=Kasuistik.= Die Zahl der in der tierärztlichen +Literatur+

verzeichneten Fälle von Schimmelpilzvergiftungen ist ausserordentlich

gross. Es mögen nur die nachstehenden klinischen Beobachtungen kurz

hier zusammengestellt sein. Zwei Pferde wurden 8 Tage lang täglich

mit je 6 Pfund schimmligem Brot gefüttert, welches einen bitteren,

etwas scharfen Nachgeschmack hatte. Nach Ablauf der Woche zeigten

sie Appetitlosigkeit, Kolik, starkes Zittern der Vordergliedmassen,

taumelnden Gang, Pupillenerweiterung, rotbraune Verfärbung der

Konjunktiva, unfühlbaren Puls und Kälte der extremitalen Teile.

Bei der Sektion wurde starker Meteorismus, sowie Ansammlung einer

grossen Menge blutiger Flüssigkeit in der Bauchhöhle vorgefunden.

Die Blinddarmschleimhaut war stellenweise entzündet. Nach Eröffnung

der Schädelhöhle fand sich starke Vaskularisation der Pia, die

Gehirnsubstanz zeigte auf dem Durchschnitte zahlreiche schwarze

Punkte, das Rückenmark war erweicht (+Abadie+, Recueil 1882). -- 2

Pferde hatten je 1 Pfund verschimmeltes, schwarz und orangefarben

angelaufenes Brot gefressen. Zuerst traten Kolikanfälle auf, die

3-4 Minuten anhielten und sich alle ½ Stunde wiederholten. Dabei

wälzten sich die Tiere nicht, sondern bogen sich beim Gehen mit

dem Hinterteil nieder. Die Kolikanfälle dauerten die ganze Nacht.

