die Ohren,
was mich herzlich erquickte. Ich faßte einen frischen Mut und ging ohn
Forcht zu dem Loch, da brach die Maur vollends ein. Ich fand einen
reichen Schatz an Silber, Gold und Edelsteinen. Es waren aber sechs
Dutzend altfränkische silberne Tischbecher, ein großer göldner Pokal,
etliche Duplet, eine altfränkische göldene Kette, unterschiedliche
Diamanten, Rubine, Saphire und Smaragde, alles in Ringe und Kleinodien
gefasset, ~item~ ein ganz Lädlein voll großer Perlen, aber alle
verdorben und abgestanden, dann ein verschimmelter lederener Sack mit
achtzig von den ältesten Joachimsthalern aus feinem Silber, sodann 893
Goldstücke mit dem französischen Wappen und einem Adler. Dieses Geld,
die Ringe und Kleinodien steckte ich in meine Hosensäcke, Stiefeln,
Hosen und Pistolenhalftern und, weil ich keinen Sack bei mir hatte,
schnitt ich meine Schabracke vom Sattel und füllete sie zwischen Zeug
und Futter mit Silber- und Goldbechern, hing die gölden Kette um den
Hals, saß fröhlich zu Pferd und wandte mich meinem Quartier zu. Wie
ich aber aus dem Hof kam, rissen zween Bauren vor mir eilends aus, ich
ereilete sie leichtlich, weil ich sechs Füße und ein eben Feld hatte
und rief sie an. Da erzählten sie mir, daß sie vermeinet hätten, ich
wäre das Gespenst, das in gegenwärtigem, ödem Edelhof wohne und Leute,
die zu nahe kämen, elendiglich zu traktieren pflege. Aus Furcht vor
dem Ungeheuer käme oft in vielen Jahren kein Mensch an diesen Ort.
Die gemeine Sage ginge im Land, es wäre ein eiserner Trog voller
Geldes darin, den ein schwarzer Hund hüte zusamt einer verfluchten
Jungfer. Sollte aber ein fremder Edelmann, der weder seinen Vater noch
seine Mutter kenne, ins Land kommen, so werde er die Jungfer erlösen,
den eisernen Trog mit einem feurigen Schlüssel aufschließen und das
verborgene Geld davonbringen. Derlei alberne Fabeln erzählten sie
mir noch viel. Ich fragte, was sie dann beide da gewollt hätten. Sie
sagten, sie hätten einen Schuß samt einem lauten Schrei gehöret, da
seien sie zugeloffen. Sie wollten viel Dings von mir wissen, und ich
hätte ihnen sattsam Bären aufbinden können, aber ich konnte schweigen
und ritt meines Wegs in mein Quartier. --
Diejenigen, die wissen, was Geld ist, und dahero solches vor ihren
Gott halten, haben dessen nicht geringe Ursach, dann ist jemand in der
Welt, der des Geldes Kräfte und beinahe göttliche Tugenden erfahren
hat, so bin es ich: Ich weiß wie einem zu Mut ist, der einen ziemlichen
Vorrat hat, und wie der gesinnet sei, der keinen einzigen Heller
vermag. Kräftiger als alles Edelgestein ist Geld, dann es vertreibet
die Melancholei wie der Diamant, es machet Lust und Beliebung zu den
~Studiis~ wie der Smaragd, darum werden gemeiniglich mehr reicher als
armer Leute Kinder Studenten; es nimmt hinweg Forchtsamkeit, machet den
Menschen fröhlich und glückselig wie der Rubin; oft ist es dem Schlafe
hinderlich, wie die Granate; hingegen hat es auch eine große Kraft,
die Ruhe und den Schlaf zu befördern, wie der Hyazinth; es stärket das
Herz und machet den Menschen freudig, sittsam, frisch und mild wie
der Saphir und Amethyst; es vertreibet böse Träume, machet fröhlich,
schärfet den Verstand und so man mit jemand zanket, machet es, daß man
sieget wie der Sardonyx, vornehmlich wann man den Richter brav damit
schmieret; es löschet die geile Begierden, weil man schöne Weiber um
Geld kriegen kann. In Kürze, es ist nicht auszusprechen, was das liebe
Geld vermag, wann man es nur richtig brauchen und anzulegen weiß.
