vorkommende +Kreuzotter+, +Vipera Berus+ (Coluber Berus), gibt
zuweilen durch ihren Biss Veranlassung zu Vergiftungen bei
Hunden, Rindern, Pferden und Schafen. Ausser der Kreuzotter ist
als einheimische Giftschlange die in Oesterreich und der Schweiz
vorkommende +redische Viper+, +Vipera Redii+ (V. Aspis, Schildotter)
zu erwähnen. Ausländische Giftschlangen sind die +Klapperschlangen+
(Krotaliden) und die +Vipern+ (Viperiden), die +Brillenschlangen+
(Elapiden), die +Hydrinen+ und +australischen Schlangen+. Das
Schlangengift ist auch im Blute vorhanden und wird in den zwischen
den Kaumuskeln eingelagerten Giftdrüsen ausgeschieden, welche
als modifizierte Speicheldrüsen (etwa der Parotis entsprechend)
aufzufassen sind. Der Ausführungsgang dieser Giftdrüsen mündet in den
im Oberkiefer befindlichen Giftzahn. Bei jedem Biss erfolgt durch die
Kontraktion der Kaumuskeln eine Kompression der Drüse mit Entleerung
des Sekrets. Die Giftflüssigkeit besitzt eine neutrale Reaktion und
enthält wahrscheinlich keinerlei geformte Elemente. Letzteres geht
daraus hervor, dass das Schlangengift auch nach längerem Kochen,
sowie nach Erwärmen auf 125° seine Wirkung nicht verliert, dass
ferner eine Infektion anderer Tiere durch Blutübertragung nicht
gelingt und dass das Schlangengift sehr lange, selbst monate- und
jahrelang in getrocknetem Zustand oder in Glyzerin haltbar und
auch durch Fäulnis nicht zu zerstören ist. Vom vollen Magen wird
Schlangengift verdaut, vom leeren resorbiert. Bei allen Giftschlangen
ist der Giftvorrat schon nach wenigen Bissen erschöpft, so dass sie
alsdann ungiftig sind.
=Literatur.= +Fontana+, Abhandlung über das Viperngift, Berlin
1787. -- +Russel+, Indian Serpents 1796. -- +Fayrer+, The
Thanatophidia of India 1874. -- +Brunton+ und +Fayrer+, Natur und
Wirkung des Najagiftes 1873. -- +Albertoni+, Ueber die Wirkung des
Schlangengiftes 1879. -- +Lacerda+, Uebermangansaures Kali als
Antidot des Kopragiftes 1871. -- +Schulz+, Ueber Schlangengift 1881.
-- +Aron-Binz+, Exper. Studien über Schlangengift, Zeitschr. f. klin.
Medizin, Bd. 6. -- +Weir Mitschel+ und +Reichert+, Untersuchungen
über Giftschlangen, Washington 1886. -- +Feoktistow+, Desgln. Dorpat
1888. -- +Phisalix+ und +Bertrand+, Bull. de la soc. de méd. 1895. --
+Fraser+, Brit. med. journ. 1897. -- +Calmette+, Annal. de l’inst.
Pasteur 1892; Les venins, les animaux venimeux et la sérotherapie
antivenimeuse, Paris 1907; Die tierischen Gifte und ihre antitoxische
Serumtherapie. Handb. d. pathol. Mikroorganismen von Kolle u.
Wassermann, 1909. -- +Kaufmann+, Die Giftschlangen in Frankreich,
Paris 1893. -- +von Linstow+, Die Gifttiere 1894. -- +Faust+, Die
tierischen Gifte, Braunschweig 1906.
=Wirkung des Schlangengiftes.= Die chemische Natur des Schlangengiftes
ist noch nicht aufgeklärt (+Eiweissgifte+?). Jedenfalls enthalten die
einzelnen Schlangengifte ganz verschiedenartig wirkende Substanzen.
