sehr giftige, mit dem Neurin und Cholin verwandte Base von der Formel
N.(CH_{3})_{3}C_{2}H_{5}O_{2}.OH (Trimethylammoniumbase), welche
in ihrer Wirkung viel Aehnlichkeit mit dem Eserin, Pilokarpin und
Arekolin besitzt. Sie erzeugt gesteigerte Sekretion aller Drüsen,
Darmtetanus, Uteruskontraktionen, Krämpfe, Aufregung und Lähmung des
Gehirns, Herzstillstand und Lungenödem. Nach +Ellenberger+ (Berliner
Archiv 1887) traten bei Pferden schon nach Dosen von 0,04 Muskarin
schwere Vergiftungserscheinungen auf. Die im =Lärchenschwamm=
enthaltene +Agarizinsäure+ von der Formel C_{10}H_{30}O_{5} stimmt
mit dem Atropin in der sekretionsbeschränkenden Wirkung überein.
Es tötet durch Lähmung der im verlängerten Mark gelegenen Zentren
(Herzzentrum, Atmungszentrum, vasomotorisches Zentrum) und erzeugt
ausserdem Gastroenteritis. =Amanita phalloides= enthält nach
+Kobert+ ein ausserordentlich giftiges Toxalbumin, das +Phallin+,
das stärkste bekannte +Blutgift+, welches die roten Blutkörperchen
noch bei 125000facher Verdünnung vollständig auflöst (Hämolyse) und
dadurch zu Hämoglobinämie und Hämoglobinurie, Polycholie, multiplen
Blutgerinnungen durch das infolge der Auflösung der Blutkörperchen
freigewordene Fibrinferment (Leukonuklein) mit ihren Folgen, und zu
schweren zerebralen Störungen Veranlassung gibt. Hunde und Katzen
sterben schon nach der intravenösen Einverleibung von weniger als einem
halben Milligramm Phallin pro Kilogramm Körpergewicht und zeigen schon
eine halbe Stunde nach der Applikation Hämoglobinurie. Dabei erscheint
im Harn zunächst Oxyhämoglobin, sehr bald aber infolge Umwandlung
desselben im Blute Methämoglobin und sogar Gallefarbstoff. Hieran
schliessen sich wie bei der Hämoglobinämie der Pferde parenchymatöse
Nephriten mit Anurie und Urämie an. Die =essbare Morchel= enthält
im frischen Zustand die sehr giftige +Helvellasäure+ von der Formel
C_{10}H_{20}O_{7}, welche gleichfalls hämolytische Eigenschaften
besitzt und infolge Auflösung der roten Blutkörperchen Hämoglobinämie
erzeugt; ausserdem bestehen die Vergiftungserscheinungen in Tetanus,
Trismus, Schwindel, Somnolenz, Bewusstlosigkeit, Erbrechen und
Durchfall.
=Krankheitsbild.= Vergiftungen durch Giftschwämme kommen bei den
Haustieren ausserordentlich selten vor. Die tierärztliche Literatur
enthält nur vereinzelte einschlägige Beobachtungen. Nach +Bizky+
(Monatshefte für prakt. Tierheilkunde 1898) erkrankten mehrere Fohlen
nach der Aufnahme von Waldheu, welches Fliegenschwamm enthielt;
sie zeigten Durchfall, Speichelfluss und Pupillenverengerung
(Muskarinvergiftung). +Munkel+ (Preuss. Mitteil. 1878) berichtet,
dass eine Herde Mutterschafe erkrankte, nachdem sie im September in
ein Gehölz getrieben wurde, in welchem zahlreiche Pilze wuchsen und
zwar insbesondere Agaricus muscarius und delicissus, Cantharellus
cibarius, Boletus edulis und Klavariaarten. Mehrere Schafe, welche
mit grosser Begierde von den Pilzen gefressen hatten, erkrankten,
indem sie umfielen und nicht mehr aufstehen konnten, so dass sie in
diesem gelähmtem Zustande nach Hause getragen werden mussten; die
erkrankten Tiere genasen jedoch alle. +Mundesgruber+ (Repertor. 1843)
beobachtete eine Vergiftung bei Gänsen. 600 Stück Gänse hatten im Walde
unter anderen Pilzen Agaricus muscarius und pyrogalus aufgenommen.
