Allein ich war wenig Stunden von den Kroaten hinweg, so erhascheten
mich etliche Schnapphahnen, die mein närrisch Kleid in der finstern
Nacht nicht sahen und mich durch zween von ihnen an einen gewissen Ort
im Walde führen ließen. Als wir dort waren, wollte der eine Kerl kurzum
Geld von mir und legte Handschuh und Feuerrohr nieder, um mich zu
visitieren. Sobald er aber mein haarigs Kleid und die langen Eselsohren
an meiner Kappe begriff, davon helle Funken stoben, fuhr er vor Schröck
ineinander. Solches merkte ich gleich, derowegen striegelte ich mein
Kleid, daß es schimmerte, als wann ich inwendig voller brennenden
Schwefels gestocken wäre. Ich schrie ihn mit schröcklicher Stimme
an: »Ich bin der Teufel und will dir und deinem Gesellen die Hälse
abdrähen!«
Da rannten alle beide durch Stöcke und Stauden, als wann sie
das höllische Feuer gejaget hätte. Ich aber lachte unterdessen
förchterlich, daß es im ganzen Wald erschallete.
Als ich mich abwegs machen wollte, strauchelte ich über das Feuerrohr
und da ich weiterschritte, stieß ich auch an einen Knappsack, daran
unten eine Patronentasche, mit Pulver, Blei und Zugehör wohlversehen,
hing. Das nahm ich alles an mich, weil ich mit dem Geschoß umzugehen
bei den Kroaten wohl gelernet hatte, und verbarg mich unweit davon in
einem dicken Busch.
Sobald der Tag anbrach kam die ganze Partei auf vorbenannten Platz
und suchte das verloren Feuerrohr samt Knappsack. Ich aber hielt mich
stiller als eine Maus.
»Pfui, ihr feige Tropfen,« sagte einer, »daß ihr euch von einem einigen
Kerl erschröcken, verjagen und das Gewehr abnehmen lasset!«
Jedoch der eine schwur, der Teufel solle ihn holen, wann es nicht der
Teufel selbst gewesen sei, er hätte die Hörner und seine rauhe Haut
wohl begriffen. Der Anführer antwortete: »Was meinest du wohl, daß der
Teufel mit deinem Ranzen und Feuerrohr machen wollte. Ich dörfte meinen
Hals verwetten, wo nicht der Kerl beide Stücke mit sich genommen!«
Diesem hielt ein andrer Widerpart und sagte: es könne wohl auch sein,
daß seither etlich Bauren dagewesen wären.
Zuletzt glaubten sie den grausamen Flüchen der beiden, so meine
funkelnde Haut gesehen hatten, daß es der Teufel gewesen sei, und
nahmen ihren Weg weiters.
Ich aber machte den Ranzen auf zu frühstücken und langte mit dem ersten
Griff einen Säckel heraus, in welchen dreihundert und etliche sechzig
Dukaten waren. Viel mehr erfreuete mich aber, daß ich den Sack mit
Proviant wohl gefüllet befand. Also zehrete ich bei einem lustigen
Brünnlein fröhlich zu morgen.
Solang mein Proviant währete, blieb ich im Wald, als aber mein Ranzen
leer worden, jagte mich der Hunger in die Baurenhäuser. Da kroch ich
bei Nacht in Keller und Küchen, nahm, was ich fand, und schleppte es
mit mir dahin, wo es am allerwildesten war. Noch stund der Sommer im
Anfang und ich konnte mit meinem Rohr Feuer machen.
Unter währendem diesem Herumschweifen haben mich unterschiedliche
Baursleute angetroffen, die seind aber allezeit vor mir geflohen. Also
ward ruchbar, der böse Feind wandere wahrhaftig in selbiger Gegend
umher. Derowegen mußte ich sorgen, der Proviant möchte mir ausgehen.
Ich wollte wieder Wurzeln und Kreuter essen, deren war ich aber nicht
mehr gewohnt.