Fast alle Schlangengifte enthalten zunächst +Hämolysine+, d. h. Toxine,
welche die roten Blutkörperchen auflösen. Das Gift der Viperiden
und Kolubriden enthält ferner +Hämorrhagine+, d. h. Toxine, welche
eine örtliche Schädigung des Gefässendothels veranlassen und dadurch
hämorrhagische Schwellungen hervorrufen. Andere Schlangengifte
(Elapiden, Hydrinen) bewirken durch ihren Gehalt an +Neurotoxinen+
vorwiegend allgemeine Lähmung. Alle drei Giftstoffe sind z. B. im
Ophiotoxin, dem Gift der Kobraschlange, enthalten. Aehnlich wie bei
den Toxinen der Infektionskrankheiten lassen sich auch gegen die
einzelnen Toxine der Giftschlangen Antikörper in Form verschiedener
Sera darstellen (Antivenenin, polyvalentes Serum).
=Krankheitsbild.= Das Schlangengift der Kreuzotter (+Viperin+) erzeugt
lokal eine +phlegmonös-hämorrhagische Entzündung+ der +Bissstelle+,
welche sich durch +Anschwellung+ der Haut in der Umgebung der letzteren
äussert. Die Allgemeinwirkung des Viperins ist eine +lähmende+ auf
+Herz+, +Atmungszentrum+ und +Körpermuskulatur+. Bei der Sektion findet
man +Blutextravasate+ in den Organen der Hinterleibshöhle. Die tödliche
Dosis des Viperins beträgt für den Hund 0,01 g pro Kilo Körpergewicht.
Im übrigen ist die Giftigkeit des Kreuzottergifts je nach der Gegend
und Jahreszeit verschieden; besonders giftig scheint dasselbe gegen
Ende des Sommers zu sein.
=Behandlung.= Die Therapie der Schlangenbisse zerfällt in einen
+örtlichen+ und einen +allgemeinen+ Teil. Wird man unmittelbar nach
stattgefundenem Bisse gerufen, so kann man versuchen, das Gift in der
Bisswunde zu zerstören oder seine Resorption zu verhindern. In dieser
Beziehung sind das +Ausbrennen+ und das +Ausätzen+ der Wunde, sowie
das Anlegen einer +Ligatur+ oberhalb der Bissstelle empfohlen worden.
Von Arzneimitteln, welche lokal das in der Wunde befindliche Gift
zerstören, werden namentlich das +Kalium permanganicum+ (3-5prozentige
Injektionen), +Chromsäure+ (1prozentige Lösung), ferner +Jodtinktur+,
+Chlorkalk+, +Chlorwasser+, +unterchlorigsaures Natron+ und +Kali+,
+Eisenchlorid+, +Goldchlorid+, +Platinchlorid+ gerühmt. Sublimat,
Chlorzink, Höllenstein, Karbolsäure, Zitronensäure, Pikrinsäure,
Salmiakgeist, sowie Ferridzyankalium sollen die Wirkung des Giftes
ebenfalls abschwächen. Im übrigen behandelt man die Bisswunde und
die phlegmonöse Schwellung nach chirurgischen Regeln. Die innerliche
Behandlung der Lähmungserscheinungen besteht in der Anwendung von
+Exzitantien+: +Alkohol+, Aether, Kampfer, Atropin, Hyoszin, Koffein,
Strychnin, Veratrin, Liquor Ammonii anisatus, Wein. Nach +Fraser+ und
+Phisalix+ bildet die +Galle+ der Giftschlangen (und in geringerem
Grade auch der ungiftigen Schlangen) bei subkutaner Einspritzung das
stärkste Gegenmittel gegen das Schlangengift. Nach +Calmette+ soll die
Behandlung mittels +Serum+ immunisierter Pferde ebenfalls ein sehr
wirksames Mittel sein („Antivenenin“).