180 Stück davon erkrankten und starben innerhalb 24 Stunden. Die
Krankheitserscheinungen bestanden in Taumeln, wutähnlichem Benehmen und
Wälzen. Bei der Sektion fand man Rötung und Entzündung der Schleimhaut
des Schlundes, Kropfes und Darmes.
=Therapie.= Die Behandlung besteht in der Anwendung von Brechmitteln,
Abführmitteln, Tannin, Lugolscher Lösung und in symptomatischen
Massnahmen.
Diverse andere Giftpflanzen.
=Rhus toxicodendron=, der +Giftsumach+, ist eine in Nordamerika
einheimische, bei uns in Gärten kultivierte und auch wild
vorkommende Terebinthazee (Anakardiazee), welche ein mit dem
+Kardol+ (schwarzbraunes Oel der sog. Elefantenläuse, der Früchte
von Anacardium occidentale) verwandtes stark reizendes Gift, die
+Toxikodendronsäure+, enthält. Die Pflanze erzeugt bei ihrer
Berührung Hautentzündung. Vergiftungen sollen bei Schafen und Ziegen
nach dem Genusse der Blätter und Beeren beobachtet worden sein.
Auch die chilenische Litrepflanze (Lithrea caustica), ebenfalls zu
den Anakardiazeen gehörig, scheint einen kardolartigen Stoff zu
enthalten. -- Das =Kardol= ist eine ölige, gelbliche Flüssigkeit,
gewonnen aus den unter dem Namen „Elefantenläuse“ bekannten
Früchten von +Anacardium occidentale+ und +Semecarpus Anacardium+
(Terebinthazeen), von scharfer, kantharidinartiger Wirkung auf Haut
und Schleimhäute (Dermatitis, Gastroenteritis besonders im Dickdarm).
=Cyclamen europaeum=, das +Alpenveilchen+ (Schweinebrot, Saubrot,
Erdscheibe), eine Primulazee, besitzt ein knolliges, kuchenförmiges
Rhizom, welches ein mit dem Saponin bezw. Sapotoxin in der Wirkung
verwandtes Glykosid, das +Zyklamin+, enthält. Dasselbe zerfällt
beim Kochen in Zucker und Zyklamiretin. Die Knollen wirken reizend,
entzündungserregend (Gastroenteritis), scheinen aber von Schweinen
(„Schweinebrot“) gut ertragen zu werden. In Italien werden die
Knollen zum Fischfang verwendet (Lähmung der Fische). Das Zyklamin
besitzt ausserdem blutauflösende Eigenschaften.
=Aristolochia Clematidis=, +Osterluzei+ (Hohlwurz) ist ein auf
Aeckern und in Hecken vorkommendes Unkraut mit weithin kriechender
Wurzel, ½-1 m hohem, aufrechtem Stengel, am Grunde herzförmigen
Blättern und gelben Blüten. Die Pflanze enthält ein scharf
narkotisches Alkaloid, das +Aristolochin+, welches Nierennekrose,
Leberverfettung und hämorrhagische Diathese erzeugen und ausserdem
eine aloinähnliche Wirkung besitzen soll (+Pohl+, Arch. für exper.
Pathol. 1891). Ein Vergiftungsfall nach der Aufnahme von Osterluzei
bei 5 Pferden ist von +Jeanin+ (Recueil 1850) beschrieben worden.
Die Vergiftungserscheinungen bestanden in Schwanken, Schlafsucht,
Pupillenerweiterung, Sehstörungen, Konvulsionen, Verstopfung, Absatz
blutigen Kotes, Polyurie, Abmagerung und Schwäche, sowie Haarausfall
(bei einem Pferd). Die Tiere erholten sich erst wieder vollständig
nach Ablauf eines Vierteljahres.
=Polygonum=, +Knöterich+, kommt in 3 Arten vor. 1. +Polygonum
Persicaria+, der pfirsichblätterige Knöterich, ist ein ästiges
Unkraut mit länglichlanzettlichen bis linealen Blättern und roten
oder weissen Blüten. Die Pflanze soll einen scharfen Stoff, die
Polygoninsäure enthalten, welche jedoch nach anderen nur ein Gemenge
von Gerbsäure und Gallussäure darstellt. Der Knöterich erzeugt bei
Schweinen Gastroenteritis und Zystitis. 2. +Polygonum hydropiper+,
der Wasserpfeffer, soll bei Schweinen Blutharnen bedingen. 3.
