=Krankheitsbild.= Die Erscheinungen der Vergiftung durch

Adlerfarnkraut haben eine grosse Aehnlichkeit mit denjenigen der

Filixextraktvergiftung. Das Krankheitsbild ist ebenfalls durch

+Störungen des Bewusstseins+, +Pupillenerweiterung+, +Schwanken+ und

+Lähmungserscheinungen+ gekennzeichnet. Ein Fall ist von +Jarmer+

(Magazin 1861) beschrieben worden. 24 Pferde wurden einige Wochen

hindurch mit Häckselstroh gefüttert, welches auf einem neubebauten

Heidelande gewachsen war und etwa ⅕ Adlerfarnkraut enthielt. Sie

zeigten Schreckhaftigkeit, Bewusstseinsstörungen, Verlust des

Gleichgewichts, Schwanken, Pupillenerweiterung, Injektion und

Gelbfärbung der Konjunktiva, verminderte Pulsfrequenz, Zusammenstürzen

und Krämpfe. 4 Pferde starben, 2 zeigten noch lange Zeit hindurch

motorische Lähmungserscheinungen, die übrigen genasen nach Verlauf von

14 Tagen. Bei der +Sektion+ der beiden gestorbenen Pferde fand man

starke Hyperämie des Gehirns und seiner Häute sowie Ansammlung von

Serum zwischen den Häuten des Kleinhirns und verlängerten Markes.

Vergiftung durch Rainfarnkraut, Tanacetum vulgare.

=Botanisches.= Der Rainfarn, Tanacetum vulgare, ist eine 1-2 m hohe

Komposite mit goldgelben Blüten von unangenehmem Geruch und Geschmack

(altes Wurmmittel). Sie enthält das =ätherische Rainfarnöl=, nach

andern das +Tanazeton+ oder +Thujon+. Nach den Untersuchungen von

+Peyraud+ ist das ätherische Tanazetumöl ein starkes Krampfgift für

die höheren Tiere, indem es wutähnliche Erscheinungen hervorruft.

Diese sog. „Tanazetumwut“ äussert sich in Krämpfen der Rückenmuskeln

sowie der Muskulatur des Schlundkopfes und Kehlkopfes, verbunden mit

psychischer Erregung.

=Krankheitsbild.= Eine Vergiftung bei 5 Rindern ist von +Wessel+,

+Wilster+ u. +Bugge+ (B. T. W. 1907) beobachtet worden. Die

Erscheinungen bestanden in +Taumeln+, +Kaukrämpfen+ (Schaum vor

dem Mund, Kaubewegungen), starker +Benommenheit+ des +Sensoriums+

(dummkollerartigem Benehmen), +Nystagmus+, Pupillenverengerung und

+Erblindung+; 3 Rinder starben.

Lupinenvergiftung, Lupinose.

=Botanisches.= Die zu der Familie der Papilionaceen (Abteilung

Genisteae) gehörende Gattung +Lupinus+ wird als Futterpflanze

besonders in Norddeutschland in verschiedenen Arten kultiviert.

Die wichtigsten derselben sind: 1. +Lupinus luteus+, eine dicht

weichhaarige Pflanze mit goldgelben, wohlriechenden, festsitzenden

Blüten, neunzähligen Blättern und zottig rauhen Hülsen mit je 2-5

nierenförmigen, schwarz- und weiss-gefleckten Samen. 2. +Lupinus

albus+, eine weichzottige Pflanze mit weissen, geruchlosen

Blüten, siebenzähligen Blättern und kurzbehaarten Hülsen mit 2-5

stumpfkantigen, gelblichweissen oder rötlichweissen Samen. 3.

+Lupinus angustifolius+, eine kleinere, angedrückt weichhaarige

Pflanze mit kleinen blauen Blüten und zerstreut behaarten Hülsen mit

je 2-5 rundlich nierenförmigen, marmorierten Samen. Ausserdem können

giftig werden Lupinus Thermis, linifolius und hirsutis.

