wenn ich ihn bei meiner Frau gebraucht habe, tue ichs ja auch.«
261.
Der Hodscha hatte acht Esel; auf einen stieg er. Als er dann seinen
Ritt gemacht hatte, zählte er sie, brachte aber nur sieben heraus; er
vergaß nämlich den, auf dem er saß. Nachdem er abgestiegen war, brachte
er acht heraus; über diese Erscheinung war er ganz verdutzt, so daß
ihn einer, der vorüberkam, fragte, worüber er sich wundere. Er schrie:
»Früher waren es nur sieben; jetzt sind es auf einmal acht.«
»Der, auf den du gesessen hast, hat eben die Zahl vollgemacht.«
Und der Hodscha antwortete: »Ja, wie hätte ich denn sehn sollen, was
ich am Hintern hatte?«
262.
Eines Tages ging der Hodscha mit seinem Amad auf die Jagd. Er hatte
einen Falken auf der Hand; sie ließen ihn steigen und er setzte sich
auf einen Ochsen. Alsbald schlang der Hodscha einen Strick um den Kopf
des Ochsen, zog ihn zu sich nach Hause und band ihn an. Der Eigentümer
ging seinen Ochsen suchen und fand ihn schließlich beim Hodscha; da
sagte er zum Hodscha: »Der Ochs ist mein; wieso hast du ihn hier
angebunden?«
»Potzteufel, Dummkopf,« antwortete der Hodscha, »mein Falke hat ihn
gebeizt; er ist meine Jagdbeute.«
Sie gingen mitsammen zum Kadi und erklärten ihm den Fall. Der Kadi
schrie: »Aber Hodscha, seit wann fängt denn ein Falke einen Ochsen?«
»Nun,« antwortete Nasreddin, »auf das Kamel zu beizen, ist gewiß
nicht verboten; sollte denn zwischen einem Vieh und dem andern mehr
Unterschied sein als zwischen ihnen und dir?«
263.
Der Amad sagte eines Tages zum Hodscha: »Hodscha, du bist nicht
imstande, dich, wenn man Speisen vor dich hinstellt, so zurückzuhalten,
wie die gebildeten Fremden tun, die nach ein paar Bissen zu essen
aufhören.«
»Amad,« antwortete der Hodscha, »ich werde mir einen Faden an die Zehe
binden; wenn du bemerkst, daß ich zu viel esse, so ziehe daran.«
Dergestalt miteinander einig, wurden einmal der Hodscha und sein Amad
zu einem Mahle eingeladen. Eben war das Auftragen beendigt, als eine
Katze ihre Pfote auf den Faden legte, der an dem Fuße des Hodschas
befestigt war; sofort hörte der Hodscha zu essen auf.
Man fragte ihn: »Warum ißt du nichts, Hodscha?«
»Warum ich nicht esse?« schrie er; »mein Amad zieht ja am Faden!«
264.
Eines Tages wollte der Hodscha der Liebe pflegen; aber von ungefähr
setzte sich eine Biene auf sein männliches Glied. Da schrie er: »Du
weißt also ganz gut, was gut ist; es ist auch wahrhaftig eine Blume,
die gewählt zu werden verdient, wenn es gilt, Honig zu bereiten!«
265.
Eines Tages legte man dem Hodscha die Frage vor: »Was soll die
Versammlung tun, wenn der Imam einen Wind läßt?«
»Was sie tun soll,« antwortete der Hodscha; »aber es ist klar, sie muß
scheißen.«
266.
Als der Hodscha eines Tages auf dem Markte war, besahen sich die Leute
sein Geld besonders aufmerksam; da sagte er zu einem: »Was siehst du
denn daran außergewöhnliches? ist es vielleicht das, das der Bankhalter
deiner Mutter versprochen hat, um bei ihr zu schlafen?«
267.
Der Hodscha, der schon einen weißen Bart hatte, sah eines Tages eine
Schar Frauen, die eine Braut dem jungen Gatten zuführten. Da verließ
ihn seine Kaltblütigkeit und er tat ihnen einen Schimpf an. Sie sagten
zu ihm: »Schämst du dich denn nicht? wie kannst du dich denn bei deinem
weißen Barte so wenig zurückhalten?«
»Frißt vielleicht«, antwortete er, »ein weißer Hund weniger Dreck als
ein anderer?«
268.