=Kasuistik.= +Gerlach+ (Gerichtl. Tierheilkunde 1872) beobachtete
unter einer Rinderherde, welche in einem Gehölze weidete, wo die
Kreuzotter vorkam, 5 Todesfälle. Die erste Krankheitserscheinung
bestand in einer unbedeutenden, talergrossen, aber sehr schmerzhaften
Anschwellung am Sprunggelenk oder in der Umgebung des Fesselgelenkes,
welche von vornherein starkes Lahmgehen verursachte und sich
allmählich innerhalb 6-8 Stunden nach oben über den ganzen Schenkel
bis zur Kruppe und über einen Teil des Bauches verbreitete. Mit der
Zunahme der Geschwulst stellten sich Hinfälligkeit, Apathie und
Lähmungserscheinungen ein. Die Tiere konnten sich nicht mehr erheben,
zeigten grosse Unruhe, Stöhnen, Zittern, Dyspnoe, Herzklopfen, sehr
gesteigerte Pulsfrequenz und schliesslich Unfühlbarwerden des Pulses.
Der Tod trat nach 24-30stündiger Krankheitsdauer ein. Bei der Sektion
fand man an den geschwollenen Stellen das subkutane Bindegewebe
serös infiltriert, die Lymphdrüsen geschwollen, die benachbarte
Körpermuskulatur wie gekocht, sowie am Dünndarm viele erbsengrosse
Blutextravasate. -- In einem von mir beobachteten Falle (Monatshefte
für praktische Tierheilkunde 1889) zeigte bei einem Hühnerhunde,
welcher auf der Jagd bei Spandau von einer Kreuzotter gebissen
worden war, die rechte Vordergliedmasse namentlich in der unteren
Hälfte eine starke phlegmonöse Schwellung, welche sich vermehrt warm
anfühlte und sehr schmerzhaft war. Die Haut zwischen den Zehen und
die innere Fläche der ganzen Extremität war stärker gerötet. Auf der
Mitte der Vorderfläche der vierten Zehe befand sich eine rundliche,
mit Blutkrusten bedeckte, etwa senfkorngrosse Bisswunde. Am Uebergang
der rechten Vorderextremität in die Brust zeigten sich an der
Innenfläche Blutunterlaufungen der Haut in einer handtellergrossen
Ausdehnung. Die Bewegung des rechten Vorderfusses war ganz
aufgehoben. Dabei war das Tier fieberlos (38,1° C.). Die Schleimhäute
der Maulhöhle und der Augen waren zyanotisch, bleigrau verfärbt. Die
Pulsfreqnenz war sehr gesteigert (120), der Puls selbst sehr schwach,
kaum fühlbar, unregelmässig, der Herzschlag beiderseits fühlbar, die
Herztöne rein. Futter- und Wasseraufnahme war gut, die Palpation des
Schlundkopfes, Schlundes und Hinterleibes ergab nichts Krankhaftes.
Die Atmung war angestrengt und beschleunigt (36). Die Bewegung des
Tieres war matt, es bestand grosse allgemeine Körperschwäche, sowie
stark eingenommene Psyche. Nach einer 8tägigen Behandlung ging
die Schwellung allmählich zurück und das Tier konnte als genesen
entlassen werden. -- +Kretschmar+ (Sächs. Jahresbericht 1861) fand
bei der Sektion einer nach dem Genusse von Waldgras plötzlich nach
vorausgegangener Aufblähung, Brüllen und Tobsucht verendeten Kuh eine
Kreuzotter im Pansen. -- +Przybilka+ (Magazin, Bd. 17) beobachtete
bei einem Hunde, welcher von einer Kreuzotter in die Nase gebissen
worden war, nach 3 Stunden eine unförmliche Schwellung des Kopfes
und Halses, grosse Schmerzhaftigkeit der Bissstelle, Winseln,
Brechneigung, grosse Unruhe und starke Pulsbeschleunigung. Die
Heilung dauerte 5 Tage. -- Eine Kuh, welche beim Ackern graste,
wurde, wie der Besitzer zufällig sah, von einer Kreuzotter (Vipera
Berus) in die Unterlippe gebissen. Bis zum andern Morgen hatte sich
eine sehr starke, schmerzhafte Anschwellung des Kopfes, hochgradiges
Speicheln, grosse Unruhe, Stöhnen, Zittern, Herzklopfen bei 41° C.