Die Lupinensamen enthalten neben den Proteinsubstanzen (Konglutin)

einige Alkaloide (sogen. Lupinenalkaloide), nämlich das Lupinin,

Lupinidin und Lupanin, welche den bitteren Geschmack der Lupinen

bedingen. Die Giftigkeit der Lupinen wird jedoch nicht durch die

genannten Lupinenalkaloide, sondern durch ein anderes chemisches Gift

bedingt, welches sich mittels alkalisch gemachtem Wasser aus den

Lupinen ausziehen lässt. Auch durch den Regen wird wenigstens in den

oberflächlichen Schichten der im Freien aufbewahrten Lupinenhaufen

das Gift ausgelaugt, so dass diese Schichten hierdurch ungiftig

werden. +Arnold+ und +Schneidemühl+ haben für dieses Gift den Namen

=Lupinotoxin= vorgeschlagen. Das besonders in den Schalen, bezw.

Hülsen und Körnern, aber auch in den übrigen Teilen der Pflanze

enthaltene Gift wird durch Extraktion mit 1½proz. Sodalösung

gewonnen. Im übrigen sind die Untersuchungen über den Giftstoff

der Lupinen nicht abgeschlossen. +Kobert+ hat das Lupinotoxin

von +Arnold+ und +Schneidemühl+ unwirksam gefunden. Ueber die

Modalität der Entstehung des Lupinotoxins in den Lupinen ist nichts

Sicheres bekannt. Vielleicht entsteht das Gift als +Umsatzprodukt

parasitischer, auf den Lupinen schmarotzender Pilze+. Diese Annahme

wird durch die Tatsache unterstützt, dass die Lupinen nicht

allgemein, sondern nur in gewissen Gegenden und zu gewissen Zeiten

giftig wirken. Einige Landwirte haben die Beobachtung gemacht,

dass die Lupinen nicht im ersten Jahr, sondern nur dann giftig

wirken, wenn sie mehrere Jahre auf demselben Felde angepflanzt

werden; ausserdem soll durch das Bestreuen der Lupinenäcker mit

künstlichem Dünger die Lupinose verhütet werden (Mitteilung von

+Sonnenberg+-Ostrowo).

=Krankheitsbild.= Die Giftwirkung der Lupinen zeigt eine sehr

grosse Aehnlichkeit mit der Wirkung des Phosphors. Die Lupinen

veranlassen +Verfettung+ und +akute gelbe Atrophie+ der +Leber+

mit +Icterus gravis+, +parenchymatöse Nephritis+ und +Gastritis+,

+Herzverfettung+, +fettige Degeneration der Skelettmuskulatur+,

+Eingenommenheit der Psyche+, +Schwäche+ und +Lähmungserscheinungen+.

Die Krankheitserscheinungen der Lupinose, welche als Herdekrankheit

bei +Schafen+, namentlich in Norddeutschland, ausserdem vereinzelt

bei Ziegen, Pferden, Rindern, Schweinen und beim Damwild beobachtet

wurde, sind folgende: Die Tiere zeigen zunächst einen verminderten und

später ganz +aufgehobenen Appetit+, sowie Symptome einer +fieberhaften+

Krankheit (Temperaturerhöhung, Pulsbeschleunigung). Nach einigen Tagen

tritt eine +ikterische+ Verfärbung der Konjunktiva und Sklera und

späterhin auch der Haut und der übrigen Schleimhäute auf. Dieselben

gelbsüchtigen Erscheinungen können jedoch auch fehlen. Ausserdem

beobachtet man teils +Mattigkeit+, starke +Eingenommenheit+ des

+Sensoriums+, welche sich bis zur +Bewusstlosigkeit+ steigern kann, und

+Lähmungserscheinungen+, teils +Schreckhaftigkeit+ und +Kaukrämpfe+

(Trismus). Der Kotabsatz ist im Anfang meist verzögert, später wird

der Kot zuweilen teerartig, blutig und diarrhoisch. Der Harn ist

gelb gefärbt und enthält Gallenfarbstoffe, Gallensäuren, Eiweiss,

Harnzylinder, Nierenzellen, Rundzellen und Blasenepithelzellen. Die

Atmung ist gegen das Ende der Krankheit beschleunigt und erschwert:

zuweilen besteht ein schleimiger oder blutig-schleimiger Nasenausfluss.

Bei Pferden hat man ausserdem schwere zerebrale Depressionszustände,

sowie schwere ulzeröse Entzündung der Maulschleimhaut und

Nasenschleimhaut (Rotzverdacht) beobachtet. Schweine zeigen zuweilen

anhaltende Schlafsucht.