Eines Tages wollte der Hodscha in der Nachbarschaft einen Becher
entleihen; da sagte seine Frau zu ihm, indem sie sich entblößte: »Nimm
den da!«
»Meinetwegen,« antwortete er, indem er sich auch entblößte; »der Klotz
da wird ihn schon in die richtige Form bringen.«
269.
Als der Hodscha eines Tages in den Busch ging, begegnete er einem
reitenden Boten. Bald darauf sah er, nachdem er auf seinen Esel
gestiegen war, nach allen Seiten herum, konnte aber den Reiter nicht
erblicken; dann sah er ihn wieder und da schrie er: »He, Mann! he,
Mann!«
Der antwortete: »Du sollst nicht Mann sagen; du mußt Bote sagen.«
Nach einer kleinen Weile sagte der Hodscha, sich über seinen Esel
beklagend: »Da schau einer dieses Füllen an!«
Der andere sagte: »Das ist kein Füllen; das ist ein ausgewachsener
Eselshengst.«
Und der Hodscha antwortete: »Ich habe meine Gründe, ihn nicht Esel zu
nennen; mein Vater hat uns nämlich miteinander aufgezogen.«
270.
Der Hodscha nahm eines Tages den Esel seines Nachbars und ging mit
ihm ins Gebirge. Auf dem Wege kam er an einen Fluß, der über die Ufer
getreten war; er versuchte ihn auf dem Esel reitend zu übersetzen, aber
die Strömung packte den Esel und er konnte ihn nicht retten.
Als er betrübt heimkam, fand sich der Eigentümer des Esels bei ihm ein
und forderte ihn zurück. Und der Hodscha sagte: »Als ich über denundden
Fluß setzte, hat ihn die Strömung mit sich fortgerissen.«
Der Herr des Esels ging weg, aber bald darauf wurde der Hodscha
zum Kadi gerufen; und dem antwortete er: »Effendi, um diesen Esel
wiederzubekommen, heißt es sich an unsere Freunde wenden; der eine hat
den Kopf, der andere den Schwanz und so weiter.«
271.
Eines Tages sah der Hodscha auf dem Markte eine Frau; er trat auf sie
zu und fragte sie: »Was hast du zu verkaufen?«
»Was ich auf dem Rücken trage.«
»Willst du nicht vielleicht einen tüchtigen Schwanz kaufen?«
Sie schrie: »Du bist wahrhaftig verrückt!«
Aber der Hodscha antwortete, ohne irgendwie ungehalten zu sein: »Glaub
es mir: wenn du keinen Schwanz kaufen und kein Loch verkaufen willst,
so hast du auf dem Markte nichts zu tun.«
272.
Eines Tages stieg der Hodscha auf die Kanzel und sagte: »Danken wir
Gott, Muselmanen, daß er sich in seiner Allmacht einen Palast hat
erbauen können ohne Säulen; denn sonst hätte er Steinbäume gebraucht,
und deren Früchte hätten uns, je nachdem sie reif geworden wären, beim
Herunterfallen erschlagen.«
273.
Als der Hodscha einmal seine Straße ging, fand er ein totes Huhn auf
dem Wege liegen. Augenblicklich hob er es auf; er trug es heim, rupfte
und kochte es und setzte es auf den Tisch. Da schrien die Leute, die
dabei waren: »Aber Hodscha, das Huhn ist unrein; es hat ja sein Leben
nicht durch die Hand eines Menschen verloren.«
»Ihr Narren,« schrie der Hodscha, »soll es denn unrein sein, weil es
Gott getötet hat und nicht ihr?«
274.
Einer von den Nachbarn des Hodschas Nasreddin war gestorben, und
die andern luden den Hodscha ein, die vorgeschriebenen Bräuche zu
vollziehen. Er sagte bereitwillig zu; er begleitete sie, der Tote
wurde gewaschen, ins Leichentuch gehüllt und auf den Friedhof getragen
und nach dem Gebete legte man ihn ins Grab. Als sich dann die Leute
anschickten, wegzugehn, sagte der Hodscha: »Bezahlt mir, was mir für
das Begräbnis zukommt.«
»Das ist billig,« sagten sie.
