Der Busch kochte . . . Auf dem sandigen Strand krümmten sich da und dort
kleine Teiche mit salzigem Wasser.
Von der Bucht her flogen immerzu weißmähnige Streifen; der Mond beschien
sie, einen Streifen nach dem anderen, die in der Ferne aufstiegen und
brodelten; dann flogen sie gegen den Strand und zerschellten hier in
gischtige Flocken; die von der Bucht kommenden Streifen breiteten sich
glatt auf dem flachen Strand -- resigniert, durchsichtig; sie leckten den
Sand, schnitten Stücke von ihm los: wurmten ihn; wie eine fein
geschliffene, gläserne Säbelschneide glitt jeder von ihnen über den Sand
hin; hie und da erreichte der gläserne Streifen die salzigen Teiche, sie
mit salzgetränktem Wasser füllend.
Und schon lief er zurück; ein neuer brodelnd gischtiger Streifen löste ihn
ab.
Der Busch kochte . . .
Hunderte von Sträuchern, hier -- dort; in einiger Entfernung vom Meer
streckten sie ihre knorrigen Arme vor; diese entblätterten Arme erhoben
sich wie Bewegungen Geistesgestörter in der Luft; eine kleine schwarze
Gestalt lief ängstlich hin und her zwischen den Sträuchern; im Sommer
strömten sie ein süßes, leise raunendes Geflüster aus; jetzt war das
Geflüster vertrocknet, und nur ein Knirschen und Ächzen erhob sich von der
Stelle; Nebel stiegen da auf; Feuchtigkeiten stiegen da auf; die knorrigen
Äste streckten sich aus dem Nebel und der Feuchtigkeit; neben der kleinen
Gestalt streckte sich so ein vertrockneter Arm vor, von dünnen Ruten wie
von Wolle überdeckt.
Die Gestalt neigte sich gegen einen Stamm, eingehüllt in schwarze
Feuchtigkeit; sie versank in bittere Gedanken; und der widerspenstige Kopf
fiel auf die Hände.
»Du, meine Seele,« -- stieg es aus dem Herzen auf -- »du, meine Seele, du
hast mich verlassen . . . Gib mir Antwort, Seele: ich bin so arm . . .«
Es stieg aus dem Herzen auf:
»Vor dir kniet mein zerrissenes Leben . . . Gedenke meiner: ich bin so arm
. . .«
Die Gestalt blieb stehen; sie streckte flehend die Hände gegen die leeren
phosphoreszierenden Stellen zwischen den Ästen; sie streckte die Hände
gegen das Licht, das dort aus dem Garten des kleinen Landhauses schimmerte:
»Aber höre, höre: auf einen bloßen Verdacht hin . . . Ohne seine Erklärung
abzuwarten . . .«
Eine befehlende Hand zeigte gegen das erleuchtete Fenster hinter den
schwarzen, knirschenden Sträuchern.
Da schrie die schwärzliche Gestalt plötzlich auf und stürmte vorwärts; und
hinter ihr her stürzten die schwarzen Astgebilde, die zusammen mit dem
sandigen Strand ein seltsames Ganze bildeten, aus dem heraus schauerliche,
undefinierbare, nirgends vorhandene Bedeutungen entstanden; die
schwärzliche Gestalt rannte mit der Brust an das Gitter eines Gartens an;
sie kletterte über das Gitter und glitt lautlos, mit den Stiefeln an den
bereiften Gräsern hängen bleibend zum grauen Haus, wo sie erst vor kurzem
gewesen, wo aber jetzt alles für sie -- ganz anders war.
Vorsichtig schlich sich die Gestalt bis zur Terrasse vor und drückte die
Hand an die Brust; mit zwei Sprüngen war sie dann an der Glastür; der
Vorhang war nicht zugezogen; hinter dem Fenster breitete sich Licht.