Obzwar nun die Hanauer gleich Lärm schlugen, sich zu Pferd heraus
ließen, so mochten sie doch denen Kroaten nichts abgewinnen. Diese
leichte Ware ging sehr vorteilhaftig durch und nahm ihren Weg auf
Büdingen zu, allwo sie fütterten und den Bürgern daselbst die
gefangenen hanauischen reichen Söhnlein wieder zu lösen gaben, auch
ihre gestohlenen Pferde und andere Beute verkauften. Von dannen brachen
sie wieder auf und gingen schnell durch den Büdinger Wald auf Stift
Fulda zu. Sie nahmen unterwegs mit, was sie fortbringen konnten, das
Rauben und Plündern hinderte sie an ihrem schleunigen Fortzug im
geringsten nichts, dann sie konntens machen wie der Teufel, maßen
wir noch denselben Abend im Stift Hirschfeld, allwo sie ihr Quartier
hatten, mit einer großen Beute ankamen. Das ward alles partiert, ich
aber fiel dem Obristen Corpes zu.
Bei diesem Herrn kam mir alles widerwärtig und fast spanisch vor. Die
hanauischen Schleckerbissen hatten sich in schwarzes Brot und mager
Rindfleisch verändert, Wein und Bier war mir zu Wasser geworden, so
schlief ich bei den Pferden. Anstatt Lautenschlagen mußte ich zu Zeiten
gleich andern Jungen untern Tisch kriechen, wie ein Hund heulen und
mich von Sporen stechen lassen. Vor das hanauische Herumterminieren
mußte ich Pferde striegeln. Mein Herr hatte kein Weib, keinen
Pagen, keinen Kammerdiener, keinen Koch, hingegen aber einen Haufen
Reutknechte und Jungen. Er schämete sich nicht, sein Roß zu satteln und
ihm Futter fürzuschütten. Er schlief auf der bloßen Erde und bedeckte
sich mit seinem Pelzrock, daher sahe man oft die Müllerflöhe auf seinen
Kleidern herumwandern, deren er sich im geringsten nicht schämete,
sondern noch darzu lachte, wann ihm jemand einen herablas. Er trug
kurze Haupthaar und einen Schweizerbart, welcher ihm wohl zustatten
kam, weil er zuweilen selbst auf Kundschaft ging. Von den Seinen und
andern, die ihn kannten, ward er geliebt, geehrt und geförchtet.
Dies Leben schmäckte mir ganz nicht, dann wir waren niemals ruhig.
Mit den Burschen konnte ich nicht reden, mußte mich stoßen, plagen,
schlagen und jagen lassen. Die größte Kurzweil, die mein Obrister mit
mir hatte, war, daß ich ihm auf deutsch singen und eins vorblasen
mußte. Ich kriegte alsdann so dichte Ohrfeigen, daß der rote Saft
hernach ging. Zuletzt lernte ich das Kochen und meines Herrn Gewehr
sauber halten, darauf er viel hielt. Das schlug mir so vortrefflich zu,
daß ich endlich seine Gunst erwarb, maßen er mir ein neues Narrenkleid
aus Kalbsfellen mit viel größeren Eselsohren machen ließ. Ich trachtete
Tag und Nacht, wie ich mit guter Manier wieder ausreißen möchte,
vornehmlich weil ich den Frühling wieder erlanget hatte.
Derhalben nahm ich mich an, die Schaf- und Kühkutteln, deren es voll um
unser Quartier lag, fern hinweg zu schleifen, damit sie keinen so üblen
Geruch machten. Solches ließ sich der Obrist gefallen. Zuletzt aber
blieb ich gar aus und entwischte in den nächsten Wald.