eine Berberidee, enthält das giftige Alkaloid +Berberin+, welches
Konvulsionen, sowie Erregung und spätere Lähmung des Atmungszentrums
bedingt.
=Heracleum sphondylium=, die +deutsche Bärenklau+, erzeugte bei
Rindern Schäumen, Taumeln, bedenkliche Schwäche und Niederstürzen;
eine Kuh wurde durch den Magenschnitt gerettet (+Honeker+, D. T. W.
1900).
=Urtica dioica=, die +Brennessel+, soll nach +Rohr+ (Progr. vét.
1907) besonders zur Herbstzeit ein scharfes Gift enthalten,
welches sogar Hühnerhunde beim Streifen durch das Gebüsch unter
Krampferscheinungen töten soll; ausserdem entsteht durch das
Eindringen der Nesselhaare Hautentzündung, Stomatitis, Pharyngitis
und Laryngitis. Bei einem jungen Teckel glaubt +Holterbach+ (B. T. W.
1908) eine ähnliche tödliche Vergiftung beobachtet zu haben (Taumeln,
Lähmung).
=Senecio Jacobaeus=, das +Jakobskraut+, soll nach +Gilruth+
(The Vet. Bd. 75) bei Pferden und Rindern in Neu-Seeland häufig
Leberzirrhose veranlassen. Die Krankheitserscheinungen bestehen in
Ikterus, Aszites, Durchfall, schneller Abmagerung und Schwäche; bei
der Sektion erscheint die Leber lederartig derb und schieferartig
gefärbt. Auch experimentell liess sich bei 2 gesunden, 6 Monate alten
Kälbern nach Ablauf eines Monats tödliche Leberzirrhose durch die
tägliche Verfütterung von 3 kg Jakobskraut erzeugen.
=Cardamine pratensis=, das +Wiesenschaumkraut+ erzeugte nach
+Stottmeister+ (Zeitschr. f. Vet. 1902) bei 15 Remonten des
Remontedepots Wirsitz Verschlag. Schon im Jahr 1894 waren 24
Remonten ebenfalls an Verschlag erkrankt. Auch experimentell liess
sich bei einigen Pferden und sogar bei Kühen nach 5-8 Stunden durch
Verfütterung des frischen Krautes (nicht des getrockneten) Rehe
erzeugen.
=Centaurea Cyanus=, die +Kornblume+, erzeugte nach +Dopheide+ (Berl.
Arch. 1901) bei einer Kuh, welche eine grössere Menge vom Besitzer
ausgezogener grüner Kornblumenpflanzen gefressen hatte, wenige
Stunden später eine vollständige Lähmung des Hinterteils; nach
Verabreichung von schwarzem Kaffee trat in kurzer Zeit Heilung ein.
=Cuscuta Trifolii=, die +Kleeseide+, veranlasste nach +Holterbach+
(D. T. W. 1908) bei 4 Kühen eine Vergiftung, nachdem sie Klee
(Trifolium pratense) mit 50% Kleeseide gefüttert erhielten. Die Tiere
zeigten Anfälle von Muskelzittern, Krämpfen der Gliedmassen und
Raserei; die Anfälle dauerten ¼ Stunde (eine Kuh zeigte 4 Anfälle),
worauf Erschöpfung und Schweissausbruch eintrat; alle Tiere genasen.
=Strobuli Lupuli=, die +Hopfendolden+, bedingen nach +Zaruba+
(Tierärztl. Zentr. 1907) alljährlich zur Zeit der Hopfenernte einen
eigentümlichen Futterausschlag beim Rind, wenn die Hopfenranken
verfüttert werden, in Form eines papulösen Exanthems am Euter und an
den Hinterbeinen, das stellenweise vesikulär und pustulös ist und
sich in einem Falle über den ganzen Körper verbreitete; nach 10 Tagen
trat Heilung ein.
=Daucus Carota=, +gelbe Rüben+ (Mohrrüben), wirken nach +Böhm+ bei
der Verfütterung an Frettchen giftig. Auch bei Pferden sollen sie
unter Umständen schwere Darmentzündung (Preuss. Mil. Vet. Ber. 1900),
Lähmungserscheinungen (+Holterbach+, B. T. W. 1907) und Abortus
(+Suckow+, B. T. W. 1908) bei zu reichlicher Fütterung veranlassen.