Der +Verlauf+ der Lupinose ist entweder +akut+, wobei der tödliche

Ausgang schon innerhalb 1-2 Tagen erfolgen kann, meist indessen erst

nach 4-5tägiger Krankheitsdauer eintritt, oder +chronisch+, wenn

eine fortgesetzte Fütterung von nur geringgradig giftigen Lupinen

stattfindet. Diese chronische Lupinose verläuft meist ohne Ikterus

unter dem Bild der Bleichsucht und Kachexie; ausserdem beobachtet man

zuweilen Hautausschläge, namentlich am Kopf, sowie die Erscheinungen

des Nasen- und Konjunktivalkatarrhs. (Ausführlichere Angaben über die

Lupinose finden sich in dem Lehrbuch der speziellen Pathologie u.

Therapie von +Friedberger+ und +mir+, 7. Aufl. 1908.)

=Sektionsbefund.= Die wichtigsten Veränderungen weist die +Leber+ auf.

Sie zeigt das Bild der +akuten parenchymatösen Hepatitis+ mit +fettiger

Entartung+ der +Leberzellen+ und +akuter gelber Leberatrophie+.

Die Leberzellen zeigen zunächst starke körnige Trübung und fettige

Degeneration, wodurch eine Vergrösserung der Leber bedingt ist. Hieran

schliesst sich später infolge Resorption des Inhaltes der Leberzellen

eine Verkleinerung der Leber (akute gelbe Leberatrophie). Ausserdem

ist die Leber hochgradig ikterisch verfärbt, von zitronengelber,

ockergelber oder rotgelber Farbe. Bei der chronischen Lupinose

findet man +chronische interstitielle Hepatitis+ mit Verkleinerung,

Schrumpfung, Induration und höckeriger Oberfläche der Leber. Die

+Nieren+ zeigen das Bild der +parenchymatösen Nephritis+ mit körniger

Trübung des Nierenepithels und Ansammlung von Exsudatzylindern in den

Harnkanälchen; ausserdem kann eine katarrhalische +Zystitis+ zugegen

sein. Die Schleimhaut des +Digestionsapparates+ zeigt entzündliche

Rötung, katarrhalische Schwellung, +Hämorrhagien+, sowie glanduläre

Entzündung (+Gastritis glandularis+). Die +Muskulatur+ des Herzens,

sowie die Körpermuskulatur zeigt +körnige+ und +fettige Degeneration+,

graugelbe Verfärbung, Brüchigkeit und Neigung zu rascher Fäulnis. In

den meisten Organen finden sich +kapilläre Hämorrhagien+. Endlich

findet man die Schleimhäute, die Bauchhaut, die Subkutis, das Netz und

das Gekröse +gelb+ gefärbt.

=Behandlung.= Als chemische Gegengifte gegen das Lupinotoxin werden

+verdünnte Säuren+ empfohlen, welche das Gift unlöslich machen

sollen. Dagegen sind Alkalien wegen der Beschleunigung der Resorption

zu vermeiden. Von Säuren sind zu nennen der Essig, verdünnte

Schwefelsäure, Salzsäure, Phosphorsäure, Zitronensäure und Weinsäure.

Als Abführmittel werden +Rizinusöl+ und +Krotonöl+ dem Glaubersalz

vorgezogen, weil letzteres die Lösung des Lupinotoxins beschleunigen

soll. Gegen die Depressionserscheinungen sind +Exzitantien+ (Aether,

Kampfer, Alkohol, Ammonium carbonicum) anzuwenden. Ausserdem hat

natürlich die weitere Fütterung von Lupinen zu unterbleiben.

Der +Nachweis+ der Vergiftung wird durch die Untersuchung des

Futters geliefert. Ausser den Lupinensamen wirken die Lupinenschalen

und das Lupinenstroh giftig. Zuweilen kommt es auch vor, dass

Lupinenvergiftungen durch Verfälschung anderer Futterstoffe mit Lupinen

bedingt werden, z. B. von Oelkuchen, welche mit Lupinenschrot gemischt

sind. In diesem Fall wird der Nachweis durch Lupen- und mikroskopische

Untersuchung geführt.