+Polygonum convolvulus+, der windende Knöterich, verursachte bei
einem Pferd akute Darmentzündung (+Galtier+, J. de Lyon 1887). --
Eine Vergiftung bei Schafen durch verschiedene Polygonumarten hat
+Born+ (Veterinarius 1896) beschrieben. Die Tiere zeigten starke
Depression des Sensoriums, Nystagmus, Krämpfe und Lähmung.
+Caltha palustris+, die +Sumpf-Dotterblume+ (grosse Butterblume,
Kuhblume), eine Ranunkulazee, enthält einen scharfen Stoff, welcher
wahrscheinlich mit dem Anemonenkampfer (vergl. S. 242) identisch
ist. Nach andern soll sie ein nikotinartiges Alkaloid enthalten.
+Bonin+ (Journal de Lyon 1888) berichtet über einen Vergiftungsfall
bei Pferden. Nach der Aufnahme von Grünfutter, welches fast nur
aus Sumpf-Dotterblumen bestand, zeigten sich Kolikerscheinungen,
Tympanitis, Harndrang, sowie dunkelroter Harn von scharfem,
charakteristischem Dotterblumengeruche. Ein Pferd starb. +Nessler+
(Bad. landwirtschaftl. Wochenblatt 1870) beobachtete bei Rindern
Durchfall nach dem Genuss der Pflanze.
=Ledum palustre=, der +Sumpfporst+ (Wilder Rosmarin), ist ein
auf Torfwiesen wachsender bis meterhoher Strauch (Erikazee) mit
immergrünen, linealen, rostbraunen, filzigen Blättern, welche
Aehnlichkeit mit Rosmarin haben, und weisser Blumenkrone. Er
enthält den +Ledumkampfer+ und wirkt entzündungserregend auf die
Digestionsschleimhaut.
=Sium latifolium=, der +Merk+ (Wassermerk), ist eine in Wassergräben
wachsende Umbellifere mit weisser Blütendolde. Sie enthält einen
scharfen, +reizenden+ und zugleich +narkotisch+ wirkenden Stoff,
welcher Gastroenteritis, Kolik, starke Aufregung und Betäubung
erzeugt. Vergiftungen bei Rindern sind von +Beyerstein+ (Repertor.
1850) und +Löfmannn+ (Fin. Vet.-Zeit. 1901) beschrieben worden.
=Gratiola officinalis=, das +Gottesgnadenkraut+ (Erdgalle)
ist eine Sumpfpflanze aus der Familie der Skrophularineen mit
stielrundem, ästigem Rhizom, bis 30 cm hohem, vierkantigem, kahlem
Stengel, feingesägten kahlen Blättern und weisslichen, gelbrötlich
angelaufenen Blüten. Die Pflanze enthält 2 Glykoside von purgierender
Wirkung: das +Gratiosolin+ von der Formel C_{46}H_{42}O_{25} und das
+Gratiolin+ von der Formel C_{40}H_{34}O_{14} sowie andere scharfe
Stoffe (+Gratiolacrin+). Die Pflanze soll eine hämorrhagische
Magendarmentzündung veranlassen.
=Lactuca virosa=, der +Giftlattich+, ist ein aufrechtes Kraut mit
blaugrünen Blättern, gelben kleinen Blütenköpfchen und widerlichem
Geruche (Komposite). Er enthält einen Milchsaft, +Lactucarium+,
welcher durch scheibenweises Abschneiden des 2jährigen Stengels und
Sammeln des austretenden Milchsaftes gewonnen wird. Man unterscheidet
deutsches (Zell an der Mosel), österreichisches, französisches,
englisches und amerikanisches Lactucarium. Der Milchsaft enthält das
hypnotisch wirkende +Laktuzin+. Vergiftungen bei den Haustieren sind
bisher nicht beobachtet worden.