Temperatur, 95 Pulsen, 40 Atemzügen eingestellt. Nach Erweiterung
der Bisswunde, Umschlägen von verdünntem Salmiakgeist, später von
Kaliumpermanganatlösungen und Anwendung von branntweinhaltigem
Maulwasser besserte sich der Zustand in 5 Tagen. Nach 8 Tagen war
die Kuh geheilt (+Hauboldt+, Sächs. Jahresber. 1895). -- +Binder+
(Tierärztl. Zentralbl. 1894) sah bei einem Rind und einem Hund
Zuckungen, Zusammenstürzen und allgemeine Lähmung. -- +Webb+ (J. of
comp., 20. Bd.) sah bei Pferden ödematöse Anschwellungen am Kopf,
Petechien auf der Konjunktiva, blutigen Nasenausfluss, blutigen
Harn, Brechneigung, 40,5° und bei der Sektion Blutextravasate unter
der Pleura und in der Bauchhöhle. -- Weitere Beobachtungen sind von
+Förderreuther+, +Koppitz+, +Lammert+, +Huth+, +Petzold+, +Falke+,
+Kitt+, +Martin+, +Uhlich+, +Giovanoli+, +Gresswell+, +Leibenger+,
+Sepp+ u. a. beschrieben worden.
=Giftige Fische.= Abgesehen von der durch Ptomaine bedingten sog.
Fischvergiftung (vergl. S. 365) gibt es verschiedene Arten lebender
Fische, welche teils in besonderen Giftdrüsen und im Blute, teils
in den Ovarien Gifte produzieren. Zu den ersteren gehören z. B.
die Gattungen Synanceia brachio, Plotosus lineatus, Trachino draco
(Drachenfisch) und vipera, Serranus scriba, Stomias boa, Cottus
scorpio und bubalis, Muraena Helena, Scorpaena scropha und porcus.
Bekannt ist insbesondere die Giftigkeit des Blutserums der Muräniden
(giftiges Aalserum). In Japan enthalten verschiedene Spezies (12)
der Gattung Tetrodon (Fugu) in den Ovarien und Hoden namentlich zur
Sommerzeit die lokal reizende Tetrodonsäure (Brechdurchfall) und das
allgemein lähmende, kurareähnliche Tetrodonin. Füttert man Hunde mit
den Geschlechtsorganen obiger Fische, so zeigen sie Speichelfluss,
heftiges Erbrechen und Krämpfe. Dieselben Erscheinungen treten nach
subkutaner Einverleibung auf; hierbei tritt jedoch in der Regel der
Tod nach 1-2 Stunden unter dem Bild der Lähmung und Erstickung ein
(+Remy+). Das Gift des Drachenfisches wirkt hämolytisch (+Evans+).
=Kröten= (=Bufo=). Die Kröten, namentlich die gemeine Kröte (Bufo
cinereus), die Kreuzkröte (Bufo calamita), die Knoblauchskröte
(Pelobates fuscus), die Unke (Bombinator igneus) und die
Geburtshelferkröte (Alytes obstetricans), besitzen in ihrer Haut
zahlreiche Giftdrüsen, welche namentlich in der Schläfengegend
Hautwülste (sog. Parotiden) bilden. Das Sekret dieser Drüsen enthält
den ausserordentlich stark reizenden Giftstoff +Phrynin+ (Bufotalin,
Bufonin), welcher auf Schleimhäuten eine intensive Entzündung erzeugt
und innerlich eine digitalisähnliche Wirkung hat. Bekanntlich zeigen
Hunde, welche Kröten erfassen, zuweilen Würgen, Erbrechen und
Speicheln (Phryninvergiftung).