Das meinige war seltsamer Natur, es machte mich hoffärtiger, es
hinderte mir den Schlaf, es machte mich zu einem bekümmerten
Rechenmeister, es machte mich geizig.
Einmal kam mirs in Sinn, ich sollte den Krieg quittieren, mich irgends
hinsetzen und mit einem schmutzigen Maul zum Fenster aussehen, dann
gereuete mich aber wieder mein freies Soldatenleben und die Hoffnung,
ein großer Hans zu werden. Oder verwünschete ich wiederum mein
unvollkommen Alter und ich sagte zu mir selber, dann so nähmest du eine
schöne, junge, reiche Frau und kauftest du irgendeinen adeligen Sitz
und führtest ein geruhiges Leben. Allein ich war noch viel zu jung.
Damals hatte ich meinen Jupiter noch bei mir, der redete zu Zeiten sehr
subtil und war etliche Wochen gar klug, hatte mich auch über alle Maßen
lieb. Er warnete mich: »Liebster Sohn, schenkt euer Schindgeld, Gold
und Silber hinweg!«
»Warum, mein lieber Jove?«
»Darum, damit Ihr Euch Freunde dadurch machet und Eurer unnützen Sorgen
los werdet. Lasset die Schabhälse geizig sein. Haltet Euch, wie es
einem jungen, wackeren Kerl zustehet!«
Ich dachte der Sache nach. Zuletzt verehrete ich dem Kommandanten
ein paar silberner und vergöldter Duplet, meinem Hauptmann ein paar
silberner Salzfässer, aber es wurde ihnen das Maul nach dem Übrigen
nur wässeriger, weil es rare Antiquitäten waren. Meinem getreuen
Spring-ins-Feld schenkte ich zwölf Reichstaler. Auch er riet mir, ich
solle meinen Reichtum von mir tun, dann die Offizierer sähen nicht
gern, daß der gemeine Mann mehr Geld hätte als sie. Auch wären etlich
um Geldes halber heimlich ermordet worden. Es ginge um im ganzen Läger,
und jeder mache den gefundenen Schatz größer, als er an sich selbst
sei, er müsse oft hören, was unter den Burschen vor ein Gemürmel gehe.
Er ließe Krieg Krieg sein, und setzte sich irgendwo in Sicherheit.
Ich sagte zu ihm: »Höre, Bruder, wie kann ich die Hoffnung auf mein
Fähnlein so leicht in den Wind schlagen!«
»Hol mich dieser und jener, wann du ein Fähnlein bekommst. So die
andern sehen, daß ein Fähnlein ledig, möchten sie tausendmal eh dir den
Hals brechen helfen. Lerne mich nur keine Karpfen kennen, mein Vater
war ein Fischer!«
Ich erwog diese und meines Jupiters Reden und bedachte, daß ich keinen
einzigen angeborenen Freund hätte, der sich meiner in Nöten annehmen,
oder meinen Tod rächen würde. -- Indem sich nun eben eine Gelegenheit
präsentierte, daß ich mit hundert Dragonern, etlichen Kaufleuten und
Güterwägen von Münster nach Köln convoieren mußte, packte ich meinen
Schatz zusammen und übergab ihn einen von den vornehmsten Kaufleuten zu
Köln gegen spezifizierte Handschrift aufzuheben. Meinen Jupiter brachte
ich auch dahin, weil er in Köln ansehnliche Verwandte hatte, gegen die
er meine Guttaten rühmete, daß sie mir viel Ehre erwiesen.