Gegen Morgen schwankten die Tiere mit dem Hinterteil hin und her und

stützten den Kopf gegen die Wand, schliesslich konnten sie nicht mehr

stehen, sie zeigten Schwindel und fielen erschöpft nieder. Der Puls

war dabei klein und sehr frequent, es trat Schweissausbruch ein, die

Konjunktiva zeigte Petechien. Am Boden lagen die Tiere etwa ½ Stunde

wie tot, ohne Gefühl. Dann erhoben sie sich plötzlich, drängten

gegen die Wand, gerieten wieder in Schweiss und zeigten denselben

Anfall wie vorher. Unter Nachlassen der Anfälle erholten sich die

Tiere allmählich. Es bestand aber noch mehrere Tage starke Schwäche

im Hinterteil, welche vollständig erst nach Wochen verschwand

(+Perrin+, Recueil de méd. vét. 1881, S. 184). -- Pferde zeigten

nach der Verabreichung von schimmligem Hafer Appetitlosigkeit,

Kolik, Polyurie, Abmagerung, sowie nach einem Monat schwarzen Star

mit bleibender Erblindung (+Hugues+, Annal. de Bruxelles 1874). --

+Hühnerbein+ (Preuss. Mitteil. 1877) beobachtete bei Pferden und

Rindern nach der Verfütterung von schimmligem Kleeheu Speicheln,

Stomatitis und Abmagerung. -- +Bonnet+ (Repertorium 1875) sah

bei 22 Artilleriepferden nach der Aufnahme von schimmligem Heu

heftige Kolik, Magendarmentzündung, Nephritis, Zystitis, sowie

vereinzelt die Erscheinungen des Dummkollers; 3 Pferde starben. --

+Morro+ (Berliner Archiv 1890) beobachtete bei Pferden, welche mit

grossen Mengen schimmligen Brotes gefüttert wurden, hohes Fieber,

starke Gehirndepression, Kolik, blutigen mit Schleim überzogenen

Kot, unterdrückte Futteraufnahme, Aufstossen und Erbrechen. Ein

Pferd vermochte sich kaum von der Stelle zu bewegen und ging

wie ein verschlagenes Pferd. Der Tod erfolgte nach 18stündiger

Krankheitsdauer. -- +Strittmaker+ (Bad. Mitteil. 1888) sah bei 3

dreijährigen Fohlen nach der Aufnahme von schimmligem Mehl Kolik,

Durchfall und unfühlbaren Puls; am 4. Tage waren die Tiere wieder

genesen. -- +Kammerer+ (Bad. Mitt. 1871) berichtet über einen Fall

von Vergiftung durch schimmliges Kleeheu bei 7 Kühen, welche nach 3-6

Tagen starben. Sie zeigten unterdrückte Futteraufnahme, Schäumen,

starke Rötung der Konjunktiva, zerebrale Erregungserscheinungen

(Bohren mit den Hörnern in die Wand), Betäubung, Umfallen,

epileptiforme Krämpfe und Konvulsionen. -- +Leistikow+ (Preuss. Mitt.

1882) sah 9 Rinder nach der Verfütterung von schimmligen Rapskuchen

unter den Erscheinungen von heftiger Kolik, Tympanitis, Verstopfung,

Durchfall, Benommenheit und angestrengter Atmung erkranken; 4

starben, bei der Sektion zeigte sich die Schleimhaut des Magens

und Darmes entzündet. -- +Jakobi+ (Preuss. Mitteil. 1879) sah 52

Mutterschafe nach dem Genusse von schimmligem Heu unter ikterischen

Erscheinungen sterben; die Sektion ergab akute gelbe Leberatrophie.

-- +Köppke+ (Preuss. Mitteil. 1880) fand bei 11 Rindern nach dem

Genusse von schimmligem Buchweizenstroh Aufblähung, Steifheit

der Bewegung, sowie dünnflüssigen, schleimigen, blutigen Kot. --

+Weigel+ (Sächs. Jahresber. 1880) sah bei 2 Kühen nach der Aufnahme

von schimmligem Kürbis vermehrte Kaubewegung, Kolik, Tympanitis,

Brüllen, Zittern und Steifheit im Kreuze. -- +Van Vallendael+ (Belg.

Annal. 1888) berichtet über eine Vergiftung von 5 Kühen durch

verschimmeltes Malz. Sie zeigten vollständige Appetitlosigkeit,

Tympanitis, Verstopfung und später Durchfall, Kolik, Zittern,

Schwäche in der Nachhand, schwankenden Gang und beschleunigtes

Atmen. Nach der Verabreichung von Glaubersalz trat nach 5 Tagen

Genesung ein. -- +Esser+ (Berl. Arch. 1889) sah bei Rindern nach

der Verfütterung schimmliger Erdnusskuchen Tympanitis und heftigen

Durchfall. -- +Pikernig+ (Vet. journ. Bd. 27) sah eine Kuh nach der

Aufnahme von schimmligem Heu anhaltend erbrechen. -- Nach +Koch+

(Repertorium 1889) erkrankte ein Pferd nach der Aufnahme von 4 Pfund

schimmligem Brot an Verstopfung und leichter Kolik, worauf Lähmung

der Nachhand mit sehr beschleunigtem (90 P.) und fast unfühlbarem

Puls hinzutrat. Die Sektion ergab Gastroenteritis. -- Rinder zeigten

nach der Verfütterung von schimmligem Kleeheu Aufblähen, Kolik und

Durchfall (+Uebele+, ibid.). -- Schimmliger Hafer verursachte bei

einem Pferd allgemeine Schwäche, schwankenden Gang, Ikterus, sowie

gastrische Störungen (+Repiquet+, J. de Lyon 1890). -- Verschimmeltes

Brot hatte bei einem Pferd starke Benommenheit, Leibschmerzen,

Aufstossen, Erbrechen, Lähmungserscheinungen, sowie den Tod nach

18 Stunden zur Folge (Berl. Arch. 1890). -- Nach der Verfütterung

schimmliger Leinkuchen zeigte ein Rind grosse Apathie, starkes

Speicheln, Schlingbeschwerden, und bei der Sektion die Erscheinungen

der Gastroenteritis (+Winter+, ibid.). -- 7 Stück Jungvieh erkrankten

nach der Fütterung schimmliger Malzkeime unter Lähmungserscheinungen;