=Salamander.= Der Feuersalamander, Salamandra maculata, besitzt
in seinem Parotissekret alkaloidartige Körper, das +Samandarin+,
Samandaritin und Samandatrin, welche ähnlich wie das Phrynin stark
reizend und daher im Magen brechenerregend wirken und innerlich
strychninartige Krämpfe erzeugen; ausserdem wirkt es auf die
Blutkörperchen zerstörend ein, enthält also +Hämolysine+. Für Hunde,
welche, wenn auch selten, Salamander aufgreifen und sich dann
erbrechen, sollen 2 mg Samandarin tödlich wirken (+Langlois+, Compt.
rend. 1889). Aehnlich soll das Gift des Wassersalamanders, Triton
cristatus, wenn auch schwächer, wirken.
=Miesmuschel.= Die Miesmuschel, +Mytilus edulis+, enthält eine
giftige Albumose, das +Kongestin+, welche nach +Richet+ (Pasteurs
Annalen, 21. Bd.) bei Hunden Erbrechen, Durchfall und Kolik
hervorruft und dieselben in einer Dosis von 0,075 g pro Kilogramm
Körpergewicht tötet. Bei der Sektion findet man eine heftige
Hyperämie des Magens und Darmes („Kongestin“). Werden gesunde Hunde
mit Kongestin behandelt, so soll sich die Empfänglichkeit für das
Gift steigern (sog. Anaphylaxis), indem im Gegensatz zur Bildung
von Antikörpern bei der Immunität toxogene Stoffe gebildet werden
(biologische Reaktion des Körpers).
Vergiftung durch Bienenstiche.
=Allgemeines.= Das Gift der +Honigbiene+, Apis mellifica, +Wespe+,
Vespa vulgaris, und +Hornisse+, Vespa crabro (Akuleaten), enthält
neben +Ameisensäure+ ein dem +Schlangengift verwandtes Gift+. Nach
+Morgenroth+ und +Carpi+ (D. med. Z. 1906) ist das dem Schlangengift
analoge Gift ein +Prolezithid+, das sich mit dem Lezithin zu einem
hämolytisch wirkenden Toxolezithid vereinigt. Nach +Langer+ (Arch.
f. exper. Pathol. 1897), der zu seinen Versuchen ungefähr 25000
Bienen verwendete, wurde das Gift in der Weise gewonnen, dass eine
jede Biene vorsichtig mit zwei Fingern gefasst, am Abdomen mässig
gedrückt und nun der sofort hervorgeschnellte Stachel schnell in
Wasser eingetaucht wurde, damit das daran hängende Gifttröpfchen in
Lösung gebracht werden konnte. Oder es wurde der mit einer Pinzette
herausgerissene Stachel samt Giftblasen in Wasser verrieben und die
so erhaltene Flüssigkeit mehrmals filtriert. Das frisch entleerte
Gifttröpfchen, ein spezifisches Sekret der Giftdrüse, war wasserklar,
reagierte sauer, schmeckte bitter, roch fein aromatisch, löste sich
in Wasser und schwankte in seinem Gewicht zwischen 0,0002-0,0003 g.
In dem Gifttröpfchen ist Ameisensäure enthalten; dieselbe hat zwar
ebenfalls hämolytische Wirkung, bildet jedoch nicht den wichtigsten
Bestandteil des Bienengiftes. +Das wirksame Prinzip im Akuleatengift
ist vielmehr eine Basis mit den Reaktionen eines Eiweisskörpers.+ Der
dem Gift eigene, fein aromatische Geruch rührt von einem flüchtigen
Körper her. Das Gifttröpfchen ist ein bakterienfreies Sekret. Von
anorganischen Stoffen liess sich Salzsäure, Phosphorsäure, Natron und
Kalk nachweisen.