Auch die weissen Rüben bedingen nach +Thomassen+ (Monatsh. f. prakt.
Tierheilk. 1902) nach ausschliesslicher Verfütterung bei Pferden die
Erscheinungen der enzootischen Bulbärparalyse: Schlinglähmung sowie
Lähmung des Hinterteils aszendierend auf das Vorderteil; sie sollen
einen Giftstoff enthalten, dessen Wirkung speziell auf die Medulla
oblongata gerichtet ist.
=Melassevergiftung.= Pferde, welche längere Zeit hindurch täglich
1-2 kg Torfmehlmelasse erhielten, zeigten Harndrang, Polyurie,
Darmkatarrh, Durchfall, Kolik, Herzschwäche, Petechien auf Augen-
und Nasenschleimhaut, Mauke, Lähmungserscheinungen usw.; die Sektion
ergab chronische Nephritis (+Dammann+, Preuss. Vet. Ber. 1904;
Preuss. Mil. Vet. Ber. 1902 ff.).
=Cotyledon ventricosa= erzeugt nach +Jakobsen+ (Viehseuchen in
Deutsch-Südwestafrika 1907) bei Schafen und Ziegen Taumeln.
=Phytolacca decandra=, die +Kermesbeere+ (Scharlachbeere) enthält
eine saponinartige Substanz. Rinder erkrankten nach dem Beweiden
ihres Standorts an Gastroenteritis (+White+, Journ. of comp. 1902).
=Festuca Hieronymi= bezw. das darauf schmarotzende Pilzmyzel von
+Endoconidium tembladerae+ erzeugt bei den Pflanzenfressern der
südamerikanischen Anden eine charakteristische Vergiftung, die
sog. „Trembladera“, die sich in Muskelzittern, Schüttelfrost,
Druckempfindlichkeit der Wirbelsäule, Gleichgewichtsstörungen,
Lähmungserscheinungen und Harnverhaltung bei freier Psyche äussert
(+Rivas+ und +Zanolli+, La Trembladera, La Plata 1909).
=Diversa.= +Poa aquatica+ wirkt an und für sich nicht giftig, sondern
nur, wenn es von Ustilago longissima befallen ist. Dasselbe gilt
vom +Schilfgras+ (Phragmites communis), welches häufig von Puccinia
arundinacea befallen ist. Von giftigen Pilzen sind ferner noch zu
erwähnen +Peronospora viticola+, der Rebenmehltau, welcher bei Kühen
Kolik, Tympanitis, Verstopfung, Durchfall und Abortus hervorruft
(+Bissauge+, Recueil 1893), +Peronospora Herniariae+, welches bei
Schafen starke Salivation und +Peronospora Viciae+ (Mehltau der
Wicken und Erbsen), welches Abortus erzeugen soll.
Anhang.
Die Giftpflanzen nach dem Familiensystem geordnet.
I. =Colchicaceen.= +Colchicum autumnale+, Herbstzeitlose; +Veratrum
album+, weisse Nieswurz; +Sabadilla officinalis+, Sabadillsamen.
II. =Solaneen.= +Atropa Belladonna+, Tollkirsche; +Hyoscyamus niger+,
Bilsenkraut; +Datura Stramonium+, Stechapfel; +Nicotiana Tabacum+,
+makrophylla+ und +rustica+, Tabak; +Solanum nigrum+, Nachtschatten;
+Solanum Dulcamara+, Bittersüss; +Solanum tuberosum+, Kartoffelkraut;
+Skopolia atropoides+, +Duboisia myroporoides+, +Ephedra vulgaris+.
III. =Apocyneen.= +Strychnos nux vomica+, Brechnussbaum; +Strychnos
gujanensis+, Kurarebaum; +Strychnos Ignatii+, Ignatiusstrauch;
+Strophanthus hispidus+, Kombesamen; +Nerium Oleander+ Oleander;
+Nerium odorum+; +Apocynum cannabinum+.
IV. =Euphorbiazeen.= +Euphorbia Cyparissias+, +Peplus+,
+helioskopia+, +marginata+ u. a., Wolfsmilch; +Mercurialis annua+
und +perennis+, Bingelkraut; +Croton Tiglium+, Krotonsamen; +Ricinus
communis+, gemeiner Wunderbaum; +Buxus sempervirens+, Buchsbaum.