die Tiere machten fortgesetzt vergebliche Versuche zum Aufstehen

(+Martin+, Woch. f. Tierhlkde. 1890). -- 5 Brauerpferde, welche

mit schimmeligem Hafer (Penicillium glaucum) gefüttert wurden,

zeigten, nachdem sie am Abend vorher noch regelrecht ihr Futter

verzehrt hatten, am darauffolgenden Morgen die Erscheinungen einer

schweren Muskelschwäche und Hinfälligkeit, so dass sie nicht

imstande waren, sich zu erheben, sondern gelähmt am Boden lagen.

Zu dieser allgemeinen Muskellähmung gesellten sich später gegen

das tödliche Ende hin Symptome von Herz- und Lungenlähmung. Die

Krankheitsdauer betrug durchschnittlich nicht mehr als 24 Stunden.

Merkwürdigerweise war während der ganzen Krankheitsdauer die Futter-

und Wasseraufnahme nicht gestört, auch liess sich bei keinem Pferde

eine fieberhafte Steigerung der Körpertemperatur nachweisen. Bei der

Sektion waren ausser einer Verfärbung des Blutes und der Muskulatur

krankhafte Veränderungen der inneren Organe nicht zu konstatieren;

es zeigten sich speziell Magen und Darm, Lunge, Leber, Milz und

Nieren in durchaus normalem Zustande (+Fröhner+, Monatshefte für

praktische Tierhlkde. IV. Bd. 1892). -- 4 Rinder zeigten nach

der Aufnahme verschimmelter Rüben vollständige Körperlähmung,

konnten sich nicht vom Boden erheben, knirschten mit den Zähnen

und zeigten gänzlich unterdrückte Wanstbewegung; die Sektion ergab

ein vollkommen negatives Resultat (+Marquard+, Bad. tierärztl.

Mitt. 1892). -- 9 Pferde erkrankten nach der Fütterung schimmligen

Kleeheus unter dummkollerartigen Erscheinungen, Dyspnoe und starkem

Schweissausbruch; eines derselben verendete nach 10 Stunden an

perakuter Gastroenteritis (+Herbst+, Woch. f. Tierhlkde. 1893). --

+Mulotte+ (Deutsche tierärztl. Wochenschr. 1893) beobachtete bei

10 Pferden vorübergehend das Auftreten von Kehlkopfpfeifen nach der

Verfütterung von stickig riechendem Kleeheu. -- +Berger+ (ibid.)

sah 2 Pferde nach der Verfütterung stark schimmligen Brotes (3

Kilo) unter starkem Zittern, Dyspnoe, unsicherem Gang, Tympanitis

und Kolik erkranken. Ein besonders hochgradig krankes Pferd war

vollständig teilnahmslos und zeigte auffallend starkes Herzklopfen.

-- +Zippel+ (Zeitschr. f. Vetkde. 1894) machte Fütterungsversuche bei

Hunden, Kaninchen, Ziegen und einem Pferde mit verschimmeltem Brot,

Kartoffeln und Kleie, sowie mit Schimmelkulturen. 2 Kaninchen gingen

unter Lähmungserscheinungen ein. Die übrigen Versuche fielen negativ

aus. -- Nach +Thary+ und +Lucet+ (Recueil 1895) hatte Aspergillus

fumigatus bei jungen Pferden eine influenzaähnliche Erkrankung zur

Folge. -- 3 Pferde erkrankten plötzlich unter Schweissausbruch,

starker Pupillenerweiterung, zunehmender Schwäche und schliesslich

Lähmung der Nachhand; die Sektion war durchaus negativ (+Lothes+,

Berl. Arch. 1896). -- 3 Schweine, welche verschimmelte Malzkeime

gefressen hatten, konnten sich am nächsten Morgen schwer erheben,

taumelten beim Gehen, stöhnten und stürzten hin. Ein ebenfalls

erkrankter Eber zeigte sich matt, frass nicht und taumelte stark beim

Gehen (+Uhlich+, Sächs. Jahresber. 1897). -- Truthühner erkrankten

nach der Aufnahme von schimmligem Buchweizen (Aspergillus fumigatus)

