Das siebente Kapitel

Obzwar nun die Hanauer gleich Lärm schlugen, sich zu Pferd heraus

ließen, so mochten sie doch denen Kroaten nichts abgewinnen. Diese

leichte Ware ging sehr vorteilhaftig durch und nahm ihren Weg auf

Büdingen zu, allwo sie fütterten und den Bürgern daselbst die

gefangenen hanauischen reichen Söhnlein wieder zu lösen gaben, auch

ihre gestohlenen Pferde und andere Beute verkauften. Von dannen brachen

sie wieder auf und gingen schnell durch den Büdinger Wald auf Stift

Fulda zu. Sie nahmen unterwegs mit, was sie fortbringen konnten, das

Rauben und Plündern hinderte sie an ihrem schleunigen Fortzug im

geringsten nichts, dann sie konntens machen wie der Teufel, maßen

wir noch denselben Abend im Stift Hirschfeld, allwo sie ihr Quartier

hatten, mit einer großen Beute ankamen. Das ward alles partiert, ich

aber fiel dem Obristen Corpes zu.

Bei diesem Herrn kam mir alles widerwärtig und fast spanisch vor. Die

hanauischen Schleckerbissen hatten sich in schwarzes Brot und mager

Rindfleisch verändert, Wein und Bier war mir zu Wasser geworden, so

schlief ich bei den Pferden. Anstatt Lautenschlagen mußte ich zu Zeiten

gleich andern Jungen untern Tisch kriechen, wie ein Hund heulen und

mich von Sporen stechen lassen. Vor das hanauische Herumterminieren

mußte ich Pferde striegeln. Mein Herr hatte kein Weib, keinen

Pagen, keinen Kammerdiener, keinen Koch, hingegen aber einen Haufen

Reutknechte und Jungen. Er schämete sich nicht, sein Roß zu satteln und

ihm Futter fürzuschütten. Er schlief auf der bloßen Erde und bedeckte

sich mit seinem Pelzrock, daher sahe man oft die Müllerflöhe auf seinen

Kleidern herumwandern, deren er sich im geringsten nicht schämete,

sondern noch darzu lachte, wann ihm jemand einen herablas. Er trug

kurze Haupthaar und einen Schweizerbart, welcher ihm wohl zustatten

kam, weil er zuweilen selbst auf Kundschaft ging. Von den Seinen und

andern, die ihn kannten, ward er geliebt, geehrt und geförchtet.

Dies Leben schmäckte mir ganz nicht, dann wir waren niemals ruhig.

Mit den Burschen konnte ich nicht reden, mußte mich stoßen, plagen,

schlagen und jagen lassen. Die größte Kurzweil, die mein Obrister mit

mir hatte, war, daß ich ihm auf deutsch singen und eins vorblasen

mußte. Ich kriegte alsdann so dichte Ohrfeigen, daß der rote Saft

hernach ging. Zuletzt lernte ich das Kochen und meines Herrn Gewehr

sauber halten, darauf er viel hielt. Das schlug mir so vortrefflich zu,

daß ich endlich seine Gunst erwarb, maßen er mir ein neues Narrenkleid

aus Kalbsfellen mit viel größeren Eselsohren machen ließ. Ich trachtete

Tag und Nacht, wie ich mit guter Manier wieder ausreißen möchte,

vornehmlich weil ich den Frühling wieder erlanget hatte.

Derhalben nahm ich mich an, die Schaf- und Kühkutteln, deren es voll um

unser Quartier lag, fern hinweg zu schleifen, damit sie keinen so üblen

Geruch machten. Solches ließ sich der Obrist gefallen. Zuletzt aber

blieb ich gar aus und entwischte in den nächsten Wald.

Der abenteuerliche Simplicissimus · 第 29 / 78 题