=Fütterungsversuche.= +Pusch+ (Deutsche Zeitschr. f. Tiermed. 1893)

hält auf Grund von Fütterungsversuchen mit brandigem Weizen (Tilletia

Caries) bei Pferden, Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen im

Gegensatz zu den in der Literatur enthaltenen positiven Beobachtungen

die Giftigkeit des Stinkbrands nicht für erheblich. Die Versuchstiere

ertrugen verhältnismässig sehr grosse Mengen von brandigem Futter

ohne wesentliche Nachteile. Nur bei einzelnen Tieren trat Durchfall,

bei andern übelriechender Kot sowie Appetitsverstimmung auf. Die

subkutane Injektion von Sporenextrakten sowie die Inhalation von

Sporen rief keinerlei Krankheitserscheinungen hervor. Dagegen trat

bei 6 tragenden Meerschweinchen Verkalben auf. Mäuse, Sperlinge und

ein Hahn starben an einer schweren hämorrhagischen Gastroenteritis.

Auch +Albrecht+ (Münch. Jahresber. 1894/95) ist auf Grund von

Fütterungsversuchen bei trächtigen Ziegen und Schafen zu der Ansicht

gekommen, dass selbst viel grössere Mengen von Tilletia Caries, als

unter gewöhnlichen Verhältnissen zur Verfütterung kommen, Abortus

nicht hervorrufen, überhaupt den Gesundheitszustand in keiner

Weise beeinträchtigen. Ein ähnliches negatives Resultat ergaben

Fütterungsversuche mit brandigem Weizen (Ustilago maïdis) bei

trächtigen Schafen, Ziegen und Hündinnen (Woch. f. Tierh. 1902).

+Appel+ und +Koske+ (Versuche über die Wirkung einiger als schädlich

verdächtiger Futtermittel. Arb. a. d. Kais. biol. Anstalt für Land-

und Forstwirtschaft 1907) stellten Fütterungsversuche mit dem

Steinbrand des Weizens (Tilletia tritici) bei Schweinen und beim

Geflügel an. Gesunde Schweine erkrankten nicht, auch wenn grosse

Mengen von Steinbrandsporen dem Futter beigemengt wurden, ebenfalls

nicht Hühner und Tauben. Sie sind der Meinung, dass in den Fällen

einer ungünstigen Futterwirkung der Nachweis von Brandsporen nicht

als eine genügende Erklärung für die Schädlichkeit eines solchen

Futters angesehen werden könne (?).

Vergiftung durch Rostpilze.

=Botanisches.= Von den Rostpilzen (Uredineen) sind nachstehende

Gattungen von toxikologischer Bedeutung:

I. +Puccinia+ und zwar: 1. +Puccinia Graminis+, der +gemeine Gras-+

oder +Getreiderost+, erzeugt rostgelbe Flecken an den Blättern des

Roggens, Weizens, Hafers, der Gerste, von Triticum repens, Agrostis

vulgaris, Lolium perenne. 2. +Puccinia Straminis+, der +Strohrost+,

bildet schwarze Flecken auf Roggen-, Weizen-, Gerstenstroh, Hordeum

murinum. 3. +Puccinia coronata+, der +Kronenrost+, schwärzliche

Flecken auf Hafer und Alopecurus pratensis bildend. 4. +Puccinia

arundinacea+, auf den Blättern und Halmen des gemeinen Schilfrohrs,

Phragmites communis, in Form schwarzer, länglicher Flecken

vegetierend.

II. +Uromyces+, der +Leguminosenrost+, namentlich auf schwedischem

Klee (Trifolium hybridum) in Form kleiner, schwarzer Punkte als

Uromyces apiculatus parasitierend.

=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Vergiftungen durch Rostpilze

ereignen sich bei Pferden, Rindern, Schafen und Schweinen nach

der Verfütterung von rostigem Grünfutter, Heu, Stroh, Schilfgras

(Phragmites communis) und schwedischem Klee (Trifolium hybridum).