seuchenhaft; sie zeigten Traurigkeit, Somnolenz, Schwäche, Diarrhöe,

Abmagerung, sowie Kachexie. Die Sektion ergab eine Peritonitis

aspergillosa in Form von Flecken, Knötchen und Kapseln auf dem

Bauchfell, welche reichlich Aspergillussporen enthielten (+Lignières+

und +Petit+, Recueil 1898). -- 4 Schweine erkrankten nach der

Fütterung mit schimmligem Mehl unter Erscheinungen von Tympanitis

und Traurigsein (+Römer+, D. T. W. 1899). -- +Sickert+ (Berl.

Archiv 1898) sah bei Zugochsen nach der Verfütterung verschimmelten

Kraftfutters Verdauungsstörungen, Kolik, Diarrhöe, Blutharnen und

grosse Hinfälligkeit. -- +Arndt+ (ibid. 1899) beobachtete nach

der Fütterung sehr stark verschimmelter Hanfkuchen bei 12 Pferden

Beschwerden beim Kauen und Schlucken, Schlinglähmung, Zungenlähmung,

Schwäche und Lähmung im Hinterteil, sowie Tod nach 10-24 Stunden;

die Obduktion lieferte einen vollkommenen negativen Befund. --

+Eggeling+ (Berl. Arch. 1900) sah in 3 Dörfern mit 8 Gehöften

zahlreiche Kühe nach der Verfütterung verschimmelter Malzkeime

erkranken. Die Tiere zeigten psychische Erregungserscheinungen,

Muskelzittern, klonische Krämpfe, Salivation, Appetitlosigkeit

und schnelle Abmagerung; später kamen Lähmungserscheinungen,

Unvermögen zu stehen und heftige Krämpfe mit Opisthotonus hinzu.

Bei mehreren Kühen trat der Tod nach 3-5tägiger Krankheitsdauer

ein. -- +Kovácz+ (Veterinarius 1900) beobachtete bei 26 Ochsen nach

der Verfütterung von schimmligem Wickenstroh hochgradige Schwäche,

Durchfall, Gelbfärbung der Schleimhäute, sowie hohes Fieber; nach

der Verabreichung von je 20 g Kreolin erholten sich, mit Ausnahme

von 2 Ochsen, sämtliche Tiere nach 3-4 Tagen. -- Im Kreise Herford

wurden nach der Verfütterung schimmliger Hafergarben allgemeine

Lähmungserscheinungen mit tödlichem Ausgang, im Kreise Hameln nach

der Verfütterung von schimmligem Heu bei Pferden Bronchitis und

später Dämpfigkeit beobachtet (Preuss. Vet.-Ber. 1900). -- Nach der

Verfütterung von schimmligem, in Ziegelsteingruben aufbewahrtem

Getreide zeigten mehrere Kühe (nicht alle!) grosse Abgeschlagenheit,

angestrengte Atmung, Verstopfung und Durchfall, schleimig-eitrigen

Nasenausfluss und Gehirnerscheinungen (Drängen mit dem Kopf gegen die

Wand); nach etwa 5 Tagen trat der Tod ein. Die Sektion ergab fleckige

Entzündung der Magen- und Darmschleimhaut, Tracheitis und Bronchitis,

Lungenemphysem sowie Gehirnhyperämie (+Mayo+, Am. vet. rev. 1901).