=Vergiftung durch Wicken.= Nach der Verfütterung von Wicken

hat man bei Pferden, Rindern und Schweinen eigenartige

Vergiftungserscheinungen beobachtet, welche zuweilen +Aehnlichkeit

mit dem Bild der Lupinose+ zeigten. +Stöhr+ (B. T. W. 1892)

beobachtete bei Pferden nach ausschliesslicher Wickenfütterung

+Abmagerung+, völlige +Kahlheit+, +Ikterus+, orangefarbene

Konjunktiva, pochenden Herzschlag, 60-100 Pulse p. M., sowie

Temperaturverminderung; die Sektion ergab auffallend grosse,

+orangefarbige Leber+. Auf einem andern Gute, wo pro Pferd und Tag

15 Pfund halb Wickenschrot, halb ganze Wicken und daneben noch

Wickenheu gefüttert wurden, starben von 60 Pferden 10. Dieselben

waren allmählich stark abgemagert, hatten die Haare verloren und

waren unter Kolikerscheinungen verendet; bei der Obduktion fand man

Darmentzündung, sehr grosse, dunkelbraune Leber und Milzschwellung.

Bei Ochsen entwickelte sich ein der +Schlempemauke+ ähnliches

Hautleiden mit trockenem +Absterben wunder Hautstellen+. Gleichzeitig

starben 80 Schweine infolge von Darmentzündung und Leberschwellung.

-- +Wenke+ (Berl. Arch. 1894) sah nach der Wickenfütterung bei

Pferden +Schwäche+ und +Lähmung+ des +Hinterteils+, sowie Tod nach

wenigen Tagen; +Mason+ (Vet. journ. 1896) bei 4 Pferden +Amaurose+,

+Hufentzündung+ und Trismus.

Nach der Verfütterung der =Zottelwicke= (Sandwicke, Vicia villosa),

auf der in Unmenge Jassus sexnotatus (Zwergzikade) lebte, erkrankten

36 Rinder, von welchen 6 starben. Die Tiere zeigten Quaddeln,

zunächst am Kopf und Hals, welche sich später über den ganzen Körper

ausbreiteten, Husten, herpetischen Ausschlag im Maul, Rötung und

Zyanose der Schleimhäute, eitrigen Nasenausfluss, Rasselgeräusche in

der Lunge, Haarausfall, gänzlich unterdrückte Futteraufnahme, Verfall

der Kräfte, keuchende Atmung, dagegen freies Sensorium bis zu dem

nach 12-15 Tagen eintretenden Tod. Die Sektion ergab blutig-seröse

Ergüsse unter der Haut, entsprechend dem Sitze der Quaddeln,

ausgebreitete Entzündung in den ersten 3 Mägen, einmal katarrhalische

Entzündung des Labmagens, hochgradige Bronchitis und beginnende

Bronchopneumonie, Glottisödem, punktförmige Blutungen im Myokard,

lehmfarbige Leber, sowie vereinzelt Peritonitis und Nephritis

(+Röder+, Sächs. Jahresber. 1893).

Vergiftung durch Schachtelhalm. Equisetum.

=Botanisches.= Die Gattung +Equisetum+, +Schachtelhalm+ (Katzenstert,

Duwock) bildet einen Ueberrest verloren gegangener Kryptogamen

der Vorwelt, welche besonders auf sumpfigem Boden und im Wasser

wachsen. Die Schachtelhalme sind charakterisiert durch ein

unterirdisches, kriechendes Rhizom, aufrechten, gegliederten,

hohlen, von gestreckten Internodien unterbrochenen Stengel, kleine,

rudimentäre, schildförmige, quirlständige, zu trockenhäutigen,

gezahnten Scheiden verwachsene Blätter mit Sporenbehältern an der

Unterseite. Die wichtigsten Arten sind: 1. +Equisetum arvense+,

der Ackerschachtelhalm oder das Heermoos, mit vierkantigen, rauhen

Aesten und einem Stengel, welcher im Frühjahr rötlich und im Sommer

grün ist. 2. +Equisetum palustre+, der Sumpfschachtelhalm (Kuhmoos),

mit gefurchtem, rauhem, einfach ästigem Stengel und sechszähnigen

Scheiden. 3. +Equisetum limosum+, der Schlammschachtelhalm, mit

einfachem, glattem, bis 80 cm hohem Stengel und zwanzigzähnigen

Scheiden. Seltener sind Vergiftungen durch +Equisetum hiemale+.