Das Krankheitsbild scheint je nach dem Entwicklungszustand der

betreffenden Rostpilze (Uredosporen -- Teleutosporen) sowie nach der

individuellen Disposition der einzelnen Tiere verschieden zu sein. Die

Rostpilze wirken nämlich bald +entzündungserregend+ auf +Haut+ und

+Schleimhäute+, bald +lähmend+ auf das +Zentralnervensystem+. Von den

Schimmelpilzen und Sprosspilzen unterscheiden sich die Rostpilze durch

eine stärkere, auch auf die äussere Haut sich erstreckende, reizende

Lokalwirkung (Dermatitis).

Die wichtigsten Krankheitserscheinungen der Rostpilzvergiftung

sind: +Rötung+, +Schwellung und Entzündung der Haut+, +der Lippen+,

+Backen+, +der Lider+, +des Kopfes+, +Urtikaria über den ganzen

Körper+, +starker Juckreiz+, +Konjunktivitis+, +Tränen+. Dieselben

Entzündungserscheinungen bilden sich auf der Digestionsschleimhaut.

Die Tiere +speicheln+ anhaltend und intensiv infolge einer

+Stomatitis+, +Glossitis+ und +Pharyngitis+ (Verwechslung mit Maul- und

Klauenseuche; sog. sporadische Aphthen), zeigen +Kolikerscheinungen+,

+ruhrartigen+ und selbst +blutigen Durchfall+, sowie als Symptom einer

gleichzeitig bestehenden Nephritis +Hämaturie+. In manchen Fällen

soll bei Pferden auch +Hämoglobinurie+ beobachtet worden sein. Die

Allgemeinerscheinungen bestehen in +Schwanken+, grosser Schwäche und

Hinfälligkeit, +Lähmung des Hinterteils+, Zusammenbrechen, Unvermögen

aufzustehen, +Blasenlähmung+, +Abortus+, +Benommenheit des Sensoriums+,

+Somnolenz+, Zähneknirschen, pochendem Herzschlag, Temperaturerhöhung

etc. Der Verlauf ist zuweilen sehr akut, so dass der Tod schon

innerhalb weniger Stunden eintreten kann. In einzelnen Fällen hat man

endlich ikterische Erscheinungen beobachtet.

Bei der +Sektion+ findet man neben den beschriebenen Veränderungen auf

der Haut +hämorrhagische Gastroenteritis+, +Nephritis+ und +Zystitis+,

Rötung und Schwellung der Scheiden- und Mastdarmschleimhaut, sowie

Hämorrhagien unter den serösen Häuten. -- Die +Behandlung+ ist dieselbe

wie bei der Schimmelpilzvergiftung.

