Weil ich ein Narr sein sollte, der nicht so witzig ist, von sich selbst
herauszugehen, achtet ich des Loches, das der tolle Fähnrich in die
Tür geschnitten hatte, nicht, sondern blieb und stellte mich als ein
hungrig Kalb, das sich nach der Mutter sehnet. Mein Geplärr ward auch
bald von zween Soldaten gehöret, die darzu bestellt waren. Sie fragten
mich, wer da sei. Ich antwortete: »Ihr Narren, höret ihr dann nicht,
daß ein Kalb da ist?« Sie nahmen mich heraus und verwunderten sich
wie neugeworbene Komödianten, die nicht wohl agieren können, daß ein
Kalb rede. Sie beratschlagten, mich dem Gubernator zu verehren, der
ihnen mehr schenken würde, als der Metzger vor mich bezahlt hätte. Sie
fragten mich, wie demnach mein Handel stünde.
»Liederlich genug,« antwortete ich.
»Warum?«
»Darum, dieweil hier Brauch ist, redliche Kälber in Gänsstall zu
sperren.«
Sie führten mich gegen des Gouverneurs Quartier zu und uns folgte eine
große Schar Buben nach, die ebensowohl als ich, wie Kälber schrien.
Also ward ich dem Gouverneur präsentiert, als ob ich von denen Soldaten
erst auf Partei erbeutet worden wäre. Er versprach mir die beste Sach.
Ich sagte: »Wohl Herr, man muß mich aber in keinen Gänsstall sperren,
dann wir Kälber können solches nicht erdulden, wann wir anders wachsen
und zu einem Stück Hauptviehe werden sollen.«
Er vertröstete mich eines besseren und dünkte sich gar gescheit zu
sein, daß er einen solchen visierlichen Narren aus mir gemachet hätte.
Hingegen gedachte ich: Harre mein, lieber Herr, ich habe die Probe des
Feuers überstanden.
Indem trieb ein geflüchteter Baur sein Viehe zur Tränke. Ich sahe
es und eilete mit einem Kälbergeplärr den Kühen zu, so sich vor mir
ärger entsatzten als vor einem Wolf, ja, sie wurden so schellig und
zerstoben von einander, daß sie der Bauer am selbigen Ort nicht mehr
zusammenbringen konnte. Im Hui war ein Haufen Volk darbei, das der
Gaukelfuhre zusahe. Mein Herr lachte, daß er hätte zerbersten mögen,
und meinte endlich: »Ein Narr macht ihrer hundert!« Ich aber gedachte,
eben du bist derjenige, dem du jetzt wahrsagest.
Gleichwie mich nun jedermann von selbiger Zeit an das Kalb nannte,
also nannte ich hingegen auch einen jeden mit einem besonderen Namen.
~In summa~ mich schätzte männiglich vor einen ohnweisen Toren und ich
hielte jeglichen vor einen gescheiten Narren. Dieser Brauch ist meines
Erachtens in der Welt noch üblich, maßen ein jeder mit seinem Witz
zufrieden und sich einbildet, er sei der Gescheiteste unter allen.
Bei der Mittagsmahlzeit wartete ich auf wie zuvor, brachte aber
daneben seltsame Sachen auf die Bahn, und, als ich essen sollte,
konnte niemand menschliche Speise oder Trank in mich bringen. Ich
wollte kurzum nur Gras haben, was zur selbigen winterlichen Zeit zu
bekommen unmüglich war. So ließ mein Herr zweien kleinen Knaben frische
Kalbfell überstreifen, diese satzte er zu mir und traktierte uns mit
Wintersalat. Ich aber sahe so starr drein, als wann ich mich darüber
verwunderte.
»Jawohl,« sagten sie, weil sie mich so kaltsinnig sahen, »es ist nichts
Neues, daß Kälber Fleisch, Fisch, Käse, Butter und anders fressen. Sie
saufen auch zu Zeiten einen guten Rausch.«
Ich ließ mich desto ehender überreden, als ich hiebevor schon selbst
gesehen, wie teils Menschen säuischer als Schweine, geiler als Böcke,
neidiger als Hunde, unbändiger als Pferde, gröber als Esel, versoffener
als Rinder, gefräßiger als Wölfe, närrischer als Affen und giftiger als
Schlangen und Kroten waren, so dannoch allesamt menschlicher Nahrung
genossen und nur durch die Gestalt von den Tieren unterschieden waren.
