Das dritte Kapitel

Spring-ins-Feld hätte den Handel beinahe verderbet, weil er sagte: »Und

alsdann wirds in Deutschland hergehen wie im Schlauraffenland, da es

lauter Muskateller regnet und die Kreuzerpastetlein über Nacht wie die

Pfifferlinge wachsen! Da werd ich mit beiden Backen fressen müssen wie

ein Drescher, und Malvasier saufen, daß mir die Augen übergehen!«

Da sagte Jupiter zu mir: »Ich habe vermeint, ich sei bei lauter

Waldgöttern, so sehe ich aber, daß ich den neidigen, dürren Tadler

~Momus~ und ~Zoilus~ angetroffen habe. Ja, man soll edle Perlen nicht

vor die Säue werfen!«

Ich verbiß mein Lachen, so gut ich konnte, und sagte zu ihm:

»Allergütigster Jove, du wirst ja eines groben Waldgottes

Unbescheidenheit halber deinem andern Ganymede nicht verhalten, wie es

weiter in Deutschland hergehen wird.«

»O nein, aber befiehl diesem säuischen ~Commentatori~ fürderhin seine

Zunge im Zaum zu halten. -- Höre, lieber Ganymed, es wird alsdann

in Deutschland das Goldmachen so gewiß und so gemein werden als das

Hafnerhandwerk, daß schier ein jeder Roßbub den Stein der Weisen wird

umschleppen.«

»Wie aber wird Deutschland bei so unterschiedlichen Religionen einen

langwierigen Frieden haben können? Werden die Pfaffen nicht die Ihrigen

hetzen und des Glaubens wegen wiederum einen Krieg anspinnen?«

»Nein,« sagte Jupiter, »mein Held wird weislich zuvorkommen und alle

Glauben vereinigen.«

»O Wunder! Das wäre ein groß Werk! Wie müßte das geschehen?«

»Das will ich dir herzlich gern offenbaren: Nachdem mein Held den

Universal-Frieden der ganzen Welt verschafft, wird er geistliche und

weltliche Vorsteher der unterschiedlichen Völker und Kirchen mit

einem sehr beweglichen Sermon anreden und sie durch hochvernünftige

Gründe und unwiderlegliche Argumenta dahin bringen, daß sie sich

selbst eine allgemeine Vereinigung wünschen. Alsdann wird er die

allergeistreichsten, gelehrtesten und frömmsten von allen Orten und

Enden her aus allen Religionen zusammenbringen und ihnen auferlegen,

daß sie sobald immer möglich die Streitigkeiten ernstlich beilegen und

nachgehends mit rechter Einhelligkeit die wahre, heilige, christliche

Religion gemäß der heiligen Schrift, der uralten Tradition und der

probierten heiligen Väter Meinung schriftlich verfassen sollen. Wenn er

aber merken sollte, daß sich einer oder der andere von Teufel einnehmen

läßt, so wird er die ganze Versammlung wie in einem ~Conclave~ mit

Hunger quälen, und wann sie nicht daran wollen, ein so hohes Werk zu

befördern, so wird er ihnen allen vom Hängen predigen, daß sie eilands

zur Sache schreiten und mit ihren halsstarrigen, falschen Meinungen,

die Welt nicht mehr wie vor Alters foppen.

Nach erlangter Einigkeit wird er ein großes Jubelfest anstellen und

der ganzen Welt diese geläuterte Religion publizieren. Welcher alsdann

darwider glaubet, den wird er mit Schwefel und Pech martyrisieren oder

einen solchen Ketzer mit Buxbaum bestecken und dem Teufel zum neuen

Jahr schenken.

Der abenteuerliche Simplicissimus · 第 41 / 78 题