=Kleekrankheit.= Die bei den Pferden zuweilen in grösserer

Verbreitung, seltener bei Rindern vorkommende sog. Kleekrankheit,

welche nach der ausschliesslichen Fütterung von schwedischem Klee

(+Trifolium hybridum+) beobachtet wird, ist wahrscheinlich ebenfalls

durch Rostpilze, und zwar durch +Uromyces apiculatus+ bedingt. Die

Erscheinungen dieser Krankheit bestehen in einer Anschwellung des

Vorkopfes nebst einer hochgradigen +Stomatitis+, welche sich durch

intensives Speicheln äussert und wobei sich Geschwüre bilden. Aehnliche

Veränderungen beobachtet man auch auf den mit +weissen Abzeichen

versehenen Hautstellen des Kopfes und der Gliedmassen+ (Blässe,

weisse Fessel). Es entstehen hier gelbliche, an einzelnen Stellen mit

Blasen besetzte und allmählich durch Mumifikation sich abstossende

Flecke, welche sehr schmerzhaft sind (ähnliche Prozesse werden auch

bei der Lupinose beobachtet). Die lupinoseähnlichen allgemeinen

Krankheitserscheinungen nach ausschliesslicher Kleefütterung äussern

sich in +ikterischer+ Verfärbung der Maulschleimhaut und Konjunktiva,

+Kolikanfällen+, +hochgradiger Mattigkeit+ und +Schlafsucht+ neben

+nervöser Aufregung+ (Zuckungen, Raserei, epileptiforme Zufälle),

+Schwanken+, +Taumeln+, +Lähmungserscheinungen+ (Amaurosis, Schlund-

und halbseitige Lähmungen). Die letztgenannten Erscheinungen haben

grosse Aehnlichkeit mit dem Krankheitsbild der Gehirnentzündung des

Pferdes. Genaueres über die Kleekrankheit ist in dem Lehrbuch der

speziellen Pathologie von +Friedberger+ und +mir+ zu finden (7. Aufl.

1908, I. Bd.).

=Kasuistik.= +Schmidgen+ (Sächs. Jahresber. 1876) beobachtete bei

60 Pferden einer Kaserne, welche rostiges Stroh erhalten hatten,

schmerzhafte Anschwellungen am Kopf, namentlich an den Lippen,

Backen und Lidern, bei einzelnen ferner Urtikaria über den ganzen

Körper mit starkem Juckreiz, ausserdem Appetitlosigkeit, leichte

Kolik, Durchfall, schmerzhaften Husten und Schweissausbruch. -

+Stöhr+ (Preuss. Mitteil., N. F. I) sah bei zwei Pferden, welche

stark rostiges Roggenstrohhäcksel erhalten hatten, leichten

Durchfall, vollständige Lähmung des Hinterteils, Krämpfe,

sowie nach 5-24 Stunden Tod. -- +Bluhm+ (ibid., Jahrgang 22)

sah nach der Verfütterung rostiger Hafergarben anginaähnliche

Erscheinungen. Gleichzeitig stellten sich bei den dreschenden

Arbeitern Anschwellungen der Kopfschleimhäute ein. -- +Rosenbaum+,

+Haarstick+ und +Friebe+ (Preuss. Mitteil., Bd. 26; N. F. 3 und 6)

beobachteten nach der Fütterung von rostigem Schilfgras entzündliche

Schwellung der Maul-, Nasen- und Augenschleimhaut, Speicheln, Kolik,

Verstopfung, blutigen Durchfall, Hämaturie, Schwäche, Hinfälligkeit,

Lähmung des Hinterteils, sowie Tod innerhalb 24 Stunden. Bei der

Sektion fand man hämorrhagische Gastroenteritis, Nierenentzündung,

Blasenentzündung, sowie Hämorrhagien unter den serösen Häuten. --

+Köpke+ (Preuss. Mitteil. 1878 und 1885) sah bei Rindern nach der

Aufnahme von rostigem Schilf Schwanken, Umfallen, unwillkürlichen

Harnabgang, Zähneknirschen, pochenden Herzschlag; in einem Falle

erkrankten 80 Rinder, von welchen 12 innerhalb 1-1½ Stunden unter

allgemeinen Lähmungserscheinungen starben. Bei der Sektion fand man

Rötung der Labmagenschleimhaut, der Konjunktival-, Scheiden- und

Mastdarmschleimhaut, sowie Hämorrhagien unter den serösen Häuten.

-- +Plättner+ (Zeitschrift für Veterinärkunde 1893) beschreibt

bei Pferden eine akute tödliche Vergiftung nach der Aufnahme von

mit Rostpilzen befallenem Futter, deren Erscheinungen in leichter

Kolik, Appetitlosigkeit, Harnbeschwerden, Schwanken und allgemeiner

Lähmung bestanden. -- +Wienke+ (Berl. Archiv 1893, S. 311)

beobachtete in einem Rindviehbestande nach der Verfütterung von

Haferstroh, welches stark mit Rostpilzen besetzt war, Speichelfluss,

Rötung und Schwellung der Maulschleimhaut, steife Bewegung sowie

Hinfälligkeit; alle Tiere genasen nach dem Aussetzen des Futters.