Der Schachtelhalm ist ähnlich wie die Lupinen je nach dem Standort

und Klima eine bald giftige, bald ungiftige Futterpflanze,

welche gleich jenen an Giftigkeit verliert, wenn sie durch den

Regen ausgelaugt wird. Der Giftstoff selbst ist nicht genauer

bekannt. Vielleicht wird derselbe ebenfalls, wie man dies bei den

Lupinen annimmt, indirekt durch +Befallungspilze+ erzeugt. Nach

+Pancerzynski+ soll ein +alkaloidartiger+ Stoff, nach +Lohmann+

das Alkaloid =Equisetin=, nach +Ludewig+ die +Akonitsäure+ der

giftige Bestandtteil sein (die letztere Annahme wurde von +Reinecke+

widerlegt). Nach +Richter+ (Dessau) prädisponiert vielleicht die

gleichzeitige Aufnahme reizender Gräser (Riedgräser) zur Vergiftung

durch den sonst unschädlichen Schachtelhalm. Vielleicht gehören

manche Fälle von angeblicher Equisetumvergiftung ins Kapitel

Pilzvergiftung (vergl. S. 335).

=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Der im Schachtelhalm enthaltene

Giftstoff besitzt eine +lähmende+ Wirkung auf das +Rückenmark+ und

das +Kleinhirn+. Equisetumvergiftungen sind bei Pferden, Rindern und

Schafen beobachtet und von alters her mit dem Namen „+Taumelkrankheit+“

bezeichnet worden. Die ersten Krankheitserscheinungen bestehen in

+gesteigerter Reflexerregbarkeit+, auffallender +Schreckhaftigkeit+,

+Aufregung+ und +Aengstlichkeit+, sowie +Unsicherheit+ im +Gang+ und

in den +Körperbewegungen+. Später beobachtet man +Schwanken+ und

+Taumeln+, +Lähmung+ des +Hinterteils+, +Zusammenstürzen+, sowie

+allgemeine Lähmung+. Die Futteraufnahme ist meist längere Zeit

hindurch trotz der schweren motorischen Störungen normal, auch das

Bewusstsein ist gewöhnlich erst in den späteren Stadien der Vergiftung

gestört. Der Verlauf der Krankheit kann sehr akut sein, indem der Tod

zuweilen schon innerhalb einiger Stunden oder eines Tages eintritt.

Häufiger ist eine längere Krankheitsdauer von mehreren (2-8) Tagen.

Ausserdem kann sich bei fortgesetzter Aufnahme kleinerer Mengen des

Schachtelhalms auch eine chronische Vergiftung ausbilden, welche

unter den Erscheinungen der Abmagerung und Kachexie, verbunden mit

lähmungsartiger Schwäche, verläuft.

Bei der +Sektion+ findet man angeblich Hyperämie, ödematöse

Durchtränkung, sowie Ansammlung seröser Flüssigkeit in den Häuten des

Kleinhirns und Rückenmarkes.

=Behandlung.= Vor allem muss mit der Fütterung gewechselt werden.

In leichteren Fällen der Erkrankung genügt diese Massregel allein.

Bei schwereren Erkrankungen sind neben Abführmitteln +Exzitantien+

anzuwenden. Da die Vergiftung vorwiegend unter dem Bild einer spinalen

Lähmung verläuft, sind besonders +Strychnin+ (0,05-0,1 für Pferde),

+Veratrin+ (ebensoviel) und +Koffein+ (5-10,0) als erregende Mittel für

das Rückenmark und die Muskulatur anzuwenden. Ausserdem empfiehlt sich

die Verabreichung von kleinen Dosen +Aether+, +Kampfer+, +Alkohol+,

+Salmiakgeist+, +Ammonium carbonicum+, +Atropin+ oder +Hyoszin+.

=Kasuistik.= Die Literatur der Equisetumvergiftung bei den Haustieren

(Pferd, Rind, Schaf) ist sehr reichhaltig. +Allemeier+ (Berl.

Arch. 1890) beobachtete bei 3 Pferden, deren Futter lediglich aus

Schachtelhalm (Equisetum hiemale) bestanden hatte, Schwanken,

leichtes Umfallen, mühsames Wiederaufrichten, sowie Lähmung des

Hinterteils; der Appetit war während der Krankheitsdauer gut.

