Er antwortete: »Da wäre einer ein Bernheuter! Ich will mich, schlag
mich der Donner und hol mich der Teufel, selbst rächen oder das Leben
nicht haben! Hei, müßte doch einer ein Schelm sein, der sich so
coujonieren ließe!«
Das Lärmen zwischen den zweien Duellanten vergrößerte sich, weilen
beiderseits Beiständer auch in die Haare kamen. Da bliebs bei geringen
Kinderschwüren nicht. Die heiligen Sakramente mußten nicht nur
siebenfach, sondern auch mit hunderttausenden soviel Tonnen, Galeeren
und Stadtgräben voll heraus, also daß mir alle Haare zu Berg stunden.
Zum allerschröcklichsten kam es mir vor, wann ich etliche Großsprecher
sich ihrer Boßheit, Sünden, Schande und Laster rühmen hörte. Da vernahm
ich zu unterschiedlichen Zeiten:
»Potz Blut, wie haben wir gestern gesoffen! Ich habe mich in einem Tag
wohl dreimal vollgesoffen und eben soviel Mal gekotzt!«
»Potz Stern, wie haben wir die Bauren, die Schelmen, tribuliert!«
»Potz Strahl, wie haben wir Beuten gemacht!«
»Potz hundert Gift, wie haben wir einen Spaß mit den Weibern und Mägden
gehabt!«
»Ich habe ihn darniedergehauen, als wenn ihn der Hagel hätte darnieder
geschlagen.«
»Ich habe ihn geschossen, daß er das Weiße über sich kehrte.«
»Ich habe ihn so artlich über den Tölpel geworfen, daß ihn der Teufel
hätte holen mögen. -- Ich habe ihm den Stein gestoßen, daß er den Hals
hätte brechen mögen.«
In Gottes Namen sündigten sie, was wohl zu erbarmen ist: »Wir wollen in
Gottesnamen auf Partei, plündern, niedermachen, in Brand stecken.«
Wann ich so etwas hörete und sahe und, wie meine Gewohnheit war, mit
der Hl. Schrift hervorwischte, so hielten mich die Leute vor einen
Narren und ich ward ausgelachet, daß ich endlich auch unwillig wurde
und mir vorsatzte, gar zu schweigen.
Als ich demnach vermeinete, ich hätte Ursach zu zweifeln, ob ich unter
Christen wäre oder nicht, ging ich zu dem Pfarrer mit der Bitte, er
wolle mir doch aus dem Traum helfen. Der Pfarrer antwortete: »Freilich
sind sie Christen und wollte ich dir nicht raten, daß du sie anderst
nennen solltest. Dessen verwundere dich nicht. Wann die Apostel selbst
anjetzo auferstehen und in die Welt kommen sollten, sie würden jeder
männiglich vor Narren gehalten sein. Was du siehest und hörest ist eine
allgemeine Sache und nur Kinderspiel dagegen, was sonsten so heimlich,
als offentlich und mit Gewalt wider Gott und den Menschen vorgeht.
Laß dich das nicht ärgern. Du wirst wenig Christen finden, wie dein
Einsiedel einer gewesen ist.«
Indem führet man etliche Gefangene über den Platz und wir beschaueten
sie auch. Da vernahm ich eine neue Mode einander zu grüßen und zu
bewillkommnen, dann einer unserer Guarnison kannte einen Gefangenen. Zu
dem ging er, gab ihm die Hand und druckete sie vor lauter Freude und
Treuherzigkeit, dabei er sagte: »Daß dich der Hagel erschlage, lebst du
noch, Bruder? Potz Fickerment, wie führt uns der Teufel hier zusammen!
Ich habe, schlag mich der Donner vorlängst gemeinet, du wärest gehängt
worden!«
Darauf antwortete der andere: »Potz Blitz Bruder, bist dus oder bist
dus nicht? Daß dich der Teufel hole, wie bist du hierher gekommen? Ich
hätte mein Lebtag nicht vermeinet, daß ich dich wieder antreffen würde,
sondern habe gedacht, der Teufel hätte dich vorlängst hingeführet!«
Und als sie von einander gingen, sagte einer zum andern:
»Strick zu, Strick zu, morgen kommen wir vielleicht zusammen, dann
wollen wir brav mit einander saufen!«
Ich verwunderte mich und ging, dem Gubernator aufzuwarten, dann ich
hatte gewisse Zeiten Erlaubnus, die Stadt zu beschauen, weil mein Herr
von meiner Einfalt Wind hatte und gedachte, solche würde sich legen,
wann ich herumterminierte und von andern gehobelt und gerülpt würde.