Sie befriedigten ihn und zerstreuten sich. Als aber jeder zu seinem
Geschäfte zurückgekehrt war, band er den Sarg zusammen und trug ihn
zu einem Flusse und ließ ihn dort; bald erfaßte ihn die Strömung und
riß ihn fort. Unterdessen ging der Hodscha im ganzen Viertel herum und
sagte: »Der Mann war reich an geheimen Verdiensten; er hat, tot, wie er
war, samt seinem Sarge das Grab verlassen und ist zum Himmel gefahren.«
Jedermann glaubte es und traute seinen Worten, bis eines Tages einer
von den Dorfleuten von ungefähr einen Sarg sah, der an das Ufer
getrieben war; andere Leute kamen dazu, und sie nahmen den Sarg aus dem
Wasser, und bald wußten sie, woran sie waren. Da sagten sie: »Morgen
verlangen wir vom Hodscha das Geld für das Begräbnis zurück; mindestens
muß er etwas nachlassen.«
Sie gingen zu ihm und setzten ihm ihre Forderung umständlich
auseinander; aber der Hodscha antwortete ihnen, ohne sich erst zu
bedenken: »Gott hat ihn zuerst für einen guten Menschen gehalten, aber
er hat sich getäuscht; als er dann seinen Irrtum inne geworden ist, hat
er ihn wieder heruntergeworfen.«
275.
Eines Tages kamen etliche Frauen an das Ufer eines Flusses, und sie
wußten nicht, wie sie auf die andere Seite hinübergelangen sollten. Da
kam der Hodscha heran, und der fragte sie: »Worauf wartet ihr?«
Sie antworteten: »Wenn du uns hinüberbringst, geben wir dir jede einen
Asper.«
Augenblicklich legte der Hodscha Kleider und Hosen ab und stieg ins
Wasser; und er trug eine nach der andern hinüber. Schließlich blieb nur
noch eine alte Frau; die aber fühlte, wie er sie von dem einen Ufer ans
andere trug, daß sie ein Gelüst ankam, und so sagte sie zu ihm: »Mir
sind verliebte Gedanken gekommen, ich muß es schon gestehn; weißt du,
wer ich bin, Hodscha?«
»Nun wer denn?«
»Ich bin die Mutter der Lust.«
»Und wenn du die Mutter des Imams wärest,« antwortete der Hodscha, »so
würde mich das nicht abhalten, dich herzunehmen wie einen Mann.«
Er entblößte sie, brachte sie in die richtige Stellung und besprang sie
verwegen; und mitten darin ließ er einen Wind. Sie sagte: »Was machst
du da, Hodscha?«
Er antwortete: »Vor eitel Lust an dem, was du mir geöffnet hast, habe
ich es an mir auch geöffnet.«
276.
Als der Hodscha eines Tages mit seiner Frau einen Fluß entlang ging,
fiel sie ins Wasser, und die Strömung riß sie fort. Augenblicklich
begann der Hodscha flußaufwärts zu laufen; das fiel den Leuten auf und
sie fragten ihn: »Was suchst du, Hodscha?«
»Meine Frau; sie ist ins Wasser gefallen.«
»Aber Effendi,« erwiderten sie, »flußaufwärts darfst du sie doch nicht
suchen; der Fluß fließt ja hinunter und nimmt sie mit.«
»O nein,« schrie der Hodscha; »meine Frau hatte ein so widerspenstiges
Wesen, daß sie entschieden aufwärts treibt.«
277.
Einmal hatte der Hodscha Nasreddin aus Ochsenfleisch Würste gemacht;
aber es vergingen zwei oder drei Tage, ohne daß er auch nur etliche
verkauft hätte, und so warf er sie alle den Hunden hin und sagte zu
diesen: »In einem Monat werdet ihr mich bezahlen.« Als dann der Monat
um war, fing er die Hunde und sperrte sie in einen Garten, um sie zur
Zahlung zu zwingen.
Und man fragte den Hodscha: »Was willst du von ihnen? es ist doch
unerhört, Hunde einzusperren, damit sie zahlen.«
»Sie haben meine Würste gegessen; warum soll ich nicht mit ihnen
verfahren, wie es mein Recht ist?«
Nach einigen auf diese Weise verbrachten Tagen begannen die Hunde unter
dem Stachel des Hungers unruhig zu werden; und der Hodscha schrie:
»Nur Geduld! wir werden schon sehn, wie sie sich aus der Sache ziehen
werden.«
Nun war in dem Garten ein großer Stein, unter dem irgendjemand einen
Topf voll Goldstücke verborgen hatte. Diesen Stein schob ein Hund bei
seinen Bemühungen, etwas für seine Zähne zu finden, weg und warf dabei
den Topf um, so daß der zerbrach; das Gold ergoß sich auf den Boden.