=Actaea spicata=, das +gemeine Christophskraut+ (Beschreikraut,
Hexenkraut, Feuerkraut, Schwarzkraut, Wolfswurz, Christophoriana) ist
eine in schattigen Laubwäldern, besonders auf den nordeuropäischen
Gebirgen und in der Schweiz vorkommende Ranunkulazee mit glänzend
schwarzen Beeren und einer dem Helleborus-Rhizom sehr ähnlichen
Wurzel von bitterem, kratzendem, beissendem Geschmack, welche früher
statt der Nieswurz therapeutisch angewandt wurde. Die Wurzel enthält
ein scharfes Harz, das +Zimifugin+ oder +Makrotin+, welches Erbrechen
und Durchfall erzeugt. Vergiftungen bei den Haustieren sind bisher
nicht beobachtet worden. Aehnlich wirkt +Actaea cimifuga+ = Cimifuga
fötida, das stinkende Wanzenkraut, sowie die in Amerika als Tonikum
angewandte +Actaea racemosa+ = Cimifuga racemosa, die schwarze
Schlangenwurzel.
=Bryonia alba= und =dioica=, die +Zaunrübe+ oder +Gichtrübe+
(Stickwurz, Hundskürbis; Kukurbitazee), besitzt eine fleischige,
aussen gelbe, innen weisse, milchende, über armsdicke, widerlich
riechende und ekelhaft bitter schmeckende Wurzel, welche das giftige
Glykosid +Bryonidin+ neben dem ungiftigen Bryonin enthält. Die
Wurzel, ein Hauptmittel der Homöopathie, besitzt purgierende und
hämostatische Eigenschaften. In grösseren Mengen aufgenommen erzeugt
sie eine hämorrhagische Gastroenteritis. +Anger+ (Vet. Esc. 1899)
beobachtete bei 7 Pferden reheähnliche Steifheit und Lähmung. Eine
ausführliche Arbeit über Bryonia hat +Mankowsky+ veröffentlicht
(1890).
=Galega officinalis=, die +Geissranke+ (Geissklee, Geissraute,
Fleckenraute, Pockenraute), ist eine im südlichen Europa an
feuchten Stellen wachsende Papilionazee mit weisslichen, violetten
Blütentrauben, unpaar gefiederten Blättern und linealen,
einfächerigen Hülsen. +Blanchard+ (Journal de Lyon 1888) beobachtete
bei 10 Schafen nach der Aufnahme der blühenden und halbreife
Schoten tragenden Pflanze eine innerhalb 24 Stunden tödlich
verlaufende Vergiftung. Eine ähnliche Vergiftung bei 20 Schafen hat
+Bieler+ (ibid. 1889) beobachtet. +Moussu+ (Bull. soc. Agric. 1907)
berichtet, dass 50 Schafe einer Merinoherde innerhalb 2 Tagen an
Geissrautenvergiftung eingingen, 2 mit Geissraute gefütterte Lämmer
starben rapid, während Kaninchen und Meerschweinchen damit mehrere
Tage ohne Schaden gefüttert wurden.
=Pedicularis palustris=, das +Läusekraut+, ist eine auf Sumpf- und
Moorwiesen wachsende Skrophularinee mit ästigem Stengel, trübgrünen,
gefiederten Blättern und grossen, fleischroten Blütenähren von
widerlichem Geruche und scharfem Geschmacke.
=Ferula communis=, das +Steckenkraut+, eine Umbellifere, soll nach
+Brémond+ (Journal de Lyon 1887) in Algerien im Februar und März
in allen Teilen giftig, nach dem Verblühen (April und Mai) dagegen
durchaus ungiftig und eine gute Futterpflanze sein. Durch das
Trocknen geht die Giftigkeit verloren. Die Vergiftung tritt erst nach
6-8tägigem Besuch der Weide auf. Am empfindlichsten sind Schafe,
dann Ziegen, Rinder, Pferde und Schweine. Die Pflanze erzeugt eine
hämorrhagische Diathese, Nasenbluten, Hämaturie, Darmblutung, sowie
Hämatome auf den Psoasmuskeln. Die Krankheitsdauer beträgt 12-48
Stunden; die Mortalitätsziffer beläuft sich auf 98 Proz.
=Hypericum perforatum=, das +Johanniskraut+ (Hexenkraut,
Hasenkraut, Hartheu), eine Hyperikazee, enthält das +Hyperizin+ und
+Hyperikumrot+, 2 Farbstoffe, und wahrscheinlich noch ein ätherisches
Oel. +Pangoué+ (Rep. 1861) hat eine Vergiftung bei Tieren beobachtet.
Die Erscheinungen bestanden in Abstumpfung, Benommenheit, Mydriasis
und purpurroter Färbung der fleischfarbenen Lippenabzeichen.