=Wirkung des Bienengiftes.= Das Auftragen des Bienengiftes auf die
+unversehrte+ Haut vermag nach +Langer+ keine reizende Wirkung
hervorzurufen. Bei Schnittwunden ruft es jedoch die bekannten
entzündlichen Erscheinungen hervor. Bei +subkutaner+ Applikation
zeigen sich die Tiere sehr unruhig, traurig, verschmähen die Nahrung
und zeigen wohl auch Eiweiss im Harn. Als örtliche Wirkung tritt
hierbei eine +lokale Nekrose+ ein, in deren Umgebung infolge des
abnehmenden Wirkungsgrades Rundzelleninfiltration, Oedem und Hyperämie
zur Entwicklung kommen. Bei intravenöser Applikation von 6 ccm einer
1,5proz. Giftlösung machte sich bei einem Hund bald starkes Sinken
des Blutdrucks und Pulsverlangsamung geltend. Später traten noch
klonische +Zuckungen+ mit Trismus und Nystagmus ein, und das Tier ging
unter Respirationsstillstand zugrunde. Bei der Sektion war das Blut
lackfarben (+Hämolyse+); im mikroskopischen Präparat zeigten sich nur
sehr wenig gut erhaltene Blutkörperchen; spektroskopisch liess sich
+Methämoglobin+ nachweisen. In der Lunge fanden sich +hämorrhagische
Infarkte+. Die Nieren waren sehr hyperämisch, das ganze Gewebe blutig
imbibiert, der Darmkanal blaurot mit schleimig blutigem Inhalt.
=Krankheitsbild.= Die Vergiftungserscheinungen bei den Haustieren
bestehen in +lokaler Anschwellung+ der Haut, welche zuweilen +brandig+
abfällt. Ausserdem können bei sehr grosser Anzahl der Stiche +schwere
Allgemeinerscheinungen+ (+Lähmung+, +Hämoglobinurie+, +Sepsis+,
+Erstickung+) auftreten, welche zuweilen schon im Verlaufe weniger
Stunden den Tod herbeiführen. Die +Behandlung+ der Bienenstiche ist
dieselbe wie die der Schlangenbisse; eventuell ist die Tracheotomie
vorzunehmen.
=Kasuistik.= +Fünfstück+ (Sächs. Jahresber. 1886) sah 2 Pferde,
welche von einem Bienenschwarm überfallen wurden, nach 6 resp. 10
Stunden sterben. Bei der Sektion fand man Hämorrhagien unter der
Haut und unter dem Endokardium, enorme Vergrösserung der Milz, deren
Pulpa mit dunklem teerartigen Blute überfüllt war, mürbe, lehmartige
Beschaffenheit der Leber, mürbe, wie gekochte Körpermuskulatur, sowie
sehr dunkles Blut. -- +Meyerheim+ (Preuss. Mitt. 1882) beobachtete
bei 2 Pferden enorme Schwellungen über den ganzen Körper, wobei ein
Ohr und mehrere Hautstücke brandig abfielen; das eine Pferd zeigte
eine schwere Allgemeinerkrankung, das andere starb. -- +Lange+
(Preuss. Mitt. 1883) sah 6 Gänse nach Bienenstichen sterben. -- Nach
+Albrecht+ (Monatsh. für prakt. Tierheilkde. 1892, III. Bd.) wurden
zwei von einem Knechte in der Nähe eines Bienenhauses angebundene
Pferde von Tausenden von Bienen gestochen. 1½ Stunden später traf A.