Der Hodscha las die Münzen auf; dann entließ er die Hunde und schrie:
»Ach, die armen Kerle: ich hab ihre Ehrlichkeit ungerecht in Verdacht
gehabt; aber warum haben sie mich nicht zur Frist bezahlt?«
278.
Eines Tages sagte sich der Hodscha, als er auf den Markt ging: »Es
heißt achtgeben, daß ich nicht bestohlen werde«; und er tat seine
Kürbisse in einen Sack und warf ihn über seine Schultern. Auf dem
Markte angelangt sah er nun vor ihm einen Mann gehn, der früher hinter
ihm gegangen war, und der trug auf dem Rücken einen Sack mit Kürbissen,
der ebenso aussah wie der seinige. Da fragte er sich: »Wenn der, der
da vorne geht, nicht ich bin, wer kann es dann sein? Wahrhaftig, ich
verstehe es nicht.«
279.
Als der Hodscha eines Tages öffentlich das Morgengebet sprach und zu
der Lobpreisung Gottes kam, stellte er sich aufrecht hin und verkündete
zwei- oder dreimal mit geläufiger Zunge die Anrufung: »Allah ist
groß!« Da er aber auch dann nicht aufhörte, diese Worte immer wieder
zu wiederholen, schrie endlich einer: »Aber Hodscha, beim Morgengebete
sollen doch nach der Anrufung, die du sprichst, zwei Verse aus der
Überlieferung und zwei Gebote hergesagt werden; warum wiederholst du
immerfort die Anrufung?«
»Tue ich es öfter, als es nötig wäre,« antwortete der Hodscha, »so
bleibt eben Gott für das übrige mein Schuldner.«
280.
Der Hodscha brachte eines Tages eine Schüssel Joghurt auf den Markt, um
sie zu verkaufen. Nun kamen ganze Wolken von Fliegen und setzten sich
auf den Joghurt; da es ihm nicht gelang, sie zu verjagen, ging er zum
Kadi, um gegen sie Klage zu führen, und der Kadi sagte zu ihm: »Nimm
einen Schlägel und schlag die Fliegen tot, wo immer sie sitzen.«
Der Hodscha holte sich einen Schlägel, ging damit wieder zum Kadi und
sagte zu ihm: »Effendi, ist das ein richtiger Fliegenschlägel?«
»Freilich,« antwortete der Kadi; »der ist wahrhaftig geeignet, sie
überall zu vertilgen, wohin sie sich setzen.«
Just in diesem Augenblicke liefen etliche Fliegen über den Kopf des
Kadis; kaum sah sie der Hodscha, als er sie auch schon mit seinem
Schlägel auf dem Kopfe des Kadis erschlug, wobei freilich auch der Kadi
tot auf dem Platze blieb. Alsbald wurde der Hodscha verhaftet, und die
Leute, die dort waren, fragten ihn: »Warum hast du unsern Kadi getötet?«
Und der Hodscha antwortete: »Wenn ich das Gesetz auch nur in einem
Punkte verletzt habe, so lasse man mich die Strafe der Vergeltung
erleiden.«
Sie führten ihn dem Mufti vor und dem sagte er: »Er hat mir gesagt,
ich solle mit diesem Schlägel die Fliegen erschlagen, wo immer es sei;
ich habe ihrer einige auf seinem eigenen Kopfe gesehn und habe sie
erschlagen: er darf also, wenn er gestorben ist, niemand verantwortlich
machen, als sich selber. Übrigens geschieht nichts, ohne daß es Gott
zuließe. Das ist es, was ich vorzubringen habe.«
»Wo hast du denn schon«, fragte ihn der Mufti, »eine solche
Rechtsprechung gesehn? Weißt du nicht, daß geschrieben steht: ›Wo
keine böse Absicht ist, kann es keine Züchtigung geben?‹«
»Das ist es ja gerade, was mich rechtfertigt,« antwortete der Hodscha;
»man hätte wahrhaftig keine Schriftstelle finden können, die mir
günstiger gewesen wäre!«
281.