Nach eingeführtem Futterwechsel trat im Verlauf von 2-6 Wochen

allmählich Besserung und Heilung ein. -- +Schmidt+ (Adams Wochenschr.

1875) fand bei fünf Fohlen nach der Verfütterung von Equisetum

auffallende Schreckhaftigkeit, indem sie bei dem geringsten Geräusch

zusammenfuhren, ausserdem Taumeln, schwankende Bewegung und

Umknicken. Dabei war das Sensorium frei, der Appetit normal, die

Respiration regelmässig. 4 Fohlen genasen, 1 starb; bei der Sektion

fand man als Haupterscheinung eine Hyperämie des Kleinhirns. --

+Pelschimofski+ (Oesterr. Vereinsmonatsschr. 1886) berichtet, dass

die Equisetkrankheit unterhalb Bozens an den Ufern der Etsch häufig

vorkommt, indem die tiefliegenden Wiesen von Equisetum palustre und

arvense bewachsen sind. Dagegen kommt die Krankheit in hochgelegenen

Gemeinden nicht vor. In den ersten Tagen der Erkrankung zeigen die

Tiere leichte Erregbarkeit und Schreckhaftigkeit, ängstlichen und

unsicheren Gang auf den Hinterbeinen, sowie leichtes Schwanken mit

der Nachhand. Später zeigt sich eine Zunahme der Unsicherheit im

Gehen, stärkeres Schwanken, sowie wechselnder Appetit, worauf eine

Lähmung der Nachhand und zuletzt auch Lähmung des Vorderkörpers

folgt; die Sensibilität ist während der ganzen Krankheitsdauer

erhalten. Der Tod tritt durchschnittlich nach 6-14 Tagen ein. Die

Prognose ist im allgemeinen günstig, bei ausgeprägtem Schwanken

dagegen ungünstig. -- +Dominik+ (Preuss. Mitt. 1858) fand bei

einem Pferd, welches während des Lebens Schwäche im Hinterteil,

taumelnden, unregelmässigen Gang, Schreckhaftigkeit, Aufregung

und Zusammenstürzen bei sonst normalen Funktionen gezeigt hatte,

bei der Sektion Ansammlung von Serum in den Rückenmarkshäuten. --

+Leistikow+ (Berl. Arch. 1892) sah bei 3 Pferden Erscheinungen

der akuten Kreuzlähmung, gesenkte Kopfhaltung, serös-eitrigen

Augenausfluss, starke Schwellung der Lider und Konjunktiven,

randförmige Trübung der Kornea, schwankenden Gang und starkes

Einknicken der Hintergliedmassen. -- +Rind+ (B. T. W. 1894) hat

in der Danziger Niederung oftmals Equisetumvergiftung und zwar

ausschliesslich in den Monaten Januar bis Mai und bei solchen Pferden

beobachtet, welche kein Körnerfutter erhielten. Die Erscheinungen

bestanden in unsicherem Gang, Muskelschmerzen, Schwäche der Nachhand

und Lähmung. -- 7 Pferde erkrankten nach der Aufnahme grosser Mengen

von Equisetum arvense im Streustroh unter dem Bilde der Kreuzlähmung

bei vollständiger freier Psyche und gutem Appetit; eines davon

starb an allgemeiner Lähmung. Die leicht erkrankten Pferde erholten

sich in 8 Tagen; bei 3 schwerer kranken hielt die lähmungsartige

Schwäche mehrere Monate an, 2 davon genasen erst nach 4 Monaten

(Pr. Mil.-Vet.-Ber. 1896). -- +Pruns+ (B. T. W. 1899) bezweifelt,

dass die Taumelkrankheit, welche er im Winter 1899/1900 mehrmals

bei Pferden beobachtet hat, durch Equisetum veranlasst wird, da

sie wiederholt in Besitzungen aufgetreten ist, deren Ländereien

frei von Equisetum sind. -- +Löfmann+ (Finische Vet.-Zeit. 1901)

sah bei einem Pferde, welches 4 Monate Equisetumheu gefressen

hatte, Bewegungen wie bei einem trunkenen Menschen; der Appetit

war gut. Nach 4 Tagen trat vollständige Heilung ein. -- +Zix+

(Woch. f. Tierheilk. 1905) hält eine bei Militärpferden in Landau

aufgetretene Erkrankung, die sich in Schwanken, Taumeln und Lähmung

der Hinterhand bei sonst ungestörtem Allgemeinbefinden äusserte, für

eine Schachtelhalmvergiftung. -- +Ludewig+ und +Wünsch+ (Zeitschr.