=Hydrocotyle vulgaris=, das +Nabelkraut+ (gemeiner Wassernabel), ist
eine auf Moorwiesen und an sumpfigen Ufern wachsende Umbellifere von
brennendem Geschmacke, welche einen scharfen Stoff, das +Vellarin+,
enthält. Die früher als Diuretikum und als Wundmittel angewandte
Pflanze soll bei den Haustieren Darmentzündung und Blutharnen
erzeugen.
=Scrophularia aquatica=, die +Wasserwurzel+ (Scr. alata, Betonica
aquatica), enthält das Harz Scrophularacrin. Nach +Bunciman+ (The
vet. journ. 1885) erkrankten 6 Schafe nach dem Genusse der Pflanze
an Appetitlosigkeit und Lähmungserscheinungen. Ueber eine Vergiftung
durch +Scrophularia nodosa+, welche sich in Durchfall, Mattigkeit und
Lähmung äusserte, hat +Walley+ berichtet (Journ. of comp. 1891).
=Madia sativa=, die +Saatmadie+, eine 1jährige, aus Amerika stammende
Komposite mit schwarzen, 4-5kantigen, 6-7 mm langen, ölhaltigen
Früchten (Madiaöl), soll eine opiumähnliche Wirkung besitzen.
=Sonchus arvensis=, die +Ackersaudistel+, erzeugte nach +Lecouturier+
(Repertor. 1860) bei 70 Schafen Betäubung und Lähmung, sechs davon
starben.
=Asarum europaeum=, die +Haselwurz+ (Brechwurz), ist eine in ganz
Europa, namentlich in Buchenwäldern vorkommende Aristolochiazee.
Die Pflanze besitzt ein 10 cm langes Rhizom mit schuppenförmigen
Niederblättern, nierenförmigen Laubblättern und braunen, innen
purpurroten Blüten. Das Rhizom enthält das +Asaron+ = Asarumkampfer
von der Formel C_{20}H_{26}O_{5}, sowie ein ätherisches Oel, das
+Asaren+, von der Formel C_{10}H_{16}. Die Wirkung ist eine reizende,
emetinähnliche. Noch giftiger ist Asarum canadense.
=Paris quadrifolia=, die +Einbeere+ (Giftbeere, Sauauge,
Fuchstraube), ist eine in Laubwäldern wachsende Liliazee mit
schwarzen, kugeligen Beeren. Sie enthält 2 saponinartig wirkende
Giftstoffe: das +Paridin+ und +Paristyphnin+. Vergiftungen sind bei
den Haustieren bisher nicht beobachtet worden. Eine toxikologische
Monographie über die Einbeere ist von +Schroff+ veröffentlicht worden.
=Andromeda polyfolia=, die +Rosmarinheide+, eine Erikazee, enthält
das Glykosid +Andromedotoxin+ = +Asebotoxin+ mit blausäure- und
akonitinähnlicher Wirkung (vgl. Rhododendron, S. 276). Auch
+Andromeda florida+ wirkt nach +Dougall+ (Vet. journ. 1896) bei
Schafen giftig.
=Pirola=, das +Wintergrün+, ist eine in schattigen Wäldern
wachsende Erikazee mit fadenförmigem, ästigem Rhizom, rundlich
ovalen Laubblättern und traubigen Blüten. Die früher als Wundmittel
(Adstringens) benützte Pflanze enthält +Gerbsäure+, Gallussäure,
Arbutin, Erikolin und Urson. Sie soll beim Rinde Blutharnen erzeugen
(+Weinmann+, Ad. Woch. 1865).
=Typha latifolia=, das +Kolbenrohr+, eine Sumpfpflanze (Typhazee),
soll für Kühe giftig sein.
=Selinum palustre=, die +Sumpfsilge+, soll für Schafe giftig sein.
=Chenopodium hybridum=, der +Gänsefuss+ (Schweinemelde), enthält
das Glykosid +Chenopodin+. Die Pflanze soll bei Schweinen
Gastroenteritis, Betäubung und Blutauflösung erzeugen.
=Azalea pontica=, ein 1-2 m hoher Strauch (Erikazee), im Garten als
Zierpflanze kultiviert, mit goldgelben, trichterförmigen Blüten, hat
in einem von +Zirkel+ (Preuss. Mitt. 1864) beobachteten Fall bei
Ziegen Magendarmentzündung verursacht. Auch bei einer Katze wirkten
die Blätter tödlich (+Magdeburg+).