V. =Ranunkulazeen.= +Ranunculus sceleratus+, +acris+, +arvensis+,
+repens+, +Ficaria+, +flammula+, +bulbosus+, +lanuginosus+, +Lingua+,
+auricomus+, +polyanthemus+, Hahnenfuss; +Helleborus fötidus+,
+viridis+ und +niger+, Nieswurz; +Aconitum ferox+, +neomontanum+,
+variegatum+ und +Napellus+, Sturmhut; +Aconitum lycoctonum+,
Wolfseisenhut; +Clematis erecta+, Waldrebe; +Adonis vernalis+,
+Delphinium Staphisagria+, Stephanskörner; +Caltha palustris+,
Sumpfdotterblume; +Actaea spicata+ und +racemosa+, Christophskraut,
Schlangenwurzel; +Nigella sativa+, Schwarzkümmel; +Paeonia
officinalis+, Gichtrose.
VI. =Umbelliferen.= +Conium maculatum+, Fleckschierling; +Cicuta
virosa+, Wasserschierling; +Aethusa Cynapium+, Gartenschierling;
+Oenanthe crocata+ und +fistulosa+, Rebendolde; +Chaerophyllum
temulum+, Taumelkerbel; +Sium latifolium+, Merk; +Ferula communis+,
Steckenkraut; +Hydrocotyle vulgaris+, Nabelkraut.
VII. =Papilionazeen.= +Physostigma venenosum+, Kalabarbohne; +Cytisus
Laburnum+, Goldregen, und andere Cytisusarten; +Lathyrus cicer+,
Kichererbse; +Lathyrus sativus+, Platterbse; +Coronilla scorpioides+,
Kronenwicke; +Melilotus officinalis+, Steinklee; +Lupinus luteus+,
+albus+ und +angustifolius+, Lupine; +Galega officinalis+,
Geissranke; +Astragalus molissimus+; +Robinia Pseudoacacia+.
VIII. =Amygdaleen.= +Amygdalus communis+, Bittermandelbaum; +Prunus
laurocerasus+, Kirschlorbeer; +Prunus Padus+, Traubenkirschbaum;
+Prunus persicus+, Pfirsichbaum; +Prunus domesticus+, Pflaumenbaum;
+Prunus cerasus+, Kirschbaum.
IX. =Scrophularineen.= +Digitalis purpurea+, Fingerhut; +Gratiola
officinalis+, Gottesgnadenkraut; +Pedicularis silvatica+ und
+palustris+, Läusekraut; +Antirrhinum majus+, Orant; +Melampyrum+,
Wachtelweizen; +Scrophularia aquatica+, Wasserwurzel.
X. =Koniferen.= +Taxus baccata+, Eibenbaum; +Juniperus Sabina+,
Sadebaum; +Pinus abies+ usw.; +Thuja occidentalis+, Lebensbaum.
XI. =Papaverazeen.= +Papaver somniferum+, Mohn; +Papaver Rhöas+,
Klatschrose; +Chelidonium majus+, Schöllkraut.
XII. =Caryophyllazeen.= +Agrostemma Githago+, Kornrade.
XIII. =Kupuliferen.= +Fagus silvatica+, Buche (Bucheckern); +Quercus
Robur+, Eiche.
XIV. =Polygoneen.= +Rumex acetosa+ und +acetosella+, Sauerampfer;
+Polygonum fagopyrum+, Buchweizen; +Polygonum convolvulus+,
+Persicaria+ und +hydropiper+, Knöterich.
XV. =Amaryllideen.= +Narcissus pseudonarcissus+ und +poëticus+,
Narzisse; +Leucojum aestivum+, Sommerlevkoje.
XVI. =Thymelaeazeen.= +Daphne Mezerëum+ und +Laureola+, Seidelbast.
XVII. =Erikazeen.= +Rhododendron hirsutum+, +ferrugineum+, +maximum+,
+ponticum+ und +chrysanthum+, Alpenrose; +Andromeda polyfolia+ u. a.,
Rosmarinheide; +Ledum palustre+, Sumpfporst; +Pirola+, Wintergrün;
+Azalea pontica+.
XVIII. =Aroideen.= +Arum maculatum+, Aronstab; +Calla palustris+,
Schweinekraut; +Dieffenbachia seguina+, Schweigrohr.
