Ich dachte bei mir selbst, der Kerl dörfte vielleicht kein Narr sein,
wie er sich stellet, sondern mirs kochen, wie ichs zu Hanau gemachet,
um desto besser von uns zu kommen. Derowegen gedachte ich ihn zornig
zu machen, weil man einen Narren am besten im Zorn erkennt, und wollte
ihm vorhalten, wie alle Götter in der weiten Welt vor so verrucht,
leichtfertig und stinkend als Diebe, Kuppler, Ehebrecher, Hanreien,
Wüteriche, Mörder und unverschämte Hurenjäger verschrieen seien, daß
man sie sonst nirgendshin als in des Augias Stall logieren wolle --
da wurde mein Jupiter von einer seltsamen Unruhe ergriffen: Er zog in
Gegenwart meiner und der ganzen Partei ohn einzige Scham seine Hosen
herunter und stöberte die Flöhe daraus, welche ihn, wie man an seiner
sprenklichten Haut wohl sahe, schröcklich tribulieret hatten.
»Schert euch fort, ihr kleinen Schinder,« sagte er, »ich schwöre euch
beim ~Styx~, das ihr in Ewigkeit nicht erhalten sollt, was ihr so
sorgfältig sollicitiert!«
Ich fragte ihn, was er meine. Er antwortete, daß das Geschlecht der
Flöhe, als sie vernommen, er sei auf Erden, ihre Gesandten zu ihm
geschickt hätten, ihn zu komplimentieren. Sie hätten ihm darneben
vorgebracht, daß sie aus ihrem ~Territorio~, da man ihnen die
Hundshäute zu bewohnen zugesichert, durch die Weiber vertrieben worden
seien, gestalt manche ihr Schoßhündchen mit Bürsten, Kämmen, Seifen,
Laugen und anderen mörderischen Dingen durchstreift hätten, so daß sie
ihr Vaterland quittieren und andere Wohnungen hätten aufsuchen müssen.
So sie aber den Weibern in die Pelze gerieten, würden solche verirrte,
arme Tropfen übel tractieret, gefangen und nicht allein ermordet,
sondern auch zuvor zwischen den Fingern elendiglich gemartert und
zerrieben, daß es einen Stein erbarmen möchte.
»Ja,« sagte Jupiter ferner, »sie brachten mir die Sache so beweglich
vor, daß ich Mitleiden mit ihnen haben mußte und also ihnen Hilfe
zusagte, jedoch mit dem Vorbehalt, daß ich die Weiber zuvor auch
hören möchte. Sie aber wandten vor, wann den Weibern erlaubet würde,
Widerpart zu halten, so wüßten sie wohl, daß sie mit ihren giftigen
Hundszungen entweder meine Frömmigkeit und Güte betäuben und die Flöhe
überschreien oder aber durch ihre lieblichen Worte und Schönheit mich
betören und zu einem falschen Urteil verleiten würden, mit fernerer
Bitte, ich wolle sie ihrer untertänigsten Treue genießen lassen,
welche sie auch allezeit erzeiget, indem sie doch jeweils am nächsten
dabei gewesen und am besten gewußt hätten, was zwischen mir und der
Io, Callisto, Europa, Semele und andern mehr vorgangen, hätten aber
niemals nichts aus der Schule geschwätzt, noch meiner Ehefrau ein
einzigs Wort gesaget, maßen sie sich einer solchen Verschwiegenheit
beflissen, wie dann kein Mensch bis dato von ihnen etwas dergleichen
erfahren hätte. Wann ich aber je zulassen wollte, daß die Weiber sie
in ihrem Bann jagen, fangen und nach Weidmannsrecht metzeln dörften,
so wäre ihre Bitte, zu gebieten, daß sie hinfort mit einem heroischen
Tod hingerichtet und entweder mit einer Axt wie Ochsen niedergeschlagen
oder wie ein Wildpret gefället würden, aber nicht mehr so schimpflich
zwischen den Fingern zerquetscht und geradbrecht werden sollten, was
allen ehrlichen Mannsbildern eine Schande wäre. Sonach erlaubte ich
ihnen, bei mir einzukehren, damit ich ein Urteil darnach fassen könne,
ob sie die Weiber allzuhützig tribulierten. Da fing das Lumpengesind
an mich zu geheien, daß ich sie habe, wie ihr sehet, wieder abschaffen
müssen.«
Wir dorften nicht rechtschaffen lachen, weil wir stillhalten mußten
und weils der Phantast nicht gern hatte, wovon Spring-ins-Feld hätte
zerbersten mögen. Da zeigte unsere Hochwacht an, daß er in der Ferne
etwas kommen sähe. Ich stieg hinauf und gewahrte die Fuhrleute, denen
wir aufpaßten. Sie hatten dreißig Reuter zur ~Convoi~ bei sich, dahero
ich mir die Rechnung leicht machen konnte, daß sie nicht durch den
Wald, sondern übers freie Feld kommen würden, wiewohl es daselbst einen
bösen Weg hatte.
Von unsrer Lägerstatt ging feldwärts eine Wasserrunze in einer Klämme
hinunter. Deren Ausgang besatzte ich mit zwenzig Mann, nahm auch selbst
meinen Stand bei ihnen, ließ aber Spring-ins-Feld zurück. Ich befahl
meinen Burschen, wann der ~Convoi~ hinkomme, daß jeder seinen Mann
gewiß nehmen sollte, und sagte auch jedem, wer Feuer geben und wer
seinen Schuß im Rohr zum Vorrat zu behalten habe. Etliche verwunderten
sich, ob ich wohl vermeine, daß die Reuter an einen Ort kommen
werden, wo sie nichts zu tun hätten und dahin wohl hundert Jahr kein
Baur gekommen sei. Aber ich brauchte keine Teufelskunst, sondern nur
Spring-ins-Feld, dann als der ~Convoi~, welcher ziemlich Ordnung hielt,
~recte~ gegen uns über vorbeipassieren wollte, fing Spring-ins-Feld so
schröcklich an zu brüllen wie ein Ochs und zu wiehern wie ein Pferd,
daß der ganze Wald widerhallte. Der ~Convoi~ hörets, gedachte Beute zu
machen und etwas zu erschnappen, sie ritten sämtlich so geschwind und
unordentlich in unsern Halt, als wann ein jeder der erste hätte sein
wollen, die beste Schlappe zu holen. Gleich im ersten Willkommen wurden
dreizehn Sättel geleeret und sonst noch etliche aus ihnen gequetscht.
Hierauf schrie Spring-ins-Feld: »Jäger hierher!« -- davon die Kerl
noch mehr erschröckt und irre wurden. Ich bekam sie alle siebzehn und
spannte vierundzwenzig Pferde aus. Doch hatten sich die Fuhrleute zu
Pferd aus dem Staub gemacht. Wir packten auf, dorften uns aber nicht
viel Zeit nehmen, die Wägen recht zu durchsuchen.
Mein Jupiter lief aus dem Wald und schrie uns nach, bis ich ihn hinten
aufsetzen ließ, dann er nicht besser reuten konnte als eine Nuß.
Also brachte ich meine Beute und Gefangenen den andern Morgen glücklich
nach Soest und bekam mehr Ehre und Ruhm von dieser Partei, als zuvor
nimmer. Jeder sagete: »Dies gibt wieder einen Johann de Werdt!« welches
mich trefflich kützelte.