die Tiere in schwerkrankem Zustand an. Kopf, Hodensack, After und
Unterbrust waren stark geschwollen; der Rumpf war mit Beulen wie
übersät. Die Atmung war sehr erschwert, der Puls klein und frequent
(100 in der Minute). Anfangs hatten sich die Pferde wie rasend
benommen, um sich gehauen, mit den Füssen den Boden aufgegraben, sich
gewälzt, waren wieder aufgesprungen. Ein Tier hatte später blutigen
Urin abgesetzt. Sehr bald war aber eine allgemeine Erschöpfung
eingetreten und die Tiere konnten sich nicht mehr auf den Beinen
halten. Beide Tiere gingen in sehr kurzer Zeit ein. Bei der sogleich
vorgenommenen Sektion waren die Kadaver stark aufgetrieben. Die
Subkutis war gelb und sulzig infiltriert. Die Milz erwies sich um
das Doppelte vergrössert, ihre Pulpa war ganz schwarz. Die Nieren
hatten eine dunkelbraune rote Farbe. In der Bauch- und Brusthöhle
befand sich nur ganz wenig blutig-seröse Flüssigkeit. Die Lungen
zeigten das Bild der Hyperämie und waren mit hämorrhagischen
Infarkten durchsetzt. Die Herzoberfläche sah braunrot gefärbt aus
und war mit einigen Ekchymosen besetzt. Die Gehirnhäute waren
hyperämisch, die Pia mit kapillären Apoplexien versehen. Der in der
Harnblase enthaltene Urin war von fast normaler Farbe, enthielt aber
Eiweiss und Methämoglobin und nahm schon nach kurzer Zeit sehr üblen
Geruch an. Die Schleimhaut des Magendarmkanales zeigte den Zustand
leichtgradiger Hyperämie. -- +Dochtermann+ (Repert. 1889) sah ein
Pferd nach 12 Stunden unter Blutharnen zugrunde geben; ein anderes
genas nach mehreren Wochen unter Nekrose grösserer Hautpartien. --
+Wagenheuser+ (Woch. f. Tierheilkde. 1893) beobachtete bei einem
Pferd Schreien vor Schmerz, Betäubung, starke Schwellungen der
Haut und Kopfschleimhäute (nilpferdähnlicher Kopf), bordeauxroten
und später himbeersaftähnlichen Urin, Dyspnoe, starke Prostration,
sowie Tod am 4. Tag. -- +Jagnow+ (Zeitschr. f. Vet.-kunde 1899) sah
bei einem Pferd unzählige, walnuss- bis handtellergrosse Beulen auf
der Haut, rötlichen Ausfluss aus Nase und Maul, Dyspnoe, dunkelroten
Urin, dummkollerartiges Drängen, sowie Herzschwäche. Bei der Sektion
fand man die Milz um das Doppelte vergrössert. -- +Berger+ (Oesterr.
Monatsschr. 1899) beobachtete bei einem Fohlen hohe Atemnot, welche
die Tracheotomie notwendig machte, sowie Tod durch Lungenbrand. --
+Bissauge+ (Rec. 1902) hat bei einem Pferd eine Vergiftung durch
Stiche von Erdhummeln (Bombus terrestris) beobachtet (starke,
schmerzhafte Hautschwellungen, Kolik, Dyspnoe, Lähmung, 40,6°).
=Vergiftung durch Columbaczer und Kriebelmücken.= Die Vergiftung
durch Stechmücken (Simulia Columbaczensis und ornata) äussert sich
in +Schwellung+ und +Entzündung+ der +Haut+ und +Schleimhäute+
(Maul-, Nasen-, Augen-, Scheiden-, Mastdarmschleimhaut), +Unruhe+,
+Schmerzäusserungen+, sowie +Erstickungserscheinungen+ infolge
Verschwellung der Kopfschleimhäute. Bei der Sektion findet
man blutige und sulzige Infiltration der Subkutis, Schwellung
und Entzündung der Körperschleimhäute sowie suffokatorische
Veränderungen. Die Behandlung ist eine chirurgische und
symptomatische. -- +Stöhr+ (Preuss. Mitt. 1882) beobachtete
bei Rindern, welche von Columbaczer Mücken überfallen wurden,
schmerzhafte Schwellungen im Kehlgang, an der Unterbrust, am
Unterbauche und Euter, hochgradige Aufregung, hohes Fieber, pochenden
Herzschlag, starke Injektion der Kopfschleimhäute, sowie Füllung
der Jugularvenen; viele Tiere starben. -- +Müller+ (B. T. W. 1890
und Berl. Arch. 1892) beobachtete eine seuchenartige Erkrankung bei
Rindern, Pferden und Schafen durch Kriebelmücken (Simulia ornata). Es
zeigten sich teigige Anschwellungen im Kehlgang, welche sich zuweilen
über den Hals und die Brust ausbreiteten und vereinzelt auch am Bauch
und Euter nachzuweisen waren. Auf den nicht pigmentierten Hautstellen
waren linsengrosse, hellrote, flohstichartige Flecken mit kleinen
Blutschorfen sichtbar. Die Halsvenen waren stark gefüllt und zeigten
Venenpuls. Von 170 erkrankten Rindern starben 26, von den erkrankten
Pferden und Schafen starb dagegen keins. Als gutes Prophylaktikum
erwies sich das Petroleum. -- Ueber einen ähnlichen Fall berichtet
+Liesenberg+ (Berl. Arch. 1893); danach gehen im Kreise Meseritz
alljährlich viele Rinder durch Simulia ornata ein; prophylaktisch hat
sich am besten Naphthalinsalbe bewährt (1 : 10). -- Nach +Bergmann+
(Fortschr. d. Vet.-Hyg. 1903) erkrankten in Schweden im Jahr 1901
viele hundert Pferde und Rinder nach dem Stich von Simulia reptans.