Der Hodscha ging eines Tages ins Gebirge und belud seinen Esel mit
Holz; dann sagte er zu ihm: »Nimm du diesen Weg, ich nehme den da.«
Damit überließ er den Esel sich selber samt der Last, die er trug.
Als er nach einem eilig zurückgelegten Marsche nach Hause kam, fragte
er seine Frau, ob der Esel schon daheim sei; aber sie sagte: »Ich weiß
nichts von ihm.«
»Was?« sagte der Hodscha; »ich bin also zuerst gekommen?«
Er ging auf dem nämlichen Wege zurück und fand seinen Esel dort weiden,
wo er ihn verlassen hatte; weiter mußte er sehn, daß ein Mantel, den er
ihm auf den Rücken gelegt hatte, fehlte: man hatte ihn gestohlen. Da
schrie er den Esel an: »He, wo ist mein Mantel? du bists, mit dem ich
rede!«
Aber der Esel antwortete nichts — noch nie hat ja ein Tier gesprochen.
Nun nahm ihm der Hodscha den Sattel vom Rücken und sagte: »Wenn du mir
meinen Mantel zurückgibst, gebe ich dir auch deinen Sattel wieder.«
282.
Der Hodscha kaufte einen Neger; dann kaufte er neun Stück Seife, um
ihn damit weißzuwaschen. Er führte ihn ins Bad und verwusch die neun
Stück Seife; aber alles war umsonst, weil man eben einen Neger nicht
weißwaschen kann. Ermüdet schrie der Hodscha endlich: »Da ist mir ja
ein Meisterstück einer Färberarbeit in die Hände gekommen; es ist
wirklich überflüssig, an einem fertigen Ding etwas ändern zu wollen.«
283.
Eines Tages sah der Hodscha im Bade zwei verzinkte Schalen und die
gefielen ihm sehr gut; er steckte sie unter sein Badetuch und ging
damit weg. Zwei Badejungen hatten ihn aber beobachtet und sagten nun zu
ihm: »Das Bad tut dir wohl, Hodscha-Effendi.«
»Das Bad und die Schalen,« antwortete er.
284.
Es kam einer zum Hodscha, um ihn um Gastfreundschaft zu bitten, und
klopfte an die Tür; der Hodscha kam und fragte ihn: »Wer bist du?«
»Ach, Effendi, kennst du mich nicht? ich bin der Amad Muzir-Effendis.«
»Sehr gut,« antwortete der Hodscha; »warte einen Augenblick, ich will
dich zu unserm gemeinsamen Vater führen.«
Nasreddin schritt nun seinem Besucher voraus; und als sie zur Moschee
gekommen waren, öffnete er die Tür, lud ihn mit einer Handbewegung ein,
einzutreten, und sagte zu ihm: »So; so da sind wir bei dem gemeinsamen
Vater der Gläubigen.«
285.
Eines Tages bat ein Kurde den Hodscha um Gastfreundschaft; und er
sagte zu ihm: »Ich habe Hunger; bringe mir etwas zu essen.« Der
Hodscha ging, bereitete in einem irdenen Napfe ein Gericht Joghurt
und holte Brot, und das wollte er dem Fremden vorsetzen, als er
bemerkte, daß sich der niedergelegt hatte und eingeschlafen war; da
begann er Betrachtungen anzustellen und sprach bei sich: »Wie soll
ich es anfangen, um ihn im Schlafe essen zu lassen?« Und schon nahm
er mit einem Stückchen Brot etwas Joghurt und fuhr ihm damit über den
Schnurbart. Einen Augenblick darauf erwachte der Kurde; und er schrie
sofort: »Bring mir also etwas zu essen, mein Gastfreund!«
Und der Hodscha antwortete: »Aber du hast doch schon gegessen, während
du schliefst! wenn du mir nicht aufs Wort glaubst, so schau dir deinen
Schnurbart an; er ist noch ganz feucht.«
Der Kurde griff nach seinem Schnurbart und überzeugte sich, daß er noch
voll Joghurt war; und er schrie spöttisch: »Sehr gut, mein Gastfreund!
habe ich gegessen und getrunken, so sei Gott gelobt.«
286.
Einmal hatte der Hodscha einen Streit mit seiner Frau; plötzlich
stellte er die Wiege mit dem Kinde zwischen sein Bett und das ihrige
und schrie: »Trennen wir uns! hiermit verstoße ich dich.«
287.