XIX. =Asklepiadeen.= +Asklepias Vincetoxicum+, Schwalbenwurzel.
XX. =Konvolvulazeen.= +Ipomoea Purga+, Jalappe; +Cuscuta europaea+,
Flachsseide.
XXI. =Kruziferen.= +Brassica nigra+, Senf; +Brassica Rapa+, Rübsen;
+Brassica Napus+, Reps; +Brassica juncea+, Sareptasenf; +Sinapis
arvensis+, Ackersenf; +Raphanus Rhaphanistrum+, Hederich; +Erysimum
vulgare+, Wegsenf; +Arabis tartarica+, Gänsekresse; +Cochlearia
Armoracia+, Meerrettig.
XXII. =Piperazeen.= +Piper nigrum+, Pfeffer.
XXIII. =Liliazeen.= +Aloë ferox+ etc., Aloe; +Paris quadrifolia+,
Einbeere.
XXIV. =Rhamneen.= +Rhamnus cathartica+, Kreuzdorn.
XXV. =Berberideen.= +Podophyllum peltatum.+
XXVI. =Polypodiazeen.= +Pteris aquilina+, Adlerfarn.
XXVII. =Malvazeen.= +Gossypium herbaceum+, Baumwollpflanze.
XXVIII. =Terebinthazeen.= +Rhus toxicodendron+, Giftsumach;
+Anacardium occidentale+ und +Semecarpus Anacardium+, Elefantenläuse.
XXIX. =Primulazeen.= +Cyclamen europaeum+, Alpenveilchen.
XXX. =Aristolochiazeen.= +Aristolochia Clematidis+, Osterluzei;
+Asarum europaeum+, Haselwurz.
XXXI. =Kompositen.= +Lactura virosa+, Giftlattich; +Madia
sativa+, Saatmadie; +Sonchus arvensis+, Ackersaudistel; +Achillea
Millefolium+, Schafgarbe; +Onopordon Acanthium+, Eselsdistel.
XXXII. =Kukurbitazeen.= +Bryonia alba+ und +dioica+, Zaunrübe;
+Momordica Elaterium+, Springgurke; +Citrullus Colocynthis+,
Koloquinthengurke.
XXXIII. =Hyperikazeen.= +Hypericum perforatum+, Johanniskraut.
XXXIV. =Typhazeen.= Typha latifolia, Kolbenrohr.
XXXV. =Chenopodiazeen.= Chenopodium hybridum, Gänsefuss.
XXXVI. =Celastazeen.= +Evonymus europaeus+, Pfaffenhütlein.
XXXVII. =Caprifoliazeen.= +Viburnum Lantana+, Schneeball.
XXXVIII. =Droserazeen.= +Drosera rotundifolia+, Sonnentau.
XXXIX. =Rutazeen.= +Ruta graveolens+, Raute; +Pilocarpus
pennatifolius+.
XL. =Labiaten.= +Mentha Pulegium+, Poley.
XLI. =Plumbaginazeen.= +Plumbago europaea+, Bleiwurz.
XLII. =Krassulazeen.= +Sedum acre+, Mauerpfeffer.
XLIII. =Smilazeen.= +Tamus communis+, Zaunrübe; +Convallaria
majalis+, Maiblume.
XLIV. =Oleazeen.= +Ligustrum vulgare+, Gemeiner Liguster.
XLV. =Berberideen.= +Berberis vulgaris+, Berberitze.
XLVI. =Artokarpeen.= +Antiaris toxica+, javanischer Giftbaum.
XLVII. =Kannabineen.= +Cannabis indica+, indischer Hanf; +Cannabis
sativa+, deutscher Hanf.
XLVIII. =Lobeliazeen.= +Lobelia inflata+, aufgeblasene Lobelie.
XLIX. =Menispermeen.= +Anamirta Cocculus+, Kokkelskörnerstrauch.
L. =Palmen.= +Areca Catechu+, Arekanuss.
LI. =Sapindazeen.= +Paullinia australis+ und +Cururu+, amerik.
Pfeilgift.
LII. =Lineen.= +Linum usitatissimum+, Lein.
LIII. =Equisetaceen.= +Equisetum arvense+, +palustre+, +limosum+,
+hiemale+, Schachtelhalm.
