Meines Jupiter konnte ich nicht los werden, dann der Kommandant
begehrete ihn nicht, weil nichts an ihm zu rupfen war, sondern sagte,
er wollte ihn mir schenken. Also bekam ich einen eigenen Narren und
dorfte mir keinen kaufen. Kurz zuvor tribuliereten mich die Läuse, und
jetzt hatte ich den Gott der Flöhe in meiner Gewalt. Es war noch kein
Jahr vergangen, da mir die Buben nachliefen, und jetzt vernarreten
sich die Mägdlein aus Liebe gegen mich. Vor einem halben Jahr dienete
ich einem schlechten Dragoner, jetzt nannten mich zween Knechte ihren
Herrn. O wunderliche Welt, darinnen nichts Beständigeres ist als die
Unbeständigkeit!
Damals zog der Graf von der Wahl als Obrister-Gubernator des
westfälischen Kreises aus allen Guarnisonen einige Völker zusammen,
eine Cavalcade durchs Stift Münster zu tun, vornehmlich aber zwo
Kompagnien hessischer Reuter im Stift Paderborn auszuheben, die
den Unsrigen daselbsten viel Dampfs antäten. Ich ward unter unsern
Dragonern mitkommandiert. Und als sie einzige Truppen zum Ham
gesammlet, gingen wir schnell vor und berannten gemeldter Reuter
Quartier, ein schlecht verwahrtes Städtlein, ehe die Unsrigen kamen.
Sie unterstunden durchzugehen, wir aber jagten sie wieder zurück in ihr
Nest. Es ward ihnen angeboten, ohne Pferd und Gewehr, jedoch mit dem
was der Gürtel beschließe zu passieren, sie aber wollten sich nicht
darzu verstehen, sondern sich mit ihren Karabinern wie Musketierer
wehren. Also kam es, daß ich noch dieselbe Nacht probieren mußte,
was ich vor Glück im Stürmen hätte. Wir leerten die Gassen bald,
weil niedergemacht ward, was sich im Gewehr befand, und weil sich die
Bürger nicht hatten wehren wollen. Also ging es mit uns in die Häuser.
Spring-ins-Feld sagte: »Wir müssen ein Haus vornehmen, vor welchem ein
großer Haufen Mist liegt, dann darin sitzen reiche Kauzen.«
Darauf griffen wir ein solches an, Spring-ins-Feld visitierte den
Stall, ich aber das Haus mit Abrede, daß jeder mit dem andern parten
sollte. Also zündete jeder seinen Wachsstock an. Ich rief nach dem
Hausvater, kriegte aber keine Antwort, geriet indessen in eine Kammer
und fand dort nichts, als ein leer Bett und eine beschlossene Truhe.
Die hämmerte ich auf in der Hoffnung, etwas Kostbares zu finden. Aber
da ich den Deckel auftät, richtete sich ein kohlschwarzes Ding gegen
mich auf, welches ich vor den Lucifer selbst ansahe.
Ich kann schwören, daß ich mein Lebtag nie so erschrocken bin, als eben
damals, da ich diesen schwarzen Teufel so unversehens erblickte. »Daß
dich der Donner schlag,« rief ich gleichwohl in solchem Schröcken und
zuckte mein Äxtlein, hatte doch das Herz nicht, ihms in den Kopf zu
hauen.
»Min leve Heer, ick bidde ju doer Gott, schinkt mi min Levend!«
Da hörete ich erst, daß es kein Teufel war, befahl ihm aus der Truhe
zu steigen und er stand vor mir in seiner Schwärze, nackend wie ihn
Gott geschaffen hatte, ein Mohr. Ich schnitt ein Stück von meinem
Wachsstock, gabs ihm zu leuchten und er führete mich in ein Stüblein,
da ich den Hausvater fand, der samt seinem Gesind dies lustige
Spektakul ansahe und mit Zittern um Gnade bat. Er händigte mir eines
Rittmeisters Bagage, darunter ein ziemlich wohlgespickt, verschlossen
Felleisen war, ein, mit Bericht, daß der Rittmeister und seine Leute
bis auf gegenwärtigen Mohren sich zu wehren auf ihre Posten gegangen
wären. Inzwischen hatte Spring-ins-Feld sechs schöne gesattelte Pferde
im Stall erwischt.