=Astragalus mollissimus= soll nach +Sayre+ (Amer. vet. Rev. 1888)
die Ursache der in Mexiko, Colorado und Kansas auftretenden sogen.
„Lokokrankheit“ sein, welche sich bei Pferden und Rindern in
schweren Gehirnstörungen, Halluzinationen, Hyperästhesie, Krämpfen,
Muskelschwäche, unsicherem Gang und Abmagerung äussert. +Sayre+
hat das Krankheitsbild auch experimentell durch Verfütterung von
Astragalus bei Pferden erzeugt. Die Tiere verlieren das Taxieren
der Entfernungen, drehen sich im Kreise und fallen plötzlich
erschrocken um. Nach +Klench+ soll die Vergiftung durch Crotallaria
sagittalis bedingt sein. Nach +Crawford+ enthalten die schädlichen
Astragalusarten giftige Baryumverbindungen.
=Evonymus europaeus=, das +Pfaffenhütlein+ (gemeiner Spindelbaum,
Spillbaum), ist eine in Europa wild wachsende und auch angepflanzte
Celastrazee, welche ein purgierendes und digitalisähnlich wirkendes
Harz, das +Evonymin+, enthält und angeblich bei Ziegen und Schafen
Veranlassung zu tödlichen Vergiftungen gegeben hat. Das unter dem
Namen Evonymin neuerdings als Abführmittel empfohlene Fluidextrakt
wird aus Evonymus atropurpureus (+Wahoo+), einer nordamerikanischen
Celastrazee, dargestellt.
=Clematis=, die +Waldrebe+ (Cl. vitalba, erecta und flammula), ist
eine Ranunkulazee, deren verschiedene Arten einen stark reizenden
Stoff, den +Clematiskampfer+, enthalten; derselbe stimmt in seiner
Wirkung mit dem Anemonenkampfer (vgl. S. 242) überein.
=Viburnum lantana=, der +Schneeball+ (türkische Weide), soll bei
Rindern Blutharnen erzeugen.
=Drosera=, der +Sonnentau+ (Dr. rotundifolia und longifolia), eine
Droserazee, soll für Schafe giftig sein.
=Thuja occidentalis=, der +Lebensbaum+, und andere Thujaarten
besitzen eine sabinaähnliche Wirkung.
=Ruta graveolens=, die +Gartenraute+, enthält ein scharfes
ätherisches Oel und besitzt angeblich eine abortive Wirkung.
=Mentha Pulegium=, der +Poley+, eine zuweilen auch medizinisch
gebrauchte Labiate, enthält ein ätherisches Oel, Oleum Pulegii, von
phosphorartiger Wirkung, indem es sehr intensive Verfettung der
Leber, der Nieren und des Herzens erzeugt.
=Gelsemium sempervirens=, der +gelbe Jasmin+, enthält 2 giftige
Alkaloide, das +Gelseminin+, welches eine lähmende Wirkung auf das
Atmungszentrum und die Muskulatur, sowie eine nikotinartige auf den
Vagus besitzt, und das +Gelsemin+, ein strychninartig wirkender
Körper. Vergiftungen haben sich bisher nur beim Menschen durch zu
hohe Dosierung der Tinctura Gelsemii (Antineuralgikum) ereignet;
sie äusserten sich in Schwindel, Mydriasis, Ptosis, Schwäche in den
Beinen und Dyspnoe. Therapie: Exzitantien, künstliche Respiration.
=Templetonia glauca= und =Sophora secundiflora=, zwei ausländische
Schmetterlingsblüter, sind nach den Untersuchungen von +Cornevin+
(Journ. de Lyon) Giftpflanzen (Erbrechen, Krämpfe, Lähmung).
=Plumbago=, die +Bleiwurz+, von Plumbago europaea, sowie andere
als Zierpflanzen in Gärten kultivierte ausländische Plumbaginazeen
enthalten das blasenziehende +Plumbagin+ = +Ophioxylin+ (früher als
„Radix Dentariae“ benütztes Vesikans).
=Sedum acre=, der +Mauerpfeffer+, eine Krassulazee (nicht zu
verwechseln mit Ledum palustre), enthält ebenfalls einen scharf
reizenden, blasenziehenden Stoff.