LIV. =Gramineen.= +Lolium temulentum+, Taumelloch.
LV. =Filizes.= +Aspidium Filix Mas+, Wurmfarn.
LVI. =Schimmelpilze= (=Mukorineen=). +Mucor+, Blasenschimmel;
+Aspergillus+, Kolbenschimmel; +Penicillium+, Pinselschimmel;
+Oïdium+, Milchschimmel.
LVII. =Brandpilze= (=Ustilagineen=). +Tilletia Caries+, Schmierbrand;
+Ustilago+, Flugbrand.
LVIII. =Rostpilze= (=Uredineen=). +Puccinia Graminis+, +Straminis+,
+coronata+ und +arundinacia+, Getreiderost; +Uromyces+,
Leguminosenrost.
LIX. =Kernpilze= (=Pyrenomyzeten=). +Claviceps purpurea+, Mutterkorn;
+Polydesmus exitiosus+, Rapsverderber; +Polythrincium Trifolii+;
+Epichloë typhina+.
LX. =Schwämme= (=Fungi=). +Agaricus muscarius+, Fliegenpilz;
+Agaricus phalloides+, Knollenblätterschwamm; +Fungus Laricis+,
Lärchenschwamm; +Russula emetica+, Speiteufel; +Cantharellus
aurantiacus+, falscher Eierschwamm; +Boletus Satanas+, Satanpilz;
+Helvella esculenta+, Morchel.
III. Tierische Gifte.
Kantharidenvergiftung.
=Allgemeines.= Die Kanthariden oder spanischen Fliegen (Lytta
vesicatoria) sind 1½-3 cm lange und 6-9 mm breite Käfer mit intensiv
grünen, metallisch glänzenden, oblongen Flügeldecken. Sie leben
auf Liguster, Flieder, Eschen und Pappeln und enthalten im ganzen
Körper, namentlich aber in den Geschlechtsteilen (junge Käfer
sind deshalb weniger giftig) einen kampferähnlichen, säureartigen
Stoff, das +Kantharidin+ von der Formel 2(C_{5}H_{6}C_{2}). Das
Kantharidin stellt chemisch eine Laktonsäure dar, die sich vom
Orthoxylol ableitet; es ist verwandt mit dem in den Ranunkulazeen
enthaltenen Anemonin, deren Blätter dem ebenfalls kantharidinhaltigen
Maiwurm (Meloë majalis) als Nahrung dienen. Die +Ursachen+ der
Kantharidenvergiftung sind in zu konzentrierter oder ausgedehnter
äusserlicher Anwendung der Kantharidenpräparate (Salbe, Tinktur, Oel,
Pflaster) als Epispastika, in zu hoher Dosierung des Mittels als
Aphrodisiakum, sowie in der Aufnahme der spanischen Fliegen mittelst
des Futters zu suchen. Die Todesdosis beträgt bei innerlicher
Anwendung für das Rind und Pferd 25-35 g, für den Hund ½-1 g.
Von kantharidinhaltigen Käfern sind ferner zu nennen: Lytta violacea,
gigar und adspersa, Meloë proscarabaeus, majalis (Maiwurm) und
angusticollis, sowie verschiedene Mylabris- und Kantharisarten.
=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Kantharidin wirkt auf der Haut
+blasenziehend+, auf der Digestionsschleimhaut +entzündungserregend+;
ausserdem erzeugt es bei seiner Ausscheidung durch die Nieren
+Nephritis+ und +Zystitis+. Bei der innerlichen Einverleibung
treten die Erscheinungen der +Stomatitis+ und +Gastroenteritis+,
bei der epidermatischen Anwendung die der +Nephritis+ in den
Vordergrund. Die einzelnen Krankheitserscheinungen sind, soweit sie
den Digestionsapparat betreffen: +Speicheln+, +Schlingbeschwerden+,
+Erbrechen+, +Kolik+, +blutige Diarrhöe+, +Tenesmus+. Beim Rind
wird auch zuweilen Abgang von Kruppmembranen mit dem Kot beobachtet
(Enteritis crouposa). Die entzündliche Reizung der Nieren-, der
Blasen- und Harnröhrenschleimhaut äussert sich in +aufgeregtem
Geschlechtstrieb+, +Polyurie+, +Harndrang+, +Blutharnen+,
+Eiweissharnen+, +Rötung+ und +Schwellung+ der +Vaginal-+ und
+Präputialschleimhaut+ und selbst +Anschwellung+ des +Präputiums+ und
der +Eichel+. Diese Wirkung auf den Urogenitalapparat beobachtet man
auch bei ausgedehnter äusserlicher Anwendung der Kanthariden oder
beim Einstreuen derselben in Wunden; die entzündliche Reizung der
Digestionsschleimhaut fehlt aber in diesen Fällen. Der Tod erfolgt
unter den Erscheinungen der +allgemeinen Schwäche+ durch Atmungslähmung.