Als hernach die Tore geöffnet, die Posten besetzt und unser
General-Feldzeugmeister Herr Graf von der Wahl eingelassen ward, nahm
er sein Logiment in ebendemselben Hause, darum mußten wir bei finsterer
Nacht ein ander Quartier suchen. Wir fanden eines und brachten den
Rest der Nacht mit Fressen und Saufen zu. Ich bekam vor mein Teil
den Mohren, die zwei besten Pferde, darunter ein spanisches war, auf
welchen ein Soldat sich gegen sein Gegenteil dorfte sehen lassen, mit
den ich nachgehends nicht wenig prangte. Aus dem Felleisen aber kriegte
ich unterschiedliche köstliche Ringe und in einer göldenen Kapsel
mit Rubinen besetzt des Prinzen von Uranien Conterfait, kam also mit
Pferden und allem über zwei hundert Dukaten. Vor den Mohren, der mich
am aller saursten ankommen war, ward mir von General-Feldzeugmeister,
als welchem ich ihn präsentierte, nicht mehr als zwei Dutzend Taler
verehret.
Als wir demnach Recklinghausen zu kamen, nahm ich Erlaubnis, mit
Spring-ins-Feld meinem Pfaffen zuzusprechen, mit dem ich mich lustig
macht, da ich ihm erzählete, daß mir der Mohr den Schröcken, den er und
seine Köchin neulich empfunden, wieder eingetränkt hätte. Ich verehrete
ihm auch eine schöne schlagende Halsuhr zum freundlichen ~Valete~.
Meine Hoffart vermehrete sich mit meinem Glück, daraus endlich nichts
andres als mein Fall erfolgen konnte.
Ungefähr eine halbe Stunde von Rehnen kampierten wir und erhielten
Erlaubnus, in demselben Städtlein etwas an unserm Gewehr flicken zu
lassen. Unser Meinung war, sich einmal rechtschaffen miteinander
lustig zu machen. Also kehreten wir im besten Wirtshaus ein und ließen
Spielleute kommen, die uns Wein und Bier hinuntergeigen mußten. Da ging
es ~in floribus~ her und blieb nichts unterwegen, was nur dem Geld wehe
tun möchte. Ich stellete mich nicht anders als wie ein junger Prinz,
der Land und Leute vermag und alle Jahre ein groß Geld zu verzehren
hat. Dahero ward uns besser als einer Gesellschaft Reuter aufgewartet,
die gleichfalls dort zehrete. Das verdroß sie und fingen an mit uns zu
kipplen.
»Woher kommts, daß diese Stieglhupfer ihre Heller so weisen?« Dann sie
hielten uns vor Musketierer, maßen kein Tier in der Welt ist, das einem
Musketierer ähnlicher siehet, als ein Dragoner, und wann ein Dragoner
vom Pferd fällt, so stehet ein Musketierer wieder auf.
Ein anderer Reuter meinete: »Jener Jüngling ist gewiß ein Strohjunker,
dem seine Mutter etliche Milchpfennige geschicket, die er jetzo
spendiert, damit ihm künftig irgendswo seine Kameraden aus dem Dreck
oder etwan durch den Graben tragen sollen.«
Solches ward mir durch die Kellerin hinterbracht. Weil ichs aber nicht
selbst gehört, konnte ich anders nichts darzu tun, als daß ich ein
groß Bierglas mit Wein einschenken und solches auf Gesundheit aller
rechtschaffenen Musketierer herumgehen, auch jedesmal solchen Alarm
darzu machen ließ, daß keiner sein eigen Wort hören konnte. Das verdroß
sie noch mehr, derowegen sagten sie offentlich:
»Was Teufels haben doch die Stiegelhüpfer vor ein Leben!«
Spring-ins-Feld antwortete: »Was gehts die Stiefelschmierer an?« -- Das
ging ihm hin, dann er sahe so gräßlich drein und machte so grausame und
bedrohliche Mienen, daß sich keiner an ihm reiben dorfte.
