Vergeblich suchte er überall, in allen versteckten Ecken, in den
Durchgängen (zwischen den Holzstapeln); silbern schimmerte der Asphalt;
silbern schimmerten die Ahornblätter; nichts, niemand, nichts . . .
»Wo ist _es_ also?«
Stjopka lief mit den gekauften Sachen vorbei; nun schlüpfte er rasch, um
von Stjopka nicht gesehen zu werden, hinter einen Holzstoß; plötzlich wurde
er von einem Gedanken erleuchtet:
»_Es_ ist in einem metallenen Ort . . .«
Was das für ein Ort war und warum ein metallener? Darauf gab ihm sein im
Wirbel sich kreisendes Bewußtsein keine erklärende Antwort. Umsonst
strengte er seine Gehirnzellen an: nichts deutete auf das in ihm früher
gewesene Bewußtsein; eines blieb in der Erinnerung haften: es hat sich hier
ein anderes Bewußtsein befunden; dieses andere Bewußtsein hatte sehr klare
Bilder vor ihm entstehen lassen; in jener Welt, die keinesfalls unserer
ähnlich war, befindet sich . . . _es_ . . .
Und . . . _es_ wird wieder erscheinen.
Mit dem Erwachen verwandelt sich jedes andere Bewußtsein in einen unrealen,
mathematischen Punkt; am Tage also, im Wachsein, schrumpft _es_ zu einem
Bruchteil eines mathematischen Punktes zusammen; ein Punkt hat aber keine
Teile; also kann _es_ nicht gewesen sein.
Es blieb nur die Erinnerung an eine Erinnerungslosigkeit und an ein Etwas,
das einer Ausführung harrte, das kein Verschieben duldete; doch -- was war
es?
Eine Erinnerung an einen _metallenen Ort_ . . .
Eine Erleuchtung kam über ihn: mit federnden, leichten Schritten eilte er
zu einer Straßenecke, wo sich zwei Straßen kreuzten; an dieser Straßenecke
(das wußte er) war ein Geschäft, dessen Fenster ein Glanzflimmern
verbreiteten . . . Wo war aber das Geschäft, und -- wo war diese
Straßenecke?
Dort glänzten Gegenstände.
»Gibt es dort Metalle?«
Diese sonderbare Passion!
Woher auf einmal diese sonderbare Passion bei Alexander Iwanowitsch?
Wirklich: an der Ecke glänzten Metalle: es war ein kleiner Laden, in dem
alle möglichen, billigen Metallgegenstände: Scheren, Messer, Gabeln,
verkauft wurden.
Er trat in das Geschäft ein.
Eine verschlafene Gestalt (wahrscheinlich der Eigentümer all dieser Sägen,
Messer, Bohrer) erhob sich hinter der Kasse und trat vor den Verkaufstisch,
auf dem verschiedene Stahlgegenstände glänzten; der schmalstirnige Kopf
fiel eigentümlich schwer gegen die Brust; hinter der Brille verbargen sich
kleine, rötlichgraue Äuglein:
»Ich möchte, ich möchte . . .«
Da er nicht wußte, was er wollte, berührte er mit der Hand eine Säge; die
gab einen klirrenden Laut von sich: »wss--wss--wss«. Der Ladeninhaber
blickte mit seinen tief in den Höhlen sitzenden Augen den Käufer an:
Alexander Iwanowitsch ist ja ganz unerwartet für sich selbst auf die Straße
gelangt; so wie er auf seiner Pritsche im Mantel gelegen war, kam er in das
Geschäft; der Mantel war zerdrückt und mit Schmutz bedeckt; vor allem aber:
er hatte keinen Hut auf dem Kopf: das Gesicht mit überhängenden, wirren
Haaren konnte jeden erschrecken.
Deswegen sah ihn der Ladeninhaber mißtrauisch, mit gefalteter Stirn an; mit
unüberwindlichem Ekel in den ungemütlichen, von Natur aus schwer gebauten
Gesichtszügen starrte er unverwandt Dudkin an.
»Wünschen Sie eine Säge?«
Die scharf prüfenden Äuglein aber sprachen wütend:
»So--o--o! . . . Ein wahnsinnig gewordener Trunkenbold!«
So schien es ihm.
»Nein, keine Säge; mit einer Säge, wissen Sie, geht es nicht. Ich brauche
ein finnisches Messer, ein geschliffenes.«
Doch der Ladeninhaber erwiderte grob:
»Verzeihen Sie: wir haben keine finnischen Messer.«
Die bohrenden Augen sagten gleichsam:
»Wenn du ein Messer in die Hand bekommst . . . dann geschieht manches
Unheil . . .«
Wenn sich die Lider gehoben hätten, dann wären die scharf bohrenden Äuglein
zu einfachen Augen geworden; aber eine Ähnlichkeit überraschte Dudkin; eine
Ähnlichkeit -- denken Sie, mit wem? Mit Lipantschenko. Jetzt drehte ihm die
Gestalt den Rücken zu und warf ihm einen Blick zu, der selbst einen Ochsen
zu Boden gestreckt hätte.
»Es ist ganz gleich: geben Sie mir eine Schere . . .«
Bei sich aber dachte Dudkin: Woher diese Wut in ihm? Woher diese
Ähnlichkeit mit Lipantschenko? Aber gleich darauf beruhigte er sich selbst:
Ach wo! Ist da überhaupt eine Ähnlichkeit?
Lipantschenko trägt keinen Bart, und dieser dicke Kerl hat einen runden
Vollbart.
Aber bei dem Gedanken an Lipantschenko fiel ihm plötzlich alles ein: alles
-- alles -- alles! Jetzt wußte er ganz klar, warum er auf den Gedanken
verfallen war, in dieses Geschäft zu gehen. Jetzt wußte er, was er
vorhatte.
Vor der Schere stehend, begann er zu zittern:
»Sie brauchen nicht einzuschlagen -- nein, nein . . . Ich wohne ganz in der
Nähe . . . Ich kann es so tragen, es geht auch so . . .«
Mit diesen Worten nahm er die kleine Schere, die von eleganten Leuten zum
Nägelschneiden gebraucht wird, und steckte sie in die Tasche; dann lief er
aus dem Laden.
Mißtrauisch, verwundert und erschreckt blickte ihm der quadratförmige,
schmalstirnige Kopf mit dem vorstehenden Stirnknochen nach; der vorstehende
Stirnknochen ging im hartnäckigen Wunsch auf, das Vorgefallene zu
verstehen; es um jeden Preis zu verstehen, koste es, was es wolle; zu
verstehen -- oder in Stücke zu zerfallen.
Doch der Stirnknochen vermochte es nicht zu verstehen; er war ja ein so
armseliger Stirnknochen: schmal, mit Querfalten; es war -- als weinte er.
* * *