15 Rinder starben, 1 schon nach ½ Stunde. Die Sektion ergab Oedem
in der Unterhaut, Lungenödem und serofibrinösen Erguss in den
Herzbeutel. Als bestes Prophylaktikum erwiesen sich Einreibungen der
Haut mit Kreolinöl (1 : 20).
=Vergiftung durch Raupen.= Nach der Aufnahme grösserer Mengen von
Raupen sind bei verschiedenen Haustieren Vergiftungen beobachtet
worden, welche teils durch die Behaarung der Raupen, zum Teil wohl
auch durch ein chemisches Gift (Ameisensäure, Enzym) herbeigeführt
wurden. +Röpke+ (Berl. Arch. 1887) sah bei Kühen und Pferden
Erkrankungen nach massenhafter Aufnahme des Baumweisslings mittelst
des Grünfutters. Die Pferde zeigten heftige Kolikerscheinungen,
Brechneigung, sowie Schwäche des Hinterteils. Bei den Kühen
beobachtete man Zittern, gesträubtes Haar, Schäumen, Aufblähung,
Kolikerscheinungen, sowie Schwanken im Kreuz. Beim Schlachten fand
man eine Entzündung der dünnen Gedärme, blutreiche, mit talergrossen
dunklen Flecken durchsetzte Milz, punktiertes Herzfleisch, sowie
blutreiche Nieren. +Dinter+ (Sächs. Jahresber. Bd. 21) sah nach
der Aufnahme des Kohlweisslings (Pieris brassica) Stomatitis,
Speichelfluss, sowie Erosionen an den Lippen und am Zahnfleisch.
+Dammann+ (Gesundheitspflege 1886) sah von 90 Enten, welche zur
Vertilgung von Raupen in Wruckenbeete getrieben wurden, innerhalb 3
Tagen 53 sterben. +Berndorfner+ sah bei 8 Kühen nach der Aufnahme
von Schmetterlingsraupen Kolik, Durchfall und subnormale Temperatur,
schliesslich Bewusstlosigkeit, Lähmung und Tod am 7.-8. Tag. Die
Sektion ergab hochgradige Gastroenteritis. Die Prozessionsraupen
(Cnethocampa processionalis, pithyocampa und pinnivora; der sog.
Eichen-, Fichten- und Kiefernspinner) erzeugen bei Pferden nach dem
Fressen Stomatitis, desgleichen die Raupe des Weissdornspinners,
Porthesia chrysorrhoea (+Kösters+). Aehnlich wirken die Haare
der Bärraupe (Arctia) und der Saft der Raupe des Weidenbohrers
(Cossus ligniperda). Die Exkremente der Seidenraupe erzeugten nach
+Jouet+ (J. de Lyon) Schweinen verfüttert eine Darmentzündung mit
Mastdarmvorfall.