»Siehst du, Papa, willst du weiter mit ihm verkehren?«
Verwundert sah er auf, seine Augenlider waren rot gerändert. »Ich? Ich
bin mit ihm fertig!«
»Und ich soll mit ihm weiterleben?«
Die alte Hilflosigkeit überkam ihn:
»Ich wollte nur alles versuchen, weil ich eben keinen anderen Ausweg
sehe.«
Sie küßte seine faltige Stirn. »Der Ausweg«, sie hob die Hand zu dem
blauen Himmel, auf dem weiße Wölkchen segelten, »dort ist er -- die
Freiheit!«
Mit ängstlichen Augen sah er sie an. Eine Art Schwindel befiel ihn.
Die Ahnung fremder Welten, die er noch nicht kannte. Doch er stand am
Eingang. Er ließ den Blick rundumgehen, von einem Baum zum anderen,
vom Efeu, der sich eigenwillig emporrankte, zum Springbrunnen, dessen
Wasser in schimmernde Tropfen zerfiel: »Eine geschiedene Frau ist
Freiwild -- ihr Leben ist unstet, von den Reden der Leute vergiftet.«
»Besser als eine morsche Ehe.« Sie faßte seinen Arm, lebhaft wurde ihr
Blick. »Heute hab' ich Gröden getroffen.«
»Hat er dich erkannt?«
Sie lachte: »Wir sprachen fast eine Stunde. Er fand mich sehr
verändert.«
Klaus Tiedemann stand auf und ging der Terrasse zu. Er schüttelte den
Kopf.
Clo war an seiner Seite; sie sprach weiter von Gröden:
»Denk' dir, Papa, er baut hier die neue Anstalt! Ist das nicht ein
Zufall?«
Er nickte, dann sah er sich scheu um:
»Du hast zu Hilde nicht gesprochen?«
Verständnislos blickte sie ihn an:
»Wovon?«
Er schluckte und sah zu Boden:
»Von dem, was ich dir von meiner ersten Ehe erzählt habe, damals ...«
»Nein; wenn du willst, sag' ich's auch niemandem.«
»Ich bitte dich drum,« er atmete auf, »es ist mir zwar ganz gleich,
aber lieber ist's mir doch so ...«
»Gewiß, Papa.«