-- Nach der Verfütterung von schimmligem Haferstroh verendeten 4

Rinder, nachdem übelriechender Durchfall, Lähmung des Schlundkopfes,

Schwäche der Nachhand sowie allgemeines Sopor vorausgegangen waren

(Bild der Gebärparese); die Sektion ergab zahlreiche Hämorrhagien

und geschwürige Substanzverluste auf der Magendarmschleimhaut,

blutigen Darminhalt, Fettdegeneration der Leber, sowie Schwellung

der Lymphdrüsen (+Wiedenmayr+, Woch. f. Tierh. 1901). -- 72 Schafe

erkrankten nach Fütterung mit schimmliger Kleie, 61 starben an

Gastroenteritis, sie zeigten Depressionserscheinungen, Drängen nach

vorne und Lähmung. 4 Kühe starben gleichfalls an Gastroenteritis;

sie zeigten Schlinglähmung, Schlummersucht und allgemeine Lähmung

(+Hesse+, +Hoppe+, Preuss. Veter.-Bericht 1904). -- Nach der

Fütterung von 2 kg schimmligem Schwarzbrot (Mucor Mucedo) zeigte

eine Stute Kolik, Dyspnoe, Verstopfung, hohes Fieber, sowie

dummkollerartige Erscheinungen; erst nach 4 Wochen konnte durch

entsprechende Behandlung (Laxantien) Heilung erzielt werden (+Motz+,

Bad. Mitt. 1905). -- 2 Pferde starben innerhalb 24 Stunden nach

der Fütterung von schimmligem Häcksel unter Kolikerscheinungen,

angestrengter Atmung, Verstopfung und Durchfall, Schlafsucht und

allgemeiner Lähmung; die Sektion ergab Darm- und Bauchfellentzündung,

Leberschwellung und lackfarbiges Blut (+Kränzle+, Woch. f. Tierh.

1908). Weitere Fälle von Vergiftung durch Schimmelpilze finden sich

im Preuss. Vet.-Ber. pro 1907. -- Nach +Sturli+ (Wien. klin. Woch.

1908) erzeugt der alkoholische Extrakt von Penicillium glaucum bei

Kaninchen Krämpfe.

Vergiftung durch Brandpilze.

=Botanisches.= Die Brandpilze (Ustilagineen) wirken in folgenden

Gattungen giftig:

I. +Tilletia Caries+, der +Steinbrand+, +Schmierbrand+ oder

+Stinkbrand+ des Weizens und Dinkels. Die Sporen besitzen

eine kugelige Form, blassbraune Farbe, sowie eine netzartige

Oberflächenzeichnung. Die damit befallenen Weizen- und Dinkelähren

produzieren leichte, kurze, gedunsene Körner mit graubrauner, dünner

Schale und schmierigem oder pulverigem, nach Heringslake riechendem

Inhalt (Sporen).

II. +Ustilago.+ von toxikologischer Bedeutung sind: 1. +Ustilago

Carbo+, der +Staubbrand+, +Flugbrand+, +Russbrand+ des Weizens,

Hafers, der Gerste und der Wiesengräser, welcher in Form einer

schwarzen, geruchlosen, pulverigen Staubmasse die Aehren und Gräser

befällt. Seine Sporen sind ebenfalls kugelrund und braun, besitzen

aber im Gegensatz zu den Sporen von Tilletia Caries eine glatte

Oberfläche und geringere Grösse (halb so gross). 2. +Ustilago

maïdis+, der +Maisbrand+ oder +Beulenbrand+, welcher streifen-

oder beulenförmige Auftreibungen von anfangs weisser, später

schwarzgrauer Farbe an den Stengeln, Blättern und Blüten des Maises

hervorruft, deren Inhalt eine schwarze, schmierige oder pulverige

Masse bildet. Die Sporen sind braun, kugelig, halb so gross wie

Tilletia Caries und besitzen eine schwach stachelige Oberfläche. 3.

+Ustilago longissima+, befällt Glyceria (Poa) aquatica (Süssgras,

Wasserschwaden) und bildet hellbraune, mit braungrünem Pulver

gefüllte Streifen. Die Sporen sind unregelmässig rund, blassbraun,

glatt und etwa nur ¼ so gross wie die von Tilletia Caries. 4.

+Ustilago echinata+ kommt auf Phalaris arundinacea (Schilf) vor.

Auch auf dem Schilfgras (Phragmites communis, Phalaris arundinacea)

siedeln sich Brandpilze an.