Die Frau des Hodschas war schwanger. Als ihre Zeit gekommen war, fand
sich die Wehmutter ein; es war Nacht, und niemand war da, um ihr zu
helfen. Da rief sie den Hodscha: »Bring eine Kerze; es handelt sich um
dein Werk.« Er beeilte sich, ihr eine Kerze zu bringen und blieb dann
im Zimmer; als aber die Geburt vorüber war, nahm er die Kerze wieder
und wollte damit weggehn. Da sagte die Wehmutter: »Bleib doch, Hodscha;
es kommt noch eins.«
»Was?« sagte der Hodscha, »sie will mir ein zweites schenken?«
Er kam mit der Kerze zurück; wieder wurde ein Kind zur Welt gebracht,
und wieder wollte sich der Hodscha mit der Kerze entfernen. Aber die
Wehmutter rief: »Bleib doch; du sollst noch einen dritten Erben haben.«
Bei diesen Worten verlöschte er die Kerze. Und die Wehmutter fragte
ihn: »Warum läßt du mich im Finstern?«
»Wie sie das Licht sehn,« antwortete er, »kommen diese Kinder
nacheinander wie die Mücken; jetzt ists wahrhaftig schon genug.«
288.
Einmal lud man den Hodscha im Ramasan zu einem Iftar[100], und es
wurde eine außerordentlich heiße Suppe aufgetragen. Der Hodscha nahm
einen Löffel voll und führte ihn zum Munde; da er sich ihn nicht
zurückzugeben getraute, verschluckte er ihn. Dann aber nahm er seine
Mütze vom Kopf, legte sie auf seinen Sitz und setzte sich darauf; und
die andern fragten ihn: »Warum setzt du dich auf deine Mütze?«
Er antwortete: »Damit nicht die Kissen Feuer fangen: ich brenne ja
inwendig; wenn meine Mütze verbrennt, so schadet das wenigstens
niemand.«
289.
Sooft der Hodscha sein Leinenzeug waschen wollte, begann es mit Gottes
Zulassung zu regnen. Als er nun wieder einmal auf den Markt ging, um
Seife zu kaufen, fielen wieder Regentropfen; da sagte der Hodscha zu
dem Seifenhändler: »Gib mir eine Oka von diesem Käse.«
»Das ist doch Seife,« antwortete der Kaufmann, »und kein Käse.«
»Ich weiß es wohl,« versetzte der Hodscha; »ich nenne es aber Käse aus
Angst, daß der Regen anhalten könnte.«
290.
Eines Tages trieb der Hodscha seinen Esel vor sich her; als er dann
müde wurde, saß er auf. Eine kleine Weile später bemerkte er, daß der
Esel nicht mehr vor ihm herging. Nun suchte er ihn bergauf und bergab,
bis ein Wanderer bei ihm vorüberkam; den fragte er, ob er nicht seinen
Esel gesehn habe, und der Wanderer sagte: »Du sitzt ja darauf.«
Der Hodscha stellte die Tatsache fest und freute sich; aber schon nach
einem Augenblicke war er von neuem zerstreut und begann wieder zu
suchen. Da sagte der Wanderer: »So gehn wir doch nach Hause, da du doch
den Esel gefunden hast.«
»Geh du nur,« antwortete der Hodscha; »ich« — dabei dachte er an
seinen verlorenen Esel — »muß noch dableiben, weil ich noch etwas zu
suchen habe.«
291.
Etliche Leute fanden im Gebirge einen Igel; sie konnten sich nicht
enträtseln, was für ein Tier das sein sollte, und brachten ihn dem
Hodscha. »Was ist das?« fragten sie ihn.
»Ohne Zweifel«, antwortete der Hodscha, »ist das eine alte Nachtigall,
die von ihren Federn die Fahnen verloren hat.«
292.
Der Hodscha hatte einen Dattelgarten, und drinnen war ein Baum, auf
den er jeden Tag stieg. Weiter hatte er eine Tochter und diese einen
Geliebten. Eines Tages saß nun Nasreddin auf seinem Baume, als der
Bursche mit seiner Tochter kam und mit ihr zu tändeln begann; an
Verwegenheit ließ ers dabei nicht fehlen und schließlich sagte er zu
ihr: »Stell dich hin; ich will es machen wie ein Hengst.«
»Gut,« sagte sie.