-- +Lameris+ u. +Poels+ (Holländ. Jahresber. 1889) beschreiben

eine in Südholland alljährlich grassierende Rindviehkrankheit,

welche daselbst grosse Verluste verursachte, und führen dieselbe

auf eine Vergiftung durch Puccinia und Ustilagopilze zurück. Die

Krankheit beginnt mit klonischen Krämpfen und Hyperästhesie, worauf

Depression, Sopor, Anästhesie und Lähmung folgt. Der Verlauf ist

bald perakut (wenige Minuten bis 2 Stunden), bald akut (2 Stunden

bis 1 Tag), bald subakut (2-7 Tage). -- +Grischin+ (Petersb.

Archiv 1887) beobachtete seuchenartigen Abortus und Sterben der

Kälber infolge Fütterung der Kühe mit Haferstroh, das stark mit

Rostpilzen befallen war. -- +Bauer+ (Wochenschr. f. Tierh. 1890)

sah bei 2 Kühen nach der Aufnahme von rostigem Weizen und Hafer

Speicheln, Schlingbeschwerden, Schlinglähmung sowie allgemeine,

an das Bild des Kalbefiebers erinnernde Lähmung mit schlafartigem

Zustande. Die Kühe verendeten nach 8tägiger Krankheit. -- +Johow+

(Berl. Arch. 1897) beobachtete nach der Verfütterung von rostigem

Stroh und Kleeheu bei Rindern Lähmung der Zunge, des Schlundkopfes

und der Gliedmassen. -- +Ostermann+ (B. t. W. 1895) beschreibt

eine Vergiftung durch Uromyces viciae (Wickenrost) bei einem

Rinde. Dieselbe äusserte sich hauptsächlich in Lähmung der Kau-

und Schlingmuskeln. -- +Vogel+ (D. t. W. 1893) behandelte eine

durch Uromyces verursachte Massenerkrankung von Kühen, bei der

ausser einer hämorrhagischen Gastroenteritis papulöse und eiternde

Exantheme auf der Haut, Bindehaut und Schleimhaut die Hauptrolle

spielen. -- +Hahn+ (Preuss. Mitteil., N. F. IV. Jahrg.) sah bei 12

Sauglämmern einer Herde, die auf Lupinen und Kleestoppel gehütet

wurde, rings um die Maulöffnung an beiden Lippenflächen Pusteln,

mit gelbweissem Inhalt sowie Schorfe; in der Maulhöhle, namentlich

am Zahnrand des Unterkiefers, waren granulierende Geschwüre

vorhanden. Andere Lämmer zeigten einen Knötchenausschlag auf der

Haut. Bei den Mutterschafen waren vereinzelt am Euter Pusteln

wahrzunehmen. Mit dem Einstellen des Weidegangs verschwand die

Erkrankung. -- +Szilasci+ (B. t. W. 1908) beobachtete in einem

Halbblutgestüt von 100 Pferden toxische Hämoglobinurie nach dem

Weiden auf einer Kleeweide, die stark mit Rostpilzen (Uromyces

Trifolii) befallen war. Die Vergiftungserscheinungen bestanden in

Verstopfung, Durchfall, blutigen Kot, Hämoglobinurie (?), Anämie,

leichtem Ikterus und mässigem Fieber. Trypanosomen im Blute fehlten.

-- +M. Müller+ (ibid.) berichtet über seuchenartiges Auftreten

von Rostpilzvergiftungen bei Pferden, Rindern und Schafen in

Elsass-Lothringen. Die Pferde zeigten Lähmung der Nachhand bei

feinem Sensorium; das Krankheitsbild bei Rindern erinnert teils

an Maul- und Klauenseuche, teils an Gebärparese: Lähmung, starkes

Speicheln (Schlundkopflähmung); der Sektionsbefund war völlig

negativ. -- +Trattner+ (D. t. W. 1909) sah bei 54 Artilleriepferden

nach der Aufnahme von stark befallenem Stroh (Puccinia graminis) die

Erscheinungen der Stomatitis und Dermatitis (Lippen, Nase) auftreten.

