Eigentlich benahm sich Sofja Petrowna ihrem Gegenstand gegenüber in den
letzten Monaten höchst provozierend: vor dem Grammophon, aus dem
»Siegfrieds Tod« tönte, übte sie Körperplastik und hob dabei ihren
rauschenden Seidenrock fast bis zum Knie; ferner: ihr Füßchen berührte
unter dem Tische mehr als einmal Ableuchow. Nicht zu verwundern, daß dieser
manchmal den Engel zu umarmen versuchte; dann entwand sich ihm der Engel
und übergoß ihn mit Kälte. Bald darauf aber begann das Spiel von neuem.
Einmal klatschte eine Ohrfeige durchs japanische Zimmer: --, Uu --
Scheusal, Frosch . . . Uuu -- roter Narr.
Ruhig und kühl erwiderte Nikolai Apollonowitsch:
»Bin ich ein roter Narr, so sind Sie -- eine japanische Puppe . . .«
Vor der Tür richtete er sich voll Würde empor, in diesem Augenblick bekam
sein Gesicht den einmal gesehenen Ausdruck, und an diesen erinnert,
erwachte ihre Liebe jäh wieder; als Nikolai Apollonowitsch verschwunden
war, warf sie sich auf den Boden, biß und kratzte im Weinkrampf den
Teppich; sprang dann plötzlich auf und streckte die Arme gegen die Tür:
»Komm, kehre zurück -- Gott!«
Ihr zur Antwort schlug unten die Tür zu. Nikolai Apollonowitsch lief zu der
großen Petersburger Brücke. Wir werden weiter sehen, daß er an dieser
Brücke den wichtigen Beschluß gefaßt hatte, durch eine Tat sein eigenes
Leben von sich zu werfen. Zu tief hatte ihn das Wort »roter Narr«
getroffen.
Nie wieder hat ihn Sofja Petrowna gesehen . . .
Dafür kamen um so öfter Graf Awen, Baron Ommau-Ommergau, Werhefden und
selbst Lipantschenko; sie lachte mit ihnen ohne Unterlaß; dann hielt sie im
Lachen inne und fragte neckisch:
»Nicht wahr, ich bin eine Puppe?«
Sie antworteten mit einer »Fifka« nach der anderen und warfen Silbermünzen
in die Sammelbüchse. Lipantschenko aber machte ihr zum Geschenk eine Puppe
mit gelbem Gesicht.
Als sie das vor ihrem Gatten Ssergeij Ssergeijewitsch aussprach, sagte er
nichts und tat, als ginge er schlafen; in seinem Zimmer aber setzte er sich
hin und schrieb an Nikolai Apollonowitsch einen kurzen Brief; in seinem
Briefchen schrieb er Ableuchow, daß er, Ssergeij Ssergeijewitsch, sich
erlaube, ihn um folgendes zu bitten: Er wolle sich aus prinzipiellen
Gründen nicht in die Beziehungen Ableuchows zu seiner unendlich geliebten
Gattin mischen, doch bitte er dringend (dringend war dreimal
unterstrichen), ihrem Hause für immer fernzubleiben, da die Nerven seiner
geliebten Gattin angegriffen seien. Sein Benehmen veränderte Ssergeij
Ssergeijewitsch nicht im geringsten: er verwaltete -- irgendwo -- das
Proviantamt.
Ssergeij Ssergeijewitsch war groß von Gestalt, trug einen hellblonden Bart,
besaß Nase, Mund, Ohren, Haare und wundervoll glänzende Augen: leider trug
er eine dunkelblaue Brille, und niemand kannte die Farbe dieser Augen und
auch nicht ihren herrlichen Ausdruck.