Während er nun das Mädchen besprang, blickte er in die Höhe, und da sah
er den Hodscha; augenblicklich ließ er sie und nahm Reißaus. Nun nahm
sie etliche Datteln und lief dem Flüchtling nach; dabei rief sie: »Nimm
doch!«
Aber der Hodscha schrie vom Baume herunter: »Was fällt dir ein, ihn
mit so etwas locken zu wollen? Glaubst du, er wird für drei Datteln zu
einem so schamlosen Ding kommen, die den weißen Fluß hat, wie du? Zeig
doch wenigstens eine Handvoll!«
293.
Als der Hodscha eines Tages aus seiner Tür trat, sah er einen Knaben
vor dem Hause hocken und seine Notdurft verrichten; da schrie er
mehrere Male hintereinander: »Was machst du da? Wessen Kind bist du?«
Endlich antwortete der Bengel: »Ich bin der Sohn der Schwester des
Stadtverwesers.«
Augenblicklich nahm ihn der Hodscha bei der Hand und führte ihn vor
das Haus des Stadtverwesers; und dort sagte er: »Da ist der Ort, wo du
deine Notdurft verrichten sollst.«
294.
Eines Tages sagte der Hodscha zu seinem Bruder: »Tu mir etwas zuliebe.«
»Was denn?«
»Erlaube mir, dich herzunehmen wie einen Knaben.«
»Kannst du mich nicht um etwas andres bitten?«
»Was?« schrie der Hodscha, »du bist doch mein Bruder; von wem soll ich
es denn verlangen, wenn nicht von dir?«
295.
Eines Tages erging sich der Hodscha mit seinem Amad; sie kamen aber am
Abende nicht nach Hause, sondern verbrachten die Nacht unter freiem
Himmel. Der Hodscha fragte den Amad: »Wem hast du deine Frau für die
heutige Nacht zu hüten gegeben?«
Der Amad antwortete: »Dem Softa, Alter.«
Der Hodscha fuhr fort: »Und wem hast du die Tugend des Softas zu hüten
gegeben?«
296.
Der Hodscha wanderte einmal mit einem großen Sacke voll Joghurt auf dem
Rücken, und der Joghurt wiegte sich in dem Sacke von der einen Seite
auf die andere; endlich schrie der Hodscha: »Bleib du ruhig dahinten;
sonst sollst du mit meinem Menschenpflanzer Bekanntschaft machen.«
Der Joghurt antwortete nichts, hörte aber auch nicht auf, sich zu
wiegen. Unverzüglich warf sich der Hodscha auf den Sack, machte ein
Loch hinein und versenkte darein den besagten Menschenpflanzer. Als er
ihn dann wieder herauszog, sah er, daß er voller Joghurt war, und da
schrie er: »Wahrhaftig, du warst schon in Löchern genug; aber mit einem
weißen Kopfe bist du noch nie herausgekommen!«
297.
Zufällig kam einmal der Hodscha vorbei, als ein Jude mit erhobenen
Händen Gott um einen Regen anflehte; es regnete aber keineswegs. Da
wandte sich der Jude zum Hodscha und sagte zu ihm: »Bete auch du; nach
dem, wessen Gebet einen Erfolg haben wird, werden wir sehn, wer der
wirkliche allmächtige Gott ist, der deinige oder der meinige.«
Der Hodscha hob die Hände zum Himmel und betete. Und alsbald grollte
der Donner, zuckten Blitze hernieder und begann ein starker Regen zu
fallen. Der Hodscha entfloh und trachtete sich eiligst unter einem
Felsen zu verbergen; aber das Wetter schlug auch dort hinein und ging
über den Hodscha nieder.
Da schrie er: »Herr Gott, du hast mein Gebet schlecht verstanden; warum
nähmest du dir sonst die Mühe, das Gewitter bis unter diesen Stein zu
schicken, wo doch der Jude draußen steht?«
298.
Eines Tages ging der Hodscha weg, und nachdem er eine Zeitlang
gewandert war, fand er nicht mehr nach Hause; da begegnete er einem
Manne und den fragte er: »Bruder, hast du mein Haus gesehn?«
Der Mann antwortete: »Ich habe einen grobknochigen Derwisch gesehn,
der es wegtrug; wenn du mit mir gehn willst, so wollen wir ihn
aufsuchen.«