=Kleekrankheit.= 5 Pferde erhielten längere Zeit hindurch

ausschliesslich blühenden schwedischen Klee (Trifolium hybridum).

3 ältere Pferde erkrankten hierauf schwer, während 2 Fohlen gesund

blieben. Die Pferde standen schlafsüchtig, mit hängenden Köpfen

auf der Wiese, nahmen zeitweise ein Maul voll Gras, ohne es

abzuschlucken, und zeigten ein ähnliches Bild wie bei der subakuten

Gehirnentzündung. Die Schleimhäute des Maules und Auges waren

zitronengelb gefärbt. Auf der Maulschleimhaut zeigten sich grosse

Epitheldefekte. Der Gang war schwankend, taumelnd. Ausserdem bestand

wässeriger Durchfall, und die Tiere waren ausserordentlich schwach

und abgemagert. Ein Pferd starb am 3. Tage plötzlich; die beiden

andern erholten sich später (+Michael+, Sächs. Jahresber. 1898). --

Nach der Verfütterung von schwedischem Klee starben zwei Pferde.

Sie zeigten Appetitlosigkeit, Gehirndepression, taumelnden Gang,

orangerote Verfärbung der Bindehaut, häufiges Urinieren, Kolik, sowie

Nekrose kleiner Schleimhautpartien der Zunge. Ein anderes Pferd

zeigte allgemeine Lähmung, Schlinglähmung und Koma (+Kleine+, Preuss.

Vet.-Ber. 1904).

Vergiftung durch Kernpilze.

=Botanisches.= Von den Kernpilzen (Pyrenomyzeten) ist die wichtigste

Gattung, Claviceps purpurea, bereits in einem besonderen Kapitel

(Mutterkornvergiftung) besprochen worden. Sonstige pathogene

Kernpilze sind: 1. +Polydesmus exitiosus+, der +Rapsverderber+

(Sporidesmium exitiosum), schwarzgraue oder schwarzbraune Flecken auf

den grünen Teilen des Rapses bildend. 2. +Polythrincium Trifolii+

(Sphaera Trifolii), die Ursache des Schwarzwerdens des Klees. 3.

+Epichloë typhina+ (Polystigma typhinum), auf verschiedenen Grasarten

parasitierend.

=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Kernpilze besitzen eine

ähnliche +entzündungserregende+ Wirkung auf +Haut+ und +Schleimhäute+

wie die Rostpilze. Das Krankheitsbild hat infolgedessen beim Rind oft

grosse Aehnlichkeit mit dem der Maul- und Klauenseuche. Sie wirken

ferner +lähmend+ auf das +Zentralnervensystem+. Die wichtigsten

Krankheitserscheinungen sind: +Stomatitis+, +Pharyngitis+, +Rhinitis+,

+Konjunktivitis+, +Dermatitis+, +Gastritis+, +Enteritis+, +Schwanken+,

+Kreuzschwäche+, +allgemeine Lähmung+.

Einen Fall von Vergiftung bei Lämmern nach der Aufnahme von Rapskuchen,

welche stark mit Polydesmus exitiosus durchsetzt waren, hat +Berndt+

(Berliner Archiv 1887) beschrieben. Die Krankheitserscheinungen

bestanden im wesentlichen in einer letal verlaufenden Stomatitis und

Rhinitis ulcerosa. Die Maul- und Nasenschleimhaut zeigten Erosionen;

zwischen den Epithelzellen liessen sich Fäden und Sporen des

Rapsverderbers mikroskopisch nachweisen. Die Tiere starben unter den

Erscheinungen von Mattigkeit, Schwanken und erschwerter Respiration.