=Krankheitsbild.= Von den oben genannten Brandpilzen ist weitaus

am giftigsten und gefährlichsten der Schmier- oder Stinkbrand des

Weizens und Dinkels, +Tilletia Caries+. Vergiftungen sind namentlich

bei Rindern, aber auch bei Schafen und Pferden (Müllerpferden) sowie

Schweinen nach dem Verfüttern der brandigen Dinkelspreu beobachtet

worden. In Bayern wurden Vergiftungen namentlich unter dem Vieh

der Abdecker beobachtet (sog. Wasenmeisterkrankheit). Auch bei den

Brandpilzen hat man, ähnlich wie bei den Schimmelpilzen, vielfach

die Erfahrung gemacht, dass sie von den Haustieren längere Zeit ohne

Schaden aufgenommen werden können. In Uebereinstimmung damit sind

Fütterungsversuche bei gesunden Tieren (vergl. unten) teils negativ

ausgefallen, teils haben sie eine relativ geringe Wirkung ergeben.

Diese Beobachtungen berechtigen jedoch nicht zu der allgemeinen

Schlussfolgerung, dass die Brandpilze wenig oder gar nicht giftig

sind. Vielmehr ist die Giftigkeit der Brandpilze ähnlich wie die

der Schimmelpilze offenbar nach den äusseren und inneren Umständen

sehr verschieden (Entwicklungsformen der Pilze, Menge, Nährboden;

Beschaffenheit der Magen- und Darmschleimhaut, individuelle

Disposition, Immunität). Wie bei den Schimmelpilzen handelt es sich

nicht um ein physikalisches Eindringen der Sporen ins Blut, sondern

um die Bildung eines Toxins. Dieses Toxin der Brandpilze äussert

neben einer reizenden Wirkung auf die Schleimhäute vor allem eine

+lähmende Wirkung auf das Schlingzentrum und das Rückenmark+. Die

Krankheitserscheinungen sind folgende. Die Tiere zeigen infolge Lähmung

des Schlundkopfes und Schlundes sowie der Zunge +Speichelfluss+ und

+anhaltende Kaubewegungen+. Ausserdem beobachtet man bei meist völlig

freier Psyche +Schwäche und Schwanken beim Gehen+, +Taumeln+, +Umfallen

und vollständige motorische und sensible Lähmung, wobei die Tiere

hilflos am Boden liegen+. In anderen Fällen treten die Erscheinungen

einer entzündlichen Reizung der Schleimhäute in den Vordergrund. Die

Tiere zeigen dann +Verstopfung+, +Durchfall+, Drängen auf den Kot und

Harn, +Scheidenausfluss+, +Schwellung der Augenlider+, Tränenfluss,

erschwerte Atmung sowie die Erscheinungen eines +Katarrhes der oberen

Luftwege+. Endlich kann bei trächtigen Tieren +Abortus+ eintreten.

=Sektionsbefund.= Die +Sektion+ bietet in manchen Fällen einen durchaus

+negativen+ oder nur wenig charakteristischen Befund. In anderen

Fällen findet man, insbesonders beim Rind, entzündliche Veränderungen

der Magendarmschleimhaut. Namentlich die +Labmagenschleimhaut+ ist

zuweilen +gerötet+, +entzündlich geschwollen+ und mit +Erosionen+ und

+hämorrhagischen Herden+ bedeckt. Im Dünndarm findet man häufig eine

strichartige, russige Verfärbung der Schleimhaut (sog. +Aalhaut+).

In der Bauchhöhle hat man ferner in einzelnen Fällen eine Ansammlung

blutiger Flüssigkeit angetroffen. Endlich hat man zuweilen Rötung und

Entzündung der Maulschleimhaut, Rachenschleimhaut, Nasen-, Kehlkopf-,

Bronchial-, Tracheal- und Scheidenschleimhaut beobachtet, wodurch

der Krankheitsbefund eine gewisse Aehnlichkeit mit Rinderpest bot.

-- Die +Behandlung+ der Brandpilzvergiftung ist dieselbe wie bei der

Schimmelpilzvergiftung.