Bei der +Sektion+ findet man die Erscheinungen der Stomatitis,
Pharyngitis, Gastritis, Enteritis haemorrhagica, Zystitis und Nephritis
(sog. Kantharidin-Nephritis; hauptsächlich Erkrankung der Glomeruli
und der gewundenen Harnkanälchen). Zuweilen beobachtet man auch
Laryngitis, Rhinitis und Konjunktivitis. Die +Behandlung+ besteht
in der Verabreichung schleimiger, einhüllender Mittel in Verbindung
mit Opium. Oelige Mittel sind wegen der Auflösung des Kantharidins
und der dadurch beförderten Resorption desselben zu vermeiden. Die
Lähmungserscheinungen behandelt man mit Exzitantien (Kampfer).
=Nachweis.= Sind die Kanthariden in unpräparierter Form innerlich
aufgenommen worden, so genügt das Auffinden der charakteristischen
grüngefärbten Flügeldecken zum Nachweise der Vergiftung. Bei
Vergiftungen nach äusserlicher Anwendung der Kanthariden kann ferner
das Kantharidin durch chemische und physiologische Reaktionen
nachgewiesen werden. Dasselbe wird wie die Alkaloide nach der
+Stas+schen Methode schon aus +sauren+ wässerigen Lösungen durch
+Aether+, +Benzol+, +Chloroform+, +Amylalkohol+ ausgeschüttelt; am
besten eignet sich hierzu +Chloroform+. Zur Untersuchung von Blut
und Körperteilen auf Kantharidin hat ausserdem +Dragendorff+ eine
besondere Methode angegeben. Danach wird das Untersuchungsmaterial
fein zerschnitten und mit +Kalilauge+ (1 Kalihydrat auf 12-15
Teile Wasser) in einer Porzellanschale so lange erhitzt, bis eine
durchaus gleichartige Flüssigkeit entstanden ist. Nach dem Erkalten
wird dieselbe mit Wasser verdünnt, mit +Chloroform+ ausgeschüttelt
(kantharidinsaures Kali), nach Abtrennung des Chloroforms mit
Schwefelsäure bis zur stark sauren Reaktion versetzt und sofort mit
dem vierfachen Volum Alkohol gemischt, das Gemisch eine Zeitlang
im Sieden erhalten, heiss filtriert, das Filtrat möglichst stark
abgekühlt, noch einmal filtriert und durch Destillation vom Alkohol
befreit (Kantharidin). Die zurückbleibende wässerige Flüssigkeit wird
mit Chloroform wie oben behandelt, nachdem zuerst die an den Wandungen
der Retorte haftenden Massen (Kantharidin) durch dasselbe aufgenommen
worden sind. Alle Chloroformauszüge werden dann verdunstet und der
Rückstand, das reine Kantharidin, mit etwas Mandelöl aufgenommen.
Die wichtigsten Reaktionen des Kantharidins sind: 1. Die
+physiologische+ Reaktion, welche im Auftragen des in Oel
aufgenommenen Kantharidins auf die menschliche Haut besteht, wobei
die Substanz als +blasenziehend+ erkannt wird. Am besten lässt man
die Kantharidinlösung in ein Stück englische Charpie einziehen und
befestigt dasselbe mit Heftpflaster auf seiner Brust oder auf dem
Oberarme. 2. +Metallniederschläge+ entstehen beim Zusammenbringen des
Kantharidins mit verschiedenen +Metallsalzen+. Man löst das Kantharidin
in wenig Kali- oder Natronlauge und löst die dabei entstehenden
Kristalle in etwas Wasser auf. Die Lösung gibt dann mit +Chlorbaryum+
und +Chlorkalzium+ weisse, mit +Kupfervitriol+ und +schwefelsaurem
Nickeloxydul+ grüne, mit +schwefelsaurem Kobaltoxydul+ rote, mit
+Bleizucker+, +Sublimat+ und +Höllenstein+ weisse, kristallinische,
meist rhombische Niederschläge von kantharidinsauren Metallen.