Nach +Brümmer+ (Der Tierfreund 1879) erkrankten 16 Kühe, welche auf

Rapsstoppelfeldern weideten, unter den Erscheinungen der Maul- und

Klauenseuche. Sie zeigten Stomatitis, Dermatitis am Klauenspalt und

Euter, Rhinitis und Konjunktivitis. Auch 4 Pferde sowie mehrere

Versuchskälber und Versuchsferkel zeigten die Erscheinungen der

Stomatitis. Die Ursache der Erkrankung liegt nach +Brümmer+ in der

Keimung und Ansiedlung der Sporen des Kernpilzes auf den Schleimhäuten

und auf der Haut. +Roloff+ (Preuss. Mitteil. XIX) beobachtete bei

einer grösseren Schafherde, welche bei Sonnenschein auf einem

Rapsfelde weidete, heftige Stomatitis, Anschwellung der Lippen, sowie

Konjunktivitis. Ueber eine Vergiftung durch Polythrincium Trifolii hat

+Weber+ (Sächs. Jahresber., Bd. IX) berichtet: 5 Kühe zeigten plötzlich

Kolik, Schwanken, sowie vollständige Lähmung des Hinterteils; 4 mussten

geschlachtet werden, die fünfte genas, zeigte aber noch mehrere Wochen

hindurch Kreuzschwäche und schwankenden Gang. Bei der Sektion der

übrigen fand man hämorrhagische Gastroenteritis, Nephritis, Hyperämie

der Rückenmarkshäute, sowie Hydrorrhachis in der Lendengegend. +Frank+

(Ad. Wochenschr. 1867) beobachtete nach der Verfütterung der mit

Epichloë typhina befallenen Halme von Poa pratensis bei einem Kaninchen

Appetitlosigkeit, Mattigkeit, Schwellung und Gangrän an den Pfoten,

sowie Tod nach 10 Tagen. Weitere Mittheilungen über Kernpilzvergiftung

hat +Schöberl+ (B. T. W. 1896 und 1899) gemacht.

=Vergiftung durch verdorbene Futterstoffe.= Ausser den im

vorstehenden beschriebenen Pilzvergiftungen kommen alljährlich bei

den Pflanzenfressern und Omnivoren zahlreiche Vergiftungen nach

der Aufnahme verdorbener Futterstoffe vor, deren Aetiologie nicht

aufgeklärt ist. Wahrscheinlich ist ein Teil derselben ebenfalls

durch +Pilze+, namentlich durch Schimmelpilze, bedingt. In anderen

Fällen sind +Fäulnis-+ und +Gärungsprozesse+ die Krankheitsursache.

Sodann spielen bei der Pathogenese dieser Vergiftungen, ähnlich

wie bei der Fleischvergiftung der Fleischfresser (vergl. S. 351),

vermutlich auch spezifische +Bakterien+ eine Rolle. Leider ist dieses

sehr wichtige Kapitel der Veterinärtoxikologie so gut wie gar nicht

bearbeitet, während das der Fleischvergiftungen hinreichend geklärt

ist. Die bakteriologische und chemisch-toxikologische Erforschung

dieser bisher rätselhaften Vergiftungsfälle dürfte insbesondere

eine wichtige Aufgabe der hygienischen Institute der tierärztlichen

Lehranstalten bilden.

Die gewöhnliche Veranlassung zu den oft seuchenartig auftretenden

und dann den Verdacht auf Milzbrand, Rinderpest, Schweinerotlauf

usw. erweckenden Erkrankungen gibt die Aufnahme verdorbener

Futterstoffe. Als solche sind namentlich zu nennen: +faule

Kartoffeln+, +verdorbene Rübenschnitzel+ (Rübenpresslinge,

Rübenblätter), +gärende Schlempe+ und +Biertreber+, +ranzige

Oelkuchen+, +verdorbenes Stroh+ etc. Die dadurch bedingten

Krankheitserscheinungen haben grosse Aehnlichkeit mit denen der

Ptomainevergiftung (vergl. S. 351). Sie bestehen einerseits

in Symptomen der +Magendarmentzündung+ (sog. mykotische

Gastroenteritis), andererseits in nervösen +Erregungs-+ und

+Lähmungserscheinungen+.

Lehrbuch der Toxikologie für Tierärzte · 第 45 / 50 段