=Kasuistik.= +Albrecht+ (Landwirtschaftliches Zentralblatt für

den Netzedistrikt 1868) beobachtete bei 8 Rindern nach der

Verfütterung brandiger Spreu eine rinderpestähnliche Erkrankung,

deren Haupterscheinungen in anhaltendem Kauen und Speicheln,

Kreuzschwäche, allgemeiner Gefühllosigkeit, Tränenfluss,

Lidschwellung, angestrengtem Atmen, Durchfall, Drängen auf den Kot

und Harn, sowie Sehnenhüpfen der Halsmuskeln bestanden. Im Verlaufe

von 3 Tagen starben 3 Rinder. Bei 2 derselben ergab die Sektion

wenig charakteristische Erscheinungen, indem nur eine Rötung der

Digestionsschleimhaut nachzuweisen war. Im 3. Falle waren dagegen

entzündliche Schwellung der Magendarmschleimhaut, Erosionen und

Hämorrhagien im Labmagen und Dünndarm sowie strichartige, russige

Verfärbung der Darmschleimhaut („Aalhaut“) nachzuweisen. Zwei

Pferde erkrankten unter ähnlichen Erscheinungen. Eine ältere

Kuh, welcher versuchsweise der aus der Spreu erhaltene schwarze

Staub gefüttert wurde, erkrankte am 2. Tag an Kreuzschwäche

und zeigte am 3. Tag Schwanken, Umfallen, Eingenommenheit und

Speichelfluss. -- +Adam+, +Koch+ und +Herele+ (Adams Wochenschr.

1876-1878) konstatierten ebenfalls bei Rindern und Schafen eine

rinderpestartige Erkrankung nach der Aufnahme brandiger Dinkelspreu.

Die Erscheinungen bestanden in andauerndem Speichelfluss, Kauen,

Verstopfung, Drängen auf den Kot, Tränenfluss, Scheidenausfluss,

Lähmung des Schlingapparates, sowie Paralyse des Hinterteils. Der

Tod erfolgte nach mehrtägiger Krankheitsdauer. Bei der Sektion

fand man Rötung der Magendarmschleimhaut, entzündliche Schwellung,

Ekchymosen, Erosionen im Labmagen, im Dünndarm eine sog. Aalhaut,

in der Bauchhöhle blutige Flüssigkeit, ausserdem Entzündung der

Respirationsschleimhaut, sowie der Schleimhaut der Maulhöhle, der

Nasenhöhle und Scheide. -- +Vogel+ (Repertor. 1879) beobachtete

bei 4 Müllerpferden nach der Verfütterung brandiger Dinkelspreu im

wesentlichen nur die Erscheinungen einer allgemeinen Körperlähmung

bei freier Psyche; die Tiere lagen gelähmt am Boden, unfähig sich

zu erheben. Ausserdem zeigten dieselben Schlinglähmung. Die längste

Krankheitsdauer betrug 9 Tage. Bei der Sektion fand man mit Ausnahme

der sog. Aalhaut im Dünndarm nichts Charakteristisches. -- +Berndt+

(Ad. Woch. 1880) sah bei Schweinen eiterige Bronchitis, entzündliche

Rötung der Magenschleimhaut, Erosionen und entzündliche Schwellung

der Dünndarmschleimhaut, Nasen-, Kehlkopf- und Trachealschleimhaut.

-- +Gerlach+ (Gerichtl. Tierheilkunde 1872), +Haselbach+ (Magazin

1860) und +Bertsche+ (Landwirtschaftl. Tierzucht 1885) beobachteten

bei mehreren Rindern nach der Verfütterung von Tilletia und Ustilago

Maïdis Abortus, welcher auch nach der Verfütterung von Phalaris

arundinacea vorkommen soll (Ustilago echinata). -- +Wankmüller+ (Ad.