=Atractylis gummifera=, eine zu den Kompositen gehörige Distelart
der Mittelmeerländer, enthält nach +Saloignol+ (Recueil 1897) ein
scharf narkotisches Gift. 4 Schweine verendeten nach 2 Stunden
unter tetanischen Erscheinungen; die Sektion ergab hämorrhagische
Gastroenteritis.
=Corchorus capsularis=, eine in China und Japan kultivierte, die
Jute (chinesischen Hanf) liefernde Tiliazee, enthält in den Samen
ein Glykosid, das +Corchorin+, welches zu den stärksten Giften
gehört, indem es Pferde schon in subkutanen Dosen von 3 mg pro
Kilo Körpergewicht unter den Erscheinungen der Vaguslähmung tötet.
In Japan sind zahlreiche Vergiftungen bei Pferden und Rindern
vorgekommen (+Tsuno+, Monatshefte für prakt. Tierhlkde 1896, VI. Bd.).
=Cannabis sativa=, der +Hanf+ (Urtikazee), ist im Gegensatz zum
indischen Hanf in der Regel ungiftig. Nach +Tyroler+ (Veterinarius
1896) sollen 25 Rinder, die aus einem Hanf enthaltenden Wasser
getrunken hatten, kurze Zeit darauf sich wie betrunken benommen
haben; eins derselben soll gestorben sein. +Mermelstein+ (ibid.
1900) sah bei einem 4jährigen Pferde, das auf dem Felde Hanf
gefressen hatte, Kolik, Taumeln, kreuzweise Stellung der Hinterbeine,
Muskelzittern und pochenden Herzschlag; das Tier erholte sich nach
Verabreichung eines Abführmittels.
=Echium vulgare=, der +Natternkopf+, eine Boraginee, erzeugte bei 15
Pferden Erbrechen und starkes Speicheln (+Michotte+, Belg. Ann. 1892).
=Prosopis Juliflora=, eine in des wärmeren Gegenden vorkommende
Mimose, erzeugt nach +Abrahams+ (Vet. journ. 1897) die sog.
+Cashaw+-Vergiftung.
=Populus balsamifera= wirkt nach +Walley+ (Journ. of comp., 7. Bd.)
auf junge Pferde und Rinder giftig und selbst tödlich; die Aufnahme
der Blätter erzeugt heftige Kolik und Durchfall.
=Kürbis= verursachte bei 4 Pferden, welche frischen Kürbis
gefressen hatten, Abstumpfung, Aufregung, schnarchendes Atmen,
Pupillenerweiterung, hohe Pulsfrequenz und Muskelzittern (+Werkner+,
Veterinarius 1897). Nach dem Füttern von Kürbiskernen traten bei
Mastochsen milzbrandähnliche Erscheinungen auf: hohes Fieber,
Schwäche, Benommenheit; die Sektion ergab blutige Entzündung der
Vormägen und des Dünndarms (+Szatmary+, B. T. W. 1909).
=Knoblauch= erzeugte bei 40 Rindern tollwutähnliche Erscheinungen
(+Pascault+, Recueil 1889).
=Tamus communis=, die +schwarze Zaunrübe+, eine Smilazee, besitzt
rote, kugelige Beeren von giftiger Wirkung (Gastroenteritis, Lähmung).
=Leucojum aestivum=, die +Sommerlevkoje+, eine Amaryllidee, enthält
einen scharf narkotischen Stoff, welcher Magendarmentzündung,
Schwindel und Betäubung erzeugt.
=Ligustrum vulgare=, der +Hartriegel+, eine Oleazee, enthält in
seinen Beeren das giftige +Syringin+, sowie das +Ligustron+; die
Beeren wirken scharf, entzündungserregend.
=Cynoglossum=, die +Hundszunge+, besitzt kurareähnliche Wirkungen.
=Onopordon Acanthium=, die +Eselsdistel+, eine Komposite, bewirkt
Erbrechen, Durchfall und Krämpfe.
=Nigella sativa=, der +Schwarzkümmel+ (Ranunkulazee), enthält das
+Melanthin+ mit saponinartiger Wirkung.
=Paeonia officinalis=, die +Gichtrose+ oder +Pfingstrose+, eine
Ranunkulazee, enthält in den Blüten und Samen einen scharfen,
Gastroenteritis erzeugenden Giftstoff; desgleichen Paeonia corallina
und peregrina.