f. Vet. 1902) halten die im Sommer 1902 bei der 1. Eskadron des

2. Leibhusarenregiments in Danzig aufgetretene Massenerkrankung

(sog. „Lendenmarkseuche“) auf Grund des Krankheitsbildes,

der Futteruntersuchung und eines Fütterungsversuches für

Schachtelhalmvergiftung. Die Krankheitserscheinungen bestanden

hauptsächlich in Lähmung der Hinterhand, des Schweifes, der

Blase und des Penis bei gutem Appetit, freiem Bewusstsein und

Fieberlosigkeit. Von seiten des Proviantamts wurde gegen die Diagnose

Schachtelhalmvergiftung geltend gemacht, dass das beschuldigte, aus

der Danziger Niederung stammende Heu nur 0,04 Prozent Schachtelhalm

enthielt, während bei anderen Truppenteilen Heu mit einem

Schachtelhalmgehalt bis zu 0,3 Proz. ohne jeden Schaden verfüttert

wurde, dass das fragliche Heu ferner seit Monaten an sämtliche

Pferde der Danziger Garnison ohne Nachteil verabreicht wurde (nur

die 1. Eskadron des 2. Leibhusarenregiments erkrankte), und dass

die Krankheit noch fortdauerte, trotzdem seit einigen Wochen ganz

schachtelhalmfreies Heu verfüttert wurde. -- +Lohmann+ (Arb. d.

Deutschen Landw.-Ges. 1905; Fortschr. d. Vet.-Hyg. 1903) glaubt, dass

nicht die Akonitsäure, sondern alkaloidartige Nerven- und Muskelgifte

die Schachtelhalmvergiftung veranlassen („Equisetin“). Er fand solche

jedoch in grösserer Menge nur in Equisetum palustre. 600 g der

frischen oder 150 g der lufttrockenen Pflanze genügten, um ein junges

Kaninchen innerhalb einer Woche unter krampfartigen Erscheinungen

verenden zu lassen. Von Equisetum silvaticum waren über 3 kg frisches

Kraut nötig, um Kaninchen zu töten. Als ungiftig erwiesen sich

auch bei monatelanger, fast ausschliesslicher Fütterung Equisetum

arvense, pratense, maximum und limosum. -- +Reinecke+ (Monatshefte

f. prakt. Tierheilkde. 1903) hat Versuche mit Akonitsäure an Pferden

angestellt und bewiesen, dass diese ganz indifferente Säure nicht

das Schachtelhalmgift sein kann; Pferde ertrugen pro Tag 30 g, in 5

Tagen sogar 95 g Akonitsäure, ohne Krankheitserscheinungen zu zeigen.

-- +Pancerzynski+ (Beitr. z. Kenntnis des Equis. pal. und limosum.

Dorpat 1890) fand bei seinen Versuchen, dass Equisetum palustre auf

Wiederkäuer in hohem Grade giftig wirkte, während es von Pferden ohne

Schaden aufgenommen wurde. Das umgekehrte Verhältnis besteht bei

Equisetum limosum. Die entgegengesetzten Angaben der Literatur sollen

auf einer Verwechslung der beiden Arten beruhen (?). -- Der +Preuss.

Vet.-Ber.+ pro 1906 enthält einen Fall von Schachtelhalmvergiftung

bei 3 Pferden (Schreckhaftigkeit, unsicherer und taumelnder Gang;

Heilung 3 Wochen nach Futterwechsel). -- +Richter+ (B.T.W. 1907)

beschreibt 2 Fälle von Schachtelhalmvergiftung beim Pferd; auffallend

war der grosse gleichzeitige Gehalt des Futters an Riedgräsern

(Karex), die vielleicht durch Reizung der Darmschleimhaut zur

Vergiftung prädisponieren.

Vergiftung durch Buchweizen, Fagopyrismus.

Lehrbuch der Toxikologie für Tierärzte · 第 41 / 50 段