Wochenschr. 1884) sah nach Aufnahme von Russbrand Speichelfluss,

Zungenlähmung, unterdrückte Peristaltik, Kolik, Durchfall, Mydriasis,

vermehrte Tränensekretion, Koma und Tod nach 15-18 Stunden. Die

Sektion ergab Entzündung des Schlundes und Kehlkopfes, umschriebene

Rötung im Dünn- und Dickdarm sowie seröse Durchfeuchtung des

Gehirns. -- +Köpke+ (Preuss. Mitteil. 1877) hat nach der Aufnahme

von Wasserschwaden (Glyceria = Poa aquatica), welcher mit Ustilago

longissima besetzt war, beim Rind plötzliches Aufhören im Fressen,

Schlinglähmung, Schwanken, Zusammenstürzen, Unvermögen sich zu

erheben, Zähneknirschen und Herzklopfen beobachtet. -- +Rost+

(Sächs. Jahresber. 1889) sah innerhalb weniger Tage zahlreiche Kühe

erkranken, welche mit befallener (Tilletia Caries) Weizenspreu

gefüttert worden waren. Sie zeigten Mattigkeit, Schläfrigkeit,

schwere Beweglichkeit oder Unvermögen aufzustehen. -- +Neidhardt+

(Woch. f. Tierheilkunde 1890) beobachtete bei Rindern Zittern,

Schlingbeschwerden, Geifern, Husten, Schwäche und Lähmung der

Nachhand, rapide Abmagerung, anfangs Verstopfung, später Durchfall.

Der Tod trat nach 2-7 Tagen ein. -- +Hohenleitner+ (ibid.) sah

bei seinem eigenen Pferde nach der Verfütterung von brandiger

Kleie auffallendes Schwanken der Nachhand. -- +Eckmeyer+ (ibid.

1891) sah bei Rindern heftige Kolik, Speichelfluss, Durchfall

und Polyurie sowie Abortus. -- Nach +Voss+ (Berl. Arch. 1892)

erkrankten 5 Pferde nach dem Genuss von brandigem Weizenkaff unter

Verdauungsstörungen, Harndrang, Pupillenerweiterung und Schwäche der

Nachhand. -- +Kögl+ (Woch. f. Tierheilkunde 1897) sah bei 2 Kühen

heftigen Speichelfluss mit andauernden Kaubewegungen, Schlinglähmung

sowie Lähmung des Hinterteils; der Sektionsbefund war negativ. --

+Grossmann+ (Veterinarius 1899) sah 25 Schafe nach dem Fressen von

Maisfruchtstielen erkranken, welche reichlich mit Brandsporen von

Ustilago maïdis besetzt waren. Sie zeigten grosse Hinfälligkeit;

19 Schafe starben; bei der Sektion fanden sich Erosionen im Magen

und Darm. -- In verschiedenen Dörfern Sigmaringens erkrankten

mehrere Pferde nach dem Verfüttern von Spelzen, die mit Brandpilzen

(Tilletia und Ustilago Carbo) befallen waren. Die Pferde zeigten

verminderte Fresslust, Schwanken und Taumeln und konnten sich ohne

Hilfe nicht erheben. In gerader Richtung gingen sie gut, sobald

aber Seitwärtsbewegungen ausgeführt wurden, fielen sie um (Preuss.

Veterinärber. 1900). -- Nach der Fütterung von brandigem Mais starben

angeblich 3 Hirsche sowie zahlreiche Pferde, die letzteren, nachdem

Kolik, Verstopfung, blutiger Durchfall, Schweissausbruch, Schwanken

und Taumeln vorausgegangen waren; die Sektion ergab das Vorhandensein

von Gastroenteritis (+Nessl+, Tierärztl. Zentralbl. 1907). -- Der

im Gestüt Beberbeck im Jahr 1907 aufgetretene seuchenartige Abortus

ist wahrscheinlich durch Brandpilze veranlasst worden; der Weizen

war nämlich in diesem Jahr stark mit Brandpilzen befallen; ausserdem

zeigten die Weidegräser viel Rostpilze (+Mieckley+, Zeitschr. f.

Gestütkunde 1908). -- Gänse starben nach der Aufnahme von brandiger

Kleie an korrosiver Magendarmentzündung (+Spitzer+, Preuss.

Veterinärber. pro 1907).

Lehrbuch der Toxikologie für Tierärzte · 第 44 / 50 段