=Kasuistik.= +Römmele+ (Bad. Mitteil. 1866) berichtet, dass auf
einem Gute spanische Fliegen von benachbarten Eschenpflanzungen
und Holundersträuchen in das Wiesengras gelangten, was zur Folge
hatte, dass ein grosser Teil des Viehstandes mehrere Jahre hindurch
Blasenbildung auf der Maulschleimhaut, Nasenschleimhaut und
Scheidenschleimhaut, erregten Geschlechtstrieb, Hämaturie, Harndrang,
Abortus, Anämie und Abmagerung zeigte. -- +Brandes+ (Magazin Bd. 3)
sah nach scharfen Einreibungen beider Brustwandungen mit je 50 g
Kantharidensalbe, wobei nach 12 Stunden beiderseitig je 15 g Salbe
nachgerieben wurden, bei Pferden regelmässig Polyurie eintreten. 3
Pferde zeigten ausserdem schwankenden Gang und Lähmungserscheinungen.
-- +Bertsche+ (Bad. tierärztl. Mitt. 1890) beschreibt eine Vergiftung
bei einer Kuh, welcher zum Zwecke des Brünstigwerdens etwa 25 g
Kantharidenpulver von einem Landwirt eingegeben worden waren. Die
Maulschleimhaut war weisslich verfärbt, das Epithel an der Zunge, am
Zahnfleisch und Gaumen bis in die Nasenhöhle in Fetzen abgelöst. Urin
wurde häufig, aber immer nur in geringen Mengen abgesetzt, derselbe
war rötlich gefärbt. Die Futteraufnahme war ganz aufgehoben, beim
Abschlucken zeigte das Tier grosse Schmerzen. Mit dem Kot gingen
1-1½ m lange darmähnliche Kruppmassen ab. Die Bewegung war matt und
schwankend. Nach eingeleiteter Behandlung trat langsame Genesung
ein. -- Ein Pferd starb nach der Einreibung von Kantharidensalbe
an Nephritis nach 2 Tagen (Pr. Mil. Vet. Ber. 1895). -- +Metzger+
(D. T. W. 1896) sah bei einer Kuh, welche etwa 10 g Kanthariden
eingegeben erhalten hatte, schwankenden Gang, Salivation, Stomatitis
und Pharyngitis sowie Polyurie. Das bis zum Skelett abgemagerte
Tier brauchte etwa ein Vierteljahr zur Erholung. -- +Carougeau+
(Journ. de Lyon 1897) beobachtete bei einem Pferde nach der
Einreibung mit Kantharidensalbe akute hämorrhagische Nephritis,
wobei die Glomeruli um das 2-3fache vergrössert waren. -- +Heck+
(Am. vet. rev. 1898) sah bei einem Hengst nach der Verabreichung
von 8 g Kanthariden Stomatitis, Pharyngitis, Polyurie, Kolik
und Tod nach 12 Stunden; die Sektion ergab Gastroenteritis und
Nephritis. -- Nach den experimentellen Untersuchungen +Friedbergers+
(Münchener Jahresbericht 1878) hatten 50 g Kantharidensalbe
äusserlich eingerieben keine giftige Wirkung, während die innerliche
Verabreichung von 25 g des Pulvers nach 4 Stunden bei einem Pferd
schwere Vergiftungserscheinungen hervorrief. -- Eine Stute erhielt
5 g Kantharidenpulver auf Brot und erkrankte infolgedessen an
einer Stomatitis diphtherica; ein anderes schweres Pferd zeigte
nach derselben innerlichen Dosis ausser Appetitverminderung keine
Krankheitserscheinungen (+Groll+, Woch. f. T. 1903). -- Nach dem
Einreiben von 70 g Kantharidensalbe zeigte ein Pferd Polyurie und
Kolikerscheinungen; ein Ablecken der Salbe hatte nicht stattgefunden
(+Lungwitz+, Sächs. Jahresber. 1900). -- Ich habe mehrmals ähnliche
Beobachtungen gemacht.
Vergiftung durch Schlangenbisse.