Gleichwie meine beiden Schmarotzer mit mir zehreten, also mußten sie
auch mit mir zu Bette, wann mein Herr anders nicht zugeben wollte, daß
ich im Kühestall schliefe. Der grundgütige Gott gab mir so viel Witz
vor meinen Stand, als er einem jeden Menschen zu seiner Selbsterhaltung
verleihet, dannenhero ich erkannte: Doktor hin, Doktor her, was bildet
ihr euch ein, allein witzig zu sein und Hans in allen Gassen. Hinter
den Bergen, da wohnen auch noch Leute.
Gegen Mittag so mußte ich auch in die Stube, weil adelig Frauenzimmer
bei meinem Herren war, den neuen Narren zu hören und zu sehen. Ich
erschiene und stund da wie ein Stummer. Dahero diejenige, so ich
hiebevor beim Tanze erdappet hatte, Ursach nahm zu sagen, sie hätte
gehört, daß dieses Kalb könne reden, nunmehr verspüre sie aber, daß es
nicht wahr sei.
Ich antwortete: »So habe ich vermeint, die Affen können nicht reden,
höre aber wohl, das dem auch nicht so sei.«
»Wie,« sagte mein Herr, »vermeinst du dann, diese Damen seien Affen?«
»Sein sie es nicht,« gab ich entgegen, »so werden sie es bald werden.
Wer weiß wie es fällt, ich habe mich auch nicht versehen, ein Kalb zu
werden, und bins doch.«
Da fragte mein Herr, woran ich sehe, daß diese Damen Affen werden
sollten.
Ich antwortete: »Der Affe trägt seinen Hintern bloß, diese Jungfer
allbereits ihre Brüstlein, dann andre Mägde pflegen sonst solche zu
bedecken.«
»Schlimmer Vogel,« sagte mein Herr, »so redest du? Diese lassen billig
sehen, was sehenswert ist, der Affe aber gehet aus Armut nackend.
Geschwind bringe ein, was du gesündiget hast, oder man wird dich mit
Hunden in den Gänsstall hetzen!«
Hierauf betrachtete ich die Dame so steif und lieblich, als hätte
ich sie heuraten wollen. Endlich sagte ich: »Herr, ich sehe wohl der
Diebsschneider ist an allem schuldig, er hat das Gewand, das oben um
den Hals gehört, unten am Rock stehen lassen, darum schleift es so weit
hinten nach. Man soll dem Hudler die Hand abhauen. Jungfer, schafft
ihn ab, wann er Euch nicht so verschänden soll und sehet, daß ihr
meiner Meuder, des Ursele und der Ann Schneider bekommt, die haben Röck
gehabt, so nicht im Dreck geschlappt wie Eurer.«
Mein Herr fragte, ob dann meines Knäns Ann und Ursele schöner gewesen
als diese Jungfer.
»Ach wohl nein,« sagte ich, »diese Jungfer hat ja Haare so gelb,
als kleine Kindlein die Windlen zeichnen, und sie sein so hübsch
zusammengerollt, als hätte sie auf jeder Seite ein paar Pfund Lichter
oder ein Dutzend Bratwürst hangen. Wie hat sie so eine schöne glatte
Stirn, weißer als ein Totenkopf, der viel Jahr lang im Wetter gehangen.
Jammerschad ist, daß ihre zarte Haut durch den Puder bemackelt wird,
als habe die Jungfer den Erbgrind, der solche Schuppen von sich werfe.
Wie zwitzern doch ihre funkelnden Augen, vor Schwärze klärer als meines
Knäns Ofenloch. Und die zwei Reihen Zähne, so in ihrem Maul stehen,
schimmern so schön, als wann sie aus einem Stück von einer weißen Rübe
geschnitzelt wären worden. O Wunderbild, ich glaube nicht, daß es einem
wehe tut, so du einen damit beißest! Wie ist ihr Hals schier so weiß,
als eine gestandene Sauermilch und ihre Brüstlein sein von gleicher
Farbe und ohn Zweifel so hart, als eine Geißmämm, die von übriger Milch
strotzet. Ach Herr, sehet ihre Hände und Finger so subtil, so lang, so
gelenk, so geschmeidig und so geschickt, damit sie einem in den Sack
greifen können, wann sie fischen wollen. Aber was soll dieses gegen
ihren ganzen Leib, den ich zwar nicht sehen kann. Ist er nicht so zart,
so schmal und anmutig, als wann sie acht ganzer Wochen die schnelle
Katharina gehabt hätte?«
Hierüber erhub sich eine solch Gelächter, daß man mich nicht mehr
hören, noch ich mehr reden konnte. Ging hiemit durch wie ein Holländer
und ließ mich, solang mirs gefiel, von andern vexieren.