Doch stieß es ihnen wieder auf, und zwar einem ansehnlichen Kerl, der
sagte: »Wann sich die Maurenhofierer auf ihrem Mist (er vermeinte, wir
lägen in Guarnison stille) nicht so breit machen dörften, wo wollten
sie sich sonst sehen lassen? Man weiß ja wohl, daß jeder in offener
Feldschlacht unser Raub sein muß.«
Ich antwortete: »Wir nehmen Städt und Festungen ein und verwahren sie,
dahingegen ihr Reuter auch vor dem geringsten Rattennest keinen Hund
aus dem Ofen locken könnet. Warum sollten wir uns dann in den Städten
nicht dörfen lustig machen?«
Der Reuter gab dawider: »Wer Meister im Felde ist, dem folgen die
Festungen. Daß wir aber die Feldschlachten gewinnen müssen, folget aus
dem, daß ich so drei Kinder, wie du eins bist, mitsamt ihren Musketen
nicht allein nicht förchte, sondern ein Paar davon auf dem Hut stecken
und den dritten erst fragen wollte, wo seiner noch mehr wären. Und säße
ich bei dir, so wollte ich dem Junker zur Bestätigung ein paar Tachteln
geben.«
Ich antwortete: »Ich vermein ein Paar so guter Pistolen zu haben als
du, wiewohl ich kein Reuter, sondern nur ein Zwitter zwischen ihnen
und den Musketierern bin. Schau, so hab ich Kind ein Herz, mit meiner
Musketen allein einen solchen Prahler zu Pferd, wie du einer bist,
gegen all sein Gewehr im freien Feld zu Fuß zu begegnen.«
»Ach, du Kujon,« rief der andere, »ich halte dich vor einen Schelmen,
wann du nicht wie ein redlicher von Adel alsbald deinen Worten eine
Kraft gibst.«
Hierauf warf ich ihm einen Handschuh zu.
Wir zahleten den Wirt und der Reuter machte Karabiner und Pistolen,
ich aber meine Muskete fertig, und da er mit seinen Kameraden vor uns
an den bestimmten Ort ritt, sagte er zu Spring-ins-Feld, er solle
mir allgemach das Grab bestellen. Ich lachte hingegen, weil ich mich
vorlängst besonnen hatte, wie ich einem wohlmontierten Reuter begegnen
müßte, wann ich einmal zu Fuß mit meiner Musketen allein im weiten
Felde stünde.
Da wir nun an den Ort kamen, wo der Betteltanz angehen sollte, hatte
ich meine Musketen bereits mit zweien Kugeln geladen, frisch Zündkraut
aufgerührt und den Deckel auf der Zündpfanne mit Unschlitt verschmiert,
wie vorsichtige Musketierer zu tun pflegen, wann sie Zündloch und
Pulver auf der Pfanne vor Regenwetter verwahren wollen.
Eh wir nun aufeinander gingen, bedingten beiderseits die Kameraden, daß
wir uns im freien Felde angreifen und zu solchem End der eine von Ost,
der andre von West in ein umzäuntes Feld eintreten sollten, dann möge
jeder sein Bestes gegen den andern tun. Keiner von den Parteien sollte
sich unterstehen, seinem Kameraden zu helfen, noch dessen Tod oder
Beschädigung zu rächen.
So gaben ich und mein Gegner einander die Hände und verziehen je einer
dem andern seinen Tod, unter welcher allerunsinnigsten Torheit, die je
ein vernünftiger Mensch begehen kann, ein jeder hoffte seiner Gattung
Soldaten das ~Prae~ zu erhalten, gleichsam als ob des einen oder
andern Teil Ehre und Reputation an dem Ausgang unseres trefflichen
Beginnens gelegen gewesen wäre.
Ich trat mit doppelt brennender Lunte in angeregtes Feld, stellte mich,
als ob ich das alte Zündkraut im Gang abschütte, ich täts aber nicht,
sondern rührete nur Zündpulver auf den Deckel meiner Pfannen, bließ ab
und paßte mit zween Fingern auf der Pfanne auf, wie bräuchlich ist. Eh
ich noch meinem Gegenteil, der mich wohl im Gesicht hielt, das Weiße
in Augen sehen konnte, schlug ich auf ihn an und brannte mein falsch
Zündkraut auf dem Deckel vergeblich hinweg. Mein Gegner vermeinte,
die Muskete hätte mir versagt, und das Zündloch wäre mir verstopft,
sprengte dahero mit einer Pistole in der Hand gar zu gierig ~recte~
auf mich dar. Aber eh er sichs versah, hatte ich die Pfanne offen und
wieder angeschlagen, hieß ihn auch dergestalt willkommen, daß Knall und
Fall eins war.
Ich retirierte mich hierauf zu meinen Kameraden, die mich gleichsam
küssend empfingen. Die seinigen entledigten ihn aus den Steigbügeln und
täten gegen ihn und uns wie redliche Kerle, maßen sie mir auch meinen
Handschuh mit großem Lob wiederschickten.
Aber da ich meine Ehre am größten zu sein schätzte, kamen
fünfundzwenzig Musketierer aus Rehnen, welche mich und meine Kameraden
gefangen nahmen. Ich zwar ward alsbald in Ketten und Banden geschlossen
und der Generalität überschickt, weil alle Duell bei Leib- und
Lebensstrafe verboten waren.