Einsmals hörete ich zween Holzheuer. Ich ging dem Schlag nach, und als
ich sie sahe, nahm ich eine Handvoll Dukaten, schlich nahe zu ihnen,
zeigte ihnen das anziehende Geld und sagte: »Ihr Herren, wann ihr
meiner wartet, so will ich euch die Handvoll Gold schenken.«
Aber sobald sie mich und das Gold sahen, gaben sie Fersengeld und
ließen Schlegel und Keil samt ihrem Käs- und Brotsack liegen. Den nahm
ich, verschlug mich in den Wald und verzweifelte schier, wieder einmal
unter Menschen zu kommen.
Nach langem Hin- und Hersinnen gedachte ich meinen Schatz zu sichern,
derowegen machte ich mir aus meinen Eselsohren zwei Armbinden,
gesellete darein meine hanauischen zu den schnapphahnischen Dukaten und
arrestieret die Armbänder oberhalb den Ellbogen um meine Arme. Sodann
fuhr ich den Bauren wieder ein und holte von ihrem Vorrat, was ich
bedurfte und erschnappen konnte, jedoch so, daß ich niemals wieder an
denselbigen Ort kam.
Als ich zu Ende Mai wieder in einen Baurenhof geschlichen war, kam ich
in die Küche, merkte aber bald, daß noch Leute auf waren. Blieb demnach
mausstill sitzen und wartete. Unterdessen nahm ich einen Spalt gewahr,
den das Küchenschälterlein hatte. Ich schlich hinzu und sahe anstatt
des Lichts eine schweflichte, blaue Flamme auf der Bank stehen, bei
welcher sie Stecken, Besen, Gabeln, Stühl und Bänke schmierten und nach
einander damit zum Fenster hinaus flogen. Ich wunderte mich schröcklich
und empfand großes Grauen, weil ich aber größerer Schröcklichkeiten
gewohnt war, verfügte ich mich, nachdem sie alle abgefahren, in die
Stube und bedachte, wo ich etwas finden sollte. Satzte mich in solchen
Gedanken auf eine Bank rittlings nieder. Ich war aber kaum aufgesessen,
da fuhr ich samt der Bank gleichsam augenblicklich zum Fenster hinaus
und ließ meinen Ranzen und Feuerrohr vor den Schmierlohn und die
künstliche Salben dahinter.
Ich kam in einem Nu zu einer großen Schar Volkes, diese tanzten einen
wunderlichen Tanz, dergleichen ich mein Lebtag nie gesehen. Sie hatten
sich bei den Händen gefaßt und viel Ring ineinander gemacht mit
zusammengekehrten Rücken, also, daß sie die Angesichter hinauswarts
kehrten. Ein Ring tanzte um den andern links, der ander rechts herum
und würblete dermaßen, daß ich nicht sehen konnte, was sie in der Mitte
stehen hatten. Gleich seltsam war die Musik, welche eine wunderliche
~Harmoniam~ abgab. Meine Bank hatte mich bei den Spielleuten
niedergelassen. Die hatten anstatt Flöten, Zwerchpfeifen und Schalmeien
nichts anderes als Nattern, Vipern und Blindschleichen, darauf sie
lustig daherpfiffen. Etliche geigten auf Roßköpfen, andere schlugen
Harfe auf einem Kühgerippe, wie solche auf dem Wasen liegen. Einer
hatte eine Hündin am Arm, deren leierte er am Schwanz und fingerte an
den Dütten. Darunter trompeteten die Teufel durch die Nase, daß es im
ganzen Wald erschallete. Wie der Tanz bald aus war, fing die ganze
höllische Gesellschaft an zu rasen, zu rufen, zu rauschen, zu brausen,
zu wüten und zu toben, als ob sie alle toll wären.
In diesem Lärmen kam ein Kerl auf mich dar und hatte eine ungeheuere
Krote unterm Arm, der waren die Därme ausgezogen und wieder zum Maul
hineingeschoppt.
»Sieh hin, ~Simplici~, ich weiß du bist ein guter Lautenist, laß doch
ein Stückgen hören!«
Ich erschrak, daß ich schier umfiel, weil mich der Kerl mit meinem
Namen nannte. Ich sahe ihn mit seiner Krot steif an und er zog seinen
Nase aus und ein. Endlich stieß er mir vor die Brust, daß ich bald
davon erstickte, derowegen rief ich überlaut zu Gott. Im Hui war es
stockfinster und mir so förchterlich ums Herz, daß ich zu Boden fiel
und wohl hundert Kreuz vor mich machte.